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20.09.1978 - 

Computer in einer Krankenhaus-Apotheke:

Dezentrale Lösung ist wirtschaftlicher

Die Stadt Nürnberg besitzt ein eigenes kommunales Rechenzentrum, das mit zwei Siemens-Rechnern bestückt ist. Trotzdem gab die Stadt ihr Plazet für die Installation eines Magnetplattensystem 8870/6 von Nixdorf in der Apotheke des Klinikums der Stadt, dem größten kommunalen Krankenhaus in der Bundesrepublik mit rund 2800 Betten. Was im ursprünglichen Konzept zunächst als eine begrenzte lokale Lösung für den Pharmaziebereich gedacht war, entwickelte sich bald darüber hinaus, als dann für den Buchhaltungsbereich des gesamten Klinikums die Datenerfassung übernommen wurde, wobei eine Arbeitsteilung mit dem städtischen Rechenzentrum praktiziert wurde.

Im Klinikum Nürnberg war bis Ende 1977 die EDV im Verwaltungsbereich nur für die Patientenaufnahme eingesetzt. Man erfaßte ihre Daten auf intelligenten Terminals, führte auf einer Platte den aktuellen Patientenbestand, und ließ die Daten offline im Rechenzentrum der 1 Stadt auswerten. Alle anderen administrativen Vorgänge wurden manuell erledigt. Dieser Zustand war auf die Dauer unhaltbar, zumal die Umstellung von der Kameralistik auf das kaufmännische Rechnungswesen zu Jahresbeginn 1978 eine Fülle neuer Verwaltungsaufgaben brachte.

Ein besonderer Engpaß bestand im administrativen Bereich, in der zentralen Apotheke sowie im Rechnungswesen. In dem Anforderungsprofil für die Reorganisation der Verwaltungsabläufe dieses Bereichs hieß es deshalb auch unmißverständlich: "Der Einsatz der elektronischen Datenverarbeitung in der Apotheke ist notwendig, weil

-das Bestellwesen;

-die Zu- und Abgänge der Arzneimittel (Lagerbestandsführung);

-die Abrechnung und Kontrolle des Arzneimittelverbrauchs (Fakturierung und Statistik);

-die Information der Bedarfsträger und

-die Wirtschaftlichkeit des Arzneimittelverbrauchs verbessert werden sollen."

Die Stadt hatte Ende 1977 zunächst die grundsätzliche Entscheidung zwischen zentraler und dezentraler Verarbeitung zu fällen. Da die Apotheke den permanenten Zugriff auf die Dateien forderte, wäre eine zentrale Lösung organisatorisch aufwendig und damit unwirtschaftlich gewesen. Zudem hätte es Probleme mit den Response-Zeiten im Dialogverkehr gegeben. Man entschloß sich daher für den dezentralen Weg. Es wurde für den Bereich Apotheke und Rechnungswesen folgende Konfiguration installiert:

-CPU 8870/6 mit 72 KB für den Anwenderbereich;

-zwei Magnetplatteneinheiten mit 2 mal 18 MB Wechselplatten; Bandstation (800 bpi);

-drei Bildschirme mit je 960 Zeichen Kapazität, davon einer auf Konsole;

-zwei Nadeldrucker mit je 150 Zeichen/s Schreibleistung.

In der derzeitigen Ausbaustufe beträgt die Hardware-Miete monatlich 9000 Mark, das entspricht einem Kaufpreis von 350 000 Mark.

Der Anwender

Das Klinikum der Stadt Nürnberg verfügt in seinen 14 Kliniken - hinzu kommen noch sechs Zentralinstitute - über 2740 Betten. 1977 wurden 54 448 Patienten stationär behandelt, die durchschnittlich 15,1 Pflegetage blieben (zusammen 819 831 Pflegetage). Die zentrale Apotheke versorgt rund 130 Verbrauchsstellen innerhalb des gesamten Klinikums mit Medikamenten und so weiter. Sie beschäftigt 40 Mitarbeiter, davon sieben Apotheker, und setzte 1977 zu Einkaufspreisen 11,3 Millionen Mark (ohne Verbandsstoffe) um. Es werden etwa 1500 verschiedene Medikamente (einschließlich diverser Applikationsformen) auf Lager gehalten mit einer durchschnittlichen jährlichen Umsclilagshäufigkeit von 10.

Die Applikationen

Seit Anfang 1978 wird auf dem Magnetplattensystem 8870/6 die Apothekenverwaltung abgewickelt. Ein Terminal erfaßt zusätzlich die Daten der Finanzbuchhaltung, die in gewissem Umfang auf der Anlage vorverarbeitet werden (Budgetüberwachung). Geplant ist die autonome Übernahme der gesamten Lagerverwaltung des Krankenhauses. Die Programme der Apothekenverwaltung entwickelten Organisatoren und Programmierer der Stadt Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem DV-Beauftragten der Apotheke. Sie konnten den Programmieraufwand verhältnismäßig niedrig halten durch den Einsatz der Nixdorf-Softwaretools DEGAS (Daten-Erfassungs-Generator- und Abfrage-System) und SORBAS (Standardisiertes-Organisationsorientiertes-Berichts- und Auswertungs-System). Die Erfassungs- und Verarbeitungsprogramme sind fast ausschließlich aus einzelnen Bausteinen des in Cobol geschriebenen DEGAS erstellt, gelegentlich fügte man Assembler-Befehle ein.

Die Umorganisation der Verwaltungsabläufe in der Apotheke verlief reibungslos. Größeren Aufwand erforderte die Stammdatenerfassung, wobei teilweise neue Nummernkreise aufzubauen waren. Den Aufbau der Artikelstammkarten übernahm weitgehend die Hessische Zentrale für Datenverarbeitung (HZD). Damit wurde nicht nur die Erstellung einer eigenen Artikelnummeretc. überflüssig, man leistete auch gewisse Schrittmacherdienste für ein einheitliches Nummernsystem im Bereich des Gesundheitswesens. Die einzelnen Abnahmestationen erhielten EDV-gerechte Formulare, Rezept- und Erfassungsbeleg in einem, auf denen die Artikelbezeichnungen und Artikelnummern der am häufigsten verlangten Medikamente bereits vorgedruckt sind.

Die Programme des Bereichs "Apotheke" umfassen folgende Aufgabengebiete: Erfassung der täglich bearbeiteten Stationsanforderungen sowie monatliche Erstellung einer klinik- beziehungsweise stationsbezogenen Medikamenten-Verbrauchs-Statistik (Warenabgang); Erfassung des Warenzuganges. Vorgesehen ist ferner die Meldung des Mindestbestandes und das automatische Erstellen firmenbezogener Bestellisten.

Beitrag zur Kostendämpfung

Der Nutzen der eigenen EDV-Anlage geht für die Apotheke weit über eine Rationalisierung der Verwaltungsabläufe hinaus. Er schließt auch eine gröbere Arzneimittelsicherheit, die bessere Transparenz des Verbrauchs und eine Optimierung des Lagerbestandes ein. Die Stationen können stets aktuelle Listen mit den Verfalldaten und die Ärzte Aufstellungen über indikationsidentiseh0 Präparate oder wirkstoffgleiche Medikamente erhalten. Die Ärzte sind damit in der Lage, Arzneien kostenbewußter zu verschreiben, ohne daß darunter die Effektivität der medikamentösen Therapie leiden müßte.

Aus den monatlichen Verbrauchslisten können die Klinikchefs, aber auch die Apothekenleitung Schlüsse aus einem Mehrverbrauch oder aus "teureren" Verschreibegewohnheiten eines Arztes ziehen und ihren Teil zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen beitragen.

Ein optimal angepaßter Lagerbestand ergibt sich auf Grund zahlreicher Einkaufs- und Verbrauchsstatistiken. So können die Lagergröße und die Ges(...)anzahl der vorrätig gehaltenen Medikamente begrenzt gehalten werden.

Die eigene EDV-Anlage wurde inzwischen von in den Tagesablauf der Apotheke integriert. Die Programmpflege liegt in den Händen der städtischen zentralen Datenverarbeitung, während die Apotheke den Änderungsdienst für die Dateien (Medikamentenstammdatei, Lieferantendatei, Zugangsdatei, Verbrauchsdatei) selbst wahrnimmt. DV-Beauftragter Dr. Scherbel, schreibt sich mittels des Softwaregenerators SORBAS seine statistischen Auswertungsprogramme selbst.

*Ulf Bauernfeind ist freier EDV-Fachjournalist