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18.09.1998 - 

European IT Forum

Die Alte Welt droht das Rennen um E-Commerce zu verlieren

"In Sachen Web-Präsenz hinken europäische Unternehmen knapp ein Jahr hinter ihren Konkurrenten aus den USA her", erklärt Frank Gens, bei der IDC Senior Vice-President Internet Research. Einer weltweiten IDC-Befragung unter 11000 IT-Verantwortlichen zufolge, präsentieren sich 35 Prozent der US-Firmen im Web und bereits 26 Prozent der europäischen Unternehmen - letztere Zahl habe sich im vergangenen Jahr verdoppelt.

Geringer fallen die Unterschiede zwischen Alter und Neuer Welt aus, wenn es um die Web-gestützten Aktivitäten geht. So präsentieren 20 Prozent der amerikanischen Firmen ihre Produkte online, 19 Prozent tun das in Europa. Kundenservice bieten 21 Prozent der US-Companies per Web an und nur 14 Prozent in Europa. Beim echten E-Commerce, also dem Verkauf übers Internet, unterscheiden sich die Unternehmen dagegen kaum: Sechs Prozent in den USA und fünf Prozent in Europa verkaufen ihre Produkte via WWW. Dabei sind die Unterschiede zwischen kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht sehr groß. "Lediglich die großen europäischen Konzerne hinken ihren amerikanischen Pendants deutlich hinterher", betonte Gens.

Für eine noch stärker steigende Internet-Nutzung sei allerdings eine Weiterentwicklung der Zugangstechniken und Endgeräte unabdingbare Voraussetzung. Doch auch hier sieht er eine positive Entwicklung. Bestimmten 1997 noch mit 93 Prozent die analogen Modems die Geschwindigkeit, mit der private PC-Nutzer auf das Internet zugegriffen haben, werden IDC zufolge im Jahr 2002 nur noch 64 Prozent der privat genutzten PCs über Modems die Online-Verbindung herstellen. 17 Prozent realisieren den Zugang dann über ISDN. DSL-Techniken (DSL= Digital Subscriber Line) dürften zu dem Zeitpunkt neun Prozent nutzen, und acht Prozent realisieren den Internet-Zugang via Kabelmodem.

Bis zum Jahr 2002, wenn laut IDC über eine Milliarde Menschen das Internet nutzen, dürfte der PC nicht mehr die dominante Plattform sein, von der aus die Verbindung zum Netz der Netze hergestellt wird. Waren es 1997 noch 96 Prozent der 32,9 Millionen ausgelieferten Maschinen, werden es 2002 nur noch 43 Prozent der 97,8 Millionen verkauften Geräte sein; der Rest der Internet-Surfer werden sogenannte Internet-Appliances nutzen, um online zu gehen. Dabei kann es sich um Mobiltelefone, Personal Digital Assistants, Set-top-Boxen oder andere Geräte handeln.

426 Milliarden Dollar Umsatz oder zwei bis 2,5 Prozent des weltweiten Handels werden im Jahr 2002 mit Online-Verkäufen realisiert, prognostiziert IDC. 1998 dürften weltweit lediglich 32 Milliarden Dollar mit Internet-Konsum kassiert werden. Diesen Einnahmen stehen insgesamt weitaus höhere Kosten gegenüber. Allein in diesem Jahr geben die Unternehmen für ihre Web-Präsenz 211 Milliarden Dollar und für E-Commerce-Lösungen 17 Milliarden Dollar aus.

Im Gegensatz zu IDC-Analyst Gens schätzt Rosemary O'Mahony, Managing Partner Technology Europe bei Andersen Consulting, die Chancen der Europäer geringer ein, in der globalen Internet-Wirtschaft erfolgreich zu agieren. Ihre Ausführungen basieren auf einer Studie, die Andersen unter 320 europäischen Führungskräften in neun Ländern durchgeführt hat.

Während sich 82 Prozent der Teilnehmer einig sind, daß E-Commerce starken Einfluß auf ihr Unternehmen haben wird, arbeiten erst 39 Prozent daran, den elektronischen Handel in ihr Geschäft und ihre Strategie zu integrieren. Lediglich 18 Prozent sehen ihre heutige Wettbewerbsposition durch E-Commerce bedroht. Diese abwartende Haltung des Topmanagements spiegele sich auch in den heutigen Zahlen wider, die zudem beweisen, wie stark sich das europäische Hinterherhinken auf das Abschneiden der einzelnen Volkswirtschaften auswirke. Europa habe einen 30prozentigen Anteil am Welthandel, aber nur zehn Prozent am Internet-Business. Der E-Commerce-Umsatz belaufe sich zur Zeit auf eine Milliarde Dollar. "Wollte Europa mit den USA gleichziehen, müßten die Einnahmen aus dem elektronischen Handel rund zwölf Milliarden Dollar betragen", erklärte O'Mahony.

Als Gründe für die zögerliche Haltung der Topmanager nennt die Studie die Überzeugung von rund 50 Prozent der Befragten, daß die Konsumenten E-Commerce noch nicht genügend akzeptierten. Fragen des Datenschutzes, der Sicherheit und der kommerziellen Rahmenbedingungen mit definierten Regeln werden ebenfalls von der Mehrheit der Antwortenden genannt. Darüber hinaus fordern über 80 Prozent der Führungskräfte von den Regierungen, einen gemeinsamen internationalen Rahmen zu erarbeiten.

Europa stehe in Sachen E-Commerce am Scheideweg, erklärte O'Mahony. Die unter Europas Managern vorherrschende unflexible, abwartende und risikoscheue Einstellung könne in einer Sackgasse enden: "Europa läuft Gefahr, das Rennen zu verlieren, bevor es richtig begonnen hat."

Dagegen setzt O'Mahony ein positives Szenario, das sie als "E-Europe" bezeichnet. Die europäischen Staaten müßten einen eigenen Weg in Richtung E-Commerce entwickeln, der die hiesigen Technologie-Vorsprünge nutze. Als solche "Pockets of excellence" bezeichnete die Andersen-Managerin unter anderem die gute TK-Infrastruktur, die weite Verbreitung von Smartcards, den Vorsprung in der Mobil-Telefonie, die Entwicklung des digitalen Fernsehens, die enormen Fortschritte im Bereich der Spracherkennung und -verarbeitung sowie die Europa-eigenen E-Commerce-Ansätze wie das Minitel-System in Frankreich. "Das Potential ist vorhanden und die Infrastruktur ist intakt", umriß sie die Aussichten.

Um das zweite Szenario Wirklichkeit werden zu lassen, sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen. So müßten Unternehmen und Behörden klare Entscheidungen treffen. Außerdem sei für einen besseren und preiswerteren Zugang zum Netz der Netze zu sorgen. Alle Länder sollten schon aus eigenem Interesse eine europaweite Regulierung unterstützen.