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09.12.1977

Die andere Seite der IBM

Keine Frage, daß die "lBM-Policy" den Mitarbeitern des "erfolgreichsten Unternehmens des Jahrhunderts" sehr hohe moralische Vorgaben und "Ethical-Standards" setzt. IBM-VBs dürfen beim Kunden nicht mit Marktanteil und Größe der Firma werben, dürfen im Verkaufsgespräch die Konkurrenz nicht schlechtmachen, dürfen keine Sondervereinbarungen gegen die Meistbegünstigungsklausel treffen. Das ist alles fein reglementiert. Wenn - bei den Heerscharen der Verkäufer wohl unumgänglich - tatsächlich mal ein Bestechungs-Skandal oder ähnliches bekannt wird, zieht IBM durchaus Konsequenzen. Das "offizielle Gewissen" der Firma ist rein, wie die Anzüge ihrer Mitarbeiter tadellos sitzen, selbst wenn sie heute nicht mehr einheitlich dunkelblau sind. IBM, der gute Mitbürger. Für ein hervorragendes Image sorgt eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit. Weltweit.

Rüder Ton

Geradezu "verschwörerisch" ist demgegenüber der Ton, der in den allerhöchsten Führungskreisen des IBM-Head-quarters vorherrscht. Selbst in schriftlicher Form - nämlich in Memos und Sitzungsprotokollen - macht das Top-Management des guten Mitbürgers IBM intern kein Hehl daraus, daß alle Mittel inklusive bewußt ungesetzlichen Verhaltens, insbesondere Verzögerungstaktiken für den Erhalt der marktbeherrschenden Stellung und der exorbitanten Profite eingesetzt werden müssen. Dies wurde überdeutlich, als jüngst im Prozeß USA versus IBM seitens der Regierung Akten des lBM-Management-Review-Committee und verschiedener Task-Forces zur Vorbereitung der Preis-Entbündelung aus den Jahren 1967 bis 1969 vorgelegt wurden, deren Herausgabe an das Justizministerium die IBM-Anwälte sehr lange, sehr heftig und letztlich vergebens bekämpft hatten.

IBM-Verteidiger hatten guten Grund, wegen der Veröffentlichung dieser Papiere besorgt zu sein, denn was nunmehr bekannt wurde, liest sich wie die Chronik einer nicht ganz so ehrenwerten Gesellschaft. Die Herren beschlossen am 9. September 1968 "einstimmig", daß das IBM-Verfahren, Software umsonst als Teil des Hardware-Preises zu liefern (Bundling), eindeutig ungesetzlich sei und daß man deshalb nunmehr keine weiteren Anstrengungen machen sollte dies rechtlich abzusichern. Für die Task-Force, die die Preis-Entbündelung - angesichts der US-Regierung - strategisch vorbereiten sollte, wurde vorgeschlagen, als Vorsitzenden den auszuwählen, "der am allerbesten die Grenze kennt, bis zu der man das Departement of Justice täuschen und fehllenken könne". Der Ton macht die Musik: Ein Vorteil einer der erörterten Strategien wurde in Top-Management-Kreisen darin gesehen, daß man so dem "Justizministerium Sand in die Augen streuen könne". Über eine andere diskutierte Vorgehensweise wurde bemerkt, sie sei zwar keine rechtlich haltbare Lösung, habe aber den Vorteil, daß man sich so "Zeit erkaufe". Ober das alte Bundling-Verfahren wurde getrauert: "Wir verlieren die Flexibilität, die Ressourcen für Systems-Engineering-Leistungen so einzusetzen, daß dies jeweils den größten Nutzen für IBM bringt. Wenn man nicht extra berechnet, kann man solche Unterstützung unter eigener Kontrolle bereitstellen oder abrufen!"

Wider besseres Wissen. daß die rechtliche Position unhaltbar ist ("we are in desperate trouble"), gab es Anwendungen, Software-Programme nicht als "Produkte" zu bezeichnen, weil daraus gefolgert werden könne, daß man für sie separate Preise festsetzen kann Es sollte klar sein daß eine Darstellung von Anwendungs-Software ohne Bezug auf die Maschine in der Werbung "nicht mit unserer Grundhaltung übereinstimmt, daß Hardware und Programme ein unteilbares Produkt sind".

Schwarz auf weiß! Und so weiter!

In den Memos der IBM-Obersten untereinander wurde ferner ganz offen darüber gesprochen, daß IBM "nahezu eine unangefochtene Monopol-Stellung" habe, daß "Preise und Produkte nicht als Reaktion auf den Wettbewerb festgelegt werden" und daß der "normale Profit" von dreißig Prozent auf fünfunddreißig Prozent erhöht werden könne.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, bestreitet IBM natürlich, daß diesen Schriftstücken irgendwelche Bedeutung beizumessen ist. Manch IBMer ganz unten an der Basis und wohl auch manch betroffener IBM-Kunde wird das nur zu gerne glauben, mit der Begründung: "Das darf doch gar nicht wahr sein!" Ist es aber!