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24.09.1982

Dezentrale DV: Was lange währt, wird endlich gut

Über Dezentralisierung wird in den Unternehmen nicht nur geredet, sie wird in einigen Betrieben bereits erfolgreich praktiziert. Ausschlaggebend für den Erfolg der Datenverarbeitung vor Ort ist die schrittweise Veränderung der Organisationsstruktur beim dezentralen Benutzer. Auch Kriterien wie die Ausbildung des Endbenutzers und die Ausstattung der Fachabteilung mit komfortableren und effizienteren Dialogsystemen sind für die Akzeptanz der "Fachabteilungs-DV" mitentscheidend. Durch eine sukzessive Lastverschiebung zugunsten der zentralen Hardware wird es den Datenverarbeitern leichter fallen, die immer größer werdenden Anforderungen zu verkraften und mehr Engagement in qualifizierte Software zu investieren. ih

Wilhelm Alms

Mummert + Partner, Hamburg (tätig für R + V, Allgemeine Versicherungs AG, Wiesbaden)

Zentral versus dezentral diese Fragestellung wird parallel zur ständigen Weiterentwicklung der einschlägigen Hard- und Software in wachsendem Maße diskutiert. Dabei stehen wohl zwei Problemkomplexe im Mittelpunkt:

a) Wie kann der Anwender eine qualifizierte Entscheidung vor dem komplexen Hintergrund unternehmenspolitischer, strategischer und gesamtorganisatorischer Zielsetzungen herbeiführen? Vertriebswege, -struktur und -ziele, die Arbeitsorganisation, Art und Ort der anfallenden Daten und die Effizienz ihrer Bearbeitung spielen hierbei eine wichtige Rolle.

b) Zu welchen möglichen Veränderungen führt eine dezentrale Entscheidung hinsichtlich der Struktur der DV-Organisation, des Last- und Funktionsprofils sowie der Anforderungen an den dezentralen Benutzer?

Nur die zweite Frage wird nachfolgend behandelt, und zwar mit der deutlichen Einschränkung, daß nur aus der Sicht großer Versicherungsunternehmen mit dezentraler Organisation im Sinne von DDP-Konzepten argumentiert wird. Hier zeigt sich deutlich, daß die einschlägigen Konsequenzen erst stufenweise realisiert werden, analog zu den typischen Realisierungsphasen dezentraler Konzepte:

Stufe 1:

Bestehende zentrale TP-Netze werden mit leistungsfähigen DDP-Rechnern ausgestattet, die sukzessive dialogorientierte Funktionen wie Bildschirmsteuerung, Bildschirmaufbereitung, umfangreiche Datenprüfungen, zum Teil mittels Tabellen, aber auch umfangreiche Vorverarbeitung übernehmen. Im Preload-Verfahren werden auch bereits gezielt Teile der zentralen Datenbestände vor Ort verfügbar gemacht, um geschlossen bearbeitet werden zu können.

Der Benutzer spürt nur mittelbar die Veränderungen. Beschleunigte Transaktionsfolgen begleitet von hohem Bedienerkomfort sind die Folge.

Deutlich verschiebt sich dagegen die Laststruktur. Der Datentransfer sinkt quantitativ erheblich (kostenwirksam mit Datex-P), die zentrale Transaktionslast nimmt stark ab, dafür werden die zentralen Anforderungen qualifizierter. Ergebnis ist in der Regel nicht der Abbau zentraler Hardware, vielmehr dienen die gewonnenen Kapazitäten der Kompensierung der ständig wachsenden Arbeitslast insgesamt beziehungsweise der steigenden Ressourcenanforderungen durch qualifiziertere Systemsoftware. Grundsätzliche Auswirkungen auf die Organisation der Softwareerstellung sind nicht erkennbar.

Stufe 2:

Eine entscheidende Veränderung der Verarbeitungsstruktur tritt mit der Verlagerung der zentralen Bestandsdaten auf die dezentralen Einheiten ein. Hiermit wird dann die viel diskutierte Zielsetzung der sicherheitsfördernden Verarbeitungsautonomie vor Ort in relevantem Umfang erreicht. Der Umfang an Datentransfer nimmt weiter ab und reduziert sich auf den Austausch von kompletten Datenbeständen sowie die Übertragung von zugriffsschwachen Daten beziehungsweise den Abruf von Daten und Ergebnissen, die sich aus zentralen übergreifenden Verarbeitungen oder aus entsprechenden Informationssystemen und ähnlichem ergeben. Damit gehen zwangsläufig die Kapazitätsanforderungen an das zentrale System im Vergleich zu zentralen TP-Netzen zurück. Die Folgeverarbeitung im Sinne des Bedienens von abhängigen Softwaresystemen beziehungsweise übergreifenden Anwendungen und das Erstellen von Massen-Output bleibt zwangsläufig eine zentrale Funktion. Dazu kommt das augenblicklich noch schwer zu beherrschende Problem der Datensynchronisierung, das heißt, die Sicherstellung der Identität zentraler und dezentraler Datenbestände. In jedem Fall bringt diese Funktionsverteilung mehr Flexibilität im zentralen Bereich zugunsten der Batch-Verarbeitung. Hier kann das Rechenzentrum das häufig starre Dialog-Batch-Schema durchbrechen. Zudem kann Kapazität in qualifizierte Anwendungen investiert werden, die auf der Basis von Informationssystemen übergreifende und verdichtete Daten produzieren.

Auch in dieser Phase ist eine strukturelle Veränderung in der Softwareproduktion noch nicht zu erkennen. Allerdings wird der Trend zum qualifizierteren Anforderungsprofil des Entwicklers noch unterstützt.

Stufe 3:

In einer vorläufig letzten Phase ist eine Verlagerung der Softwareerstellung zum Benutzer vor Ort abzusehen. Dies wird sicherlich nicht die zentral verbleibende Massenverarbeitung betreffen, auch nicht die vorhandenen Standardlösungen des routinierten TP-Geschäfts, sondern vielmehr die individuelle Informationsverwertung der vor Ort vorhandenen Datenbestände. Jetzt verschiebt sich zwangsläufig das Aufgabenprofil der zentralen Softwareentwicklung. Zum einen verbleibt die Wartung und gezielte Weiterentwicklung der zentralen Anwendung bei der zentralen DV. Zum anderen ist jedoch eine völlig neue Funktion erst in einem Lernprozeß zu verkraften: die Unterstützung des "Vor-Ort-Benutzers" auf dem Weg zur eigenen Software-Emanzipation. Dazu gehört neben einem permanenten Schulungsprozeß vor allen Dingen auch die Erstellung umfassender Standards und Richtlinien und die ständige Überwachung und Kontrolle der dezentral erstellten Anwendungen. Die Anforderungen an Test- und Freigabeprozeduren werden erheblich zunehmen, wenn man die Sicherheit des Gesamtsystems weiterhin gewährleisten will. Diese Aufgabe kann nur bewältigt werden, wenn besonders in diesem Bereich die Entwicklung entsprechender Werkzeuge stark forciert wird.

Eine lange Phase des Know-how-Transfers ist unabdingbar. Ein dritter Aufgabenbereich der zentralen DV wird folglich stärker denn je wahrgenommen werden können (und müssen), und zwar die Investition in für das Unternehmen neue Softwaretechnologien. In diesem Zusammenhang sei nur auf die Schlagwörter maschinelle Informationssysteme, Office-Automation und Btx hingewiesen.

Zusammenfassung:

Der Veränderungsprozeß im Zuge der Dezentralisierung wird sich nur langsam und schrittweise vollziehen. Dabei muß sich die Unternehmung schwerpunktmäßig auf folgende Konsequenzen einstellen:

1. Der Benutzer wird mit komfortableren und effizienteren Dialogsystemen zu Lasten der zentralen DV-Organisation ausgestattet, die mit einer komplizierteren technischen Umwelt konfrontiert wird.

2. Die sukzessive spürbare Lastenverschiebung zu Gunsten der zentralen Hardware gestattet es, Wachstum zu verkraften und in qualifizierte Softwaresysteme zu investieren.

3. Nach der technischen Dezentralisierung folgt eine Phase der organisatorischen Dezentralisierung, das heißt, Verteilung des "Softwareerstellungs-Know-hows" auf die dezentralen mit Intelligenz ausgestatteten Geschäftsstellen. Hierfür sind in einer Frühphase technische und organisatorische Maßnahmen zu treffen.

Udo-Achim Wrieske

Wrieske Unternehmensberatung BDU, Hamburg

Mehrere Gründe sprechen dafür, die dezentrale DV in einem Unternehmen einzuführen. Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Kostenersparnis im Leistungssektor, die Antwortzeitprobleme sowie die Reduzierung des Hauptspeicherbedarfs. Darüber hinaus setzt sich bei uns immer mehr die Erkenntnis durch, daß der Endbenutzer direkt an die DV- und Textverarbeitungs-Front gestellt und vor Ort die anfallenden Arbeiten übernehmen sollte.

Einige Schwerpunktbereiche werden nach wie vor bei der Zentral-DV verbleiben: das Finanz- und Rechnungswesen mit der Gewinn- und Verlustrechnung (Bilanz), der Controlling-Bereich und auch das heute schon sehr stark DV-unterstützte Marketing (Vertriebsanalysen). Auch der Bereich Management-Informationen ist zu nennen, in dem auch die Statistik letztlich gesamtbetrieblich abgedeckt wird. Zusammenfassend kann man sagen, daß die zentrale Informationsverarbeitung für gesamtbetriebliche Ergebnisrechnung im weitesten Sinne zuständig ist und auch blieben wird.

Die dezentrale DV bietet sich an für die gesamte Artikelphilosophie, Lagerverwaltung, Vertreterabrechnung, Kundenbestandsführung und vor allem auch die zentrale Verwaltung von Namen und Adressen. Dezentral sehen wir neben dem Bereich der Datenverarbeitung den Gesamtbereich der Textverarbeitung. Am Zentralrechner sollte die Textverarbeitung jedenfalls nicht aufgehängt sein.

Die Integration von Text- und Datenverarbeitung erfordert hohe Speicherfähigkeit bei den dezentralen Geraten. Ferner Ausbaufähigkeit im Sinne von Hauptspeichererweiterung sowie Mehrplatzfähigkeit. Man muß also vor Ort in den Abteilungen sowie in den Unternehmensbereichen und den Niederlassungen auch diese dezentralen Geräte zu Mehrplatzsystemen erweitern können. Die dezentrale DV sollte auch unter dem Gesichtspunkt Mixed-Hardware gesehen werden, denn hier können sich kostengünstige