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27.04.1990

DFN als Moderator zwischen Neulingen und alten Hasen

Das Deutsche Forschungsnetz ist ein beispielhaftes Datenkommunikationssystem, das die Vielzahl der in der Wissenschaft anzutreffenden Computersysteme miteinander verbindet. Um die wichtigsten, auch in der kommerziellen Datenverarbeitung verwendeten Systeme zu nennen: MVS, VM, NOS-VE, BS2000, VMS, Unix, MS-DOS.

Der DFN-Verein unterstützt hierbei die Ziele der "offenen" Datenkommunikation nach den ISO-Normen der Open Systems Interconnection (OSI) wegen der damit verbundenen langfristigen Vorteile für den Anwender.

Das System DFN besteht im wesentlichen aus folgenden vier Komponenten:

- dem X.25-Wissenschaftsnetz WIN als Datenübertragungsdienst (bis zur Ebene 3 des ISO-Schichtenmodells),

- den Diensten "Zeilenorientierter Dialog", "Filetransfer", "Remote Job Entry", "Electronic Mail" und "Directory" als Anwendungen (bis zur Ebene 7 des Schichtenmodells),

- den Zugängen zu den wichtigen internationalen Wissenschaftsnetzen wie Janet, Bitnet, Eunet, NSFNet etc. sowie

- der Beratung der Nutzergemeinschaft im DFN im Umgang mit den DFN-Diensten.

Das WIN ist das erste private Anwenderdatennetz, das die DBP-Telekom für eine Nutzergemeinschaft maßgeschneidert erstellt. Der Vertrag hierzu wurde vom Vorstand des DFN-Vereins und vom Bundesminister für Post und Telekommunikation Anfang September 1989 unterzeichnet. Heute stehen wir bereits kurz vor der Abnahme des WIN. Es besteht aus fünf Knotenrechnern in den Städten Düsseldorf, Mannheim, Augsburg, Hannover und Berlin und aus vorerst maximal 110 Anschlüssen mit der Übertragungsgeschwindigkeit von 9,6 KBit/s und 125 Anschlüssen mit 64 Kbit/s. Ausgelegt ist das WIN vorerst für ein Gesamtvolumen von 50 GigaBytes/Monat. Die Technik des WIN entspricht im wesentlichen der des allgemeinen Übertragungsdienstes Datex-P.

Die Vorteile für die Wissenschaft liegen zum einen

- in der Leistungsfähigkeit des WIN: das WIN soll den Bedürfnissen der Wissenschaft nach schneller Datenkommunikation angepaßt werden. Bereits im kommenden Jahr soll es Anschlüsse mit der Datenübertragungsgeschwindigkeit von 1,92 Mbit/s geben.

- WIN soll vor allem auch kostenattraktiv sein: es wird zu pauschalen Anschlußpreisen vom DFN-Verein seinen Mitgliedern angeboten; 1500,- Mark/Monat kostet ein 9,6 Kbit/s-Anschluß und 5000,- Mark/Monat ein 64 Kbit/s-Anschluß. Der 2 Mbit/s-Anschluß soll bei 20 000,- Mark/Monat liegen. Volumenabhängige Gebühren gibt es nicht im WIN, weil diese die Datenkommunikation wegen der Etatisierungsprobleme bei öffentlichen Haushalten hemmen.

- Zudem gibt es für interne Datenleistungen Gebühreneinsparungen bis zu 50 Prozent, wenn diese Leitungen Zuleitungen zum WIN darstellen.

Ein weiterer Vorteil des WIN: Jede angeschlossene Einrichtung hat freien Zugang von und ins Datex-P der DBP-Telekom und in das paneuropäische Wissenschaftsnetz IXI (International X.25 infrastructure).

Mehr als 130 Anschlüsse zählt das WIN bereits, darunter fast alle wissenschaftlichen Hochschulen, Max-Planck-lnstitute, Großforschungseinrichtungen, Anbieter von Datenbanken, Bibliotheken und auch private Wirtschaftsunternehmen. Für die "Privaten" sind es nicht immer nur Preisvorteile, die für ihren Anschluß an das WIN und für die Mitgliedschaft im DFN-Verein sprechen, sondern auch die Erfahrungen, die sie im Umgang mit neuartigen Kommunikationsformen im Deutschen Forschungsnetz sammeln können. Zum Beispiel ist der DFN-Verein weltweit eine der größten Nutzergruppen für den elektronischen Nachrichtendienst nach der CCITT-Empfehlung X.400 und einer der ersten FTAM-Pilotanwender im heterogenen Rechnerverbund.

Auch aus der Sicht der Hochschulen ist es sehr wichtig, daß alle ihre Partner in Forschung und Entwicklung über einen Anschluß an das WIN verfügen; denn Datenkommunikation innerhalb des WIN verursacht für sie keine zusätzlichen Kosten.

Datenkommunikation vom WIN ins Datex-P aber kostet voIumenabhängige Gebühren, für die die Hochschulen in der Regel keinen Etatansatz haben.

Das WIN ist eine sehr wichtige Säule für die Datenkommunikation in der Wissenschaft in der Bundesrepublik Deutschland. Nach dem Abbau der Mauer drängen auch die Wissenschaftseinrichtungen der DDR zum DFN. Der DFN-Verein sucht daher nach Lösungen, kurzfristig bis zum Sommer 1990 auf vorerst provisorischem Wege und längerfristig durch Erweiterung des WIN die Hochschulen und Forschungseinrichtungen der DDR mit den Wissenschaftseinrichtungen der BRD und mit den internationaIen Wissenschaftsnetzen zu verbinden.

Die Wissenschaftler nutzen derzeit den Weg der elektronischen Datenkommunikation, um vor allem in Datenbanken zu recherchieren (hierfür dient der Dialogdienst), um Dateien zu übertragen (Filetransfer-Dienst), um auf entfernte Rechnersysteme für wissenschaftliche Berechnungen zuzugreifen, um Großrechner und aufwendige Rechnerprogramme im Verbund zu nutzen (Remote Job Entry-Dienst), um Nachrichten zu versenden und zu empfangen (Message Handling-Dienst nach X.400) sowie um grafische Informationen und Dokumente über ein Rechnernetz gemeinsam zu bearbeiten (Grafik-Dienst). Um den Wissenschaftler bei der Nutzung der Kommunikationsdienste zu unterstützen, gibt es eine verteilte Adreßverwaltung (Directory-Dienst nach X.500).

Der DFN-Verein ermuntert die Hersteller, für diese DFN-Dienste die entsprechende Kommunikationssoftware zu entwickeln, und unterstützt sie bei der Erprobung von DFN-(OSI-)konformer Software. In den Fällen, in denen die notwendige Software nicht vom Hersteller bereitgestellt wurde, ließ beziehungsweise läßt der DFN-Verein im Interesse seiner Mitglieder und mit finanzieller Unterstützung durch den Bundesminister für Forschung und Technologie entsprechende Anwendungssoftware entwickeln. Dies ist vor allem der Fall für folgende Dienste:

a) den Remote Job Entry-Dienst: Hierfür gibt es DFN-Produkte für die Betriebssysteme NOS-VE, MVS, VM, BS2000, VMS, Unix und MS-DOS,

b) den Message Handling-Dienst: Hierfür gibt es DFN-Produkte für die Systeme MVS ("UCLA/Mail 400"), Unix ("OSI-TEL/400") und VMS (DFN-EAN),

c) den Grafik-Dienst: Hierfür gibt es DFN-Produkte für die Systeme VM, VMS und Unix.

Die DFN-Mitglieder können diese Produkte unentgeltlich nutzen. Für seine Produkte übernimmt der DFN-Verein auch die Verpflichtung, sie ordnungsgemäß zu dokumentieren und zu pflegen. Hierfür bedient er sich einer Reihe sogenannter "Referenzmaschinen", das sind Universitätsrechenzentren, Rechenzentren von Großforschungseinrichtungen, Softwarehäuser oder Hersteller, die als Referenzeinrichtungen für die entsprechenden Produkte fungieren. Beispiele hierfür sind die TU Berlin für das Betriebssystem NOS VE, die Deutsche Gesellschaft für Luft- und Raumfahrt (DLR) für das Produkt "UCLA/Mail 400", das Softwarehaus Danet für das Produkt "OSITEL/400", die Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (GMD) für das Produkt "DFN-EAN" oder Digital Equipment für das Produkt "DFN-RJE" unter dem Betriebssystem VMS.

In der Regel zieht der DFN-Verein die Entwickler der Software auch für den Service heran. Längerfristig wird der DFN-Verein das Schicksal seiner Produkte aus seiner Verantwortung herauslösen, da er als Anwendervereinigung diese Aufgabe nur als einen notwendigen Zwischenschritt zur OSI-Markteinführung ansieht.

Die dritte Komponente des Systems "DFN" ist der Zugang zu internationalen Wissenschaftsnetzen. Der DFN-Verein betreibt eine Reihe von Relays und Gateways, um den internationalen Datenaustausch zwischen folgenden gleichen oder unterschiedlichen Protokollwelten sicherzustellen:

1. X.400-Message Handling zu anderen nationalen Wissenschaftsnetzen wie Janet in Großbritannien, Réunir in Frankreich, Surfnet in Holland, Switch in der Schweiz und so weiter über einen Relay via IXI,

2. X.400-Message Handling zum EARN beziehungsweise Bitnet über einen Gateway,

3. X.400-Message Handling zum Eunet über einen UUCP-Gateway,

4. X.400-Message Handling zu den US-Internets wie NSFNet, Arpanet, ESNet über einen SMTP-Gateway,

5. FTAM-Filetransfer zu den US-Internets über einen FTP-Gateway,

6. X.3, X.28, X.29-Dialog zu den US-Internets über einen TEL-Net-Gateway,

7. TCP/IP-Dienste Telnet, FTP und SMTP von IP-Hosts im DFN zu den US-Internets über entsprechende Router-Funktionen; dieser letztere Dienst ist Entgeltpflichtig.

Für die Verbindung von WIN zum IXI stehen je nach Bedarf eine oder mehrere 64 KBit/s-Leitungen zur Verfügung. Für die US-Verbindung gibt es derzeit eine 64 Kbit/s-Leitung des DFN-Vereins, die demnächst auf 256 Kbit/s erweitert werden wird.

Der DFN-Verein sieht es als seine Aufgabe an, die Anwender bei der Datenkommunikation zu beraten. Besondere Probleme ergeben sich aus der Heterogenität der eingesetzten Computer. Ein Beispiel:

Filetransfer zwischen dem Betriebssystem XYZ und AB mag funktionieren; auch zwischen AB und CDE-FG treten keine Probleme auf. Aber der Anwender hat Schwierigkeiten bei der Kommunikation zwischen XYZ und CDE-FG. Wenn ein Rechenzentrum dieses Problem gelöst hat, kann es seine Erfahrungen an andere weitergeben, so daß diese nicht wieder bei Adam und Eva anfangen müssen. Hierfür gibt es beim DFN-Verein regelmäßige "Betriebstagungen". In entspannter Atmosphäre treffen sich die Anwender, um in System-spezifischen und Dienste-spezifischen Arbeitskreisen untereinander und mit Herstellern konkrete Fragen der Datenkommunikation in heterogener Umgebung zu erörtern. Neulinge in diesem Geschäft lernen so aus den Erfahrungen der alten Hasen. Der DFN-Verein tritt dabei im wesentlichen als Moderator auf.

Dies ist eine Ebene der Beratung: Hilfe zur Selbsthilfe. Die Mitarbeiter der Geschäftsstelle beraten aber auch direkt, sei es am Telefon oder bei persönlichen Begegnungen. Zunehmend setzt der DFN-Verein auch elektronische Medien zur Information und Beratung ein, zum Beispiel das Conferencing als ein elektronisches Forum für den Erfahrungsaustausch. Das elektronische Informationssystem des DFN-Vereins bietet dem interessierten Nutzer kostenlos alles Wissenswerte zum DFN und zur Datenkommunikation an. Das Informationssystem ist im Dialog über das Datex-P und über das WIN erreichbar. Außerdem können Informationen auch über X.400-Message Handling abgerufen werden.

Nicht genug damit: Der Nutzer - vor allem in den kleineren Wissenschaftseinrichtungen - benötigt schnelle Beratung vor Ort. Hierfür wird ein dezentraler Beratungsdienst - zunächst als Pilotprojekt für drei Jahre - eingerichtet.

Diese Initiative des DFN-Vereins wird nicht nur den Nutzern helfen, sondern auch die Computerhersteller, die OSI herausstellen wollen, in ihrer täglichen Arbeit entlasten. Gemeinsam mit der europäischen Anwendervereinigung OSITOP unterstützt der DFN-Verein die Idee der "offenen Kommunikation" im Interesse seiner Mitglieder und aller Anwender der elektronischen Datenkommunikation.

Eine Selbsthilfe-Organisation

Datenkommunikation mit Hilfe elektronischer Medien ist für die wissenschaftliche Zusammenarbeit im nationalen und internationalen Rahmen unverzichtbares Hilfsmittel geworden. Das Deutsche Forschungsnetz ist hierfür die leistungsfähige Infrastruktur für den Wissenschaftler in der Bundesrepublik Deutschland, damit Forschung und Lehre auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb bestehen können. Der DFN-Verein - Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes e.V. - ist die Selbsthilfeorganisation der Hochschulen und der außeruniversitären Einrichtungen von Forschung und Entwicklung für Belange der Datenkommunikation. Für seine Ziele erhielt und erhält der DFN-Verein Zuwendungen des Bundesministers für Forschung und Technologie von über 100 Millionen Mark.