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12.09.1980

DFÜ-Einführung heute ohne Risiko?

Auch bei der Datenfernübertragung haben die Pioniere das Lehrgeld bezahlt. Anno 1970 bewegte man sich noch "auf Neuland". Heute sind nach Ansicht von Hans Bodenstein, Leiter Referat DFÜ-Systemtechnik, die, "Kinderkrankheiten" überwunden. Man habe "eher die Qual der Wahl bezüglich der einzusetzenden TP-Software". Die Hochtief AG, Frankfurt, jedoch kämpft immer noch mit Jobs, die eine umfangreiche Ausgabe erfordern und dadurch kurze Rückübertragungen zur Zentrale blockieren können. Auch macht es die Vielzahl der im System zusammenwirkenden Faktoren, so Hans Reinicke, nicht leicht, einen Fehler zu orten. Hans Querbach von der Charkes Hosie GmbH, Hamburg, profitiert als Latecomer von den Erfahrungen, die andere vor ihm gemacht haben. Bei der Einführung 1979 gab es kaum Störungen.

Hartmut Schmidt

Leiter Referat Dezentrale Systemanalyse und Systemtechnik und

Hans Bodenstein

Leiter Referat DFÜ-Systemtechnik, Haftpflichtverband der

Deutschen Industrie V. A. G., Hannover (Siemens 7.748, BS1000)

Aus Sicht eines Anwenders, der bereits seit acht Jahren die DFÜ als Bestandteil des organisatorischen Ablaufes im Einsatz hat, ist es nicht leicht, zu rekapitulieren, welche Probleme und Schwierigkeiten sich bei der Ersteinführung ergaben.

Während einer Phase der Beschimpfung, "was die Datenverarbeitung doch für ein undurchsichtiges Geschehen ist", haben wir begonnen, unsere Anwendungen zu dialogisieren. Zwingende Gründe veranlaßten uns dazu:

- überproportionales Wachstum,

- chronischer Personalmangel im Sachbearbeiterbereich

- überlange Reaktionszeiten im Gesamtablauf,

- Engpaß in der Datenerfassung (dezentral mit MDT),

- steigende Papierflut,

- mangelnde Transparenz der DV-Anwendungen.

Alle Gründe zusammengefaßt bedeutet das für unsere Sachbearbeiter sowohl steigende Aktivitäten auf dem verwaltungsmäßigen Sektor als auch abnehmende Tätigkeiten auf dem eigentlichen Gebiet der Bearbeitung wie Beratung und Betreuung unserer Versicherungsnehmer. Wir mußten also schnellstens reagieren, um den Service zu verbessern, zumal der HDI ohne Provisionsaußendienst arbeitet.

Folgende Punkte waren dabei zu berücksichtigen:

- kurzfristige Änderungen im organisatorischen Ablauf;

- Verlagern der Verantwortlichkeit der Datenerfassung auf Sachbearbeiter;

- Einbeziehen der Sachbearbeiter in die DV-Anwendungen durch den Einsatz von Datensichtgeräten und Terminaldruckern;

- Heranführen an eine aktenarme Bearbeitung;

- mangelnde Bereitschaft zur Mitarbeit seitens der Fachabteilungen.

Zur Lösung unserer Probleme wurden je nach Stand der Realisierung die betroffenen Fachabteilungen der Zentrale und der Außenstellen in das DV-Team einbezogen, so daß fachliche und DV-technische Belange in relativ kurzer Zeit zu einem Ergebnis zusammengefaßt werden konnten. Daraus ergaben sich nach und nach Realisierungsstufen, die bis zur qualifizierten Datenerfassung über Datensichtgeräte durch den Sachbearbeiter führten.

Mit einzelnen Testinstallationen versuchten wir Schwierigkeiten sowohl im technischen als auch psychologischen Bereich zu finden und abzubauen. Diese Vorgehensweise hat sich, rückblickend betrachtet, bewährt. Erst einmal "Fuß gefaßt" habend, erlebten wir eine Euphorie, die uns manchmal geradezu "ängstlich" stimmte. Folge dieses Vorgehens - nun wollten mit aller Macht alle Bereiche sofort an dem Geschehen partizipieren. Jetzt waren wir diejenigen, die auf chronischen Personalmangel hinweisen mußten Umkehr der Medaille. Ein potentieller DFÜ-Anwender erscheint uns gut beraten, eine solche Entwicklung mit einzukalkulieren.

Sicherlich darf nicht vergessen werden, daß der Startschuß zu diesem organisatorischen und DV-technischen Unterfangen bei uns bereits 1970 gegeben wurde.

Wir befanden uns, was das Thema DFÜ anging, auf der sogenannten "grünen Wiese" - dort allerdings in bester Gesellschaft denn: Vergleichbares existierte nur als Denkmodell. Das Know-how bezüglich technischer und softwaremäßiger Realisierung solcher Projekte war zu diesem Zeitpunkt bei unserem Hersteller noch nicht in dem Maße vorhanden, um das Ganze ohne Komplikationen durchzuziehen. Bereits das Erreichen der ersten Ausbaustufe mit etwa 30 Datensichtgeräten und zwei Terminaldruckern brachte unser weitgehend handgestricktes System zum Erliegen.

Eine völlig neue Konzeption der Anwendungen sowie der Einsatz eines inzwischen entwickelten, durchsatzkräftigen TP-Monitors waren unumgänglich.

Solche Probleme dürften jedoch der Vergangenheit angehören. Heute hat man, abhängig vom Anlagentyp und dem eingesetzten Betriebssystem, eher die Qual der Wahl bezüglich einzusetzender TP-Software. Außerdem sollte man inzwischen ausreichende DFÜ-Erfahrung bei den größeren Herstellern voraussetzen können.

Nach einer Konsolidierungsphase (allerdings sehr kurz geraten) mußten wir uns mit Neuerungen in allen Ebenen unseres Systems auseinandersetzen. Sogenannte Verbesserungen stellten sich nicht immer als solche heraus.

Wir sind augenblicklich dabei uns selbst wieder das Leben schwer zu machen. Durch Einsatz neuer Transdata-Komponenten (Datenstationsrechner, neue Datensichtgeräte) wollen wir versuchen, den bei unseren DFÜ-Benutzern entstandenen Appetit auf mehr oder bessere Informationen zu stillen. Fazit: Mit Einsatz eines DFÜ-Systems ergibt sich zwangsläufig weder im organisatorischen noch im DV-technischen Bereich ein sogenannter "Stillstand der Rechtspflege".

Trotz allem war aus jetziger Sicht der damalige Schritt (zunächst als notwendiges Übel betrachtet) eine richtige Entscheidung. Die ursprünglich gesetzten Ziele sind weit überschritten worden - der Mut zum Risiko hat sich gelohnt. Heute sind alle zentral geführten Versicherungsdaten für unsere 27 über die Bundesrepublik verteilten Außenstellen direkt einseh- und veränderbar. Der Einsatz der DFÜ hat zur wesentlich schnelleren Information und Bearbeitung aller versicherungsspezifischen Belange beigetragen.

Hans Querbach

Leiter Bereich Controlling und Prokurist, Charkes Hosie GmbH, Hamburg (HP 3000)

Bei uns im Unternehmen werden zwei Standleitungen und eine Wählleitung betrieben. An die Standleitungen mit einer Übertragungsrate von 1200 Baud sind jeweils fünf beziehungsweise zwei Terminals angeschlossen, über die der Dialog-Betrieb mit dem Rechner erfolgt. Der Betrieb erfolgt ausschließlich im Ortsnetz. Die Standleitungen sind mit Multiplexer von TKD ausgerüstet, und es sind verschiedene Modems angeschlossen.

Seit Inbetriebnahme des Systems im Oktober 1979 sind kaum Störungen des Dialog-Verkehrs aufgetreten, die auf technische Ursachen der Leitungen beziehungsweise der angeschlossenen Multiplexer und Modems zurückzuführen sind. Häufigster Störfall (bisher etwa zehn Fälle) ist das Auftreten sogenannter Streuzeichen.

Die aufgetretenen Störungen konnten innerhalb jedes Einzelfalles im Laufe eines Tages durch die Deutsche Bundespost beziehungsweise dem Hersteller unserer Multiplexer beseitigt werden. In einem Fall handelte es sich um eine korrigierte Steckerverbindung bei der Postleitung. Abgesehen von diesen Störungen im Dialog-Betrieb funktioniert die Daten-Fernübertragung bisher einwandfrei.

Die ebenfalls im Ortsnetz betriebene DFÜ funktioniert über eine Wählleitung (Übertragungsrate 900 Baud) seit Inbetriebnahme ohne technische Beanstandungen. Mit dieser Leitung erfolgt allerdings die Datenübertragung nur in einer Richtung.

Erste Erfahrungen mit DFÜ wurden bereits vor Aufnahme des Echtzeitbetriebs gesammelt. So wurden noch vor der Inbetriebnahme des eigenen Rechners Terminals mit Akustikkopplern für die Programmerstellung eingesetzt. Diese Terminals waren an einen Rechner des Herstellers angeschlossen.

Auch hierbei traten keine relevanten Störungen auf. Es empfiehlt sich jedoch bei DFÜ mittels Wählleitung eine gesonderte Amtsleitung für diesen Betrieb zu reservieren, da nach unseren Erfahrungen Störungen auftreten können, wenn der Betrieb über einen Nebenstellenapparat erfolgt.

Hans Reinicke

Systemanalytiker im Rechenzentrum der Hochtief AG, Frankfurt (IBM 4331 DOS/VSE)

Hochtief gehört zu den großen Bauunternehmungen Europas. Die Niederlassung Frankfurt besitzt als größte innerdeutsche Niederlassung ein eigenes Rechenzentrum mit DFÜ-Anschlüssen zu Geschäftsstellen im süddeutschen Raum und zur Zentrale nach Essen. Unser Rechenzentrum betreibt eine IBM 4331-Anlage mit DOS/VSE Betriebssystem und folgenden DFÜ- beziehungsweise RJE-Anschlüssen:

- RJE-Anschluß an Nixdorf DSS 620 (Standleitung ohne Modem) zum Übertragen der Daten in den IBM-Rechner.

- Offline DFÜ-Terminal (Bandgerät, Wählleitung, Modem) zum Empfangen der Eingabedaten der Geschäftsstellen und Senden der Ergebnisse sowie zum Datenaustausch mit dem RZ der Zentrale Essen.

- RJE-Anschluß an Digital 11/34 (Standleitung, mit Modem) zur Übertragung von Daten, die an der Digitalanlage weiterverarbeitet werden.

- RJE-Verbindung Digital 11/34 zu einer CDC Cyber 175 (Standleitung mit Modem).

Es ist geplant, die IBM-Anlagen von HT-Essen und HT-Frankfurt durch eine Standleitung zu verbinden, die hauptsächlich zwei Vorteile bringen soll: Ausweichmöglichkeit für das RZ der Zentrale bei Überlastung. Dabei ist in erster Linie an technisch-wissenschaftliche Anwendung gedacht.

Der Datenaustausch zwischen beiden Rechenzentren wird einfacher und rationeller gestaltet.

Alle vier Verbindungen werden für technisch-wissenschaftliche und kommerzielle Aufgaben eingesetzt. Mit den verschiedenen Verbindungen konnten wir folgende Erfahrungen sammeln:

- IBM-Nixdorf DSS620

Die Übertragung der Daten zur IBM-Anlage geht problemlos vonstatten. Im Vergleich zu früheren Erfassungsgeräten mit Bandeingabe hat sich sowohl das Handling, als auch die Belastung der Rechenanlage erheblich vermindert. Die Verbindung arbeitet nahezu störungsfrei.

- Offline DFÜ-Terminal

Diese Verbindung wird zur Bearbeitung von Bauangeboten der Geschäftsstellen benutzt. Die Kalkulationsdaten werden von der Geschäftsstelle in das RZ übertragen, dort wird das Angebot errechnet und auf Band gespeichert. Dieses Band wird über DFÜ-Verbindung zur Geschäftsstelle rückübertragen. Diese Art der Übertragung benötigt zwangsläufig mehrere Eingriffe durch das Bedienungspersonal. Zu Zeiten regen Telefonverkehrs ist zudem die Übertragung störungsanfällig. Bei fehlerhaften Daten sind zur Korrektur Telefonate und unter Umständen eine Neuübertragung erforderlich.

Der Datenverkehr mit der Zentrale ist weniger problematisch, da meistens bereits von Programmen bearbeitete Daten übertragen werden, die keine Fehler mehr enthalten.

Diese Art der Datenübertragung entspricht nicht mehr den Erfordernissen eines modernen Rechenzentrums. Deshalb ist vorgesehen, sie in naher Zukunft einzustellen. Die Geschäftsstellen erhalten dann "kleine" Computer, auf denen auch die Angebotsbearbeitung durchgeführt wird, mit Programmen die von den Rechenzentren in Essen und Frankfurt gepflegt werden. Der Datenaustausch mit der Zentrale soll über die bereits erwähnte Rechnerverbindung durch Standleitung durchgeführt werden.

- IBM-Digital 11/34

Über diese Verbindung werden derzeit Daten statischer Berechnungen übertragen, die an der 11/34 zu Zeichnungen weiterverarbeitet werden. Diese Übertragung vermindert den Umfang der Ausgabedaten und entlastet die lBM-Anlage. Das elektronische Zeichengerät ist an die 11/34 Online angeschlossen, so daß bis zum Trennen der Zeichnungen kein Bedienungseingriff erforderlich ist.

- Digital 11/34 - Cyber 175

Eine Verbindung mit einem Großrechner ist erforderlich, da eine Reihe technisch-wissenschaftlicher Programme zu groß und zu rechenintensiv für die IBM-Anlage ist. Außerdem werden dort angebotene Programme eingesetzt. Die Digital 11/34-Anlage hat ein einfaches Terminal abgelöst, um die Möglichkeit zu schaffen, die Ergebnisse im eigenen Rechner durch Nachlaufprogramme (zum Beispiel Zeichenprogramm) weiterverarbeiten zu können.

Probleme können hier durch Jobs mit umfangreicher Ausgabe entstehen, die wiederum kurze Jobs für die Rückübertragung blockieren können. Abhilfe schafft hier der Ausdruck am Großrechner oder die Zerlegung des umfangreichen Ergebnisses in Teiljobs.

Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten arbeiten die genannten Systeme bei uns zuverlässig. AIIerdings war durch die Vielzahl der Faktoren (Rechner-Terminal-Modem-Postleitungen), das Lokalisieren von Fehlern nicht immer einfach. Schwierigkeiten bereitete dabei auch das Anschließen von Meßgeräten über einen längeren Zeitraum hinweg, da diese Geräte offensichtlich nicht in genügender Anzahl vorhanden sind. So ist es fast unmöglich, einen sporadisch auftretenden Fehler (etwa Doppelübertragung von Blocks) zu finden.

DFÜ-Verfahren in den verschiedenen Anwendungsformen haben gegenüber den herkömmlichen Datentransporten den Vorteil der einfacheren Handhabung und der größeren Geschwindigkeit. Darüber hinaus können Arbeiten an geeignetere oder kostengünstigere Systeme übertragen werden.