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27.09.1991 - 

Industrie sucht DV-Kräfte für technische Anwendungen

Die Anwender laufen den DV-Herstellern den Rang ab

Nur noch 13 Prozent der DV-Spezialisten sind bei Computerherstellern und Softwarehäusern beschäftigt. Die restlichen 87 Prozent arbeiten bei Anwendern in Industrie und Dienstleistung. Herbert Herritsch* zeichnet ein Bild des sich normalisierenden DV-Arbeitsmarktes.

Nach Jahren stetigen Wachstums geht die Nachfrage nach besonders qualifizierten Datenverarbeitungskräften und DV-Führungskräften zurück. Nach der expansiven Phase Mitte der achtziger Jahre hat sich der Markt weitgehend normalisiert. Dies belegt auch die Entwicklung der offenen Stellen und Bewerbergesuche bei der Fachvermittlung für besonders qualifizierte Fach- und Führungskräfte der Bundesanstalt für Arbeit. Ende Dezember 1990 lagen der Fachvermittlung 660 offene Stellen vor, während es 1985 noch rund 1600 offene Stellen waren. Bei den von der Fachvermittlung betreuten Bewerbern war dagegen ein steigender Trend zu beobachten. 1985 suchten 670 Bewerber eine neue Position, 1990 waren es 2000.

Derzeit sind schätzungsweise 180 000 bis 200 000 Computerspezialisten in den westlichen Ländern der Bundesrepublik Deutschland beschäftigt. Dieser Wert hat sich in den vergangenen Jahren um rund 90 Prozent erhöht. Bei DV-Herstellern, Softwarehäusern und Beratungsfirmen sind etwa 13 Prozent tätig. Mit 87 Prozent ist jedoch der größte Teil bei Anwendern sowohl des produzierenden Gewerbes als auch des Dienstleistungsbereiches zu finden. Entsprechend dieser Beschäftigungsstruktur kommt auch die momentane Nachfrage nach hochqualifizierten DV-Kräften zum größten Teil aus dem Anwenderbereich.

Je nach Sektor ergeben sich unterschiedliche Arbeitsmarktperspektiven. Die Hardwarehersteller befinden sich derzeit in der Krise. Die international großen Unternehmen haben Mitarbeiter freigesetzt oder planen Entlassungen. Die Nachfrage nach DV-Kräften sowohl für den Vertrieb als auch für die Entwicklung ist daher schwach ausgeprägt.

Softwarehäuser und DV-Unternehmensberatungen suchen gegenüber früheren Jahren weniger Fach- und Führungskräfte. Insbesondere kleinere Häuser haben es derzeit auf dem Absatzmarkt schwerer. Die großen Häuser mit hohen Umsätzen an Standardsoftware und einem Angebot an modularen Lösungen verbunden mit umfassenden Serviceleistungen für die Anwender in Industrie und Dienstleistungen suchen weiterhin hervorragend qualifizierte DV-Spezialisten und Führungskräfte. Den größten Teil am Stellenvolumen haben die Anwenderunternehmen aus Industrie und Dienstleistungen, die nach wie vor einen hohen Bedarf melden. So suchen Industriebetriebe schwerpunktmäßig aus der Elektrotechnik und dem Stahl-, Maschinen- und Fahrzeugbau vor allem DV-Kräfte für technische Anwendungen, wie zum Beispiel in der computerunterstützten Konstruktion (CAD) oder computerunterstützten Fertigung (CIM).

Der Dienstleistungssektor, wie Banken, Versicherungen und Handelsunternehmen, hat vor allem Bedarf an Softwareentwicklern für DV-gestützte Informationssysteme des kommerziellen Bereiches.

Die Berufsbezeichnungen in den DV-Berufen sind durch eine große Vielfalt und häufige Überschneidungen in den Tätigkeitsbeschreibungen gekennzeichnet. Daher gibt es eine Fülle von Positionsbezeichnungen, unter denen DV-Fachkräfte von Hardware-/Softwareherstellern und -anwendern gesucht werden. Hinzu kommt, daß sich die Aufgabengebiete je nach Größe des Unternehmens erheblich unterscheiden. Die am häufigsten nachgefragten Berufsgruppen sind DV-Vertriebsfachleute, Anwendungsprogrammierer und Softwareentwickler.

Die Stellenanzeigenauswertung der SCS-Unternehmensberatung ergab im ersten Halbjahr 1991:

In der Entwicklung sowohl kommerzieller als auch technischer Software werden Kandidaten mit kreativen und analytischen Fähigkeiten benötigt. Sie müssen mehrere Programmiersprachen beherrschen sowie über differenzierte Datenbankerfahrungen und Kenntnisse in grafikverarbeitenden Programmen verfügen.

Für den Vertrieb von DV-Produkten suchen die Unternehmen Bewerber mit mehrjähriger Berufspraxis und nachweisbaren Vertriebserfolgen. Gegenüber vergangenen Jahren hat sich allerdings die Nachfrage der Unternehmen nach DV-Vertriebskräften und -Vertriebsleitern ermäßigt. Ein weiterhin guter Markt besteht in der DV-Beratung, die den Vertrieb unterstützt. Hier geht es um die Anpassung der Produktlinien an die Kundenwünsche.

Ein Hochschul- oder Fachhochschulstudium wird bei den DV-Nachwuchskräften von den Unternehmen häufig zur Bedingung gemacht, wobei es verschiedene akademische Zugangswege gibt. An erster Stelle ist das Informatik-Studium zu nennen, insbesondere mit der Kombination eines anwendungsbezogenen Nebenfaches, wie der Betriebswirtschaftslehre oder der Ingenieurwissenschaft. Darüber hinaus finden sich unter DV-Fachleuten in nennenswertem Umfang auch Absolventen der Mathematik, Physik, Elektrotechnik und Betriebswirtschaft.

Die Nachfrage nach DV-Führungskräften der Industrie ist leicht rückläufig. Während vor zwei, drei Jahren Führungskräfte des DV-Kernbereiches noch die Auswahl zwischen mehreren Stellenangeboten hatten, tun sie sich heute schwerer.

Eine wichtige Rolle dürfte dabei die zunehmende Dezentralisierung der DV-Anwendung gespielt haben: Ein Indiz ist die große Verbreitung von lokalen Netzwerken mit Personal Computern, die in bestimmten Aufgabenbereichen die zentralen Großrechner ablösen.

Die damit einhergehende abnehmende Bedeutung zentraler DV-Abteilungen führte zwangsläufig zur Stagnation bei den entsprechenden DV-Führungspositionen. Vor allem aus diesem strukturellen Grunde ging der Bedarf an DV-Führungskräften, wie Leiter der Organisation/Datenverarbeitung oder Leiter Rechenzentrum, zurück.

Durch den nicht mehr so günstigen DV-Arbeitsmarkt sind besonders ältere DV-Führungskräfte mit sehr speziellem Erfahrungshorizont betroffen. Hierzu gehören zum Beispiel die Leiter der Organisations- und DV-Abteilungen mit hohem Spezialwissen über Computersysteme und Kommunikationseinrichtungen, aber nur wenigen Erfahrungen in der umfassenden Einbindung der Informationstechnik in die unternehmerischen Entscheidungsstrukturen.

Die Anforderungen haben sich gewandelt

Die Anforderungen an DV-Manager haben sich in den letzten Jahren gewandelt. Die genaue Kenntnis der Informationstechnik ist zwar eine notwendige, für die Management-Aufgabe aber keine hinreichende Bedingung.

Wichtig für DV-Führungskräfte sind die Qualifikationskriterien eines Managers schlechthin: Neben der Fachkompetenz gehören hierzu soziale Fähigkeiten und Persönlichkeit sowie unternehmerisches Denken.

Derzeit ist die Datenverarbeitung in vielen Unternehmen weitgehend dem Ressort Finanz- und Rechnungswesen zugeordnet. Um in der Zukunft das hohe integrative und wettbewerbsfördernde Potential der Informations- und Kommunikationstechnik voll ausschöpfen und einsetzen zu können, dürfte die Datenverarbeitung oder Informationsverarbeitung künftig zu einem eigenständigen Ressort auf der Vorstands- oder Geschäftsleitungsebene heranwachsen.

Zum Schluß einige Hinweise zu den derzeitigen Gehältern im DV-Bereich. Bei Berufsanfängern in der Datenverarbeitung mit akademischem Abschluß liegen derzeit die Einstiegsgehälter zwischen 55 000 bis 65 000 Mark. Dabei ist allerdings zu beachten, daß im konkreten Einzelfall je nach Branche, Region, Größe und wirtschaftlicher Lage des Unternehmens sowie nach den Qualifikationen des Bewerbers spürbare Abweichungen nach unten oder oben anzutreffen sind.

DV-Führungskräfte erhalten außertariflich geregelte Bezüge. Aus diesem Grund läßt sich eine einheitliche Aussage über die Höhe der Vergütung nicht machen.

Die Einkommensbreiten für Manager liegen derzeit zwischen knapp unter 100 000 Mark und bewegen sich je nach Größe des Unternehmens und Bedeutung der Positionen bis 250 000 Mark. In Großunternehmen oder Konzernen bewegen sich etwa ein Prozent der Topmanager des DV-Bereiches auch in Größenordnungen von über 250 000 Mark.