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02.03.1984 - 

PCs, Minis, Großrechner: BSC, MSV, SNA, Btx; Teil 5

DFÜ-Software: Mindestbedingungen für PC-Einsatz

Die Forderungen der Datenkommunikation an PCs sind hoch - leicht verständlich, nachdem diese bis vor kurzem Großrechnern vorbehalten war und selbst die Jumbos hierfür Vorrechner benutzten, um wirtschaftlich DFÜ-Strecken bedienen zu können. Tatsächlich muß eine solche Datenkommunikations-Software alle Ebenen einer Kommunikation (entsprechend den sieben Schichten des ISO/OSI-Schalenmodells einer geregelten und gesicherten Datenkommunikation) bedienen. Dies stellt auch hohe Anforderungen an Die Benutzer.

Technisch gesehen ist die Art und Weise, wie ein Computer Daten überträgt, natürlich für den User gleichgültig; für ihn ist statt dessen wichtig, was ihm bei diesem Prozeß abverlangt wird: Muß er vorher ein Informationsstudium absolvieren? Oder sich die Philosophien des Deutschen Postministeriums zu eigen machen?

Auf dieser Basis ist Datenkommunikation natürlich unakzeptabel, weil unwirtschaftlich.

Im Gegenteil, der Kommunikationsprozeß muß vom Computeranbieter hard- und softwaremäßig soweit vorbereitet sein, daß

- Kommunikation in Übereinstimmung mit den nationalen Postbestimmungen möglich ist und dabei möglichst umfangreichen Zugriff auf nationale und internationale Dienste garantiert,

- der Kommunikationsvorgang unabhängig vom benutzten Dienst oder Netz "transparent" durchgeführt wird, also der Benutzer weder spezifisches Wissen noch spezifische Tätigkeiten beitragen muß.

Was bedeutet dies konkret für die heute implementierten Datenübertragungsmöglichkeiten bei PCs?

Im einfachsten Fall, der Übertragung per Akustikkoppler, ist die entsprechende Routine des PCs der kritische Punkt:

- Ist ihr Aufruf aus den wichtigen Anwendungsprogrammen heraus möglich?

- Ist ihr Aufruf vom vorgesehenen durchschnittlichen Benutzer ohne "Klimmzüge" durchführbar ?

- Unterstützt sie Paritätsfehlerprüfung?

Frage nach der Flexibilität

Bei der Bedienung von Modems oder Datex-P-PADs ist darüber hinaus wichtig, wie flexibel das Programm (und die FTZ-Zulassung) gegenüber unterschiedlichen Übertragungsgeschwindigkeiten ist und natürlich der Gesichtspunkt der automatischen, computergesteuerten Wahl.

Zusätzlich zu den obengenannten Eigenschaften ist das Benutzerinterface des Personal Computers an dieser Stelle auf folgende Gesichtspunkte kritisch zu beachten:

- Wird automatische Wahl unterstützt?

- Ist automatische Wahl auf Angabe einer symbolischen Adresse und aus einer Adreßdatei heraus möglich?

- Können vom Benutzer Kennziffer und die Dienst-/Datenbank-spezifischen Parameter interaktiv eingegeben werden und werden sie automatisch ausgesandt und ausgewertet?

- Welche Unterstützung erfahrt der Benutzer im Fehlerfall?

Programme, die ein in dieser Hinsicht befriedigendes Benutzerinterface aufweisen, sind für die wichtigsten PC-Betriebssysteme auf einigen Computern verfügbar; auf Basis von Punkt-zu-Punkt-Kommunikation über das öffentliche Telefon- oder das Datex-P-Netz sind dadurch mit PCs folgende typische Anwendungsfälle zu lösen:

- Datenkommunikation in geschlossenen Benutzergruppen, also zum Beispiel Übermittlung von Informationen zwischen den einzelnen Standorten eines Unternehmens (Übertragung über das Fernsprechnetz).

- Zugriff auf frei zugängliche Datenbanken ("offene Benutzergruppen") und kontinuierliche Übertragung größerer Datenmengen (Übertragung über die PAD-Funktion im Datex-P-Dienst).

Die hierzu erforderliche Software laßt sich übrigens im PC selbst implementieren; es ist also keine eigene Hardware (Kommunikations-Pre-Prozessor oder Protokollkonverter) erforderlich.

Ähnlich ist der Fall beim Datex-L-Anschluß. Da Datex-L wie erwähnt protokolltransparent und anwendungsneutral ist, wird vom PC in diesem Fall erwartet, daß er auch das Protokoll des anderen Kommunikationspartners (der in den meisten Fällen ein Großrechner sein wird) "versteht". Typische Beispiele hierfür sind 3270, 3780, MSV I und MSV II.

Beurteilungskriterien

Wie praktikabel die Lösung ist, hängt nun von der Verfügbarkeit der Kommunikationsroutinen auf dem PC ab; dies ist für die IBM-Protokolle 3780 und 3270 unproblematisch (da sie von den meisten PC-Herstellern unterstützt werden), jedoch sind heute auch Softwareprodukte für Siemens-, CDC- und andere Hostrechner verfügbar. Beurteilungskriterium für die Software ist hier vor allem die möglichst vollständige Implementierung des Host-Protokolls, wobei unbedingt auf PC-spezifische Zusätze Wert gelegt werden sollte, die über das Host-Protokoll hinausgehen wie

- Dateitransfer im Bypass-Betrieb möglich, auch wenn dieser im Host-Protokoll nicht implementiert ist;

- automatische Formatskonversion auf die Konventionen des PC-Betriebssystems;

- Automatisierung der Log-on-Prozedur;

- Aufrechterhaltung der Verbindung über Pausen hinaus;

- Fehleranalyse seitens des PCs

- interne Kommunikationsfähigkeit mit anderen PC-Programmen (wie Texterstellung, Tabellenkalkulation und Datenbanksystem)

- softwaremäßige Nachbildung der 25. Bildschirmzeile auf PCs mit nur 24 Zeilen.

Aus der letzten Forderung wird übrigens auch eine mögliche hardwarebedingte Einschränkung ersichtlich; Personal Computer mit weniger als 24 Bildschirm-Zeilen je 80 Zeichen sind natürlich für derartige Anwendungen ungeeignet.

Ebenfalls an Hardwaregrenzen stoßen wir beim Teletex-Dienst. Das für ihn erforderliche Protokoll ist so umfangreich, daß sich heutige PCs fast ausschließlich mit dessen Verwaltung beschäftigen würden - ganz abgesehen von den postalischen Hardwareauflagen bezüglich nichtflüchtigem Speicher, fest installierter Netzverbindung, Betriebsbereitschaft bei Stromausfall etc.

Man sich daher im allgemeinen separaten Box, die die genannten Funktionen erfüllt und den PC entlastet.

Trotzdem ist sogar die Kommunikationsroutine mit dieser Box keine triviale Angelegenheit, und für den anzuschließenden PC ist eine gesonderte FTZ-Zulassung erforderlich. Sind alle diese Hürden genommen ist der PC natürlich der ideale Arbeitsplatzcomputer zur Kommunikation mit den vielen Millionen Telex- und Teletex-Teilnehmern weltweit - und dies direkt vom einzelnen Arbeitsplatz aus!

Ähnlich eindrucksvoll sind die Möglichkeiten, die im Anschluß eines PCs an Bildschirmtext stecken - hiermit sind vor allem preisgünstige Abfragemöglichkeiten von Informationen durch die Btx-Teilnehmer gegeben.

Einsatz für Btx-Dienst erst eingeschränkt möglich

Der PC kann hierbei entweder als preiswerte Editierstation zur Erstellung der Btx-Seiten dienen als auch als intelligentes, speicherfähiges und weiterverarbeitungsfähiges Btx-Terminal.

Das Btx-Format erfordert einen speziellen Decoder. Eine softwaremäßige Emulation des Decoders durch PCs wird von der Post zur Zeit noch - unverständlicherweise - untersagt.

Durch Verfügbarkeits- und Preisprobleme wird somit die Btx-Einsatzfähigkeit von PCs eingeschränkt. Der dem Dienst Zugrunde liegende CEPT-Darstellungsstandard hat jedoch einen hochinteressanten Aspekt:

Da dieser der erste wirklich genormte Bildschirmdarstellungsstandard ist, wird ihm allgemein normierende Wirkung auch außerhalb von Btx vorhergesagt. Das bedeutet, daß hier wahrscheinlich ein genormtes Benutzerinterface entsteht, das einfach von der Mehrzahl der EDV-Benutzer beherrscht wird und somit ungeheure Einsparungen an Ausbildungs- und Eingewöhnungsaufwand bedeutet.

Konsequenterweise erwartet man daß sich in Zukunft viele Geräte- und Softwarehersteller auf diesen Standard stützen werden.

Ein breiter Durchbruch für diesen Standard ist natürlich nur möglich, wenn die Postautoritäten weltweit softwaremäßig Implementierungen dieses Standards gestatten.

Der Anwender vor einem Problempaket

Der potentielle Anwender von PCs in der Datenkommunikation sieht heute (und das wird sich in den nächsten ein bis zwei Jahren kaum ändern) ein Paket von Problemen vor sich, das die Rentabilität des Einsatzes fraglich macht:

- fehlende Transparent der Gebührenstruktur der Post (hierüber sind buchstäblich tagelange Vorträge gehalten und dicke Bücher geschrieben worden, so unglaublich das auch klingt);

- wenig detaillierte und wenig aussagekräftige, statt dessen sehr pauschale Information ("We support 3270!") der PC-Hersteller;

- breites, aber qualitativ stark divergierendes Angebot an Kommunikationssoftware Dritter.

Auf der anderen Seite ist das Potential an technischen Möglichkeiten und erzielbarer Kostenersparnis gewaltig.

Der potentielle Anwender muß daher vor einer Entscheidung das erforderliche aktuelle Wissen beischaffen, will er eine Fehlinvestition vermeiden.

Wohlbemerkt ist hier nicht die Rede von der möglicherweise abzuschreibenden Investition von 2000 bis 3000 Mark für ein Kommunikations-Softwarepaket, das die gestellten Anforderungen nicht erfüllt, sondern die zehn- bis hundertmal höheren Kosten der Testinstalltion, der Einführung und der unvorhergesehenen Gebühren.

Der Aspekt der Aktualität ist übrigens wesentlich, da sich sowohl der Anbietermarkt als auch die Postvorschriften in ungewöhnlich rascher Bewegung befinden.

Als Lösung der Gesamtproblematik sind zweierlei Wege nötig:

- Intensive Recherchen durch eigene Mitarbeiter. Diese Recherchen sollten sich über einige Monate erstrecken, um entsprechend sichere Ergebnisse zu garantieren.

- Inanspruchnahme eines externen, auf Datenkommunikation spezialiserten Beraters.

Berater oder eigene Recherche?

Dies ist im allgemeinen der wirtschaftlichere Weg, da die Datacom-Consultants die Entwicklung von Technik, Vorschriften und

Anbietermarkt ohnehin permanent mitverfolgen und ihr Know-how beim Anwenderunternehmen zusätzlich zur Lösungsausarbeitung einbringen.

An den Berater sind - neben seiner sachlichen Qualifikation selbstverständlich - folgende Anforderungen zu stellen:

- Herstellerunabhängigkeit;

- Erfahrung und Verständnis in firmenstrategischen und organisatorischen Fragen,

- breite fachliche Grundlage, die die Wissensgebiete Personal Computer, Großrechner und Datenkommunikation umfaßt.

Ein derartiges Know-how-Mix ist von Einzelpersonen nur in seltenen Fällen zu erwarten; umgekehrt sind große beratende Organisationen im allgemeinen schwerfällig und teuer. Auf dem Gebiet des PC-Einsatzes in Verbundnetzen sind daher kleine, erfahrene Organisationen mit einigen wenigen Mitarbeitern am effizientesten.

Hingewiesen werden soll an dieser Stelle schließlich noch auf die Industrie- und Handelskammer, die derartige Beratung solchen Anwendern neutral vermittelt, die selbst über keine Kontakte und Erfahrungen zu/mit solchen Beratern verfügen.