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02.07.1999 - 

Schwere Zeiten für Domino-Workflow-Anbieter

Devcon 99: Lotus bringt Runtime-Services für den Browser

Die Entwicklerkonferenz Devcon stand in diesem Jahr unter anderem im Zeichen der "Domino Runtime Services" (DRS), die einem Web-Browser zahlreiche Notes-Funktionen erschließen. Stark beachtet wurde auf der Lotus-Veranstaltung auch der Einstieg des Herstellers in den Workflow-Markt sowie der Applikations-Server "Enterprise Solution Builder". Volker Weber* berichtet von der Konferenz in San Franzisko.

DRS zeichnet sich vor allem durch die Möglichkeit aus, Web-Anwendungen offline zu nutzen. Damit ergibt sich ein deutlicher Fortschritt gegenüber der bloßen Betrachtung bereits heruntergeladener Seiten, wie es Microsofts "Internet Explorer" oder Net- scapes "Navigator" derzeit erlauben. DRS ermöglicht darüber hinaus die Bearbeitung von Inhalten. Auf diese Weise ließe sich beispielsweise Web-Mail auch offline bearbeiten.

Derzeit nutzt Lotus eine spezielle DRS-Version für das eigene Produkt "Quickplace", eine Teamanwendung für das Web. Dort ist eine Option vorgesehen, die Arbeit offline fortzusetzen. Der Browser benötigt dazu einen Satz von Active-X-Komponenten oder Netscape-Plug-ins, die automatisch installiert werden. Quickplace erkennt anschließend selbständig, ob diese Komponenten vorhanden sind, und verzichtet auf den Download. Aufgrund der immerhin insgesamt 15 MB großen Programme empfiehlt es sich, diese von der CD vorab zu installieren.

Im vierten Quartal will Lotus eine generische DRS-Version zum Betatest freigeben, mit der Domino-Entwickler Programme für solche Anwendungen schreiben können. Zu diesem Zeitpunkt soll neben dem Preis auch die endgültige Verfügbarkeit geklärt sein. Neben der Windows-Version erwägt Lotus eine OS/2-Portierung: Dadurch ließe sich möglicherweise ein großer Teil des Drucks abbauen, den deutsche OS/2-Kunden speziell aus dem Finanzdienstleistungssektor auf Lotus ausüben, seit die Einstellung des OS/2-Notes-Clients bekannt wurde.

Einen weiteren Vorhang hob Lotus auf der Devcon für "Domino Workflow 2.0", eine erste echte Workflow-Lösung des Hauses, die aus dem mit der Firma Onestone übernommenen Produkt "Prozessware" hervorgegangen ist. Die wichtigsten Entwickler von Onestone wechseln demnächst nach Cambridge, Massachusetts, um die Weiterentwicklung des Produkts voranzutreiben.

Domino Workflow erlaubt die Trennung von Anwendungslogik, Aufbau- sowie Ablauforganisation und ermöglicht damit eine flexible Gestaltung von Arbeitsabläufen. Prozesse im Workflow werden nicht von Person zu Person, sondern von Stelle zu Stelle weitergeleitet. Dadurch entstehen Workflow-Anwendungen, die sich wesentlich leichter an organisatorische Veränderungen anpassen lassen.

Die neue Version ist ab Ende Juni in Englisch und Ende Juli in Deutsch verfügbar. Bislang sind nur die amerikanischen Preise bekannt: Knapp 10000 Dollar pro Server der Workflow-Engine (zusätzlich zu den Domino-Lizenzen) und 60 Dollar pro Benutzer. Das Entwicklungswerkzeug "Workflow Architect" soll rund 2500 Dollar kosten. Ein "Workflow Viewer" zur Überwachung der Prozesse ist im Paket ohne Mehrkosten enthalten.

Man kann davon ausgehen, das, ähnlich wie "Domino Doc" für einige Verschiebungen im Bereich Dokumenten-Management-Systeme gesorgt hat, auch Domino Workflow Veränderungen im entsprechenden Marktsegment bewirken wird: Immerhin kann das Produkt jetzt von den komplexen Vertriebskanälen profitieren, die Lotus, IBM und deren Business-Partner unterhalten. Für Anwender bedeutet dies ein Gefühl der Sicherheit, einige Workflow-Anbieter dürften sich dagegen erheblich bedroht fühlen. Die Gefahr kommt vor allem durch die von Lotus vorangetriebene Integration in die Domino-Familie. So ist Workflow 2.0 bereits auf die nächste Domino-Doc-Version vorbereitet. Entsprechend schwer wird es für die Business-Partner, dagegen eigene Lösungen zu positionieren.

Zu den Überraschungen auf der Devcon darf auch der "Enterprise Solution Builder" (ESB) gezählt werden, der von IBM in Japan entwickelt und bisher dort als "LS Cube" vermarktet wurde. ESB ist ein Applikations-Server, der Lotusscript-Agenten ausführt und über zahlreiche Verbindungen zu Back-end-Systemen verfügt, darunter Domino, Oracle und DB2. Die Begründung für dieses Produkt ist relativ einfach: IBM hat in Japan festgestellt, daß es eine große Anzahl von Programmierern gibt, die Servlets schreiben wollen, dabei aber lieber mit Basic (Lotusscript beruht auf Basic) als mit Java entwickeln wollen. Grundsätzlich könnte auch ein Domino-Server diese Agenten ausführen, ist aber laut Lotus bei weitem nicht so performant wie ESB.

Bislang ermöglicht Lotus, Web-Anwendungen außer mit Domino-Designer auch mit "Frontpage 98" oder Netobjects "Fusion 4.0" zu entwickeln. Über kostenlos erhältliche Domino-Design-Components können zum Beispiel Domino Views in Frontpage eingefügt werden. Lotus kündigte nun an, ab dem vierten Quartal auch Frontpage 2000 und Macromedias "Dreamweaver 2.0" zu unterstützen. Zudem wird es ein Development-Kit geben, das auch anderen Softwareherstellern ermöglichen soll, Domino Components in die eigenen Tools aufzunehmen. Lotus möchte sich offenbar von der Pflicht befreien, selbst für jedes populäre Werkzeug tätig werden zu müssen.

Mit der Unterstützung von Microsofts Component Object Model (COM) will Lotus weitere Entwickler für Domino-Anwendungen gewinnen. Es werden 30 Klassen mit 611 Methoden und Objekten zur Verfügung gestellt. Da sich diese Klassen nun nicht mehr nur aus Lotusscript, sondern auch mit Java und Javascript sowie im COM nutzen lassen, hat Lotus den neuen Namen "Domino Objects" eingeführt.

*Volker Weber ist freier Journalist in Darmstadt.