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27.08.1976 - 

Wie wird die Automation das Bankwesen verändern?

Die Angst des Bankmanns vorm Computer

Wie der Zauberlehrling mit dem Besen kommen sich heute immer mehr Bankiers in den USA mit ihren stetig weiter wuchernden EDV-Systemen vor. Freute sie anfangs die willkommene Entlastung von mühevoller Routine-Rechnerei, so wird ihnen jetzt langsam unheimlich, wie radikal die Elektronenapparate immer weitere Bereiche ihres bislang so traditionsgeprägten Geschäfts revolutionieren.

Die neuesten und vielleicht gravierendsten Umwälzungen für das traditionelle Rollenverständnis der Banken - für die der graumelierte, Seriosität und Vertrauenswürdigkeit ausstrahlende Herr hinter dem Tresen einer gediegen ausgestatteten Schalterhalle immer noch Haupt-Ansatzpunkt beim Werben um das Vertrauen neuer Kunden ist - stehen unter dem Kürzel "EFTS", der Abkürzung für "Electronic Funds Transfer System". Damit sind neue Daten-Netzwerke gemeint, die weitgehend automatisch und von beliebig plazierbaren Terminals aus Geldströme steuern und darüber hinaus eine Vielzahl von Kredit- und Anlagewünschen der Kundschaft bearbeiten, entscheiden und realisieren. Ihre Hauptwirkung auf das Verhältnis zu "den Kunden liegt, aus der Sicht der Bankiers darin, daß sie das Bankgeschäft gegenüber heute zwar räumlich flexibler und schneller, aber auch anonymer machen. Kunden, die ihre Finanzdispositionen einfach an einen Terminal im Kaufhaus, in den Räumen der Firma oder eines Tages gar am Bildschirm zu Hause erledigen, verlieren ja notgedrungen etwas den Kontakt mit "ihrer" Bank.

Banken werden universell

Das ist die Situation, mit der sich auf einer Round-Table-Diskussion kürzlich Marketing-Experten großer amerikanischer Geldinstitute auseinandersetzten. Allein schon die aktuellen Tendenzen der Gesetzgebung, so klang dabei an, werden die heute noch stark ausgeprägten Differenzen zwischen den verschiedenen amerikanischen Spezialbank-Typen immer mehr einebnen - und EFTS werde dann das Entstehen von Universalbanken etwa nach Art der hierzulande bekannten Institute kräftig beschleunigen. Je weniger die einzelne Bank sich künftig aber profilieren könne - dank EFT werden ja bald alle Banken so ziemlich den gleichen Service bieten können, sieht man von der Sondergruppe der sogenannten "Broker" ab -, desto stärker werden sie dann entweder in der Art der Waschmittelproduzenten ihre dann uniformen Dienstleistungen profilieren müssen. Manche Institute dürften sich auch auf spezielle Kundengruppen einstellen: eine Bank für Fabrikarbeiter, eine speziell für Sekretärinnen und eine vielleicht für Pensionäre.

Ziehen die Kunden mit?

Ein großes Problem ist für viele US-Banker heute noch die Frage, wie bringe ich die EFT-Neuerungen an den Kunden heran? Ein automatisiertes Abrechnungs-System namens SCOPE schlug nicht so recht ein, weil, wie Experten heute selbstkritisch zugeben, die Banken zuwenig die Wünsche und Vorstellungen der Kunden ins Kalkül gezogen hatten und zu stark auf die Rationalisierungsvorteile für sich fixiert waren.

Auch heute nehmen 20 Prozent der Amerikaner noch nicht einmal am Scheckverkehr teil, und so glauben die Fachleute, sie könnten ihr EFT-System zunächst wohl nur den jungen, aktiven, schulisch qualifizierten Kunden schmackhaft machen.

Kein lukrativer Bodensatz mehr

Ein besonderes Problem sehen die Bankiers auch in der ungeheuren Schnelligkeit, mit der die Automaten den Geldtransfer vom Kunden zum, Lieferanten oder vom Arbeitgeber zum Angestellten durchfuhren: sie verlieren mit der EFT-Sofortverrechnung praktisch den zinsträchtigen "Bodensatz", den ihnen die bisherigen umständlichen Verrechnungsverfahren beschert hatten, und das dürfte sie zu scharfer Rationalisierung, vor allem im Personalsektor, zwingen. Langfristig sehen sie das ganze Gewerbe daher von heute 14 000 Banken auf vielleicht die Hälfte zusammenschrumpfen. Dieser Rest stellt sich dann wohl als eine Gruppe monetärer Supermärkte mit automatisiertem 24-Stunden-Dienst dar, die Überweisungen durchfuhren, Bargeld ausgeben, Kredite ausleihen und Wertpapierkäufe buchen - alles von Terminals aus, die etwa in großen Kaufhäusern und shopping centers installiert werden. Diese CBCTs (Cunsomer-Bank Communications Terminal) sollen auch Guthabenverschiebungen zwischen Sparkonten und laufenden Konten sowie Einzahlungen auf die Konten anderer Bankkunden erlauben.

Eine Frage macht den Bankiers auf dem Weg in diese Zukunft besonderes Kopfzerbrechen: wie gewinnt man auch jene eher konservativen Kunden für die neue papier- und schalterlose Zukunft, die heute schon über 45 Jahre alt sind und die rund 70 Prozent der Gesamteinlagen der US-Banken halten?