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15.05.1998 - 

Unternehmensberatung lotet Entlassungspotentiale aus

Die Angst geht um bei Compaq und Digital

Die betriebswirtschaftlichen Entschlackungsprofis suchen bei Digital offenbar Optionen für den Abbau von Arbeitsplätzen. DEC-Firmensprecher Herbert Wenk bestätigte, daß im "Gesamtprozeß der Compaq-Digital-Zusammenführung" McKinsey-Analysten im Hause tätig seien. Allerdings bestreitet er, daß die Personalexperten Arbeitsplätze daraufhin überprüfen, ob sie künftig Bestand haben werden.

Torsten Oltmanns von McKinsey wollte sich zu der Frage, ob man bei Compaq und Digital tätig sei, nicht äußern. Compaq konnte zu den kurz vor Redaktionsschluß eingetroffenen Informationen keine Stellungnahme mehr abgeben - insbesondere nicht dazu, ob McKinsey auch am Dornacher Hauptsitz, sowohl der deutschen als auch europäischen Compaq-Zentrale, nach entbehrlichen Mitarbeitern Ausschau hält.

Der CW bekannte Quellen belegen allerdings, daß auch viele Compaq-Mitarbeiter mittlerweile sehr besorgt sind. Die CW hatte bereits im Februar hochgerechnet, daß im Zuge der Firmenfusion mit zirka 18000 Entlassungen zu rechnen sei. Bei Compaq sind insbesondere die Geschäftsbereiche gefährdet, die sich mit angestammten Digital-Geschäftsfeldern überschneiden und in denen sich eine Menge Technologie-Know-how ausgebildet hat.

In der Schußlinie dürfte bei Compaq etwa die Workstation-Division sein. Auch im gesamten Server-Umfeld besitzen Digital-Mitarbeiter ein gerüttelt Maß an Kompetenz.

McKinsey dürfte dies bei der Suche nach Optimierungspotentialen nicht verborgen bleiben.

Auf Nachfrage beim Gesamtbetriebsrat der Digital Equipment GmbH teilte dieser mit, für die deutschen Digital-Mitarbeiter gelte ein tariflich abgesicherter, erweiterter Kündigungsschutz bis einschließlich März 1999. Vorher sei ein Personalabbau faktisch nicht möglich.

Anders bei Compaq: Wie viele deutsche Töchter mit einer US-amerikanischen Übermutter sah auch Compaq nie die Notwendigkeit, einen Betriebsrat zu installieren. Während die Digital-Mannschaft sich auf einen sehr kämpferischen und in harten Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre gestählten Betriebsrat verläßt, stehen die deutschen Compaq-Divisionen nun mit offener Flanke da. Vorläufig nicht mehr als ein Gerücht ist, daß 5000 Compaq-Mitarbeiter einen blauen Brief erhalten könnten.

Als "Skandal" bezeichnet Digitals Belegschaftsvertretung, daß angesichts der geplanten Massenentlassungen die Verantwortlichen für Digitals Niedergang bei ihrem "Abgang" mit einem golden Handschlag verabschiedet werden. Ein Blick in die fast hundertseitige Aktionärsinformation (sogenanntes "Proxy statement"), die Digital vergangene Woche an seine Anteilseigner und die US-amerikanische Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) verschickte, belegt in der Tat, daß sich Digitals Topmanagement keine Gedanken um anfallende Ratenzahlungen zu machen braucht: Danach erhält DECs CEO Robert Palmer im Falle seines Ausscheidens 6,45 Millionen Dollar in bar. Weitere Zahlungen in Millionenhöhe für Übergangsversorgungen kommen hinzu, ferner ein Vorrecht auf rund 427000 Anteile zum Wert von je 44,364 Dollar. Bruce Claflin und Harold Copperman erhalten je 1,7 Millionen Dollar, John Rando und William Strecker wird der mögliche Abschied mit 1,45 Millionen Dollar versüßt - die "Nebengeräusche" sind dabei nicht eingerechnet.

Neben diesen Managern der ersten Riege ("Tier 1 Employee") gehören noch 19 Manager der zweiten und 230 Verantwortliche der dritten Ebene zur Kaste der DEC-Mitarbeiter, denen in dem Bericht an das SEC opulente Abfindungen verheißen werden, sollten sie ihren Arbeitsplatz verlieren.