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19.03.1999 - 

Die Akteure der Sprach-Daten-Konvergenz (Teil 2): Lucent

Die Akteure der Sprach-Daten-Konvergenz (Teil 2): Lucent Integrierte Netze: Der TK-Player rät Anwendern zur sanften Migration

CANNES (hi) - Mit der Konvergenz der Sprach- und Datennetze geraten klassische TK-Player wie Lucent oder Siemens auf ihrem ureigensten Terrain in Bedrängnis. Companies wie Cisco drängen in ihre Geschäftsfelder. Allerdings sind die TK-Unternehmen beweglicher, als ihnen nachgesagt wird. So nahm Lucent die Herausforderung an und kaufte sich mit Ascend entsprechendes Daten-Know-how.

Relativ gelassen sieht Lucent der Herausforderung der meist noch jungen Daten-Companies entgegen. Das Unternehmen, zu dem die berühmten, 1925 gegründeten Bell Labs gehören, glaubt sich für den kommenden Kampf um die Konvergenz der Netze gut positioniert. Als Vollsortimenter ist Lucent, so das Firmen-Marketing, in der Lage, von der Netzinfrastruktur bis zum Call-Center mit IP-Integration alle Bedürfnisse der verschmelzenden Netzwelten abzudecken. Um diese Position zu sichern und auszubauen, kaufte Lucent, eigenen Angaben zufolge die Nummer eins in den USA und weltweit zweiter hinter Siemens im TK-Geschäft, im Januar mit Ascend Communications Know-how in Sachen Datenkommunikation hinzu.

Aufgrund der anderen Ausgangssituation unterscheidet sich Lucents Vision der Konvergenz der Circuit-switched-Sprachwelt mit den paketorientierten Datennetzen von Konzepten wie etwa dem von Cisco (Vgl. CW Nr 8/99, Seite 37). Während die Jünger der Datenkommunikation einen radikalen Wandel der Sprachnetze predigen und das baldige Aus der klassischen Sprachvermittlungsnetze prognostizieren, favorisiert TK-Player Lucent eine sanfte Migration. Ein Weg, der, anders als es die Szenarien der Daten- Companies vorsehen, nicht zwangsläufig im Internet enden muß, denn dieses ist laut Robert Martin, Chief Technical Officer (CTO) bei Lucent, "kein Netz von der Art, die in Zukunft benötigt werden".

Ebensowenig glaubt der Chefentwickler, daß den heutigen Datennetzen in puncto Sprachverkehr die Zukunft gehört, da sie nicht die nötige Quality of Services (QoS) bieten. Deshalb werden in seinen Augen Glasfasernetze mit Sonet- beziehungsweise SDH- Architektur künftig State of the art sein. Dabei ist für ihn die Migration zu neuen Netzarchitekturen und Diensten weniger eine Frage der Technik als vielmehr ein Problem der Protokolle. "Wie ein Windows-PC immer mehr einem Mac-Rechner ähnelt, wird sich IP an ATM annähern", zieht Martin einen Vergleich zur PC-Welt. Glaubt man dem CTO, so wartet IP künftig mit ähnlichen Merkmalen wie ATM auf und ermöglicht Virtual circuits, verschiedene Services sowie ein Verkehrs-Management mit Service-Level-Agreements analog zu ATM.

Aufgrund dieser Entwicklung ist es für den CTO im Gegensatz zum Ansatz mancher Konkurrenten aus dem Umfeld der Datenkommunikation nur logisch, daß bald die Stunde der ATM-Switches schlägt: "Diese sind kosteneffzienter als IP-Switching oder Routing." Entsprechend setzt Lucent konsequent auf hardwarebasierte Switches, die entsprechende QoS gewährleisten und in Leitungsgeschwindigkeit die Daten weitertransportieren. "Wir sind die einzigen, die dies bereits realisiert haben", erteilt Martin der Konkurrenz aus dem Datenlager einen Seitenhieb und betont die Ausfallsicherheit der Switches, die im TK-Bereich ihre Qualität unter Beweis gestellt hätten.

Konkret könnte für Martin ein Netz, das den Ansprüchen der Sprach- und Datenwelt genügt, auf einem Glasfaser-Transportnetz mit Bandbreiten im Gigabit-Bereich basieren. In diesem Szenario vergibt dann an zentraler Stelle ein Bandwidth-Manager den Diensten die entsprechenden Bandbreiten. Ferner garantieren Policy-Server den Services die entsprechende Dienstgüte. "Sind diese Geräte modular aufgebaut, braucht der Anwender nur noch ein Modul zu wechseln, um neue Technologien zu nutzen, ähnlich wie sie heute im Browser für neue Protokolle ein Plug-in einfügen", beschreibt Martin die Vorzüge.

Bis die Vision eines Netzes, das sich problemlos erweitern läßt, Realität wird, dürften jedoch noch einige Jahre ins Land gehen. Eine Verzögerung, die der Lucent-CTO mit ungeklärten Protokollfragen begründet. Derzeit besteht das Lucent-Konzept der Sprach-Daten-Integration im wesentlichen aus einer Produktlinie für Voice over IP. Hierzu zählen die drei Produkte "Packetstar IP Gateway 1000", Packetstar IP Gatekeeper" sowie der "Packetstar IP Manager".

Grundbaustein der Familie ist das IP-Gateway. Es ermöglicht Sprach- und Faxdienste in Echtzeit mit dynamischer Port-Zuweisung. Um Telefonfunktionen wie Anrufweiterleitung, Anklopfen etc. in der IP-Welt zu realisieren, ist für künftige Versionen des Produkts die Implementierung des Protokolls Signaling System 7 (SS7) geplant. Der Gatekeeper ist als eigenständiges System mit zentraler Datenbank konzipiert. Er ist für Aufgaben wie Authentifizierung, Rufweglenkung und Abrechnung der IP-Telefonate zuständig. Die Verwaltung aller Netzelemente des Gateways beziehungsweise des Gatekeepers übernimmt der IP Manager als Administrationsplattform.

Netz-Konvergenz

Seit etwa einem Jahr prägt ein Themea die Netzszene: Die Konvergenz von Sprach- und Dateninfrastruktur. Mit milliardenschweren Investitionen rüsten die Player aus Daten- und Telekommunikation für die bevorstehende Verschmelzung auf. Je nach Ausgangsposition verfolgen die Hersteller hierbei unterschiedliche Ansätze. Nachdem die COMPUTERWOCHE bereits über die Visionen von Cisco (CW Nr. 8/99) und Lucent berichtet hat, wird sie in loser Folge die Ansätze weiterer wichtiger Player wie Nortel, Siemens, Alcatel und 3Com/Newbridge beleuchten.

Lucent Technologies: Konzern mit geschichte

Lucent Technologies ist seit dem 30. September 1996 ein unabhängiges, börsennotiertes Unternehmen. Es entstand durch die Zerschlagung des US-Carriers AT&T. Herzstück des Konzerns sind die weltberühmten Bell Labs. Mit weltweit über 140000 Mitarbeitern in mehr als 90 Ländern, 2800 in Deutschland, hat das Unternehmen im Geschäftsjahr 1998 ( Ende: 30. September) einen Umsatz von 30,15 Milliarden Dollar erzielt. Das entspricht einer Steigerung von 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Auslandsumsatz (außerhalb der USA) konnte im gleichen Zeitraum sogar um 41 Prozent ausgeweitet werden. Zu den Kernbereichen des Unternehmens gehören:

-Bell Laboratories - Die Bell Labs, zählen zu den weltweit bedeutendsten Forschungsinstituten in der Kommunikationstechnologie und sind ein integraler Bestandteil des Unternehmens. Seit der Gründung 1925 sind daraus elf Nobelpreisträger hervorgegangen.

-Business Communications Systems (BCS) - BCS gestaltet ein neues Marktsegement: die Multimedia-Kommunikation. Dieser Geschäftsbereich bietet Lösungen für die Integration von Sprach-, Daten- und Videoübermittlung. Standorte in München, Frankfurt am Main, Hamburg, Düsseldorf und Berlin sowie Zürich und Genf gewährleisten die Nähe zu Kunden.

-Microelectronics - Mit 12 700 Mitarbeitern fertigt dieser Unternehmensbereich integrierte Schaltkreise, optoelektronische Bauteile sowie Stromversorgungsanlagen für die Kommunikations- und Computerindustrie. Design Center sind in Ascot, Madrid und München angesiedelt.

-Network Systems - Dieser Zweig offeriert integrierte Lösungen für Betreiber von Telekommunikationsnetzen, Service-Provider und die Datenkommunikation. Network Systems ist in Augsburg, Bonn, Frankfurt am Main und Nürnberg präsent.