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22.03.1991 - 

Anwender mischen die Karten bei der Informationsverarbeitung neu

Dezentrale DV: Mehr Macht für die Geschäftsbereiche

MÜNCHEN (CW) -"Kontrolliert dezentral" lautet das brisante EDV-Thema, unter dem Unternehmen branchenübergreifend ihre Informatik neu organisieren. Ein CSE-Anwender-Kongreß stellt dazu Impulsgeber aus dem DV-Management und ihre Erfahrungen mit Informationsmanagement vor. Termin ist der 11. und 12. Juni 1991 in München.

Der Glanz einer gesamtheitlichen Informatik-Infrastruktur zeigt sich erst in der Anwendung. Doch bis diese griffbereit vorliegt, haben die meisten DV-Profis noch einige Probleme zu bewältigen: etwa bei der Integration heterogener Systeme, besonders aber beim Management komplexer Organsationen.

Clevere DV-Manager verbuchten hierbei bereits Erfolge, wenn sie zur Lösung Anwender, Gremien und informatikbetreibende Stellen gemeinsam an der gesamtheitlichen Planung der Informatik-Infrastruktur beteiligten. Peter Clotten, Leiter des Bereiches Informatik und Kommunikationswesen der Wacker-Chemie GmbH in München/Burghausen, konnte alle ins Boot ziehen: "Ein Informationsverarbeitungs-(IV-)Rahmenplan muß zunächst auf dem Selbstverständnis der Informatik-Einheiten basieren. Zugleich umfaßt er die eigentliche lnformationsverarbeitung und die

ablauforganisatorischen Konsequenzen, die sich daraus ergeben."

Doch nicht nur von einer klar definierten Strategie für das Informationsmanagement hängt dessen Erfolg ab. "Investitionen in Informationstechnik sind auf die Bereiche mit der größten Hebelwirkung zu

konzentrieren", legt Werner Kreuz von der A.T. Kearney GmbH aus Düsseldorf nach.

Wesentliches Ziel, folgert der Top-Berater, sei es also, die Eigenverantwortung der Geschäftsbereiche zu stärken. Die Wacker Chemie GmbH in München/Burghausen ist diesen Weg in der Praxis gegangen. Sie überträgt Informationsverarbeitungs-Funktionen auf die Geschäftsbereiche.

Mehr Macht und neuer Nutzen für die Geschäftsbereiche bringen auch gewandelte Pflichten mit sich. Als Konsequenz aus der Ergebnisverantwortung der Wacker-Bereiche werden Servicevereinbarungen mit entsprechender Leistungsverrechnung zwischen allen Informatikeinheiten und den Anwendern im Konzern empfohlen.

In einem Rahmen- und Richtlinien-Konzept verbinden die Wacker-Informatiker Vorteile der Dezentralisierung - wie die Verlagerung der Prioritäten näher an den unmittelbaren Bedarfsträger - mit der Notwendigkeit, zentral zu steuern und zu koordinieren.

Ein weiterer Punkt des IV-Rahmenplans legt die Software-Strategie fest. Verbindliche Standards stellen bei der Betriebssoftware langfristig maßgeblich das Zusammenspiel der Infrastrukturkomponenten sicher. Inkompatible, kostspielige Systemvielfalt läßt sich so vermeiden.

Zudem wird der IV-Rahmenplan die zukünftige Strategie zur Bürokommunikation und zur Informatik-Infrastruktur enthalten, um Durchgängigkeit, Sicherheit und Wirtschaftlichkeit der Netze zu gewährleisten.

Schließlich regelt ein Infrastruktur-Modell bei Wacker den grundsätzlichen Aufbau von Einzelkomponenten der Informatik-Infrastruktur Hardware, Betriebssoftware und Kommunikation, sowie das Zusammenspiel dieser Komponenten.

Viele Köche müssen nicht immer den Brei verderben. Damit es gerade bei Geschäftsbereichsübergreifenden, zentralen Funktionen keine Reibungsverluste mehr gibt, haben die Münchner Informatiker bei Wacker vorgesorgt: "Statt fachlicher Anweisungen sollen Richtlinien verstärkt greifen", so Informationsmanager Clotten. Die bestätigen die Erfahrungen von Management-Berater Kreuz: "Erfolgreiche Unternehmen haben nämlich erkannt, daß die Verantwortlichkeiten für das Informationsmanagement eindeutig zu regeln sind."

Bislang besteht im deutschen Unternehmensmanagement gerade bei einer Neuorganisation allerdings noch erhebliche Unsicherheit über Erfolgsfaktoren, zitiert Consultant-Chef Kreuz Ergebnisse einer A.T. Kearney-Exklusivstudie (siehe Abbildung).

Es mangele zudem an dem integrierten strategischen Ansatz, der sowohl Geschäfts-, Funktions- als auch Erfordernisse des Informationsmanagements sowie der Informationstechnik abdecke. Investitionen würden nicht auf Aktivitäten mit hoher Wertschöpfung konzentriert, sondern verpufften bei administrativen Funktionen.

Besonders kriselt es nach Ansicht Kreuz bei den Qualitäten der "human-resources": Führungskräfte sollten erkennen, daß personalbezogene und nichttechnische Faktoren die größten Erfolgshemmnisse sind - aber auch zugleich den größten Beitrag zum Erfolg leisten können.

Zusammen mit Peter Clotten und Werner Kreuz beleuchten Anwender aus Klöckner & Co. AG, Gerling Konzern, BGW-Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege und Messerschmitt-Bölkow-Blohm ihre erprobten Methoden und Lösungskonzepte vorwärtsweisender

Informationsverarbeitung.

Informationen "EDV-Anwender ziehen Zwischenbilanz": CSE Conferences, Seminars, Education, IDG Communications Verlag AG, Rheinstraße 28, 8000 München 40, Telefon 0 89/3 60 86 1 69.

Quelle: A.T. Kearney-Erhebung über, Hemmnisse für eine erfolgreiche Anwendung moderner Informationstechnologien", Dezember 1990, London.