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Bauexperten auf dem SYSTEMS-Symposium:


05.10.1979 - 

Deutsches Bauwesen ist noch DV-Entwicklungsgebiet

MÜNCHEN (je) - Zwar muß der Computerisierungsgrad der deutschen Bauwirtschaft noch als unzureichend bezeichnet werden, es gibt aber schon Stimmen, die vor einer Überbürokratisierung - ausgelöst durch die EDV- warnen. Zu Beginn des Symposiums über den Bauwesen anläßlich der Münchener SYSTEMS appellierten die Sprecher der verschiedenen Lager an die notwendige Gemeinsamkeit bei der Schaffung DV-gestützter Bauwirtschaftssysteme.

Nach Begrüßungstorten von Seminarleiter Kurt Pauli (Zentralverband des Deutschen Baugewerbes) beschäftigte sich Dr. Heinrich Nagel als Branchensprecher in seiner Eröffnungsansprache mit der Ist-Situation - aus DV-Sicht - bei den Leuten vom Bau. Nagel konstatierte, der geringe Computerisierungsgrad sei vornehmlich darauf zurückzuführen, daß die rund 50 000 deutschen Betriebe der Bauwirtschaft ganz überwiegend Klein- und Kleinstbetriebe

EDV kein Jobkiller

seien. Nachdem nun das dritte DV-Programm der Bundesregierung ausgelaufen sei, könne man immer noch nicht sagen, daß der Weg für die Einführung der Datenverarbeitung frei sei. Dies gelte besonders für sehr kleine Betriebe Die Entwicklung sei nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß die Benutzerfreundlichkeit der Hardware noch zu wünschen übrig lasse, vor allem aber daß ein Defizit an geeigneter Anwendungssoftware bestehe. Nagel verband seine Forderung nach Verbesserung dieser Lage mit der Warnung vor einer "Überbürokratisierung" und "Überperfektion", den der Einsatz vor EDV mit sich bringen könne. Lösbar seien die Aufgaben der Zukunft am besten durch gemeinsames Vorgehen aller Beteiligten.

Nagel beendete seine Ansprache mit der klaren Feststellung, das Schlagwort vom Mikroprozessor als Jobkiller habe für die Bauwirtschaft keinerlei Geltung; eher könne man vom Gegenteil sprechen Auch der kleinste Betrieb werde sich der EDV auf die Dauer nicht entziehen können.

Die offizielle Seminareröffnung nahm dann Dr. Heribert Thul, Ministerialdirektor im Bundesverkehrsministerium, namens seines Dienstherrn Gscheidle vor. Thul gab die Auffassung seines Ministeriums kund, die vielen noch anstehenden EDV-Probleme seien durch gemeinsames Handeln am ehesten zu meistern. Er stellte dann in einem historischen Abriß dar, wie offen man in seiner Behörde der Datenverarbeitung schon

Weitere öffentliche Mittel zur DV-Förderung?

immer gegenübergestanden habe. Heute seien im Geschäftsbereich des Bundesverkehrsministers 100 Großrechneranlagen in Betrieb, und die jährlichen Aufwendungen für DV lägen bei 80 Millionen Mark.

Gleichsam zur Einstimmung auf den nächsten Referenten regte Seminarleiter Pauli an, zu prüfen, ob das von der Bundesregierung neu aufgelegte Bauforschungs-Rahmenprogramm (170 Millionen Mark bis 1983) nicht auch zur bauspezifischen DV-Förderung herangezogen werden könne.

Dr. Ulrich Meiswinkel, Ministerialrat im Bundesministerium für Wirtschaft, erläuterte dann Einzelheiten des Bonner Forschungsprogramms. Die ministerielle Forschungsförderung - so sein Exkurs in die behördliche Verteilungsphilosophie - sei vor allem an wirtschaftlichen Gesichtspunkten orientiert und basiere auf dem allseits anerkannten Subsidiaritätsprinzip. Zu Meinungsverschiedenheiten komme es allerdings immer wieder bei der praktischen Ausdeutung dieser Maxime. "Auch als Fiskus", betonte Meiswinkel an den Zuhörerkreis gewandt "hat der Staat ein Interesse an einer leistungsfähigen Bauwirtschaft." Gerade als größter - und permanenter - Auftraggeber ziehe die öffentliche Hand den meisten Nutzen aus Fortschritten auf diesem Gebiet.