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02.02.2009 - 

Gut gerüstet für das Jahr 2009

Deutschland, du hast es besser

02.02.2009
Und es gibt sie doch. Die Stimmen, die fordern, es möge bitte schön endlich Schluss sein mit Weltuntergangsszenarien und immer noch grauenerregenderen Katastrophenmeldungen.

Man mag von Günter Verheugen halten, was man will. Mindestens einmal aber dürfte er einer schweigenden Mehrheit in Deutschland aus dem Herzen gesprochen haben: "Schluss mit solchen Weltuntergangsszenarien!" polterte der EU-Industriekommissar auf die Frage von "Spiegel online", ob die USA good old Europe nicht "zwangsläufig mit in den Abgrund reißen" würden.

Die Rede war - natürlich - von der Finanz- und Wirtschaftskrise. Verheugen dürfte mit seiner Antwort auch auf die Medien gezielt haben. Diese wirken in der Tat so, als lieferten sie sich einen Wettstreit darüber, wer den gruseligsten Abgrund ausgemacht hat. Klaus Zimmermann, der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), beklagte denn auch in einem Beitrag für die Internet-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung", dass "durch die Medien Dramatik inszeniert wird, indem Negativmeldungen überzeichnet und Positivmeldungen schlicht ignoriert werden".

Wie golden ist Schweigen?

Zimmermann war intelligent genug, die Geißel auch gegen sich selbst und die gesamte Prognostikerzunft zu schwingen. Der gegenwärtig zu beobachtende "Abwärtslauf der Prognosen" berge die große Gefahr, "die Schwere und Länge der Wirtschaftskrise zu verschärfen". Es folgte, was in der gesamten Bundesrepublik aufhorchen ließ: Zimmermann überlegte laut, "ob es nicht besser wäre, auf die Veröffentlichung von neuen Prognosen für eine Weile zu verzichten".

Der Vorsatz hielt bis zum 7. Januar 2009. Dann konnte es sich das DIW nicht versagen, einen Rückgang der deutschen Wirtschaftsleistung von 1,1 Prozent vorherzusehen, allerdings garniert mit dem positiven Ausblick, zum Ende des laufenden Jahres könne es schon wieder aufwärtsgehen. Für 2010 sei bereits wieder ein Wachstum zu erwarten.

Schuldzuweisungen in Richtung Medien und Marktforschung hält Thomas Straubhaar für verfehlt. Der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) meint, es sei es eine typisch menschliche und richtige Verhaltensweise, schlechte Nachrichten stärker wahrzunehmen als gute: "Das hat, wenn Sie so wollen, mit der menschlichen Reaktion zu tun: Wenn Sie eine schlechte Nachricht bekommen, müssen Sie sofort darauf reagieren, damit nicht eine noch schlechtere Situation eintritt." Hier decken sich die Meinung des Wirtschaftswissenschaftlers mit denen des Gehirnforschers Ernst Pöppel (siehe "Politiker und Blondinen sind eben so" auf Seite 6 ff.).

War die Lage tatsächlich noch nie so ernst?

Übertreibungen im negativen Sinn haben in Deutschland Tradition. Ein Evergreen unter den raunenden Orakeln ist bis heute Konrad Adenauers "Die Lage war noch nie so ernst." Diese Mahnung nahm Die ZEIT rund 40 Jahre später im Mai 1993 auf und ließ alle Hoffnung zur Zukunft des vereinten Deutschland fahren. "Noch nie war die Lage so ernst wie heute. Das vereinte Deutschland steht vor dem wirtschaftlichen Niedergang." So schlimm wurde es dann doch nicht. Heute aber stehen einmal mehr düstere Zeichen an der Wand.

Spannender als Selbstgeißelungen

Eingedenk der erneut dräuenden Schicksalsstunde sind Ansichten zur Krise, wie sie der prominente Ökonom Stefan Homburg zum Besten gibt, spannender als Selbstgeißelungen. Homburg schrieb der Frankfurter Allgemeinen Zeitung ins Protokoll, die Lage sei bei weitem nicht so ernst. Vielmehr werde sie "nur dramatisiert". Homburg schob den bedenkenswerten Teilsatz nach: "...vor allem durch interessierte Kreise". Als Beispiel nannte er ein Gespräch zwischen dem Bundesfinanzminister Peer Steinbrück und dem Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann. Danach habe Steinbrück gesagt: "Wir haben in einen Abgrund geblickt." Diesen Abgrund jedoch habe Ackermann dem obersten deutschen Finanzchef lediglich vorgespielt. Glaubt Homburg. Letztlich seien nämlich die Kreditvergaben und Bürgschaften des Staates an andere Banken - die Ackermann für sein eigenes Institut mit Vehemenz ablehnt - indirekt auch für die Deutsche Bank von Vorteil. Das Institut bekomme so mit größerer Sicherheit geliehenes Geld wieder zurück. Klarer Fall also von Lobbyismus, was Ackermann da beim deutschen Chef-Kassenwart betrieben habe.

Straubhaar kann dieser Meinung von Homburg viel Sympathien abgewinnen: "Bei dieser Aussage würde ich ihm zu 100 Prozent zustimmen." Man dürfe sich keinen Illusionen hingeben: Es gebe "starke Interessengruppen, denen es ein sehr großes Anliegen ist", dass die jetzige Finanzmarktkrise das politische Handeln massiv beeinflusse. "Da versuchen viele Interessengruppen, ihre Situation noch zu retten oder zu verbessern."

Selbst Hellseher irrten

Nicht ganz zu Unrecht geißeln sich einige Prognose-Institute wegen ihrer wenig treffsicheren Voraussagen zur Finanz- und Wirtschaftskrise. Nun ist es bekanntlich kein so leichtes Ding mit Vorhersagen, vor allem, wenn diese die Zukunft betreffen - dieses Bonmot kennt man. Es mag die Wirtschaftsexperten trösten, dass nicht einmal professionelle Hellseher im Jahr 2008 den rechten Durchblick behielten.

Das zumindest förderte eine Analyse zutage, die die Gesellschaft zur wissenschaftlichen Untersuchung von Parawissenschaften e.V. (GWUP) Ende 2008 anstellte. Sie nahm über 150 Vorhersagen von Hellsehern unter die Lupe und kam zu dem Ergebnis, dass die Seher wohl mit Blindheit geschlagen gewesen sein müssen.

Kaum eine Prognose traf ein. Der Dax erreichte im November 2008 kein Jahreshoch, das zwischen neun- und zehntausend Punkten liegen sollte. Auf die angeblich exakt am 14. Oktober 2008 auf der Erde anstrandenden Außerirdischen warten wir noch immer - mutmaßlich sind sie mit der Deutschen Bahn unterwegs. Erfreulich für die Franzosen zerlegte es auch den Triumphbogen nicht. Keine Aufwartung machte schließlich auch das avisierte Monsterkarnickel in der englischen Grafschaft Surrey.

Diese Aussage weist auch auf ein Phänomen, das in Krisenzeiten so unweigerlich aufpoppt wie Puffmais in der Pfanne: Smarte Katastrophen-Manager nutzen die schweren Zeiten, um von ihren eigenen Unzulänglichkeiten als Unternehmensführer abzulenken. HWWI-Direktor Straubhaar meint dazu: "Ich sage jetzt vielleicht etwas Böses und nehme es dann auch nicht wieder zurück: Einige Firmen weltweit und auch in Deutschland nutzen die Finanzkrise als Vorwand und als Generalabsolution, um von strukturellen Problemen abzulenken, die sie seit langem haben."

Blendende Ausrede für eigenes Versagen

Straubhaar, der ständig mit Vertretern von Unternehmen aller Größenordnungen spricht, kann das öffentliche Unbehagen an manchen Klagen aus Unternehmenskreisen nachvollziehen: "Natürlich gibt es auch die Firmen, die mir gegenüber klagen. Wenn ich dann genauer nachfrage, stelle ich fest, dass deren Probleme weniger mit der Konjunktur zu tun haben als vielmehr mit strukturellen Schwierigkeiten." Beispiel Autozulieferer, die wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise jammern. Bei genauerer Betrachtung lasse sich feststellen, "dass deren Probleme mehr mit den Überkapazitäten in der Automobilindustrie zu tun haben". Ähnliche Schwierigkeiten kann man etwa auch in der Handy-Sparte oder der Halbleiterbranche beobachten.

Kritiker Homburg beurteilt derlei Krisentiraden von Managern recht drastisch: Für jede unternehmerische Fehlentscheidung stehe jetzt mit der "angeblich einmaligen Finanz- und Wirtschaftskrise eine blendende Ausrede zur Verfügung", um eigene Management-Fehler zu kaschieren.

Blindflug Prognose

Wie volatil Zukunftssichten zur Wirtschaftsentwicklung sind, zeigt ein kursorischer Blick über die Aussagen der Experten. Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses spreizten sich die Vorhersagen von einer Stagnation der Wirtschaft, wie sie die fünf Wirtschaftsweisen erwarteten, über einen geringen Wirtschaftsrückgang in Deutschland von minus 0,8 Prozent (Bundesbank und IWF), minus 0,9 Prozent (OECD), bis zu einem Minus von 2,3 Prozent, das die Bundesregierung befürchtet, und schließlich sogar minus 2,7 Prozent, wie es das Kieler Institut für Weltwirtschaft berechnet hat. Alle anderen Institute (RWI, IW, IWH, IMK, Ifo) pendeln zwischen diesen Größenordnungen.

Vielen Unternehmen dürfte die Krise deshalb gerade recht kommen. Jetzt können sie hausgemachte Fehler im Verborgenen korrigieren, ohne dass ihnen eine misstrauische Öffentlichkeit den Spiegel vorhält.

Da haben Großkonzerne - ironisch gesprochen - einen echten Wettbewerbsnachteil. Ihnen fällt es bedeutend schwerer, ihr riskantes Geschäftsgebaren der Vergangenheit heute unter Zuhilfenahme staatlicher Zuwendungen im Verborgenen zu kompensieren.

Schwergewichte der deutschen Wirtschaftsszene wie etwa die Dresdner Bank lassen sich die Übernahme der Commerzbank großzügig vom Staat alimentieren - ohne dass übrigens irgendjemand Rücksicht auf wettbewerbsrechtliche Fragestellungen nehmen würde. HWWI-Chef Straubhaar sieht diesen Vorgang kritisch: "Das ist betriebswirtschaftlich ein hochriskantes Unterfangen gewesen." Straubhaar fragt sich, "wieso ausgerechnet jetzt, da die Risiken so gewaltig sind und andere Probleme zusätzlich dazukommen, wieso es da im öffentlichen Interesse sein soll, dass der Steuerzahler einspringen und die betriebswirtschaftlichen Risiken übernehmen soll, die ja eigentlich der Aktionär schultern müsste?"

Geburtshelfer für bereits bekannte Risiken

Der Staat betätigt sich hier als Geburtshelfer für eine neue Großbank. Das ist unverständlich insofern, als eine der Ursachen der heutigen Finanzmarktkrise genau in dem Argument begründet liegt, dass die Banken zu groß geworden sind, um sie im Fall von Havarien einfach ihrem privatwirtschaftlichen Schicksal zu überlassen. Eben die Größe von diversen Banken hat ja dazu geführt, dass ein privatwirtschaftliches Problem plötzlich ein öffentliches geworden ist. Straubhaar: "Über dieses 'Too big to fail' war man sich immer im Klaren. Insofern akzeptiere ich das auch." Ausgerechnet jetzt aber mit staatlicher Unterstützung eine weitere Großbank zu etablieren, das "halte ich dann doch für sehr erklärungsbedürftig".

Ähnlich beurteilt der HWWI-Oberste die Übernahme von Continental durch die Schäffler Gruppe. Auch hier sollen unternehmerische Risiken auf den Staat übertragen werden. Dabei war "die Übernahme von Conti betriebswirtschaftlich immer eine Herausforderung".

Es gibt sie noch, die guten Nachrichten

Eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation zeigt dabei nicht nur, dass sich Unternehmen mit politischer Rückendeckung einiger struktureller Probleme entledigen wollen. Sie zeigt ebenfalls, dass die Lage insgesamt nicht so schlecht ist, wie sie vielleicht scheint. Entgegen allen pessimistischen Erwartungen zeigte sich etwa der deutsche Konsument in der Weihnachtszeit als überraschend krisenresistent. Bernd Ohlmann vom Landesverband des Bayerischen Einzelhandels zeigte sich hoch zufrieden mit der Adventsbilanz. Zum Ende des Weihnachtsgeschäfts konstatierten die Marktforscher der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ein ungebrochenes Konsumklima. Zudem glaubt die GfK, dass 2009 der private Verbrauch ansteigen könnte. Zwar lediglich um 0,5 Prozent - aber immerhin.

Eine Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) unter mehr als 1650 Firmen des Mittelstands ergab zudem Anfang Dezember, dass über die Hälfte (52 Prozent) ihre eigene Geschäftssituation als gut oder sogar sehr gut ansehen. Lediglich 18 Prozent beurteilen die Lage als schlecht oder sehr schlecht. Zudem zeigte eine Befragung von 6000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland durch die Union Mittelständischer Unternehmen (UMU), dass 55,5 Prozent der antwortenden Firmen auch 2009 investieren wollen.

Innovative Produkte, gute Prozesse = Erfolg

In der ITK-Szene machen nicht zufällig die Unternehmen gute Geschäfte, die entweder durch innovative Produkte oder durch geordnete Prozesse oder durch beides bewiesen haben, dass sie gut aufgestellt sind. Wie wichtig es dabei für den Erfolg eines Unternehmens ist, in verschiedenen Disziplinen zu reüssieren, zeigt Nikolaus Franke auf. Der Professor am Institut für Entrepreneurship und Innovation der Wirtschaftsuniversität Wien ist der wissenschaftliche Kopf des Wettbewerbs "Top 100". Mit diesem werden mittelständische Unternehmen ausgezeichnet, die sich durch ihre Innovationsfähigkeit auszeichnen.

Hirn schlägt Emotion - oder war's umgekehrt?

Wirtschaftswissenschaftlern ist der Begriff Framing-Effekt bekannt. Dieser wurde 1979 von Daniel Kahnemann und Amos Tversky entwickelt. Der Psychologe Kahnemann erhielt hierfür 2002 den Nobelpreis - interessanterweise für Wirtschaftswissenschaften. Tversky war zu dem Zeitpunkt schon verstorben.

Kahnemann fand heraus, dass der Mensch gleiche Inhalte ganz unterschiedlich wahrnimmt und bewertet, je nachdem, welche Rahmenbedingungen (Frames) vorliegen und wie Dinge sprachlich eingekleidet werden. Hintergrund für diese Verhaltensweise ist laut Kahnemann, dass der Mensch insbesondere bei komplexeren Problemen gerne zu Vereinfachungen greift - eine These, die der Gehirnforscher Ernst Pöppel bestätigt.

Mit seiner Beobachtung wendet sich Kahnemann im Prinzip gegen die lange vertretene Theorie, dass der Mensch seine Entscheidungen immer nach rationalen Gesichtspunkten trifft. Der Homo sapiens ist danach bei weitem nicht nur ein Homo oeconomicus.

Diese Erkenntnis hat auch Folgen für die Interpretation statistischer Angaben, wie Walter Krämer betont. Der Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik am gleichnamigen Institut der Technischen Universität Dortmund betont die große Rolle, die der FramingEffekt insbesondere auf der psychologischen Ebene spielt.

Wie man durch sprachliche Verschleierungstaktiken Menschen bewusst zu Fehleinschätzungen verleiten kann, zeigt Krämer - der auch Vorstand im Verein Deutsche Sprache e.V. ist - an einem einfachen Beispiel: "Den meisten Leuten ist nicht bewusst, dass es in Deutschland in der Kfz-Haftpflichtversicherung einen Straftarif für Männer gibt. Er wird nämlich nicht so genannt. Er heißt Rabatt für Frauen."

Neurobiologen wie Benedetto De Martino vom University College London, die sich mit dem Framing-Effekt intensiv auseinandergesetzt haben, kommen übrigens zu dem Ergebnis, dass Menschen, die rationaler entscheiden, durchaus nicht zu weniger Emotionen fähig sind: "Sie regulieren sie nur besser."

Für sie gilt, was auch für den Erfolg der Googles und Apples dieser Welt relevant ist. Franke sagt, erfolgreiche Unternehmen seien nicht nur in einer bestimmten Eigenschaft gut. Vielmehr "ist Innovativität bei ihnen eine grundsätzliche, tief verankerte und langfristige Organisationseigenschaft". Diese Unternehmen hätten eine auf Innovation gerichtete Führung, zudem werde ein auf Kreativität und Flexibilität ausgerichtetes Klima gepflegt. Für Franke außerdem entscheidend: "Anreizsysteme sind dort nicht lediglich auf Fehlervermeidung und Angepasstheit ausgerichtet."

Der Wissenschaftler schlägt in die gleiche Kerbe wie die Ökonomen Homburg und Straubhaar. "In einigen Unternehmen, die jetzt klagen, wurden die Fehler schon lange vorher gemacht - die Innovationsfunktion wurde nicht ernst genug genommen. Jetzt rächt sich das. Schauen Sie sich die US-Autoindustrie an, da sieht man das sehr deutlich." Innovation sei eben eine Investition in die Zukunft.

Was laut Franke für den Wettbewerb "Top 100" gilt - dessen teilnehmende Unternehmen seien überdurchschnittlich wachstumsstark, ertragreich und finanziell gesund -, gilt auch im internationalen Rahmen. IBM meldete gegen Ende Januar 2009 ein sehr erfolgreiches Quartal: Bei sinkenden Umsätzen konnte der Gewinn gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um zwölf Prozent auf 4,4 Milliarden Dollar im Vierteljahr zulegen. Unternehmenschef Sam Palmisano merkte denn auch selbstbewusst an, es gebe kein Unternehmen, dass in der ITK-Zunft mehr verdiene.

Apple ließ sich nicht lumpen und meldete zum gleichen Zeitpunkt das beste jemals erzielte Quartalsergebnis sowohl beim Umsatz als auch beim Gewinn. EMC schloss das Jahr 2008 mit dem höchsten Jahresumsatz in der Unternehmensgeschichte ab. Der Gewinn stieg um 14 Prozent gegenüber 2007 (nach Non-GAAP).

Der Suchmaschinenbetreiber Google musste zwar im vierten Quartal 2008 einen Gewinnrückgang hinnehmen. Dieser war aber lediglich auf Einmalbelastungen zurückzuführen. Gleichzeitig überraschte das Unternehmen die Analysten sowohl beim Umsatz als auch beim Profit mit besseren als erwarteten Geschäftsergebnissen.

Gut gerüstet in der Krise

Auch ein Großteil der deutschen Unternehmen hat in den vergangenen Jahren verantwortlich gewirtschaftet und sich eine solide Wirtschaftsbasis erarbeitet. Diese Tatsache wird von höchster Stelle bestätigt. Die Bundesbank hat in ihrem Monatsbericht vom Januar 2009 festgestellt, dass deutsche Firmen für die Konjunktur- und Finanzkrise gut gerüstet seien. Grund hierfür seien die soliden Finanzierungsverhältnisse. Wörtlich schreibt die Bundesbank, es gebe eine "bemerkenswerte Bestandsfestigkeit" der Unternehmen. Die Eigenkapitalquote sei hoch, langfristig stehe den Unternehmen reichlich Kapital zur Verfügung. Bei einer moderaten Lohn- und Gehaltsentwicklung in den vergangenen Jahren habe sich die Gewinnsituation der Firmen positiv entwickelt. Einmal abgesehen vom Einzelhandel, erfreuten sich im Prinzip alle Wirtschaftszweige einer positiven Ertragslage.

Das hört sich nicht so schlecht an - und HWWI-Chef Straubhaar unterstützt diese Aussage: "Das kann ich nur bestätigen aus den Erfahrungen vieler Gespräche überall in Deutschland mit kleinen und mittelständischen Unternehmen." Er stelle immer wieder fest, dass sehr viele Firmen "in den schwierigen Jahren der ersten Hälfte des Jahrzehnts und in den guten Jahren 2006 bis 2008 ihre Hausaufgaben ganz exzellent erledigt haben". Sie seien bezüglich ihrer Prozesse und Produkte, die sie anbieten, "sehr gut aufgestellt". Auf der Finanzierungsseite seien sie zwar noch verbesserungsfähig. "Aber sie haben ihre Eigenkapitaldecken vergrößert, sie haben Reserven zur Seite gelegt."

Viele deutsche Weltmarktführer

Zu den Stärken Deutschlands zählt der Schweizer Straubhaar vor allem die in den vergangenen Jahren von vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen gewonnene Technologieführerschaft. Viele deutsche Unternehmen seien Weltmarktführer und hätten sich von der reinen Produktherstellung zu einer prozessgeleiteten Wertschöpfungskette entwickelt - mit hochwertigen Gütern. "Diese Stärke wird auch die Finanzmarktkrise überleben, selbst wenn wir nicht völlig ungeschoren bleiben."

Die ITK-Branche, so das Urteil von Straubhaar, werde zwar sicher nicht unberührt bleiben von der Krise. "Aber sie wird doch auf hohem Niveau relativ geringe Einbußen in Kauf nehmen müssen und dann wieder unverändert mit neuen Ideen und Technologien in 2010 Fahrt aufnehmen."

Keine Überreaktionen

"Meine Empfehlung lautet, eine Krise als etwas völlig Normales anzusehen. Man sollte sich davor hüten zu sagen, diese Krise ist jetzt überwältigend negativ für mich. Das führt häufig zu Überreaktionen. Das Leben ist ein Auf und Ab, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Wir sind immer in Zyklen unterwegs."

Kurze und milde Rezession

Es bleibt somit abzuwarten, wie sich die Finanz- und Wirtschaftskrise hierzulande auswirken wird. Auf die Frage, wie schlimm die Krise denn nun wirklich wird, antwortet Straubhaar im COMPUTERWOCHE-Gespräch: "Wir bleiben unverändert optimistisch. Natürlich steckt Deutschland in der Rezession. Aber es gibt immer noch eine Menge guter Gründe, davon auszugehen, dass diese Rezession vergleichsweise kurz und mild wird." Dadurch, dass Deutschland in den vergangenen zwei Jahren relativ gut dastand, "können wir die Situation jetzt auch relativ gut verkraften". Das HWWI bleibe optimistisch, dass sich die Wirtschaft ab 2010 wieder berappeln und es dann wieder Wachstum geben werde.

Eines der besten Jahre aller Zeiten

Und selbst wenn in diesem Jahr das Bruttoinlandsprodukt um zwei Prozent einbrechen würde, "wird 2009 trotz der Krise noch eines der besten Jahre aller Zeiten werden, das wir jemals erlebt haben", so Straubhaar.