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Systemwechsel wird von IBM-Kunden mit Kostenersparnissen begründet:

Die /38 kommt bei 4300-Anwendern in Mode

30.08.1985

MÜNCHEN - Die Anhängerschar des IBM-Systems /38 wächst. Allerdings hat der Siegeszug der Datenbankmaschine einen Nebeneffekt, den Big Blue selbst sicher nicht nur mit einem lachenden Auge betrachtet. Unter den Umsteigern auf die /38 befinden sich zunehmend ehemalige Anwender des Systeme 4300. Aus diesem Phänomen einen allgemeinen Trend abzuleiten. Ist gegenwärtig jedoch hoch verfrüht.

Über drei Dinge waren sich alle von der COMPUTERWOCHE befragten Kunden, die von der 4300 auf die /38 umgesattelt haben oder dies tun wollen, einig: Das im Mittelklassebereich angesiedelte System arbeite kostensparend, sei bedienerfreundlich und "besteche" durch sein Datenbankkonzept.

Pioniertaten in puncto Wechsel haben hier beispielsweise die beiden Spirituosenhersteller Underberg KG aus Rheinberg und Lukas Bols aus Neuss vollbracht. Dazu Karl-Hartmut Rentrop, Leiter der Abteilung Organisation und Informatik im Hause Underberg: Die laufenden DV-Kosten sind auf der 4300-Seite viel höher als beim System /38, weil die Systemsoftware wesentlich komplizierter ist." Deshalb erforderten sowohl die TP-Organisation als auch das Betriebssystem und im Falle einer CICS- oder Shadow-Installation auch die Datenbank jeweils einen Fachmann. Bei der /38 hingegen käme man mit einem Systemspezialisten aus. Und auch für das Operating brauche man weniger Personal. Rentrop: "die /38 läßt sich zwar nicht operatorlos fahren, aber man kam das Personal um 30 bis 50 Prozent reduzieren." Und wenn man auf der 4300 mit einer Datenbank arbeiten wolle, dann müsse man zunächst einmal für die Implementierung zwischen sechs und zwölf Monaten an Zeitaufwand veranschlagen. Außerdem koste so ein Datenbankkonzept für sich rund 250 000 Mark.

Nach Aussage der Underberg KG beruhen die Kostenvorteile bei der /38 nicht nur auf der "zusammengefaßten" Systemsoftware, sondern auch auf den relativ preisgünstigen Anwendungspaketen. Eine Standardsoftware-Buchhaltung beläuft sich auf 120 000 bis 130 000, Mark bei einer 4300, bei der /38 kann man ein entsprechendes Programm schon für 30 000 Mark bekommen. Im ersteren Fall dauere die Implementierung erfahrungsgemäß mindestens ein halbes Jahr, im letzteren genügten schon zwei bis drei Wochen.

Auch im Rechenzentrum von Lukas Bols nennt man hinsichtlich der Anwendungssoftware Kostenvorteile in der genannten Höhe. Als weitere Argumente für die /38 führen die zwei Spirituosenhersteller die schnelle Generierung von Bildschirmprogrammen sowie den geringen Zeitaufwand beim Umkonfigurieren von Terminals ins Feld. Schließlich lasse sich ein Betriebssystem-Releasewechsel bei dieser Anlage innerhalb von zwei Stunden realisieren.

Jetzt mehr Software für die /38 verfügbar

Die Entscheidung gegen eine 4300 begünstigt aus der Sicht der befragten Anwender ferner die Tatsache, daß die Softwarepalette für die /38 in der letzten Zeit wesentlich breiter geworden ist. Dazu haben allerdings nicht nur die IBMer selbst, sondern in vielen Fällen Softwarehäuser beigetragen so zum Beispiel die Unternehmen Kissels aus Köln, Lunzer & Partner aus Maintal und der Anwendersoftwarering Asring aus Düsseldorf. So macht etwa das Schweizer Handelsunternehmen der Nahrungs- und Genußmittelbranche, die Merkur AG mit Sitz in Bern, von Fremdsoftware Gebrauch. Dazu DV-Leiter Marc Schmid, der seine DV-Mannschaft von 13 auf 10 Mann im Zuge der Umstellung reduzieren konnte: "Mit Ausnahme von Lohn und Gehalt kommen sämtliche Standard-Anwendungen von einschlägigen Softwarehäusern."

Standardsoftware scheint bei den /38-Anwendern generell sehr gefragt zu sein. DV-Leiter Wolfgang Blauth von der Garant-Schuh-EG in Düsseldorf, dessen 130köpfiges Unternehmen die Umstellung noch vor sich hat. Wir haben uralte Individualsoftware für unsere 4331, die im reinen Batch-Betrieb gefahren wird. Jetzt wollen wir natürlich die Bratkartoffeln nicht noch einmal erfinden."

Die kürzlich von IBM-Kunden auf dem Jahrestreffen der Benutzervereinigung Common Europe in Eliat (siehe auch CW Nr. 19 vom 10. Mai 1985) vorgetragenen Probleme - so zum Beispiel Schwierigkeiten mit den 3370-Platten und lange Restartzeiten - hatten die befragten Anwender nicht oder nur in geringem Umfang. So hat die Firma Underberg ihre Platteneinheiten 3370 von der 4341 "abgenabelt" und damit seit der Implementierung auf der /38 keinerlei Ärger gehabt. Auch sonst laufe alles "wie am Schnürchen". Karl-Heinz Rentrop lobt in diesem Zusammenhang überdies die Vielseitigkeit des Systems: Wir fahren Text, Telex, die betriebswirtschaftlichen Anwendungen und entwickeln jetzt ein neues Vertriebssystem darauf." Von der Merkur AG wurden zwar Schwierigkeiten mit den Restartzeiten genannt, sie seien aber nur ein einziges Mal aufgetreten, bei der 4331 hingegen häufiger.

In diesem Zusammenhang weist Marc Schmid jedoch darauf hin, daß der Hersteller bei dem Systemausfall der /38 der Sache nicht Herr werden konnte. "Damals waren wir noch schlecht bedient mit der IBM." Man habe die Probleme lieber selbst gelöst, da der eigene Ausbildungsstand höher als der der zuständigen IBM-Systemberater gewesen sei.

Die Umstellung ist trendverdächtig

Keine Einigkeit besteht unter den Anwendern darüber, inwieweit eine Umstellung von einer 4331 oder 4341 auf die /38 bereits einen Trend darstellen Während beispielsweise die Unternehmen Lukas Bols und Merkur AG in der besagten Substitution eher ein Einzelphänomen sehen, ist die Underberg KG gegenteiliger Auffassung. Laut Rentrop habe vielleicht bis vor zwei Jahren die Ausnahme noch die Regel bestätigt, denn damals sei die Kapazität der /38 noch sehr begrenzt gewesen. "Heute ist das aber kein Grund mehr, bei der 4300 zu bleiben."

Leider fehle den Anwendern aber oft die einschlägige Information. Hinderlich sei in diesem Zusammenhang darüber hinaus die falsche Grundeinstellung vieler DV-Leiter. Sie wollten in erster Linie etwas für ihr eigenes Image tun, aber wir sind dazu da, schnellere und kostengünstige Lösungen für den User zur Verfügung zu stellen". Für Rentrop ist die /38 "das beste System, das es Oberhaupt gibt". Er wisse nur nicht, ob sich die IBM dessen auch bewußt sei.

Ähnlich argumentiert Ulrich Breitenbach, DV-Leiter bei der Metallschlauchfabrik Witzenmann GmbH aus Pforzheim, der allerdings von einer /34 und einem /370-Rechner auf die /38 umgestiegen ist: "Die IBM hat lange nicht begriffen, daß sie da einen richtigen Computer gebaut hat. Das klingt komisch, aber das System /38 wurde 1978 zunächst als Bürosystem angekündigt." Mittlerweile habe sich die Maschine aber zu einem ausgewachsenen Datenverarbeitungssystem gemausert. Die IBM-Entwickler seien sich dessen zwar bewußt gewesen, aber von der Marketingseite her ist man lange Zeit an der /38 vorbeigegangen. Der Trend zur /38 werde sicherlich weiter anhalten. Aus Insiderkreisen sei ihm auch zu Ohren gekommen, daß das Jahr 1985 das Jahr der Ankündigungen bei der /38 sein würde. Man spreche davon, daß IBM die Speicherkapazität und die Leistung des Systems so alle zwei Jahre verdoppeln werde. Trotzdem glaubt auch Breitenbach, daß der Wechsel von einer 4300 zur /38 einen gewissen Seltenheitswert behalte. Seine Begründung: Wir haben es hier mit zwei völlig verschiedenen DV-Welten zu tun, die jedoch in einem Hause durchaus parallel existieren können."

Auch das Unternehmen Carborundum aus Düsseldorf sieht den Umstieg von der 4300 auf die /38 als problematisch an. Willi-Hans Frentzen, Direktor der DV-Organisation, die vorher mit einer 3031 arbeitete: "Wenn ich zuvor eine 43XX gehabt hätte, dann wäre ja eine Umprogrammierung notwendig gewesen. Und das Preis/Leistungs-Verhältnis der /38 ist meiner Meinung" nach auch nicht soviel günstiger als das der 4300."

Daß die Umprogrammierung ein Hindernis darstellen kann, sehen auch die anderen befragten Umsteiger. So müsse man die Bereitschaft mitbringen, in der DV-Abteilung noch einmal ganz von vorne anzufangen. Dazu ein Bochumer Anwendern, der gerne inkognito bleiben möchte: "Wenn ich heute ein relativ ausgereiztes, stark dialogorientiertes System" auf der 4300 laufen habe und nicht dem Zwang unterworfen bin, diese Programme alle neu schreiben zu müssen dann wurde ich mich sicher auch nicht für eine /38 entscheidend. Sein Entschluß den alten Rechner über Bord zu werfen, sei wesentlich von der Möglichkeit zwischen verschiedenen Modellen bei der /38 begünstigt worden.

Eine Stunde Null wurde bei einigen der befragten DV-Leiter dadurch "eingeläutet", daß die Geschäftsführung des jeweiligen Unternehmens einem kompletten Neuanfang als kostengünstiger Lösung den Vorrang gab. Marchc Schmid von der Berner Merkur AG: "Wir hatten den schönen Auftrag, alle Programme gänzlich neu zu schreiben. Nach meiner Auffassung ist diese Aufgabe leichter zu lösen, als die, Software die auf der 4300 erfolgreich eingeführt ist, für die /38 umzuschreiben.

IBM sitzt zwischen Baum und Borke

Während die beiden Softwarehäuser Lunzer & Partner e dem System /38 gute Zukunftschancen einräumen sieht IBM selbst keine Absatzbewegung von der 4300 hin zur /38. Der IBM-Sprecher Hermann Borgers geht davon aus, daß es höchstens ein Dutzend einschlägiger Kunden gibt: Ich kann mir keine sachlichen Gründe vorstellen, die jemanden dazu bewegen können, von einer unendlich aufwärtskompatiblen Rechnerfamilie wie der 4300 auf eine Serie umzustellen, der zumindest vom heutigen Stand der Dinge aus klare Grenzen gezogen sind.

Im Hinblick auf die tatsächlich, oder vermeintlichen Erweiterungen für die /38 wollte Borgers allerdings nicht so recht mit der Sprache herausrücken. Von einem Teil der Anwender wiederum wird diese Haltung so interpretiert, daß die IBM natürlich mit der Serie 4300 mehr Geld als mit der /38 machen könnte. So meinte der RZ-Leiter des zitierten Bochumer Unternehmens, IBM sitze hier sozusagen Baum und Borke.

Borgers selbst räumt ein, du eine IBM-Rechnerserie wie die 4300 mit drei Betriebssystemen (DOS, MVS, und VM) natürlich eine Reihe von Imponderabilien mit sich bringe. So gebe es unter VM fast unendlich viele Erweiterungsmöglichkeiten; auf der anderen Seite biete IBM für das einfachere Handling der Mainframes inzwischen diverse Hilfsmittel an.

Auch ein Blick in die letzten Ausgaben der Kundenzeitschrift "IBM Nachrichten" legt den Schluß nahe, daß Big Blue eine Migration von der 4300 zur /38 nicht als beispielhaft ansieht. Zwar wird die "Werbetrommel" für diese Maschine dort stark gerührt, aber in einschlägigen Anwendungsfällen gab das von IBM selbst als "nostalgisch" titulierte System /3 z. B, das Vorgängermodell ab. In anderen Fällen blieb die "DW-Vorzeit" im dunkeln.