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06.12.1991 - 

Outsourcing-Diskussion wirkt sich aus

Die Anbieter von RZ-Services kommen zu neuer Popularität

Die Diskussion um das Thema Outsourcing sowie die Wirtschaftsbedingungen in den neuen Bundesländern haben das Angebot externer RZ-Dienstleister wieder interessant gemacht. Thomas Lünendonk* beschreibt, warum aus seiner Sicht Servicerechenzentren in den nächsten Jahren ihren zweiten Frühling erleben werden.

Es gibt Wirtschaftsbereiche, die stehen stets im Rampenlicht des Interesses oder erleben zumindest einen zeitweiligen Boom. Andere Leistungsträger dagegen liefern einen dauerhaften Beitrag zum Funktionieren von Wirtschaft und Gesellschaft, operieren aber mehr im Hintergrund. Zur zweiten Gruppe zählen die Rechenzentren.

Seit es eine Datenverarbeitung von professionellem Zuschnitt gibt, sind Rechenzentren in Deutschland wie weltweit nicht mehr wegzudenken. Ob es um die Verwaltung von Behördendaten oder die rationelle Abwicklung der Datenflüsse in Industrie und Wirtschaft geht - das externe Rechenzentrum liefert einen wichtigen Beitrag für den reibungslosen Ablauf.

Service-RZs kennen flexibel reagieren

Ein Beispiel: Allein in der Bundesrepublik werden die Löhne und Gehälter von mehr als zehn Millionen Arbeitnehmer von externen Rechenzentren abgerechnet. Nicht die Computer im Unternehmen sichern die zügige Bearbeitung der Lohn- und Gehaltsdaten, sondern Hardware, Software und Know-how freier DV-Dienstleister. Ohne diese wichtige Arbeit im Hintergrund wäre eine flexible Anpassung bei Tariferhöhungen, Steuerreformen, Sozial- und Lohnsteuer-Rechtsänderungen sowie einer überraschend eingeführten Steuer wie dem Solidaritätsbeitrag nicht möglich.

Auch die Anforderungen, die künftig auf Unternehmen zukommen, zum Beispiel die Berücksichtigung der Pflegeversicherung, die Abwicklung von Kurzarbeitergeldern oder die Behandlung besonderer Förderungs- und Bemessungsgrenzen in den alten und neuen Bundesländern, können nur mit Hilfe moderner DV-Dienstleister und externer Rechenzentren abgewickelt werden. Nicht nur Industrie und Wirtschaft, auch der Gesetzgeber ist auf eine leistungsfähige DV - auch durch externe Anbieter - angewiesen.

Je komplizierter die Vorlagen des Gesetzgebers, desto mehr werden Rechenzentren benötigt. Ein weiteres Beispiel diesmal aus dem Kirchen- und Krankenhauswesen - mag die Leistungsfähigkeit von externen Rechenzentren unterstreichen. Ein Düsseldorfer RZ wickelt millionenfach die Geburts-, Tauf- und Hochzeitsdaten von Kirchenmitgliedern ab. Darüber hinaus verwaltet das Rechenzentrum viele tausend Krankenhausbetten in der gesamten Bundesrepublik.

Von einem Rückgang der DV-Dienstleistungen kann keine Rede sein, bestätigt auch Paul Freiling vom DV-Dienstleistungsunternehmen AC-Service in Nürnberg. Laut Freiling gibt es eine Fülle von Gründen für die Renaissance der Rechenzentren.

Da sind zum einen die Kosten der immer komplexen werdenden DV-Konzeptionen, die immer häufiger explodieren, weil kostbare Personalkapazitäten gebunden werden und trotzdem zusätzliches Know-how eingekauft werden muß. Da ist zum anderen der Preisverfall der Hardware, der es den Unternehmen schwermacht, jeden Technologiesprung wirtschaftlich nachzuvollziehen. Kaum ist eine Investition getätigt, scheint der Rechner nur noch die Hälfte wert zu sein. Weiterhin ist der Aufwand der Softwarepflege, ob es sich nun um System- oder Applikationssoftware, Datenbanken oder sonstige Programme handelt, in den Unternehmen wirtschaftlich kaum noch zu bewältigen.

Insbesondere der Wechsel von Betriebssystemen bei Großrechnern schlägt nach wie vor mit erheblichen Beträgen zu Buche und bindet hohe Personalkapazitäten, weil es mit dem schlichten Betriebssystemwechsel nicht getan ist. Das Gesamtsystem mit allen seinen Peripherie- und Softwarekomponenten muß an die neue Betriebssystem-Version angepaßt werden.

Auch das Thema DV-Sicherheit belegt die Unverzichtbarkeit von Rechenzentren. Unternehmen sind auf ihre Datensubstanz als überlebenswichtiges Element angewiesen. Doch die Sicherheitsmaßnahmen für ein Rechenzentrum sind aufwendig und sinnvollerweise nicht von jedem Unternehmen neu zu erbringen. Der Vorteil, diese Aufgaben an einen Spezialisten zu delegieren, der neben der Abwicklung von Rechenvorgängen auch deren Schutz professionell betreibt, liegen auf der Hand.

So bieten DV-Dienstleister und Software-Unternehmen, die über Rechenzentren verfügen, auch speziell für das Thema DV-Sicherheit ihre gesamte Kompetenz und ihre Schutzmaßnahmen an. Die Hochsicherheits-Rechenzentren, die alle Anforderungen moderner DV-Sicherheit erfüllen, gewähren den auftraggebenden Unternehmen ein Höchstmaß an Schutz, das von Anwenderunternehmen selbst kaum mit vertretbarem Aufwand zu realisieren wäre.

Aber auch Technologiesprünge und DV-Strukturänderungen, wie sie sich jetzt durch den Siegeszug des Betriebssystems Unix abzeichnen, können am ehesten mit Hilfe externer DV-Dienstleister bewältigt werden. Das Betriebssystem Unix, das vielfältige Anwendungen aus dem Mainframe-Bereich zu substituieren in der Lage ist, kann zwar die Hardware- und Software-Investitionen der Unternehmen auf lange Sicht reduzieren, erfordert jedoch zunächst einmal den Einsatz kompetenter Spezialisten.

Auch beim Thema Downsizing - bei der Verlagerung von ehemaligen Mainframe-Anwendungen auf Workstations und PCs - können die externen Experten Hilfe leisten. Sie verfügen über eine Know-how-Ansammlung, die in vielen Unternehmen erworben wurde.

Daß die Rechnung aufgeht, DV-Aufgaben zumindest teilweise extern realisieren zu lassen, zeigt die Diskussion des Themas "Outsourcing". Damit ist die komplette oder teilweise Verlagerung von DV-Aufgaben aus einem Anwenderunternehmen in ein externes Rechenzentrum gemeint.

Die Vorteile liegen auf der Hand: Unternehmen können ihre DV-Dienstleistung zu Festpreisen kalkulieren, denn der externe Dienstleister muß, um konkurrenzfähig zu sein, ein transparentes Preis-Leistungs-Gefüge anbieten.

Spezialistenbedarf, wie er in DV-Anwendungsbereichen unabdingbar ist, kann reduziert werden, da sich mehrere Unternehmen das Spezialisten-Know-how des Outsourcing-Dienstleisters ebenso teilen können wie dessen Hardware- und Softwareressourcen.

Auch vor dem Hintergrund der immer stärkeren Vernetzung im DV-Bereich haben sich externe Spezialisten bewährt. Wichtig wird zum Beispiel ein so komplexes Thema wie EDI (Electronic Data Interchange), eine Entwicklung, die gerade in Hinblick auf den europäischen Binnenmarkt für die Kommunikations- und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen an Bedeutung gewinnt.

Das Thema EDI ist heute in vielen Unternehmen nicht ausreichend bekannt und kann zum Teil noch gar nicht realisiert werden.

Bei den im Rahmen von EDI ausgetauschten Datenmengen bieten viele Rechenzentren ihre Rechnerkapazität zur "Zwischenpufferung" der Daten an, die dann verarbeitungsgerecht an Systeme in den Unternehmen weitergeleitet werden. Externe Rechenzentren können nicht nur wegen ihrer Kompetenz in Hinblick auf DV-Leistung und Kosten von Nutzen sein, sie bieten einem Unternehmen auch die Flexibilität, mit der DV zu experimentieren, ohne das Funktionieren des Geschäftsablaufes zu gefährden.

DV-Überbrückung mit dem Service-RZ

Ein Umstieg von Mainframe-Anwendungen auf Client-Server-Konzepte ist nur dann möglich, wenn gesichert ist, daß im Zuge dieses "Experiments" keine Daten verlorengehen und daß keine fehlerhaften Rechenprozesse und Datenverluste das Hauptgeschäft des Unternehmens gefährden. Ein externes Rechenzentrum, kann den Betrieb der DV auch in dieser Übergangszeit gewährleisten.

Wie wichtig Rechenzentren sind, hat sich nicht zuletzt bei der Erschließung der neuen Bundesländer gezeigt. Hier wollten etliche Unternehmen mit kleinen DV-Konzepten und PC-Netzwerken Probleme lösen, die bislang mit Mainframes beseitigt wurden. Wie Reinhard Pelz Vorstand der Fachgruppe Informationstechnik im BDU mitteilt, ist hier jedoch inzwischen Ernüchterung eingetreten: Die kleinen Rechner sind sehr rasch an ihre Leistungsgrenzen gestoßen.

Wenn es Mit der Wirtschaft in den neuen Bundesländern rasch aufwärts geht, wenn die Integration der neuen Bundesländer gut bewältigt wird, so ist dies nicht zuletzt ein Verdienst der DV und der externen DV-Dienstleister, die sich auf die veränderten Bedingungen schnelle wirtschaftlich und zuverlässig eingestellt haben. Die neuen Bundesländer werden das Thema "externe DV-Dienstleistung" im übrigen deutlich beleben, denn aus etlichen DV-Kombinaten entwickeln sich nun - in Zusammenarbeit mit Unternehmen aus den alten Bundesländern, neue DV-Dienstleister, die eine vielfältige

Angebotspalette bieten. *