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09.07.1999 - 

In Toulouse arbeitet eines der ersten Storage Area Networks

Die Airbus-Daten kreisen im Speichernetz

MÜNCHEN (kk) - Die französische Stadt Toulouse, am Rande der Pyrenäen gelegen, wird mit Recht als europäisches Zentrum der Luftfahrt bezeichnet. Dort hat unter anderem die Airbus Industrie ihre Zentrale, die seit April dieses Jahres über eines der ersten europäischen Storage Area Networks (SAN) verfügt.

Vor über zwei Jahren konnte Jacques Daux, Manager of Servers Operations and Support am Hauptsitz der Airbus Industrie, absehen, daß die vorhandene Speicherinfrastruktur bald an ihre Grenzen stoßen würde. Im Produktionsbereich kommen derzeit rund 100 Unix- und NT-Applikationen zum Einsatz. Das hier verarbeitete Datenvolumen liegt bei 600 GB. Darüber hinaus plant die Airbus-Zentrale zwei neue Projekte: Den Aufbau einer technischen Datenbank für die Kunden mit einer geschätzten Kapazität von 600 GB sowie die Implementierung eines Intranet, für das 400 GB veranschlagt wurden. Damit sollen sowohl die Mitglieder von Airbus Industrie - die französische Aerospatiale, Daimler-Chrysler Aerospace Airbus, British Aerospace und die spanische Casa - verbunden werden als auch die Niederlassungen in Nordamerika und China.

Zum Zeitpunkt der Überlegungen zu einer Neukonzeption verfügte die Airbus-Zentrale über vier Mainframes mit rund 100 GB, die auf sechs Bandbibliotheken von Storagetek gesichert wurden. Außerdem waren die Daten von 50 Unix-Rechnern (AIX, HP-UX und Solaris) zu speichern, die zusammen rund 1,2 TB ausmachten. Dafür nutzte Daux eine mit DLT-Laufwerken bestückte Bandbibliothek sowie drei Archivierungssysteme mit optischen Platten. Die Daten der außerdem installierten 35 NT-Server mit einem Volumen von 400 GB sicherte das Rechenzentrum in zwei DLT-Bibliotheken.

Zum Zeitpunkt, als die Entwicklung der beiden neuen Applikationen - Intranet und technische Datenbank - beschlossen wurde, mußte sich Daux auch Gedanken über die Backup-Mechanismen machen: "Wir hatten damals die Wahl, die bestehende Lösung zu erweitern oder ein komplettes Redesign des Backup-Restore-Systems vorzunehmen."

Der Airbus-Manager wollte anhand einer Studie überprüfen, wie mögliche Lösungen die drei Hauptkriterien Sicherheit, Leistungsfähigkeit und Konsolidierung erfüllen. In puncto Sicherheit sollten zuverlässige Systeme für Backup und Restore (zunächst ohne hierarchisches Speicher-Management) und für die ausgelagerten Speicher gefunden werden. Die Leistungsanforderungen sahen wie folgt aus: Wiederherstellung (Restore) einer Datenmenge von 600 GB innerhalb von 20 Stunden, schrumpfende Zeitfenster für das Backup, permanente Verfügbarkeit der Anwendungen (rund um die Uhr) sowie möglichst geringer Einfluß der Backup-Prozeduren auf das Benutzer-LAN. Für die Konsolidierung forderte Daux, daß die gesamte heterogene Umgebung (NT, Unix, VMS) bedient und die Speicherressourcen möglichst gemeinsam benutzt werden sollten. Schließlich wünschte er sich eine zentrale Überwachung des Systems von nur einem Rechner aus.

Die Ausschreibung, in der ein Speicherintegrator gesucht wurde, gewann Storagetek. Der Speicherhersteller hat sein europäisches Hauptquartier in Toulouse, für Daux war aber nicht nur die räumliche Nähe zur Airbus-Zentrale ausschlaggebend: "Damals konnte uns kein anderer Hersteller überhaupt ein Angebot für eine unabhängige Speicherlösung unterbreiten."

Nachdem die Architekturstudie nach vier Monaten abgeschlossen war, fiel die Entscheidung zugunsten eines Storage Area Network (SAN). "Die Charakteristiken eines SAN entsprachen genau unserem Anforderungsprofil hinsichtlich Leistung, Flexibilität und der zu überbrückenden Distanzen", erläuterte Daux die getroffene Entscheidung. Außer dem eigentlichen Rechenzentrum sollte auch die 450 Meter entfernt liegende Ausweich-Datenzentrale in das Speicherkonzept eingebunden werden. Als globale Backup-Software wurde "Netbackup" von Veritas gewählt.

Storagetek als Generalunternehmer baute in den hauseigenen Testlabors die Infrastruktur von Airbus Industries nach. So konnten Tests und Validierungskonzepte ausprobiert werden, ohne daß die DV-Umgebung des Auftraggebers davon betroffen war.

Installiert wurde schließlich ein SAN auf Basis von Fibre Channel-Arbitrated Loop (FC-AL) mit verschiedenen Kreisläufen. Derzeit lassen sich die Bandbibliotheken (Storagetek 9710 mit vier DLT-7000-Laufwerken) nur über die weniger leistungsfähigen SCSI-Anschlüsse mit dem Speichernetz verbinden. Die Schaltzentrale im Airbus-SAN bilden die beiden Access Hubs (im Rechenzentrum und der Ausweichzentrale), die jeweils bis zu 16 virtuelle Kreisläufe erzeugen, also bis zu 16 Einzel-Server direkt bedienen können.

Soll ein Server das Backup seiner Daten starten, schaltet der Hub die FC-Leitungen frei und erlaubt den Datentransfer über eine Bridge, die die Umwandlung für die SCSI-Schnittstellen der Bandbibliothek übernimmt. Nachdem der erste Backup absolviert ist, rekonfiguriert sich der Hub, und der zweite Server kann seine Daten über einen neu geschalteten Kreislauf sichern. Er benutzt dabei die gleichen DLT-Laufwerke der Bandbibliothek wie der erste Server.

Die Implementierung des SAN bei Airbus Industrie erfolgte ab Jahresbeginn. "Am 17. April haben wir umgestellt", erinnert sich Daux. Derzeit migriert der Manager die Daten auf die neue Lösung. Probleme bereitet die Migration der Daten von File-Servern, die direkt im LAN hängen (Network-attached Storage = NAS). Daux hofft, daß bis zum Jahresende auch diese Phase abgeschlossen sein wird.

Schon jetzt zieht der Manager ein positives Fazit: "Wir konnten die Verwaltung der Systeme vereinfachen. Statt wie bisher drei Teams erledigt jetzt nur noch eines den gesamten Backup." Das separate Speichernetz entlastet das Benutzer-LAN und erhöht durch die hohe Transferrate die Backup-Geschwindigkeit.

Verbessert haben sich nach Meinung des Verantwortlichen auch die Datensicherheit und die Möglichkeiten der Wartung. Wichtig für Daux ist insbesondere, daß mit dem Speichernetz in absehbarer Zeit keine Wachstumsbeschränkungen zu erwarten sind: "Unsere Lösung erlaubt hohe Skalierbarkeit auf lange Sicht." Ob damit auch Kosten einzusparen sind, darüber liegen noch keine Berechnungen vor. Allein wegen der zentralen Überwachung sei dies aber zu erwarten.