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06.04.2001 - 

VDI relativiert Zahlen über Bedarf an Informatikern

Deutschland benötigt 30000 IT-Akademiker

HANNOVER (CW) - Angesichts der abweichenden Angaben über den Bedarf an IT-Spezialisten unternahm der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) auf der CeBIT den Versuch, die tatsächliche Zahl an fehlenden Computerexperten mit akademischem Abschluss aufzuschlüsseln.

So hatte der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom) Mitte März verkündet, es fehlten bis 2003 rund 3,8 Millionen IT-Spezialisten. Die Hochschulen seien jedoch außerstande, diesen Bedarf zu decken. Nach Ansicht von VDI-Präsident Hubertus Christ spiegelt diese Bitkom-Zahl die in ganz Europa fehlenden Fachleute wider. Auf Deutschland entfielen dabei 732000 nicht zu besetzende Positionen. Diese Zahl wiederum enthält auch benötigte Mitarbeiter in Call-Centern, im Zeitschriften- und Musikhandel sowie im Filmverleih - Stellen, die jedoch nicht mit Akademikern besetzt werden müssen. Tatsächlich fehlen hierzulande kurzfristig 55000 Softwareentwickler mit Hochschulabschluss. Der Verband beruft sich dabei auf eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus Nürnberg. Laut Christ sind die Bedarfszahlen der Industrie jedoch mit Vorsicht zu genießen, da manche Unternehmen die durch Fluktuation frei werdenden Stellen als zusätzlich benötigte Arbeitskräfte zählen. Den Neubedarf an IT-Experten mit Hochschulabschluss in Deutschland taxiert der VDI daher auf "nur" rund 30000 pro Jahr, was der Gesamtzahl aller Hochschulabsolventen aus technischen Fächern in diesem Jahr entspricht.

Nicht überraschend wirkt daher die Forderung des VDI nach einem anwendungsorientierteren Studium, da auf einen Arbeitsplatz in der IT-Kernbranche zwei applikationsbezogene kommen. Anders ausgedrückt: Auf einen Systementwickler entfallen zwei SAP-Anwendungsspezialisten. "Es wäre jedoch falsch, wenn nun alle Informatik studieren würden", so der Verband. Stattdessen sollten sich künftige Maschinenbauingenieure schon während des Studiums mit Software beschäftigen. Hier müssen sich wohl die Studieninhalte ändern, meint der VDI, bleibt aber die Antwort über die Art und Weise schuldig.

Wenig neu sind auch die Forderungen des Ingenieursverbands, ältere Akademiker umzuschulen, Ausländern, die an deutschen Unis ihren Abschluss gemacht haben, Arbeitserlaubnis zu erteilen, und mehr Frauen zu technischen Studiengängen zu ermuntern.

Wie das Statistische Bundesamt zur Eröffnung der diesjährigen CEBIT mitteilte, wird das Informatikstudium seit Mitte der neunziger Jahre beliebter. Dennoch sinken derzeit die Absolventenzahlen. Zurückzuführen ist dies auf den Rückgang der Studienanfänger in der ersten Hälfte der neunziger Jahre. Seit 1997 hat sich die Zahl der Informatik-Absolventen um zehn Prozent von 7100 auf 6400 verringert. Bis die nachrückenden Studenten, die Mitte der neunziger Jahre das Studium aufnahmen, ihr Diplom in der Tasche haben, müssen sich die Unternehmen mit Personalmangel noch gedulden, denn die Informatikausbildung an Universitäten dauert durchschnittlich 13 Semester, an Fachhochschulen zehn Semester.

Erfreulicher erscheint die Szenerie in vier bis sechs Jahren. Im Wintersemester 1999/2000 begannen 28100 Studierende mit ihrer Hochschulausbildung Informatik, mehr als doppelt so viele wie 1995/1996 (12900). Für das Wintersemester 2000/2001 ist mit einem weiteren Anstieg der Erstsemesterzahlen um ein Drittel zu rechnen.

Abb: Viele Studienanfänger - wenig Absolventen

Mehr als verdoppelt hat sich die Zahl der Studierenden im Wintersemester 99/00. Quelle: Statistisches Bundesamt