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28.04.1989

"Die Abhängigkeit von IBM erträglicher gestalten"Anwender, Leasingprofis und CW-Redakteure im Gespräch über Chancen und Risiken bei der DV-Finanzierung Die Teilnehmer der CW-Diskussion Günter Schorn ist als Direktor bei der Versicherungsgesellschaft Deuts

- Deutschland eine besondere Situation: Natürlich ist die IBM auch der große Konkurrent für die Leasinggesellschaften in den USA, in Großbritannien, in Frankreich, aber nirgendwo hat die IBM das Spiel so betrieben wie in Deutschland. Man ist - das weiß ich von der Zentrale in Paris - absolut erschrocken darüber, was die Deutschen daraus gemacht haben. Sie sind nach absolutem Kadavergehorsam vorgegangen. So wie die DDR versucht, die besten Russen oder Kommunisten abzugeben, haben sie versucht, die besten Leaser zu werden, und man war darüber erschrocken, mit welcher Massivität und Gründlichkeit die deutsche IBM hier vorgegangen ist. In England gibt es ein viel besseres Miteinander von IBM Leasing und den unabhängigen Leasinggesellschaften, auch in Frankreich.

Schröder: Man muß auch sehen, daß die Aktivitäten der IBM Leasing in bestimmten Marktsegmenten auch zu ganz deutlichen Gewinneinbußen geführt haben. Wie lange das von IBM in Deutschland so betrieben werden kann, ohne daß die Konzernzentrale schreit, wage ich nicht zu sagen. Das sind jetzt immerhin gut drei Jahre, daß IBM recht aggressiv am Markt tätig ist. In den drei Jahren waren die Gewinne in Deutschland nicht so, wie man es sich erwartet hatte.

Vom Bruch: Die Größenordnung ist wichtig: Die IBM hat 1988 Leasingneugeschäfte von 1,2 Milliarden Mark gemacht. Wenn Sie das im Verhältnis zum gesamten Umsatz sehen, ist das noch nicht so gravierend.

Schröder: Das Problem für die Leasingbranche sehe ich allerdings ganz woanders: Es gibt immer noch Cowboys am Markt. Hier wird, um Kunden zu halten, teilweise mit Restwerten gearbeitet, die nach vernünftiger kaufmännischer Beurteilung nicht mehr einfahrbar sind. Ich sehe in diesem und im letzten Jahr bei einigen der Leasinggesellschaften, in die ich etwas Einblick habe, das Risiko, daß die sich übernommen haben. Das führte nicht 1988 zu Konkursen und auch nicht 1989, aber wohl in den Jahren 1990 und 1991. Da gibt es bei der AS/400 48-Monats-Verträge, die teilweise mit 30 bis 40 Prozent Restwert kalkuliert sind; das wird im Second-hand-Markt in drei, vier Jahren voraussichtlich nicht mehr zu erzielen sein. Weil einige am Markt sind, die mit großen Restwertrisiken arbeiten, wird die gesamte Branche etwas in Verruf kommen.

Schorn: Wie ist es überhaupt um das Image der Leasingbranche bestellt? Spielt das eine Rolle, haben Sie damit Probleme? Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das Leasing heute immer noch mit Vorsicht und Skepsis gesehen wird - obwohl es eine deutlich erkennbare Entwicklung gibt - weil das als nicht so ganz seriös gilt, nicht so seriös jedenfalls wie die Banken. Ist das noch ein Problem für Sie?

Vom Bruch: Das ist zweifelsohne ein Problem. Das Ansehen der bankeigenen Leasinggesellschaften ist sicher ein ganz anderes als das der unabhängigen. Und es gibt viele Unternehmen, die sind generell gegen Leasing. Die sagen: Leasing ist was für arme Leute.

Zwei Arten von Leasing

Unter Operational Leasing versteht man eine Vertragsform, bei der der Leasinggeber die Anschaffungskosten plus Zinsen während der Laufzeit nicht voll hereinkommt; es entsteht also eine Unterdeckung. Unter Financial Leasing versteht man einen Vertrag, bei dem die Grundkosten gedeckt werden. Unabhängig davon, ob der Endanwender ein Gerät kauft oder ob er es least, trifft er eine Entscheidung darüber, wie lange er das Gerät voraussichtlich nutzen kann. Genau die gleiche Überlegung stellt auch der Leasinggeber an. Der einzige Unterschied liegt darin, daß der Leasinggeber eine größere Markttransparenz hat als der Anwender, daß er unter Umständen auch über die Grenzen hinaus Märkte hat, an die er veräußern oder auf denen er kaufen kann. Aber die prinzipielle Entscheidung, mit welchem Restwert er gegebenenfalls einen Leasingvertrag eingeht, ist eine kaufmännische Entscheidung, die bei dem Leasinggeber ähnlich aussehen muß wie bei einem Käufer.

Rolf Schröder, Steuerberater