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Ab 1992 Beginn des 2-Mbits-Betriebes

DFN sieht für das deutsche WIN die Gefahr der Drittklassigkeit

29.11.1991

MÜNCHEN (gh) - Die wissenschaftliche Datenkommunikation in Deutschland wird ab Januar 1992 eine verbesserte Infrastruktur vorfinden. Zu diesem Termin plant der Verein zur Förderung eines Deutschen Forschungsnetzes (DFN) die Aufnahme des 2-Mbit/s-Betriebes im X.25-Wissenschaftsnetz WIN. Für den DFN ist dies allerdings kein Grund, sich mit dem erreichten Niveau zufriedenzugeben, wie DFN-Vorstandsvorsitzender Dieter Haupt in einer Philippika gegen die Forschungspolitik von Bund und Ländern deutlich machte.

Als einen wichtigen Schritt in Richtung Hochgeschwindigkeits-Datenkommunikation bezeichnete Haupt, Professor an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen, den Ausbau von WIN in den 2-Mbit/s-Bereich. Obwohl sich, so der DFN-Vorsitzende, das Spektrum der WIN-Anwendungen durch diesen Leistungszuwachs deutlich erweitere, könne man bei den jetzt erreichten Übertragungsgeschwindigkeiten noch keineswegs von einem Hochgeschwindigkeitsnetz sprechen. Daher fasse der DFN als nächste Ausbaustufen des Wissenschaftsnetzes für die Jahre 1993/94 Geschwindigkeiten von 34 Mbit/s ins Auge, längerfristig werden Übertragungsraten bis zu 140 Mbit/s angepeilt.

Um im internationalen Wettbewerb auf Dauer bestehen zu können, sei dies aber bei weitem nicht ausreichend, betonte Haupt und übte heftige Kritik an der mangelnden Bereitschaft bundesdeutscher Forschungs- und Bildungspolitiker, dies zu akzeptieren. "Wenn wir politisch und wirtschaftlich weiterhin eine führende Rolle spielen wollen, können wir es uns nicht leisten, im Bereich von Forschung und Wissenschaft zu einer zweitklassigen oder gar drittklassigen Nation zu werden", stellte der DFN-Sprecher fast beschwörend fest.

"Die Wissenschaft hat eine gesellschaftliche Aufgabe", rechtfertigte Haupt weitergehende Forderungen seiner Organisation, daher sei es legitim, dem internationalen Vergleich angemessene und konkurrenzfähige Bedingungen einzuklagen. Gerade für den Bereich der Datenkommunikationsforschung gelte es, sich endlich an geeigneten Maßstäben zu orientieren. Wir dürfen uns nicht an Gesellschaften messen, die sich darüber freuen, wenn sie morgen das Telefon bekommen", fuhr der Aachener Wissenschaftler fort, sondern "an den in der Kommunikationstechnik führenden Nationen USA und Japan."

In diesen Ländern seien Forschungsprojekte im 500- bis 1000-Mbit/s-Bereich gang und gäbe, in Japan liefen sogar erste Untersuchungen mit Übertragungsraten bis 5000 Mbit/s, bilanzierte Haupt den Know-how-Vorsprung seiner ausländischen Kollegen. Hinzu komme das leidige Thema der Monopolstellung der deutschen Telekom, die als Netzbetreiber aufgrund der Gesetzeslage oftmals Projekte blockiere. Grundsätzliche Forderung für den nationalen Bereich sei daher, so Haupt, "daß jede vorhandene technische Einrichtung Wissengchaftszwecken zur Verfügung steht und daß dort, wo keine Kapazitäten vorhanden sind, entsprechende Eigeninitiativen nicht behindert werden".

Ab 1992 wird zunächst einmal durch die Erweiterung des WIN in den 2-Mbit/s-Bereich die maximale Übertragungsgeschwindigkeit - im Vergleich zu den derzeit schnellsten Anschlüssen mit 64 Kbit/s - bis um den Faktor 30 erhöht. Dies schafft laut DFN erstmals die Voraussetzungen für Anwendungen wie die Recherche in Bilddatenbanken, X-Window-Applikationen und die Übertragung umfangreicher experimenteller Daten an den eigenen Arbeitsplatz. Auch der Austausch von Forschungsergebnissen in visualisierter Form wird vereinfacht.

Der Ausbau des von der Telekom im Auftrag des DFN betriebenen WIN war bereits Bestandteil des Vertrages über das Wissenschaftsnetz. Erfahrungen mit der neuen Weitverkehrstechnik wurden in einem einjährigen Feldversuch gesammelt, der der Einführung der 2-Mbit/s-Anschlüsse vorausging. Die Ergebnisse des Feldversuchs führten nach Angaben des DFN unter anderem zu Softwareverbesserungen für die WIN-Netzknoten. Weiteres Resultat des Feldversuches: Vier Mitgliedseinrichtungen des DFN konnten bereits Erfahrungen mit der neuen Technik sammeln - die Universität Erlangen, das Leibniz-Rechenzentrum in München, die Universität Hannover sowie das Deutsche Elektronen Synchrotron Desy.

Seit Oktober dieses Jahres haben auch erste Wissenschaftseinrichtungen der östlichen Bundesländer direkten Zugang zu WIN. Sowohl die Berliner Humboldt Universität als auch das Institut für Hochenergiephysik in Zeuthen sind über 64-Kbit/s-Leitungen direkt mit dem X.25-Wissenschaftsnetz verbunden. Ein weiterer Direktanschluß des Institutes für Informatik und Rechentechnik (IIR) in Berlin-Adlershof wurde für diese Tage angekündigt.