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19.09.1975

Dialog ist mit dem Prozeßrechner einfacher

ESSEN - Die Huta-Hegerfeld AG in Essen zählt mit rund 3000 Beschäftigten und 300 Millionen Mark Jahresumsatz zur Spitzengruppe der deutschen Bauunternehmen.

Wettbewerbsfähigkeit und Rentabilität von Bauunternehmen werden wesentlich bestimmt durch Angebotskalkulation und Baustellenabrechnung. Zur Bearbeitung dieser Komplexe setzt Huta-Hegerfeld seit einem Jahr spezielle Datenverarbeitungs-Systeme ein: Prozeßrechner der Modellreihe 600 des Herstellers Heinrich Dietz, Mühlheim.

Die Anforderungen aus der Baupraxis, die technischen Voraussetzungen der Dietz-Hardware und last not least die Software-Erfahrungen der Zürcher Preminova AG und des Instituts für Betriebswirtschaft der Hochschule St. Gallen. Schweiz, kumulierten in einer neuartigen Applikation für Prozeßrechner.

50 000 Mark für Software

Hardwareseitig handelt es sich um Dialog-Plattensysteme (Dietz 600, 32 K Byte, Platte mit 2,4 MioB, Bildschirmterminal und Zeilendrucker 12 000 Zeilen/ Stunde). Die Anwendungssoftware umfaßt zwei Komplexe Angebotskalkulation (Bau-Anka) und Baustelleninformation (Bau-Info). Die Programme wurden durch die Perminova AG in CBasic erstellt. "Diese interaktive, problemorientierte Sprache erlaubt es", so Perminova-Geschäftsführer Urs Stadelmann, "auch komplexe Dialog- und Datenbankprobleme mit kleinem Aufwand zu realisieren".

Den Aufwand kann man grob beziffern: etwa 50 000 Mark für die beiden Softwarepakete. Da Huta-Hegerfeld insgesamt vier Anlagen einsetzt (Hauptverwaltung Essen und Filiale Frankfurt bereits installiert, München und Hannover fest eingeplant) und bei leicht unterschiedlicher Konfiguration pro Anlage knapp 100 000 Mark investierte, ist das sicherlich ein "optimales Verhältnis der Softwarekosten zur Gesamtinvestition", wie Artur Haak (24), EDV-Chef bei Huta-Hegerfeld, feststellt.

Neue Arbeitsmethode

Haak hatte in der Vergangenheit mit Angebotskalkulation und Baustellenüberwachung so seine Probleme. "Wir fahren zwar seit 1972 auf unserer Honeywell H 200 (64 K, Band, Platte, Schnelldrucker, Lochkartenstanzer) wenigstens eine Nachkalkulation.

"Wir brauchen eine grundsätzlich neue Arbeitsmethode. Und dazu ein System, das wir dezentral, baustellennah einsetzen konnten."

Zugeschnitten auf die Praxis

Urs Stadelmann, selbst ehemaliger Mitarbeiter der Hochschule St. Gallen und Spezialist für Computer-Dialog-Systeme, hatte das Bauunternehmen seit 1969 in Softwarefragen beraten. In St. Gallen hatte er insbesondere Erfahrungen mit Dialog-Systemen auf der Basis von Prozeßrechnern gesammelt. "Wir kamen schnell dahinter, daß es eine Vergewaltigung von Batch-Computern ist, wenn man sie in Dialog-Systeme zwingen will. lnteraktive Maschinen wie Prozeßrechner sind viel besser geeignet" umschreibt Stadelmann seine Erfahrung.

In Vorgesprächen mit Dietz wurde die Eignung der Mühlheimer Rechner für das gestellte Problem und für eine Pilotinstallation auf dem neuen Anwendungsgebiet getestet. Gemeinsam mit dem Hersteller entwickelte Stadelmann Routinen wie File-Lesen/-Schreiben. Die Erstellung der beiden Anwendungs-Programmpakete nahm nur wenige Wochen in Anspruch.

Computer am Arbeitsplatz

In der Praxis sind die Systeme sozusagen Bestandteil des Arbeitsplatzes der Benutzer. Er arbeitet direkt über Tastatur und Bildschirm mit dem System. "Selbst eine umfangreiche Angebotskalkulation schaffen wir jetzt auch noch eine Stunde vor Feierabend", berichtet Alfred Haak, "früher hat uns das Tage gekostet."

Die Baustellenüberwachung orientiert sich zur Zeit noch wesentlich an der Arbeitszeit-Erfassung. Später sollen voraussichtlich weitere Elemente einer baustellenbezogenen Kostenträger-/ Kostenstellenrechnung hinzukommen. Das heißt im Grundsatz, daß über die Anlagen auch Bauabrechnung, Baulohn, Geräte- und Materialverwaltung und zugeordnete Buchungsarbeiten gefahren werden können.

Schließlich haben die Anlagen einen wichtigen Zweitnutzen: sie können für Baustatik-Berechnungen eingesetzt werden, die direkt über den Bildschirm ausgeführt werden können.

"Wer behauptet, Prozeßrechner seien für kommerzielle Anwendungen ungeeignet, erzählt groben Unfug >faßt Artur Haak seine Erfahrungen zusammen<. Gerade bei einer Anwendung wie der unseren beweist sich das Gegenteil".

Key-Turn-System für Baubranche

In der Baubranche - konjunkturgeschädigt und rationalisierungsbedürftig, wie sie ist - regt sich das Interesse am Computer-Dialog. Die Firma Dietz denkt daran, für rund 150 000 Mark ein Turn-Key-System anzubieten: Hard- und Software als geschlossenes Paket.

Urs Stadelmann in Zürich sieht durch die gelungene Problemlösung bei der Huta-Hegerfeld AG seine Philosophie bestätigt: "Wenn schon Dialog, dann mit den auf Dialog zugeschnittenen Prozeßrechnern".

Zwei Drittel Zeit gespart

Praktiziert hat er das im Vorjahr an einem ganz anderen Fall. Bei der Firma Sutter in Münchwilen bei Zürich wurde für eine umfangreiche Auftragsbearbeitung auf Stadelmann-Rat statt

einer an sich geplanten IBM 370/135 eine Anlage PDP 11/45 von Digital Equipment installiert.

"Für Dialog-Systeme brauchen wir bei der Programmierung von Prozeßrechnern nur rund ein Drittel des Zeitaufwandes gegenüber sogenannten Universal-Computern", erklärt Stadelmann. Die Software-Probleme der Firma Sutter löste die Perminova AG in zwei Mannmonaten.

Computer-Futter

WIESBADEN - Die Kühe von 2000 Bauern im Raum Wiesbaden werden vom Computer glücklich gemacht: gratis liefert das Raiffeisen-Kraftfutterwerk Wiesbaden-Schierstein im Rahmen eines "Computer-Service" Rezepte für richtige Kuh-Ernährung und optimales Bullen-Futter. Die Bauern tragen in einem Erhebungsbogen ein, wieviel Futter(Heu, Rüben, Mais etc.) sie im eigenen Betrieb erzeugen. Diese Daten werden in den Genossenschafts-Rechner eingegeben, der das optimale Rezept ausdruckt - natürlich ohne die passende Portion Raiffeisen-Kraftfutter zu vergessen. Das Kraftfutterwerk, eine 100-Prozent-Tochter der Raiffeisen-Hauptgenossenschaft Frankfurt eG, berichtet, das Computer-Futter habe zu "erheblichen Leistungssteigerungen pro Tier und Jahr" geführt und den Bauern geholfen, Kosten zu sparen. -py