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26.10.1984

Dezentrale DV zwingt zum Umdenken: Berater löst Macher ab

Der Rollenwechsel der Datenverarbeitung ist programmiert und absehbar. Immer mehr, so meint Bifoa-Geschäftsführer Helmut Weber, nimmt die Bedeutung der DV als Dienstleistungsfunktion für die Benutzer der Fachabteilung zu. Die technischen Möglichkeiten dezentraler lnformationsverarbeitung brächten diese Umorientierung in Aufgaben, Stellung und Bedeutung mit sich. Dieser Ansicht schließt, sich der Karlsruher Professor Dr. Wolfgang H. Janko an. Gleichzeitig warnt er jedoch davor, die User mit hohen Wartezeiten durch den Anwendungsentwicklungsstau und erhöhte Antwortzeiten des Systems zu frustrieren. Resümiert der Hamburger DV-Leiter Klaus J. Kupka: "Nicht mehr der Macher, sondern der Berater, nicht mehr der Hüter und Verwalter der Unternehmensdaten, sondern der koordinierende Systemmanager, der Adviser in Dingen lnformationsaufbereitung und Kommunikationsgestaltung, ist gefragt." kul

Klaus J. Kupka

DV-Leiter, Elida Gibbs GmbH, Hamburg

Schon vor einem Jahrzehnt wurde die Zukunft der DV-Berufe diskutiert. Es gab Aussagen wie: "gehobene Programmiersprachen werden den Programmierer vergessen machen" oder "der Computer nimmt das Operating selbst vor". Gewiß verändern sich durch den Einsatz neuer Techniken die Funktionen im Bereich der klassischen Datenverarbeitung. Ebenso sicher wandelt die Ausweitung der, DV in immer verzweigtere Teile der Unternehmung auch das Bewußtsein und Wissen der Benutzer.

Die Möglichkeiten der durch Datenbanken gestutzten Dialogverarbeitung haben einerseits den User in der Fachabteilung näher an den Computer gebracht, andererseits aber die Gestalter dieser Applikationen in ihren Funktionen im Bereich Org./DV verändert. Der Mikrocomputerboom scheint eine Bewegung zur Dezentralisation von DV-Know-how zu verstärken. Die Angst manches Org./DV-Leiters, der "mündige Anwender" könnte sich verselbständigen und die zentrale Abteilung überflüssig machen, kursiert zumindest in publizistischen Organen. Nach meiner Auffassung wäre das eine Art "Vogel-Strauß-Methode" der Verantwortlichen für Organisation und Datenverarbeitung in einem Unternehmen.

Selbstverständlich sind mit den Möglichkeiten der Dialogverarbeitung, der dezentralisierten Vorverarbeitung, des Einsatzes der Textverarbeitung - verbunden mit den DFÜ-Möglichkeiten wie Datex-P, Datex-L, Teletex, Btx und den in Zukunft noch wachsenden Local Area Networks neue Anwendungsgebiete erschlossen werden. Doch gerade dadurch sind die Org./DV-Abteilungen herausgefordert diese Kommunikationstechnologie dem Endbenutzer in Form von Beratungsservice anzubieten. Das ist der entscheidende neue Aspekt im sich verändernden Funktionsbild der Mitarbeiter in den Org./DV-Abteilungen. Nicht mehr der Macher, sondern der Berater, nicht mehr der Hüter und Verwalter der Unternehmensdaten, sondern der koordinierende Systemmanager, der Adviser in Dingen Informationsaufbereitung und Kommunikationsgestaltung ist gefragt. Das Funktionsbewußtsein eines Programmierers vom Entwickler-und Betreuer von Programmen wandelt sich zum Betreuer von Systemen und Abteilungen.

Der Systemanalytiker muß in seiner Arbeit die Komponenten Datenbankadministration und -design, Kommunikation und Kompatibilität von Hard- und Software mehr berücksichtigen als nur die Strukturierung des Problems und Umsetzung in Programmvorgaben. Wie sich die Funktion der früheren Hollerith-Abteilung mit ihren Lochsälen, Tabulatoren, Mischern und Sortierern" geändert hat, so sind heute die Strukturen der Org./DV-Abteilungen einem neuen Wandel unterworfen.

Ich sehe zwar nicht in absehbarer Zukunft eine Auflösung der DV-Abteilung - etwa durch Verlagerung der Funktionen rund um die Datenverarbeitung in die Fachabteilung. Dies führt langfristig zu Know-how-Verlust, Isolierung und zur konzeptlosen Datenverwaltung. Ganz sicher befinden sich aber die Funktionsinhalte und Berufsbilder der Mitglieder von Org./DV-Abteilungen in einem Umbruch. Dies ist auch gesund und notwendig auch um den dort arbeitenden Menschen für die Zukunft einen motivierenden Berufsweg aufzeichnen zu können.

Größere Möglichkeiten der Nutzer von DV-Applikationen, neue technologische Möglichkeiten der Informationsaufbereitung und Kommunikation, die wachsende Durchdringung des Unternehmens mit computergestützten Systemen sollte den Org./DV-Leiter nicht den Kopf in den Sand stecken lassen, sondern ihn dazu bewegen, die Umstrukturierung seiner Abteilung aktiv mitzugestalten.

Helmut Weber

Geschäftsführer Betriebswirtschaftliches Institut für Organisation und Automation an der Universität zu Köln (Bifoa)

Die Datenverarbeitung war in ihrem ersten Jahrzehnt durch eine starke Zentralisierung gekennzeichnet. Technische Möglichkeiten aufgrund des Leistungsspektrums großer Rechner und wirtschaftliche Gegebenheiten ("Grosch'sches Gesetz") zwangen zur zentralen Anwendung großer Rechner, was unmißverständlich im Begriff des Rechenzentrums zum Ausdruck kommt.

Neben dem zentralen Betrieb im RZ wurden organisatorisch, zu meist auch räumlich, die Einheiten eingerichtet und eingegliedert, welche den Betrieb erst ermöglichten - also Anwendungs- und Systementwicklung, Anwendungs- und Systemprogrammierung, häufig auch noch organisationsbezogene Abteilungen und DV-Schulung. Dies bedeutete System- und Anwendungsauswahl durch das Rechenzentrum, Ausrichtung der Arbeitsabläufe, Kominunikationsbeziehungen, Termine und Persoden auf dieses zentrale Rechenzentrum hin, welches sich der hierdurch gewonnenen Bedeutung durchaus bewußt wurde und war. Ein charakteristischer Spruch jener Jahre lautete: "Die geheimnisumwobenen Bit-Zauberer entscheiden selbstherrlich, was für. .. gut ist."

Eine solche zentrale Bedeutung brachte es mit sich, daß sich in vielen Organisationen die Rechenzentren zu Institutionen mit Eigenleben und "elitärem Gehabe" entwickelten. Schließlich nahmen auch die Rechner Dimensionen an, daß man vom Parkinsonschen Gesetz der Datenverarbeitung sprach und von der "Rationalisierung mit Datenverarbeitung" zur Rationalisierung der Datenverarbeitung überging.

Preisverfall der Hardware und technische Entwicklungen im Hardware-Bereich (Miniaturisierung, Chips, Mikros) und Softwarebereich (Hilfsmittel, Methoden, Sprachen) sowie die Fortschritte auf dem Kommunikationssektor öfteren Netze, Medien und Dienste der Telekommunikation) brachten im letzten Jahrzehnt grundlegende Änderungen in diese Strukturen. Die Datenverarbeitung rückte zunächst aus den Rechenzentren an die zentralen Arbeitsplätze der Sachbearbeiter in den Büros der Fachabteilungen. Viele Unternehmungen haben hierzu in den 70er Jahren große Terminalsysteme aufgebaut. Sekretariate wurden zunehmend mit automatisierter Textverarbeitungs-Kapazität ausgestattet, die Mikrocomputer beginnen mit ihrem Einzug in die Büros der Fach- und Führungskräfte. Die Verbindung zu den Kommunikationsfunktionen führt zu den Bürosystemen.

Der Rollenwechsel der Datenverarbeitung ist damit "programmiert" und absehbar. Seit den 70er Jahren zeigen sich Entwicklungen, die Bedeutung der Datenverarbeitung mehr und mehr in ihrer Dienstleistungsfunktion für die Benutzer in den Fachabteilungen zu sehen. Die technischen Möglichkeiten dezentraler Informationsverarbeitung bringen diese Umorientierung in Aufgaben, Stellung und Bedeutung mit sich. Verbunden ist dies mit einer starken Aufwertung der Fachbereiche. Von eher passivem Verhalten bei der Entwicklung von DV-Organisationen in der Frühzeit der DV ging und geht hier der Weg

über die Mitbestimmung zum "Auftraggeber" für die Anwendungsentwicklung, und zwar unter eigener Federführung. Das Rechenzentrum als technische Institution hat somit im wesentlichen noch "symbolischen" Wert.

Das Zusammenwachsen der bisher isolierten Bürofunktionen, Datenverarbeitung, Textverarbeitung und Kommunikation seit den 80er Jahren bringt es mit sich, daß die Datenverarbeitung - wenn sie ihre zukünftige Rolle richtig einschätzt - durchaus auf Expansionskurs segeln wird. Allerdings in einem veränderten Selbstverständnis und nicht allein auf das Rechenzentrum bezogen. Eine künftig übergeordnete im Unternehmensinteresse arbeitende Datenverarbeitung wird ihre herausragende Bedeutung in der wirtschaftlich und organisatorisch sinnvollen Realisierung von informationstechnischen Infrastrukturen finden. Die Integration der Bürotechniken, Mikros an den Arbeitsplätzen, neue interne und öffentliche Netze, andere Bedürfnisse, Einstellungen und Attitüden der Benutzer werden es mit sich bringen, daß sich die Rolle der Datenverarbeitung wandeln wird und muß. Gefragt ist nicht mehr das technisch Machbare, sondern die wirtschaftliche und benutzerbezogene Anwendung. Dabei ist viel stärker als bisher die Kooperation zwischen Fachbereichen und Systementwicklung gefragt. Die Schwerpunktverlagerung von "system- zu "organisationsbezogenen" Problemen, Programmierung in den Fachabteilungen sowie das Angebot akzeptabler Endbenutzerspracheln könnten und sollten Signale für die Datenverarbeitung sein, sich diesen Herausforderungen zu stellen.

Professor Dr. Wolfgang H. Janko

Institut für Angewandte Betriebswirtschaftslehre, Universität Karlsruhe

Der Platz der DV-Abteilung im Organigramm eines Unternehmens ist in der Praxis meist durch die Entwicklungsstufe der DV im Unternehmen bestimmt. In den Anfangszeiten der Schaffung von DV-Abteilungen neigen Organisationen dazu, ihre DV-Abteilung einer, speziellen Abteilung oder einem speziellen Benutzerkreis zuzuordnen häufig einfach deshalb, weil diese Gruppe von Organisationsmitgliedern den Anstoß zu Gründung der DV-Abteilung gegeben hat. Diesen meist unbefriedigenden Zustand, in welchem der DV-Abteilungsleiter zumeist einem Vorgesetzten berichtet, der selbst kein Fachmann in Fragen der DV ist, sondern sich in erster Linie bemüht, seine Abteilung zu leiten, verläßt die die DV-Unterabteilung - meist auf Einfluß der Benutzer aus anderen Abteilungen. Die DV-Abteilung rückt bei Entkopplung von dieser Unterstellungsebene um ein oder zwei Stufen höher, indem sie direkt einem (Haupt-)Abteilungsleiter oder dem Controller (auch Comptroller) unterstellt wird. Mit der Hinzufügung von immer mehr, Applikationen steigt der Personalstand, das Budget und die Bedeutung der DV-Abteilung. Da die DV-Abteilung nun ein weites Spektrum von Diensten (Stapelverarbeitung, Online-Verarbeitung, Datenübertragung, Datenbanksystemüberwachung) bietet und eine Vielzahl von Applikationen pflegt, wächst die Abteilung in die Rolle einer Informationsdienstleistungsabteilung.

Die Positiven Aspekte dieser neuen Rolle sind die Konsistenz der Betrachtungsweise und die Größendegressionsvorteile aufgrund des hohen Zentralisationsgrades. Als Nachteile muß man jedoch Benutzerfrustration aufgrund der hohen Wartezeiten in der Problemlösung durch den Anwenderentwicklungsstau und erhöhte Antwortzeiten des Systems (unter anderem infolge der Versuche zur Standardisierung von Datenstationen und Konfigurationen) sehen. Vielfach geht diese Entwicklung einer mit der Bildung einer Informationssystemgruppe in der DV-Abteilung, deren Mitglieder sich haupt- oder teilamtlich mit der verantwortlichen Untersuchung des Informationsbedarfs und der Planung der Informationsbereitstellung, mit der Datenverwaltung und mit der Studie technologischer Entwicklung (permanente Beobachtung) und den Konsequenzen hieraus für die Informationsverarbeitung eines Unternehmens beschäftigen. Da die Bedeutung und die Funktion in einer Organisation auf einem Organisationsschaubild durch die Ebene, auf welcher die Verantwortung für diese Tätigkeit zu finden ist, ausgedruckt wird, sind durch die erhöhte Bedeutung einzelner Funktionen und den Wechsel des Bedeutungsspektrums in der DV-Abteilung verschiedenste Orqanisationsübergangsstadien in der DV-Abteilung selbst und in der Eingliederung der DV-Abteilung in die Gesamtorganisation anzutreffen. Mit zunehmendem Wachstum der Unternehmensnetzwerke wird zum Beispiel auch häufig eine Kommunikationskontrollabteilung in einer Ebene mit der Leitung des Rechenzerntrumbetriebs eingeführt. Ebenso wird durch die zunehmende Anzahl von Betriebssystemen die Einführung einer Unterabteilung für das permanente Testen von Betriebssystemen und Compilern sowie deren Tuning erforderlich werden.

Eine jüngere Entwicklung, ist jedoch auf breiter Basis festzustehen. Um den Applikationsstau abzubauen, schaffen sich zunehmend Fachabteilungen selbst Mikrorechner an. Um die zunehmende Anschaffung von Mikrorechnern in den Fachabteilungen und Sparten einer Organisation unternehmensweit und mit der DV-Abteilung abzustimmen und einen effizienten Einsatz dieser Ressourcen zur Problemlösung zu sichern, ist es erforderlich, sowohl auf der Benutzerseite als auch auf der Seite der DV-Abteilung organisatorische Maßnahmen zu treffen. Auf der Benutzerseite beobachten wir hierbei eine analoge Entwicklung wie zu Beginn der Einführung der DV: Entscheidungen werden häufig von eher DV-fremden Leistungsorganen getroffen. Um einen effizienten Mitteleinsatz zu vermeiden, ist es erforderlich, daß die DV-Abteilung eine geeignete, dem Direktor der Informationsdienste (DV-Leiter) direkt unterstelle Abteilung schafft, die sich mit der Endbenutzerberatung in hard- und softwaretechnischer und systemanalytischer Sicht auseinandersetzt. Diese Abteilung wird unter anderem auch als Informations-Center (IC) oder Solution-Center bezeichnet.

Die beiden Unterabteilungen eines Informations-Centers sind soft- und hardwaretechnischer Dienst sowie Informations-Center-Beratung. Sie haben die Aufgabe, den Endbenutzer bei Hardware- und Softwarewahl zu beraten und die Endbenutzer zu schulen. Diese Aufgaben, weiche in Zusammenarbeit mit der Datenadministrationsgruppe der DV-Abteilung bewältigt werden sollen, lassen sich auf Dauer nur dann zufriedenstellend lösen, wenn es den DV-Abteilungsmitgliedern gelingt, in den Fachabteilungen Selbsthilfegruppen mit IC-geschulten Gruppenmitgliedern zu bilden, die gerade in der Anwendungssystementwicklungsberatung, beim Einsatz von Query- und Planungssprachen und bei der Verwendung von spezieller Software den Gruppenmitgliedern helfen können. Auch hier ist bei zunehmendem Installationsumfang eine Spezialisierung - analog zum Aufbau von kleinen RZ - im technischen Bereich, in Anwendungs- und Systemfragen zweckmäßig. Aufgrund der zunehmenden Vielfalt und Komplexität des Einsatzes von Mikrocomputerhardware und -software läßt sich eine Entwicklung im Bereich der Informationsdienstleistungen eines Unternehmens erwarten, welche aufgrund der hohen technologischen Entwicklungsgeschwindigkeit einer Projektmatrixorganisation ähnlich sein wird. Von einer traditionellen Organisationsform mit DV-Untergruppen in den Fachabteilungen ausgehend, wird man zu einer Projektorganisationsform oder zu einer Tensororganisationsform fortschreiten in welcher die Informationsdienstleistungsebene als zweite Koordinate zu einer objektorientierten beziehungsweise funktionsorientierten Organisationsform oder als dritte Koordinate zur Matrixorganisation eingeführt wird (analog können Tensororganisationsformen und kundengruppenorientierte Organisationsformen Ausgangspunkt eines derartigen Entwicklungsprozesses sein).

Diese Organisationsstrukturen werden die Struktur eines modernen Unternehmens der Informationsgesellschaft der nächsten Zukunft darstellen. Die räumliche Konzentration der Abteilungen und anderer organisatorischer Mitgliedermehrheiten (Unterabteilungen, Gruppe, Team) wird zumindest teilweise infolge der Erscheinung einer elektronisch kommunizierenden, jedoch räumlich und personell verteilten Arbeitsorganisation (elektronisches Büro) reduziert werden.