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05.09.1980 - 

Nixdorf-Applikation für Maschinenfabrik:

Dezentrale Organisation mit Werksangleichung

WEINGARTEN - Für die computergesteuerte Maschinenerzeugung wurde in der Maschinenfabrik Weingarten AG eine auf dezentralen Subsystemen aufbauende Fertigungsplanungsorganisation installiert. Die von der Erfassung einer Vorgabe über das Aufsuchen geeigneter Pläne zur Korrektur und Integration von Neuvorlagen reichende Fertigungslösung kommuniziert mit der Zentralanlage momentan noch ausschließlich über Datenträger; eine Online-Verbindung wird jedoch bereits ins Auge gefaßt.

Die Maschinenfabrik Weingarten AG stellt in erster Linie Werkzeugmaschinen sowie Werkzeuge für die spanlose Verformung her. Das Unternehmen erreicht einen Umsatz von etwa 200 Millionen Mark und beschäftigt rund 1900 Mitarbeiter, von denen 1700 im Hauptwerk und 200 in einem Zweigwerk in Schwäbisch Gmünd/ Straßdorf eingesetzt werden. In Weingarten befinden sich vier Produktionsstätten, und zwar für Maschinenbau, für Werkzeugbau, für Stahlbau und ein Montagewerk. Produziert werden vor allem Sondermaschinen (Einzel-Auftragsfertigung) und dabei sowohl Einzelstücke als auch ganze Maschinenstraßen.

Eine eigene Datenverarbeitungs-Abteilung besitzt die Maschinenfabrik seit 1968. Man begann zunächst mit einem System IBM/360-30, das später von einem System IBM/370-115 ersetzt wurde. Nach im Laufe dieses Jahres soll ein weiterer Ausbau der Kapazität vorgenommen und ein System IBM 4331 installiert werden. Neben dem Zentralsystem wurde im vergangenen Jahr auch eine davon unabhängige Steuerungsapplikation aufgebaut. Zusammen mit der Unternehmensberatung Management Partner, Stuttgart, wurde ein einheitliches Unternehmenskonzept für die Fertigungsplanung entwickelt.

Teilekatalog mit Varianzbreite

Das für die Erarbeitung der neuen Organisation eingesetzte Projektteam bestand aus Mitgliedern der externen Unternehmensberatung, der Datenverarbeitung und der Fachabteilungen der einzelnen Produktionsstätten. Um das Gesamtproblem lösen zu können, wurde zunächst eine Analyse der Tätigkeiten der Fertigungsplaner sowie der zu fertigenden Teile durchgeführt. Die Analyse des Teilespektrums ergab einen hohen Prozentsatz (etwa 70 Prozent) an klassifizierbaren Teilen. Außerdem erbrachte die Untersuchung eine hohe Wahrscheinlichkeit dafür, daß die nicht klassifizierbaren Teile angelehnt werden können.

Die Entscheidung fiel zugunsten einer Klassifizierung nach der Teileform, erweiterbar um Form- und Ausführungsvarianten mit jeweils eigener Fertigungskennziffer. Aufbauend auf diesen Arbeiten wurde dann ein unternehmensspezifischer "Klassifizierungs-Katalog" entwickelt. Damit war eine Voraussetzung für den wirtschaftlichen Einsatz eines dezentralen Datenverarbeitungs-Systems für die Fertigungsplanung gegeben.

Im Rahmen der Neukonzeption wurden EDV-Hersteller um ihre Angebote und Lösungskonzepte (Anwendungssoftware) gebeten. Von 15 Anbietern kamen fünf in die engere Wahl; von diesen erhielt schließlich Nixdorf den Zuschlag.

Zweigwerk online angeschlossen

Das vor einem Jahr zu Testzwecken eingesetzte System Nixdorf 620/45 wurde inzwischen durch ein System 8850 ersetzt. Gegenwärtig arbeitet das System in Weingarten mit zwölf Bildschirm-Arbeitsplätzen und zwei Terminal-Druckern. Im Endausbau, der in einigen Monaten erreicht sein wird, soll die dezentrale Konfiguration über insgesamt 19 Arbeitsplätze verfügen.

Gleichzeitig wird im Zweigwerk in Schwäbisch Gmünd eine weitere 8850 installiert, die per DFÜ mit dem Nixdorf-System in Weingarten verbunden sein wird. An dieses zweite System werden vier Bildschirme und ein Terminal-Drucker angeschlossen. Entsprechend dem auf Dezentralität basierenden Systemkonzept wurden die einzelnen Arbeitsplätze in Weingarten auf die verschiedenen Werksbereiche verteilt. Die Datenkommunikation zwischen dem IBM-Zentralrechner und dem Nixdorf-System erfolgt Offline mittels Magnetband; eine Online-Verbindung ist im Rahmen der nächsten Ausbaustufe vorgesehen.

Auf der Nixdorf-Konfiguration läuft die komplette Fertigungsplanung. Die Gesamtlösung ist aufgeteilt in die Ersterfassung von neuen Arbeitsplänen, das "Kopieren" von Arbeitsplänen schon nach ähnlichen vorhandenen Vorbildern, die Erstellung von Arbeitspapieren (Werkstattaufträge), die Bearbeitung der Rückmeldungen aus der Produktion für die Fertigungssteuerung (sowie für die Lohnabrechnung und Materialbestandsführung) und ein Informations- und Auskunftssystem. Das Konzept stellt sich heute als eine Fertigungsorganisation "aus einem Guß" für alle Werke dar, jedoch unter Berücksichtigung der werksspezifischen Besonderheiten. Die Lösung erfüllt folgende Grundfunktionen:

- Die Arbeitspläne werden nicht auf Belegen vorerfaßt, sondern direkt vom Sachbearbeiter am EDV-Arbeitsplatz dem System eingegeben.

- Über Suchbegriffe hat der Sachbearbeiter die Möglichkeit, direkt auf den gesamten Arbeitsplan-Bestand zuzugreifen, um wiederverwendbare Informationen zu übernehmen.

Bei der Maschinenfabrik Weingarten beträgt die normale Durchlaufzeit für einen Auftrag acht bis zehn Monate. Dies ist die Zeitspanne von der Auftragsannahme bis zur Auslieferung der fertigen Maschine. Innerhalb dieser Bearbeitungszeit werden die neuen Maschinen konstruiert und komplette Arbeitspläne und Fertigungspapiere erstellt.

Die computergestützte Arbeitsplan-Erstellung beginnt, nachdem der Fertigungsplaner eine Zeichnung aus der Konstruktion (einschließlich Sachnummer und Teilebennung) erhalten hat. Der stellt zunächst fest, ob es diesen Arbeitsplan bereits gibt. Dazu erfaßt er lediglich die Sachnummer. Ist der Arbeitsplan vorhanden, kann er sofort auf dem Bildschirm dargestellt werden. Es folgt eine Überprüfung auf Aktualität und eventuelle Änderungen. In etwa zehn bis fünfzehn Prozent aller Fälle kann auf einen vor handenen Arbeitsplan zurückgegriffen werden.

Wenn kein verwendbarer Arbeitsplan vorhanden ist, muß der Fertigunsplaner - sofern es sich um ein klassifizierbares Teil handelt - die achtstellige Klassennummer festlegen. Anhand dieser Klassennummer werden am Bildschirm die ähnlichsten Arbeitspläne einschließlich Kenndaten angezeigt. Aus den vom System angebotenen Arbeitsplänen wählt der Planer den geeignetsten Plan aus und übernimmt wiederverwendbare Teile des Arbeitsplanes mittels Kopierfunktion in das neu zu erstellende Konzept. Für alle nicht einer Formgruppe zuzuordnenden Teile werden wiederum ähnliche Arbeitspläne nach der Teilebennennung und dem Maschinentyp gesucht.

* Walter Lönneker ist freier EDV-Fachjournalist