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CW auf der ACM-Tagung:


17.01.1975 - 

Die Anwender kamen zu kurz

GARCHING - Dijkstra! Wer unter EDV'lern heute noch die Assoziation "Eiskunstlauf" bei Hören dieses Namens hat, sollte rasch die Branche wechseln. E. W. Dijkstra, "Vater der Strukturierten Programmierung" war neben Prof. Hoare die Hauptattraktion einer Veranstaltung, die das German Chapter der Association for Computing Maschinery (ACM) im Dezember in Garching bei München abhielt. Dijkstra zu lesen ist lehrreich; ihn zu erleben ist faszinierend. Informatik-Studenten und ausgewachsene Software-Experten hingen mit verklärtem Blick an den Lippen des Meisters. Im überfüllten Saal handelte sich feindselige Blicke ein, wer ein Taschentuch seiner Bestimmung zuführen mußte. Erwartungsvoll lauschten die Versammelten den wenigen Worten des Propheten einer top-down-strukturierten Zukunft. Da saß er nun - auf dem Tisch. Mit zerbeulten braunen Cord-Hosen und braunem Rollkragenpullover und braunem Vollbart. Sprang gelegentlich auf, um ein Wort an die Wand zu malen. Legte auch mal schöpferische Pausen ein und schlenderte auf der Bühne umher. Eine perfekte Demonstration des lauten Denkens. In unnachahmlicher Weise führte er am Beispiel einer virtuellen Speicherkonzeption vor, wie ein System-Designer eine solche Problemstellung durch konsequente Einhaltung des Top-Down-Prinzips lösen kann.

Eine Show - kein praktischer Nutzen

Viele der Referate, die in diesen zwei Tagen zu hören waren, konnten den Besuch eines Anwender-EDV-Chefs, der sich Anregungen für die Bewältigung täglicher Probleme holen wollte, nicht rechtfertigen. Einige Vorträge waren zu abstrakt, andere zu speziell. Mit strukturierter Programmierung setzten sich vor allem die Referenten Floyd Wegener, Muth und Witt auseinander. Über die Software-Tools von Muth (PAD) und Witt (COLUMBUS) wurde bereits in der Computerwoche berichtet. Bei Wegener (GMD) und Floyd (softlab.) wurde deutlich, daß eine beachtliche Uneinigkeit zwischen Lehre und Praxis besteht.

Nach Wegeners Ansicht kommt es bei der Erstellung von Programmen nur darauf an, saubere Strukturen zu bilden. Und sauber sind für ihn nur Baumstrukturen. Ein Programm kann nur dann optimal sein, wenn die Zahl der Querverbindungen minimiert worden ist. Wegener wehrte sich allerdings mit Nachdruck dagegen, den Spielraum des Programmierers beispielsweise durch Standardisierung der Kontrollstrukturen zu beschneiden. Anwenderorientierte Praktiker wie Frau Floyd halten jedoch die Erstellung von Baumstrukturen allein ohne zusätzliche Standardisierungsvorschriften für den Programmierer nicht für ausreichend. Dr. Christine Floyd beschäftigte sich in ihrem Beitrag mit den Problemen, die entstehen, wenn man versucht, COBOL-Programmierer für die Strukturierte Programmierung zu gewinnen.

Die Prinzipien der neuen Programmier - Philosophie seien auch in COBOL realisierbar, obwohl theoretisch diese Sprache mit ihren vielen redundanten Eigenschaften dafür denkbar ungeeignet sei. Fest stünde, daß die COBOL-Programmierer nicht umhinkämen dazuzulernen.

Man müsse jedoch auch die generellen Arbeitsbedingungen der Programmierer der Software-Philosophie anpassen und beispielsweise die Schnittstellen zu den Fachabteilungen verbessern. Wie soll auch der isolierte Programmierer beim Programmentwurf einen Top-Down-Design machen, wenn er das "Top" nur vage oder gar nicht kennt.

Es kommt also beim Anwender vor allem darauf an, eine gut funktionierende Kommunikation zwischen Auftraggeber und Programmierer herzustellen. Dann erst ist eine optimale Strukturierung der Programmsysteme möglich.

Interessant waren die Ausführungen von Hoare, der sich mit der Entstehung einiger problemorientierter Programmiersprachen auseinandersetzte und die Ineffizienz von Mammutsprachen wie PL1 kritisierte. Seine Forderung nach einfacheren und handlicheren Sprachen, die auch den Grundideen der Strukturierten Programmierung entsprechen, fand viel Beifall. Zielsetzung des German Chapter der ACM ist es, Bindeglied zwischen Forschung und Anwender zu sein. Dies ist in Garching noch nicht recht gelungen.