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Beteiligung an zwei US-Wettbewerbern


29.09.2000 - 

Dicom sieht sich als Marktführer in einer sehr komfortablen Nische

FRANKFURT/M. - Mit zwei strategischen Beteiligungen innerhalb eines Jahres ist es der britischen Dicom Group Plc., Aldermaston, gelungen, im US-Markt Fuß zu fassen. Um in Zukunft im Business mit elektronischer Dokumentenerfassung ganz vorne mit dabei zu sein, muss die angelsächsische Company jedoch noch ihren Anteil am Software- und Servicegeschäft deutlich steigern. Von Andrea Goder*

Die letzten 15 Monate standen für die Dicom Group ganz im Zeichen der Globalisierung. Das auf EDC-Lösungen (Electronic Data und Document Capture) spezialisierte Unternehmen akquirierte im Januar den kalifornischen Wettbewerber Kofax Images Products. Um den Merger zu finanzieren, entschied sich Dicom Anfang des Jahres für ein Zweit-Listing am Neuen Markt in Frankfurt am Main. Seit 1996 notiert das 1991 in der Schweiz gegründete Unternehmen bereits an der Londoner Börse. Dicom-Chef Otto Schmid zeigte sich auf der Bilanzpressekonferenz in Frankfurt zufrieden über den Zukauf, der vor allem die Profitabilität des Unternehmens stärke.

Im Geschäftsjahr 1999/2000 (Ende: 30. Juni) steigerte Dicom den Umsatz um 22 Prozent auf rund 160 Millionen Euro. Das organische Wachstum lag laut Schmid bei 60 Prozent. Als Nettogewinn wies die Unternehmensgruppe 3,9 Millionen Euro aus und damit um 50 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Kerngeschäftsfeld EDC, auf das im letzten Jahr 64 Prozent der Einnahmen entfielen, konnte Dicom um 41 Prozent zulegen. Nicht gefallen dürfte Schmid allerdings, dass zwei Drittel der Einnahmen immer noch mit Hardwareprodukten erzielt werden. Das margenstärkere Software- und Servicegeschäft dagegen fällt mit einem Anteil von 20 beziehungsweise zehn Prozent am Umsatz noch zu wenig ins Gewicht.

Die Hardwarelastigkeit des britischen Unternehmens macht sich allerdings auch noch an anderer Stelle bemerkbar. In der Schweiz und Österreich ist Dicom als Exklusivpartner für Samsung tätig und vertreibt Flachbildschirme und Internet-Zugangsprodukte für den koreanischen Elektronikkonzern. Dass dieser Geschäftsbereich, 36 Prozent der Umsätze entfielen zuletzt darauf, zur Disposition steht, daraus macht Schmid kein Geheimnis. "Das Handelsgeschäft passt nicht mehr zu unserer jetzigen Strategie", räumte er in Frankfurt ein. In Zukunft wollen die Briten deshalb deutlich Kurs in Richtung Software- und Serviceanbieter nehmen.

Schmid will dieses Ziel durch eine globale Strategie forcieren, wie an der vor kurzem erfolgten zweiten Beteiligung auf dem US-Markt deutlich wird. Gemeinsam mit Adobe Systems und einer US-amerikanischen Finanzgruppe investierte Dicom zwölf Millionen Dollar in die Softwareschmiede Cardiff Inc. Insgesamt halten die Briten damit sechs Prozent an dem US-Unternehmen, das auf digitale Formulare (E-Forms) und Lösungen zur Erstellung personalisierter Antwortdokumente spezialisiert ist. "Unser Ziel ist es, den Anteil an Cardiff deutlich aufzustocken", erklärte Schmid. Noch sind allerdings alle Optionen offen. Sollte sich die US-Company für ein IPO an der Nasdaq entscheiden, könnten sich auch die Pläne des Dicom-Chefs schnell zerschlagen.

Derweil sieht sich Schmid nach weiteren Übernahmekandidaten auf dem internationalen Parkett um. Auf Einkaufstour waren die Briten zuletzt in Italien, wo sie sich den EDC-Anbieter PDS S.r.l., Perugia, zu 60 Prozent einverleibten. Schmid, der bereits heute für Dicom die Marktführerschaft in Europa reklamiert, sieht nur mehr das schwedische Softwarehaus Readsoft als ernsthaften Konkurrenten. Gleichzeitig räumt er allerdings ein: "Der Markt ist groß genug. Es ist Platz für mindestens zwei Anbieter."

International operiert Dicom mit insgesamt 500 Mitarbeitern heute in 22 Ländern - neben Europa und den USA auch in Asien und Australien. Erst im Juli konnte IBM als Vertriebspartner für Kofax-Produkte im europäischen und asiatischen Raum gewonnen werden. Marktforscher schätzten den Markt für Dokumenten-Management-Software (DMS) im letzten Jahr auf weltweit 20 Milliarden Dollar. Davon entfielen etwa 1,7 Milliarden Dollar auf das EDC-Segment. Die von Dicom entwickelten Lösungen stellen den Übergang zu nachgelagerten Applikationen wie ERP, CRM oder Knowledge-Management her.

Ohne sich auf genaue Zahlen festlegen zu wollen, stellte Schmid für das laufende Geschäftsjahr ein Umsatzplus von 25 Prozent in Aussicht. Marktbeobachter werten das Wachstum des britischen DMS-Support-Spezialisten, der bereits im letzten Jahr dem Tempo des Gesamtmarktes leicht hinterher hinkte, jedoch als verhalten. Und vielleicht liegt hier auch einer der Gründe, warum die Aktie trotz positiver Firmenmeldungen in den letzten Monaten kontinuierlich gefallen ist und am Neuen Markt sogar deutlich unter Ausgabepreis notiert.

*Andrea Goder ist freie Journalistin in München.