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16.03.1984 - 

Die PCs als Wegbereiter der Büroautomatisierung, Teil 2

Dezentralisierung - der entscheidende Vorteil

Personal Computer - vor zwei bis drei Jahren noch als bessere Taschenrechner belächelt - überfluten mehr und mehr den Markt. Was Ist an diesen kleinen Computern anders als an den großen? Wie und wo lassen sie sich im Büro bedarfsgerecht einsetzen? Warum verunsichern sie die Organisations- und Datenverarbeitungsabteilungen der Großanwender? Welche Perspektiven eröffnen diese mächtigen Zwerge für das "Büro der Zukunft?" Auf diese Fragen versucht Achim Musiol eine schlüssige Antwort zu geben.

Zur Zeit wirft der Einsatz von Personal Computern noch eine Reihe von Problemen auf, die überblickartig in Bild 6 dargestellt sind: - Da ist zunächst die Barriere der Integration im Personal Computer selbst zu überwinden. Die zur Zeit angebotene Standardanwendersoftware muß - von wenigen Ausnahmen abgesehen - über unterschiedliche und komplizierte Bedieneroberflächen (häufig noch "Mnemonics") bedient werden, die der Anwender lernen muß und die deren Akzeptanz verringert, Außerdem können häufig die Daten zwischen den verschiedenen Standardanwendungsprogrammen nicht problemlos ausgetauscht werden. - Eine weitere Barriere wurde und wird dadurch aufgebaut, daß es auch für PCs ;Inzwischen verschiedene Betriebssysteme gibt (siehe Bild 7), an die nicht jedes angebotene Standardanwenderprogramm "angebunden" werden kann.

- Noch nicht gut gelöst ist ferner das "Anwenderleistungs-" beziehungsweise "Aufgabenlösungsbeschreibungssystem" der Standardanwenderprogramme für PCs zu ihrer bedarfsgerechten Auswahl. (Hat der Anwender aber eine Auswahl nach Bedarf und Investitionsabsicht getroffen, dann kann er einen preis/ leistungsgerechten PC aus dem vielfältigen Marktangebot auswählen. Schließlich kann er Hard- und Software anschaffen und bei der Einführung entweder die Herstellerberatung - sofern sie angeboten wird in Anspruch nehmen oder bei der Einführungsunterstützung auf einen freien Berater zurückgreifen. Das gesamte Vorgehen ist viel einfacher, preiswerter, überschaubarer, unabhängiger, sicherer als bei der Anschaffung von Großrechnern oder von Anlagen der mittleren Datentechnik.)

- Hauptbarriere ist die sehr schwer realisierbare Verknüpfung der PCs mit den konventionellen Datenfernverarbeitungsanlagen und/oder Textsystemen, die bislang nur über die Netzdienste (Dateldienste) der Deutschen Bundespost hergestellt werden kann. Selbst dann wenn eine "Verständigung" zwischen PC und zentraler Datenfernverarbeitungsanlage oder Textsystem möglich ist, erschweren die unterschiedlichen Softwaredesigns eine Zusammenarbeit, was sich vor allem in der "Bedieneroberfläche" am PC bemerkbar macht.

Veränderung der Verfahrensphilosophie

Bei Unternehmen oder Behörden, in denen heute bereits maschinell Daten und/oder Texte verarbeitet werden, hilft nur die Veränderung der gesamten Verfahrensphilosophie das heißt ein Verfahrenskonzept, das auf einer gemeinsamen Datenbasis beruht - weiter.

Alle durch PCs unterstützten Personen in einer Organisationseinheit (Abteilung, Bereich) - insbesondere diejenigen in ablauforganisierten Arbeitsplatzketten - werden nicht mehr auf ein zentrales Verfahren, sondern auf eine zentrale "Datenbasis" in einer "relationalen Datenbank" zugreifen. Die Verarbeitung der Daten wird von kleinen, individuell zusammengestellten Standardanwenderprogrammen in jedem einzelnen PC in gleicher oder anderer Weise dezentral durchgeführt. Anwenderprogramme lassen sich leicht beliebig oft vervielfältigen und über standardisierte Betriebssysteme zu den unterschiedlichsten Softwarepaketen verknüpfen, Bei rapide abnehmenden Hard- und Softwarekosten wird künftig eine Schwelle erreicht, bei der zentrale Intelligenz in einem Großrechner genau so teuer ist wie dezentrale Intelligenz in vielen Personal Computern.

Die Verfahrensentflechtung und Dezentralisierung hat wesentliche Vorteile:

- Ändert sich irgendwo ein Algorithmus, dann muß nicht das gesamte, in sich verfilzte "Großverfahren" geändert werden - mit all der dabei auftretenden Fehleranfälligkeit; - jedes "individuelle", aus weitgehend standardisierten Anwenderprogrammen zusammengesetzte Softwarepaket wird überschaubarer, damit leichter und schneller zusammenstellbar, fehlerfreier und kann nichtprozedurale Programmiersprachen vorausgesetzt - von den Anwendern selbst zusammengestellt (programmiert) und gepflegt werden. - Daten-, Text-, Festbildverarbeitung am Arbeitsplatz kann leichter wahlweise integriert werden als in einer entfernten Zentraleinheit und beseitigt zwangsläufig das Problem der langen Antwortzeiten zwischen Zentraleinheit und Terminals. Bei großen Mehrplatzsystemen, in denen zu bestimmten Tageszeiten häufig viele Terminals gleichzeitig Datenverkehr von und zur Zentraleinheit aufnehmen, können diese Antwortzeiten sehr rasch das vom Anwender akzeptierte Maß überschreiten. Nicht zuletzt entfällt die Gefahr der Überlastung der "zentralen" Zentraleinheit durch eventuell zu viele gleichzeitig in Betrieb befindliche Terminals.

- Außerdem werden durch dezentrale DV drastisch die Übertragungskosten gesenkt - wie in Bild 8 dargestellt. Der Dialogbetrieb zur Datenfernverarbeitung belegt eine Verbindung zwischen Terminal und zentralem Rechner viel länger - der Autor schätzt durchschnittlich mindestens zehnmal so lange - wie eine Verbindung, während der nur Daten aus einer zentralen Datenbank abgerufen oder in ihr archiviert werden, ihre Verarbeitung aber dezentral im "intelligenten" Terminal (Personal Computer) erfolgt. Die langen Belegungszeiten für Fernverbindungen über das öffentliche Netz sind wohl auch die Ursache für den hohen Anteil an festgeschalteten Datenanschlüssen im HfD-Netz. Hier genügen künftig Wählverbindungen.

Bisher ungelöst: Das Datenschutzproblem

Ungelöst sind bei den Personal Computern allerdings bisher Datensicherung und Datenschutz. In traditionellen DV-Anlagen sind inzwischen beinahe standardmäßig Maßnahmen vorgesehen, die den Verlust von erfaßten Daten, Texten, Festbildern verhindern, wenn ein Anwenderprogramm oder das Betriebssystem "abstürzt" oder wenn die Übertragung zwischen irgendeinem Gerät und der Zentraleinheit gestört ist. Bei PCs fehlen Datensicherungsmaßnahmen noch völlig.

Das Datenschutzproblem ist relativ einfach zu lösen, wenn Personal Computer als "Stand-alone-Geräte" eingesetzt werden. Vor unbefugtem Zugang zum Gerät oder zu bestimmten "persönlichen" Daten, Texten, Festbildern oder Programmen kann man sich mit Paßwörtern und mit Diskettensafes schützen. Leider sind Paßworteinrichtungen in den heute angebotenen PCs und bei der Standardsoftware noch nicht vorgesehen.

Sehr viel schwieriger und kryptografisch noch weitgehend ungelöst ist das Datenschutzproblem bei PCs, die "über Draht" Zugang zu zentralen Rechnern haben. Bislang gibt es - außer bei Banken - praktisch noch keinerlei realisierte kryptografische Methode, um sich vor unbefugtem Zugriff auf zentrale Firmendaten" zu schützen.