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11.01.1985 - 

Absicherung bei Kursturbulenzen - Instrumente mit definiertem Risiko:

Devisenoptionen verkleinern Geschäftsrisiko

MÜNCHEN (aw) - Der US-Dollar steigt seit vier Jahren mit zuletzt ungewöhnlich heftigen Kursschwankungen und riesigen Umsätzen an den Kassa- und Terminmärkten. Die Ursachen für die außergewöhnlichen Kursbewegungen sind hinterher oft nur schwer erkennbar. DV-Händler, die Jedoch kurzfristig Waren und Devisen mit dem Dollarraum austauschen, sollten den Kursschwankungen vorbeugen. Die Instrumente der Wechselkursabsicherung sind vielfältig wie die folgenden Möglichkeiten beweisen.

Der Rückgang der US-Währung in den vergangenen Wochen - verursacht vor allem durch den Rückgang der Zinsen - scheint zunächst zuende zu sein. Wichtige Marktteilnehmer leben mit dem ständigen Zwang, Dollar kaufen zu müssen. Dies sind insbesondere Dollarschuldner, die den "Greenback" für Zins und Tilgung aufzubringen haben. Der Dollar ist international die am dringendsten gesuchte "Ware". Er ist deshalb gegen allzu starke Kursrückschläge abgesichert, da schon nach geringen Kursrückgängen Käufer auf den Plan treten, um ihren Bedarf zu decken.

Die Mark-Guthaben auf dem Euromarkt und bei Ausländern liegen zur Zeit bei etwa 240 Milliarden Mark. Davon dürften in den nächsten Monaten 50 bis 70 Milliarden Mark in den Dollarraum abwandern. Der Renditevorteil für eine Anleihe mit 10 Jahren Laufzeit (bei vergleichbarer Bonität) beträgt zur Zeit 5 Prozent. Das sind 50 Prozent Zinsvorteil während der gesamten Laufzeit. Werden diese Zinsen thesauriert, bedeutet das auf zehn Jahre gerechnet einen Ertragsvorteil von sogar 65 Prozent.

Dieser Renditevorteil befreit langfristig orientierte Anleger weitgehend von der Problematik der Dollarabsicherung. Immer wieder angeführte Kaufkraftvergleiche zwischen Mark und US-Dollar von 1 : 1 verlieren angesichts des weiter steigenden Dollarbedarfs an Bedeutung. Ein Vergleich im kleinen: Wer in die Schweiz reist, findet die Kaufkraft des Schweizer Franken vergleichbar hoch zur Kaufkraft der Mark. Dennoch notiert der Schweizer Franken 20 Prozent über der Mark.

Zu den klassischen Sicherungsmitteln zählt das Devisen-Termingeschäft. Bei einem Terminverkauf des Dollars auf sechs Monate muß mit einem Abschlag von 5,8 Pfennig gerechnet werden. Der Abschlag für den Terminverkauf auf ein Jahr beträgt 12,6 Pfennig. Es entstehen somit etwa 4 Prozent Absicherungskosten pro Jahr.

Man sichert sich bei diesem Geschäft einen Verkauf des Dollars in zwölf Monaten zum heutigen Kurs minus 12,6 Pfennig. Sollte der Dollar in diesem Zeitraum stärker zurückfallen, so verliert man über den Abschlag hinaus nichts.

Steigt der Dollar in den nächsten zwölf Monaten, so erhöht sich zwar der Wert des Dollarzuflusses in Mark. Durch den Terminverkauf wird dieser Vorteil jedoch an den Terminkäufer abgegeben.

Diese Abtretung kann bei sehr stark steigendem Dollar besonders ärgerlich sein. Deshalb wurden Devisenterminoptionen entwickelt. Hier ist es möglich, die Verluste bei fallendem Dollar nach unten genau abzugrenzen, während man nur auf einen Teil der Kurssteigerungsmöglichkeiten beim Dollar verzichten muß.

Devisenterminoptionen werden in Chicago, Philadelphia, London und der Schweiz gehandelt. Die größten und fairsten Märkte sind in Chicago und Philadelphia. Hier können Kaufoptionen (Recht zum Abruf einer bestimmten Warenmenge) sowie Verkaufoptionen (Recht zum Andienen einer bestimmten Warenmenge) auf die Mark, den Schweizer Franken, das britische Pfund, den japanischen Yen und den französischen Franc erworben werden.

Ein deutscher Exporteur verkauft Ware in den Dollarraum, der Dollar notiert bei drei Mark. Bis zur Zahlungsverpflichtung des Käufers kann diese Kalkulationsgrundlage längst überholt sein. Kursschwankungen von 20 Prozent innerhalb kürzester Zeit waren in den vergangenen eineinhalb Jahren nicht unüblich. Zur Absicherung kauft der Exporteur eine Kaufoption auf die Deutsche Mark in Philadelphia (Basispreis 33 Cents pro Mark).

Er erwirbt das Recht, bis Mitte März 1985 62 500 Mark zu 33 Cents pro Mark abrufen zu dürfen. Für dieses Recht bezahlt er 1,6 Cents pro Mark. Übt er die Option aus, so hat er 34,6 Cents pro DM aufzubringen, dies entspricht einem Dollarkurs von 2,89 Mark. Diesen Kurs hat er sich bis März 1985 gesichert und kann damit kalkulieren.

Bei steigendem Dollar wird Option nicht ausgeübt

Steigt der Dollar entgegen der Erwartung, so wird die Option auf den Mark-Kauf nicht ausgeübt, falls der Preis unter 33 Cents pro Mark fällt. Der Optionskäufer verzichtet, weil er die Mark billiger kaufen kann, als über die Ausübung der Option. Er läßt seine Option verfallen. Die aufgewendeten 1,6 Cent pro Mark verliert er. Steigt der Dollar gegenüber der Mark über diesen Betrag hinaus, nimmt er wieder am Dollaranstieg teil.

Umgekehrt ist es möglich, Verkaufoptionen auf die Mark zu erwerben. Diese berechtigen zum Liefern der Mark zum vereinbarten Basispreis. Der Verkäufer der Verkaufoption ist verpflichtet, einen vorher vereinbarten Betrag für jede Mark zu zahlen. Verkaufoptionen sollten von Marktteilnehmern erworben werden, die eine Dollarverbindlichkeit eingehen. Steigt der Dollar, so fällt die Mark, was aber für den Käufer der Verkaufoption keine Rolle mehr spielt, da er sich vorher eine bestimmte Mark/Dollar-Relation, zu der er die Mark andienen darf, gesichert hat.

Im Gegensatz zu den klassischen Devisen-Termingeschäften bei deutschen Banken oder an amerikanischen Terminbörsen garantiert der Kauf von Devisenoptionen (Philadelphia) oder Devisen-Terminoptionen (Chicago) eine Absicherung, ohne die Teilhabe am Kurssteigerungspotential des Dollars beziehungsweise der Mark zu vernichten.

Da die europäischen Märkte wegen des geringen Umsatzes einen wenig fairen Handel garantieren, sollten diese Absicherungsgeschäfte möglichst an den amerikanischen Märkten vorgenommen werden. Dazu ist es notwendig, sich der Hilfe eines US-Brokers zu bedienen. Diese US-Wertpapierbanken haben Niederlassungen in allen wichtigen deutschen Großstädten. Ein Umsatz in einer Handelseinheit sollte nicht mehr als 50 Dollar kosten. Bei größerem Umsatz sollte auf eine Halbierung dieser Spesen gedrungen werden.

Da das Instrument der Devisen-Terminoption neu ist, sind nicht alle Niederlassungen von US-Brokern ausgerüstet und ausgebildet, sich ihrer zu bedienen. Darauf ist bei der Auswahl des Partners zu achten. Der Markt in diesen Optionen ist seit ihrer Einführung ständig gewachsen. Allen Unkenrufen zum Trotz wird sich dieses für den Börsenlaien mit vertretbarem und genau definierbarem Risiko anwendbare Instrument durchsetzen und weiter an Bedeutung gewinnen.