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11.08.2008 - 

Kolumne

Deutschland ohne ITK-Zukunft?

Siemens trennt sich von seiner Gigaset-Sparte? Eigentlich wäre diese Nachricht nur eine Randnotiz wert - die schnurlosen Telefone von Siemens genießen zwar einen guten Ruf, von strategischer Bedeutung sind sie aber nicht.

Dennoch markiert der Verkauf der SHC-Sparte für Siemens eine Zäsur in der Konzerngeschichte und für Deutschland womöglich den Schlussstrich unter eine Epoche. Siemens verabschiedet sich mit SHC als letztem TK-Überbleibsel von einer über 160-jährigen Geschichte als Communications-Player, die 1847 mit der Gründung der "Telegraphen-Bauanstalt von Siemens & Halske" in Berlin begonnen hatte. Unter Shareholder-Value-Aspekten mag die Entscheidung richtig sein, zumal der Münchner Konzern schon lange nur noch, wie Mitarbeiter sarkastisch witzeln, eine Bank mit angeschlossener Bastelbude sei. Industriepolitisch ist der Schritt dagegen fatal: Nach Siemens` Ausstieg aus dem TK-Business spielt Deutschland in diesem Geschäft de facto keine Rolle mehr. Für Zukunftsthemen wie Unified Communications, NGN, IPTV, 4G-Mobilfunk, LTE und Wimax wird hierzulande zwar an den Hochschulen wegbereitende Grundlagenforschung betrieben, wirtschaftliche Werte und Arbeitsplätze entstehen aber woanders. Während Konzerne wie Cisco, Nortel, Microsoft oder Alcatel-Lucent die genannten Themen als Megatrends sehen, setzen die Münchner lieber auf Energie und Medizintechnik.

Mit Siemens verliert Deutschland seinen letzten Player, der in der internationalen TK-Oberliga mithalten konnte, nachdem bereits Firmen wie Bosch Telecom, Detewe oder Tenovis die Segel streichen mussten. Sicher, wir haben noch Unternehmen wie AVM, Swyx oder Snom. Diese spielen aber technologisch betrachtet höchstens auf Kreisklassen-Niveau. An den Techniken, die das Kommunikationsleben in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts bestimmen werden, arbeitet Deutschland nicht mit. Ob es sich ein rohstoffarmes Land wie die Bundesrepublik, das primär von seinem Wissen und dessen Verkauf lebt, leisten kann, dass zentrale Bestandteile seiner Kommunikationsinfrastruktur künftig aus Ländern wie China oder den USA stammen, deren Regierungen für ihre Abhörfreudigkeit bekannt sind, mag jeder für sich selbst beantworten.

Und der Ausverkauf der Zukunft geht weiter. Wenn sich Siemens tatsächlich von FSC trennen sollte, steht Deutschland auch in Sachen IT-Hardware blank da.