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14.03.1980 - 

Technisch-wissenschaftliches Auskunftssystem mit europäischer Bandbreite:

Diane auf der Jagd nach distributed Know-how

MÜNCHEN (bi) - "Wissenschaftliche, technische, wirtschaftliche, rechtliche und soziale Informationen sollten innerhalb der Europäischen Gemeinschaft mit den modernsten Methoden zur Verfügung gestellt werden." Dieser fromme Wunsch des Ministerrats der EG stand 1971 am Anfang all der Überlegungen und Bemühungen, die schließlich zur offiziellen Eröffnung eines europaweiten technisch-wissenschaftlichen Auskunftssystems, genannt "Euronet Diane", durch die Präsidentin des Europa-Parlaments, Simone Veil, in diesem Jahr führte. Der enzyklopädische Gedanke der französischen Aufklärung feiert elektronische Urstände.

Diane (Direct Information Access Network for Europe) wird auf Grund eines Vertrages der Kommission der Europäischen Gemeinschaften (KRG) mit den neun betroffenen Fernmeldeverwaltungen der EG-Länder von diesen errichtet und betrieben. Abfragbar sind Datenbanken aus diversen Disziplinen.

Das Datenvermittlungsnetz, das Euronet verwendet, basiert auf dem Prinzip der Paketvermittlung. Ein Firmenkonsortium unter Leitung des französischen Unternehmens Sesa erhielt den Auftrag für Lieferung und Aufbau des Netzes. Die Technologie hat das von Sesa entwickelte Hard- und Software-Konzept des französischen öffentlichen Datenpaketvermittlungsnetzes Transpac zur Grundlage.

Topographie

Die topographische Skizze zeigt die Euronet-Konfiguration. Zur Zeit besteht das Datenpaketvermittlungsstellen in Frankfurt, London, Paris und Rom und aus fünf Konzentratoren in Amsterdam, Brüssel, Kopenhagen, Dublin und Luxemburg. Die Datenpaketvermittlungsstellen haben die Aufgabe, den Datenstrom zu konzentrieren und entsprechend den Verbindungswünschen zu vermitteln.

Die Konzentratoren sind Multiplexer die keine Vermittlungsfunktionen haben. Die Datenendeinrichtungen (Hosts und Terminals) werden an Vermittlungsstellen oder Konzentratoren angeschlossen. Den über Konzentratoren angeschlossenen Teilnehmern werden die gleichen Dienste angeboten.

Die Vermittlungsstellen sind über 48-KBit/S.-Leitungen im Ring miteinander verbunden. Die Konzentratoren sind über 48-KBit/S.-Leitungen beziehungsweise 9,6-KBit/S.-Leitungen an den Vermittlungsstellen angeschlossen. Diese Leitungen wurden aus Sicherheitsgründen gedoppelt (cold stand by).

Die Tabelle 1 zeigt die verfügbaren Euronet-Eingänge. Da die zeichenorientierten Endgeräte hauptsächlich über das Fernsprechnetz (in Deutschland auch Datex-L) Zugang erhalten werden, können bei einer vorgesehenen Konzentration von 3 zu 1 etwa dreimal so viel Endgeräte angeschlossen werden. Das Euronet-Datennetz ist jedoch so modular aufgebaut, daß bei steigenden Teilnehmerzahlen einfach erweitert werden kann. Ein Vermittlungsrechner ist auf 240 synchrone und 240 asynchrone Eingänge erweiterbar. Eine Vermittlungsstelle kann auf maximal 32 Vermittlungsrechner ausgebaut werden.

Das Netzkontrollzentrum (Network Management Center-NMC) ist an der Vermittlungsstelle London angeschlossen.

Datenpaketvermittlungsstellen

Die Datenpaketvermittlungsstellen bestehen aus einem Steuerrechner, einem Vermittlungsrechner und einem Multiplexer für asynchrone Anschlüsse. Nebenstehende Anordnung zeigt die einzelnen Bausteine der Vermittlungsstelle Frankfurt.

Der Steuerrechner ist ein universell einsetzbarer Minicomputer (Mitra 125 von CII), der über eine spezielle Bussteuerung mit einem oder mehreren Vermittlungsrechnern (maximal 32) verbunden ist. Er hat die Aufgabe, die virtuellen Verbindungen auf- und abzubauen und den Vermittlungsrechner zu überwachen.

Der Vermittlungsrechner ist das eigentliche Kernstück der Vermittlungsstelle. Es ist ein von der französischen Firma TRT speziell für Paketvermittlung entwickelter Rechner (CP 50).

Konzentratoren

Die Konzentratoren bestehen aus einem synchronen und einem asynchronen Zeitmultiplexer (Case 672 und Case 670). Der asynchrone Multiplexer hat keine Parallel-Schnittstelle, sondern die Information wird über einen synchronen Ausgang an den synchronen Multiplexer weitergegeben. Der synchrone Multiplexer hat neben diesem Eingang weitere Eingänge für synchrone Endgeräte. Der Ausgang geht über eine 9,6-KBit/S.- oder 48-KBit/S.-Leitung zur Vermittlungsstelle.

In der Vermittlungsstelle wird demultiplext. Die Ausgänge, welche den synchronen Endgeräten zugeordnet sind, werden einzeln (wie lokale Endgeräte) zum Vermittlungsrechner geführt. Der Kanal, der vom entfernten asynchronen Multiplexer kommt, wird auf den lokalen asynchronen Multiplexer geschaltet und geht zusammen mit den lokalen asynchronen Eingängen auf die Parallel-Schnittstelle.

Leistungsmerkmale

Grundsätzlich werden die in der CCITT-Empfehlung X.25 festgelegten Leistungsmerkmale angeboten. Außerdem ist der Anschluß von zeichenorientierten Endgeräten gemäß den CCITT-Empfehlungen X.3, X.28 und X.29 realisiert.

Es handelt sich um die folgenden Leistungsmerkmale:

þVirtuelle Verbindung

Durch die virtuelle Verbindung wird ein logischer Zusammenhang zwischen zwei Datenendeinrichtungen für eine bestimmte Zeit hergestellt. Übertragungskapazität im Netz wird nur beim tatsächlichen Datenaustausch benötigt.

þFeste virtuelle Verbindung (vorerst nicht angeboten)

Hierbei handelt es sich um eine ständige virtuelle Verknüpfung. Die Verbindungsauf- und -abbauphase entfällt somit.

þMehrfachnutzung der Anschlußleitung (Mehrfachanschluß)

Durch die Definition von logischen Kanälen können theoretisch bis zu 4096 Verbindungen auf euer Anschlußleitung gleichzeitig zu unterschiedlichen Endstellen bestehen.

þFehlersicherheit

Durch das in X.25 festgelegte Übertragungsverfahren ergibt sich eine Fehlerwahrscheinlichkeit von kleiner als 10 -9.

þWahl der Paketlänge und der Fenstergröße

Bei der Einrichtung des Anschlusses kann der Teilnehmer eine maximale Paketlänge und die Fenstergröße (Angabe wie viel Pakete vor Eintreffen der Quittung gesendet werden dürfen) festlegen. Damit beeinflußt er den maximal möglichen Durchsatz.

þGeschlossene Teilnehmerbetriebsklasse

Beim Verbindungsaufbau ist die Angabe einer Teilnehmerbetriebsklasse möglich. Das Euronet-Datennetz stellt sicher, daß Anschlüsse einer Betriebsklasse nur von klassenzugehörigen Anschlüssen erreicht werden können. Ein Anschluß kann mehreren Teilnehmerbetriebsklassen angehören.

þGebührenübernahme durch den gerufenen Anschluß

Einem Verbindungswunsch, der eine entsprechende Anforderung enthält, wird nur entsprochen, wenn der gerufene Anschluß das Merkmal besitzt, Verbindungsgebühren zu übernehmen. Zeichenorientierte Endgeräte, welche Zugang über öffentliche Wählnetze haben, können keine Gebührenübernahme durch den Gerufenen verlangen.

þAnpassung von zeichenorientierten Endgeräten bis 1200 Bit/S. an X.25.

Mit Hilfe der Anpassungseinrichtung "PAD" (Paket Assembly/Disassembly Facility) können zeichenorientierte Endgeräte an Euronet angeschlossen werden. Sowohl die zeichenorientierten als auch die X.25-Endgeräte können die PAD steuern (zum Beispiel Zeilenlänge, Paketgröße).

þIm Euronet-Datennetz sind folgende Verbindungen möglich:

X.25 --> X.25 Endgerät

zeichenorientiertes Endgerät --> X.25 Endgerät

X.25 Endgerät --> direkt angeschlossenen zeichenorientiertes Endgerät

Schnittstellen

Im folgenden werden die Schnittstellen für die unterschiedlichen Zugangsarten im Bereich der DBP aufgezählt. Die DBP stellt in jedem Fall die Übertragungsgeräte (Modems) zur Verfügung. Der Teilnehmer stellt die Endeinrichtung, welche jedoch eine FTZ-Zulassung haben muß. In den dortigen Ländern gelten die Vorschriften der dortigen nationalen Fernmeldeverwaltungen.

Datenpaketvermittlungsanschluß (paketorientiert)

Hierbei handelt es sich um einen direkten Anschluß an Euronet gemäß CCITT-Empfehlung X.25.

X.25 Ebene 1 regelt den physikalischen Zugang. Vorläufig handelt es sich um eine V.26- beziehungsweise X.21 bis Schnittstelle. Später soll gemäß X.25 der physikalische Zugang entsprechend Schnittstelle X.21 realisiert werden.

X.25 Ebene 2 regelt das Übertragungssteuerverfahren. Vorerst ist nur der Anschluß nach LAP möglich. Später soll auch die zu bevorzugende LAP B realisiert werden.

X.25 Ebene 3 ist die Paketebene. Diese Ebene enthält Festlegungen über Verbindungsauf- und -abbau sowie für den Datenaustausch.

Folgende Übertragungsgeschwindigkeiten sind möglich: 2400 Bit/S., 4800 Bit/S. und 9600 Bit/S.

Datenpacketvermittlungsanschluß (zeichenorientiert)

Hierbei handelt es sich um direkt angeschlossene zeichenorientierte Endgeräte gemäß CCITT-Empfehlung X.28. Der physikalische Anschluß erfolgt gemäß V21/V23 (elektrisch V24/V28). X.28 legt außerdem fest, daß das internationale Alphabet Nr. 5 zu verwenden ist und enthält Festlegungen über das Zeichenformat (Start-, Stopschritt, Parität).

Folgende Übertragungsgeschwindigkeiten sind möglich: 200 Bit/S., 300 Bit/ S., 1200 Bit/S. und 1200/75 Bit/S.

Zugang über das Fernsprechnetz (nur für zeichenorientierte Endgeräte)

Hierbei handelt es sich um Endgeräte die gemäß CCITT-Empfehlung X.28 Zugang zu Euronet haben. Hinsichtlich physikalischem Zugang, Alphabet und Zeichenformat gelten die gleichen Festlegungen wie unter Punkt 2.

Der Verbindungsaufbau erfolgt in zwei Stufen. Zuerst erfolgt die Wahl im Fernsprechnetz (besondere Euronet-Rufnummer) und anschließend die eigentliche Wahl im Euronet-Datennetz. Da die Gebühr für diese Zugangsart vom Rufenden zu zahlen ist, muß zum Identifizieren des Teilnehmers eine Teilnehmerkennung (Network User Identifikation - NUI) eingegeben werden. Der Teilnehmer erhält die NUI von der DBP zugeteilt.

Folgende Übertragungsgeschwindigkeiten sind möglich: 110 Bit/S., 200 Bit/S., 300 Bit/S. und 1200/75 Bit/S. Der Anschluß mit 1200 Bit/S. (duplex) ist geplant.

Zugang über das leitungsvermittelte Datexnetz (nur für zeichenorientierte Endgeräte)

Hierbei gelten die gleichen Festlegungen wie unter Punkt 3, außer daß die physikalische Schnittstelle X.20bis beziehungsweise V.21 entspricht.

Folgende Übertragungsgeschwindigkeiten sind möglich: 110 Bit/S.,200 Bit/S. und 300 Bit/S. Der Zugang über das paketvermittelte Datexnetz ist noch nicht realisiert.

Ausblick

Erst im Jahre 1982 wird die Einführung der nationalen Datennetze in leitungsvermittelter oder paketvermittelter Technik so weit gediehen sein, daß in größerem Umfang direkte Verkehrsbeziehungen zwischen den einzelnen Ländern verwirklicht werden können.

Wenn man unterstellt, daß sich mehr und mehr Netze bilateral verknüpfen, ist der Schluß naheliegend, das Euronet-Datennetz der bisherigen Form als Übergangslösung anzusehen. Offen bleibt dann noch die Frage, in welcher Form die bisherigen Netzteile in die öffentlichen nationalen Datennetze hineinwachsen.

Ob der langfristige Ausblick, wie ihn nebenstehendes Szenario zeigt, in wenigen Jahren oder erst nach längerer Zeit erreicht werden wird; muß heute offenbleiben. Unbestreitbar bleibt, daß die frühe zeitliche Verfügbarkeit internationaler Verkehrsmöglichkeiten ohne das Euronet-Datennetz nicht erreichbar gewesen wäre und die Konzeption von Euronet Diane ohne das Übermittlungsnetz der ersten Konfiguration nicht in der gewünschten Weise hätte vermarktet werden können.

Vorstehender Artikel ist auszugsweise übernommen aus einem Sonderdruck der Zeitschrift "Elektronische Rechenanlagen", Heft 6, Seiten 288 bis 296, Verlag R. Oldenburg GmbH, München. Die Verfasser des Sonderdrucks sind: W. Rath und W. Tietz, beide vom Fernmeldetechnischen Zentralamt der Deutschen Bundespost, Darmstadt.