Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

01.08.1975 - 

Technische Möglichkeiten und wirtschaftliche Realitäten

DFÜ lohnt nur langfristig

MÜNCHEN - Die Bundespost steuert über Gebühren eine Nachfrage, die sie nur unzureichend zu decken vermag. Das verunsicherte - insbesondere seit der letzten Gebührenerhöhung im Juli 74 - zahlreiche Anwender. Sie müssen zusehen, wie die Kosten für den Transport von einem Megabit über 100 Kilometer deutsches Fernsprechnetz 7,30 DM betragen - in den USA im Datran-Netz zwischen 1,65 und 1,90 DM und im Arpa-Netz sogar nur 30 bis 90 Pfennig.

Ein internationaler Gebührenvergleich der Diebold Deutschland GmbH (vergleiche Abbildung links) zeigte, daß die Bundesrepublik mit ihren Fernmeldegebühren an der Spitze der großen Industrieländer liegt. Wird DFÜ angesichts dieser Postpolitik interessant?

Diebold kam in einer Studie zu dem Ergebnis, daß in der derzeitigen Lage "nur noch DFV-Systeme gerechtfertigt werden können, die die Weiterentwicklung einer Gesamtorganisation auf langfristige unternehmenspolitische Ziele hin unterstützen, so daß kurzfristige Kosten-Nutzen-Überlegungen zurücktreten".

Die Abschreckung der Kleinen

Kleine Anwender werden - spätestens seit Juli 1974 - durch hohe Grundgebühren abgeschreckt: ein Modem D 200 S kostet seitdem im Monat 155 Mark, ein Modem D 1200 S 214,50 Mark. Das ist kein vernünftiges Verhältnis mehr zu den Übertragungsgebühren, für die häufig ein Zwanzig-Mark-Schein ausreicht oder zu RZ-Service-Kosten, die laut Diebold bei 95 Prozent aller Kunden im Durchschnitt monatlich 400 Mark ausmachen (die fünf Prozent Großkunden außer acht gelassen).

Auch große Anwender werden von den Grundgebühren hart getroffen: einer der größten deutschen Datex-Kunden mit 250 Terminals und 60 Anschlüssen zahlte bis 30. 6. 74 rund 400 000 Mark Grundgebühren und seitdem 750 000 Mark im Jahr (Erhöhung der Grundgebühr für Datex-Anschluß von 110 auf 200 Mark im Monat).

Großanwender sind im allgemeinen im Vorteil: sie stolpern nicht schon über die hohe Schwelle am Eingang zur DFÜ, sondern können Kostensteigerungen durch Alternativ-Lösungen auffangen. Durch Multiplexer und Konzentratoren, Vorfeld- und Satellitenrechner lassen sich feste Übertragungswege besser ausnutzen. Weitere Ausweichmöglichkeiten: Rekonfiguration des Netzes; Übergang von festen Verbindungen auf Wählleitungen, Datenträgertransport durch Kurierdienst; Verzicht auf Aufbau von Ringnetzen mit entsprechendem Sicherheitsverlust; unvollständiges DFÜ-Netz bzw. Verzicht auf Anschluß einer Vielzahl kleiner Geschäftsstellen; Abwälzen erhöhter Kosten auf den Verbraucher.

Bis 25 Prozent der Hardware-Kosten

ln vorhandenen DFÜ-Systemen machen die Übertragungskosten heute zwischen 8 und 25 Prozent der Gesamt-Hardwarekosten aus. Durch DFÜ Hardware-Kosten zu sparen, wird in dem Maß uninteressanter, in dem die Hardware billiger die Übertragung aber teurer wird. Ein Beispiel dafür, wie die Post die Nachfrage zu steuern versucht, bieten die Nachtgebühren: sie betragen beim Telex- und Datex-Netz knapp ein Fünftel der Taggebühren, beim Fernsprechnetz sind sie zwischen 33 und über 80 Prozent niedriger. Nächtliche automatisierte Fernverarbeitung oder Datenübertragung kann wirtschaftlich sehr interessant sein. DFÜ im Ganztagesbetrieb erfordert feste, geschaltete Leitungen - seien es "überlassene Stromwege" oder "Hauptanschlüsse für Direktruf".

Auch schlechte Auslastung lohnt

Die Kosten hierfür sind von der Entfernung und Übertragungsgeschwindigkeit abhängig - je besser die Leitung ausgenutzt wird, desto billiger wird die Übertragung pro Bit. Die öffentlichen Wählnetze (Fernsprecher, Telex und Datex) sind örtlich und zeitlich oft überlastet, so daß das Inkaufnehmen der hohen Tag-Gebühren nicht ohne weiteres zügiges Arbeiten sicherstellt.

Feste Standleitungen werden - bei entsprechend hohen Kosten -deswegen auch in solchen Fällen gewählt, in denen eine Auslastung gar nicht möglich ist. Durchschnittliche Nutzung von einer bis vier Stunden pro Tag sind eher die Regel als die Ausnahme.

Anwender bemängeln neben der Höhe der Gebühren vor allem die vielfältigen Unsicherheiten: bei fest geschalteten Verbindungen ist Wartung und Entstörung vor allem nachts und am Wochenende nicht geregelt: die Kostenentwicklung stellt eine Unbekannte dar, da die Post ihre Gebühren einseitig ohne Einhaltung von Fristen ändern kann; verbindIiche Termine werden von der Post nicht genannt.