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17.11.1978 - 

Anwenderbericht Vereinigte Postversicherung, Berlin-Stuttgart:

Dialogverarbeitung und Batchprozessing schließen sich nicht aus

BERLIN/STUTTGART - Versicherungsunternehmen haben in der Regel weniger zeitkritische Aufgaben zu lösen als beispielsweise Fertigungsunternehmen, Handelsbetriebe oder bestimmte Dienstleistungs-Organisationen. Dennoch zeichnet sich auch in der Versicherungs-Branche ein steigender Bedarf an sehr flexibel arbeitenden Auskunftssystemen ab, die in bestimmten Bereichen, so in der Inkasso-Verarbeitung, der Kunden-Neuaufnahme - der Datenerfassung allgemein - sowie im Änderungsdienst erhebliche Vorzüge haben gegenüber batchorientierten Systemen. Gleichwohl scheuen viele Unternehmen die aufwendige Umstellung von Stapel- auf Dialogverarbeitung.

Daß eine solche Neuorientierung nicht immer mit der Aufgabe des gegenwärtigen DV-Verfahrens verbunden sein muß, beweist das Beispiel der Postversicherung in Stuttgart. Die "Vereinigte Postversicherung Berlin-Stuttgart" - Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit (V.V.a.G.) - arbeitete bereits extern seit längerer Zeit mit dem Rechenzentrum der Post zusammen, bis eine Reihe organisatorischer Probleme ein dialogorientiertes Subsystem im Hause erforderlich machte. Der ebenso unkonventionelle wie unternehmerisch richtige Weg bestand in der Installation des Datei-Management-Systems Inforex 5000.

Mini -Maxi-Philosophie

Über dieses System werden die Daten erfaßt sowie der online-fähige Teil der Anwendungen realisiert; die nicht-zeitkritischen Arbeiten verblieben im Rechenzentrum der Post. Was gerade für die Installation der Inforex 5000 sprach, die zur Zeit bei der Postversicherung aus der Zentraleinheit, einer Magnetplatten-Station mit 29 Millionen Bytes und fünf Arbeitsbildschirmen (siehe Foto) besteht, erklärt Sigmar Klotzbuecher, Prokurist und verantwortlich für die Installation: "Es waren vor allem zwei Gründe, die uns bewogen haben, das Inforex-System einzusetzen. Zum einen wollten wir die Datenerfassung, die wir vorher mit Hilfe optischer Belegleser organisiert hatten, auf ein flexibleres und leistungsfähigeres System umstellen. Zum anderen reichte uns die ,Nur-Batchverarbeitung' aus zeitlichen und organisatorischen Gründen nicht mehr: wir mußten bestimmte Anwendungen interaktiv bei uns im Hause fahren."

Im Bereich der Datenerfassung werden die eingehenden Informationen laufend über die bei der Postversicherung installierten Arbeitsbildschirme erfaßt, auf Magnetbänder gespeichert und zweimal im Monat dem Rechenzentrum übergeben. Für den Änderungsdienst wird der gesamte Neuzugang aufgenommen und verschiedenen Prüfungen (Plausibilität und Format) unterzogen. Gleichfalls werden Stammdaten-Änderungen (Umwandlungen, Versicherungs-Austritte, Stornofälle, Beitragsfreistellungen, Leistungsfälle) und Beitrags-Änderungen erfaßt und vorgeprüft. Zum Rechenzentrum der Post gelangen dann lediglich die aufbereiteten Magnetbänder.

"Wegen unserer besonderen Struktur sind wir gezwungen, bestimmte Verarbeitungen auch weiterhin im Rechenzentrum durchzuführen", gibt Sigmar Klotzbuecher zu bedenken; "deshalb kam von Anfang an nur eine Kombination aus externer Stapel- und interner Dialogverarbeitung in Frage. Gleichwohl prüfen wir ständig, welche Batchprogramme aus dem Rechenzentrum ausgelagert und im eigenen Hause interaktiv gefahren werden könnten."

Im Inkasso-Bereich laufen zur Zeit mehrere voneinander getrennte Verfahren. So werden beispielsweise von den Girokassen im Rahmen des Lastschrift-Verfahrens erstellte Magnetbänder direkt an das Post-Rechenzentrum gesandt, auf die gleiche Weise gelangen auch Direktzahlungen aus dem "Listen-Inkasso" dorthin; diese Beiträge werden von den Bezügen Postbediensteten einbehalten und im Datenträger-Austausch unmittelbar dem Rechenzentrum übermittelt. Direkte Zahlungseingänge dagegen verbucht die Postversicherung in Stuttgart sofort.

Auf dem Inforex-System fährt man heute vor allem - neben der Datenerfassung - versicherungs-technische und -mathematische Programme. So kann zum Beispiel die Prämientabelle erstellt oder die Deckungsrückstellung für jede einzelne Versicherung ermittelt werden. Zudem lassen sich alle Leibrenten-Barwerte (Einmal-Prämienwerte, Zillmer- und Brutto-Prämie) berechnen. Auch die Prüfziffern-Berechnung nach dem Postscheck-Modus und die Planungen für Tarife oder Tarif-Kombinationen können über das System laufen.

Mit dem Inforex-System hat die Postversicherung ein wesentliches Hilfsmittel gewonnen. Wo früher manuell aufwendig gearbeitet wurde, können jetzt größere Personalkapazitäten durch Umschichtung in personalintensive Bereiche eingespart werden. Das System stellt eine wirtschaftliche Synthese zwischen stapelorientierten-Großrechnern und interaktiven Kleincomputern dar; der Informationsfluß im Unternehmen ist beschleunigt, die Datenbanken sind stets aktuell, und die Produktivität der einzelnen Mitarbeiter steigt. Operative Arbeiten verlaufen absolut korrekt und freie Mitarbeiter-Kapazitäten lassen sich für kreative und konzeptionelle Tätigkeiten nutzen.

*Walter Lönneker ist freier DV-Journalist in Stuttgart.