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25.11.1998 - 

Interview

"Die Anwender wollen einheitliche E-Mail"

Mit Pierre Van Beneden, Senior Vice-President bei Lotus Development, sprach CW-Redakteur Wolfgang Sommergut

CW: Lotus und Microsoft liefern sich Marketing-Gefechte darüber, wer der Marktführer im Messaging-Geschäft sei. Die dabei kolportierten Zahlen kommen auf unterschiedliche und undurchsichtige Weise zustande. Wem soll diese Auseinandersetzung um installierte Mail-Lizenzen nutzen, wenn es den beiden Kontrahenten längst nicht mehr um Messaging, sondern um das "Digital Nervous System" oder Knowledge-Management geht?

Van Beneden: Ich finde diese Marketing-Kämpfe lächerlich, da die benutzten Zahlen wenig mit der Realität zu tun haben. Wer weiß denn schon, wie viele der mit Microsofts "Office" ausgelieferten Kopien von "Outlook" wirklich genutzt werden? Das gleiche gilt für "Domino/Notes"-Lizenzen, die mit Hardware gebündelt werden. Ich habe deshalb eine Studie bei IDC in Auftrag gegeben, die uns über die tatsächliche Nutzung von Notes, "Exchange" oder "Groupwise" informieren soll.

Was die Bedeutung von Messaging für Lotus angeht, so bieten wir natürlich weit mehr als bloß E-Mail-Funktionen. Es bildet aber das Fundament für vielfältige, auch komplexe Groupware-Anwendungen.

CW: Wo sehen Sie im Messaging-Markt überhaupt noch Wachstumschancen? Die meisten Unternehmen haben schon Mail-Systeme. Sie nahmen kürzlich Tools von Binary Tree in Lizenz, die Daten aus den Produkten von Novell oder Netscape in Notes übertragen können. Glauben Sie wirklich, daß Anwender diese relativ neuen Systeme zugunsten von Lotus aufgeben?

Van Beneden: Die meisten Firmen haben sicher E-Mail-Systeme im Einsatz, allerdings oft gleich mehrere davon. Diese heterogenen Umgebungen aus Altanwendungen wie DECs "All in One" oder "IBM Officevision" zusammen mit einfachen PC-Mail-Systemen bereiten häufig Probleme, die Anwender durch Vereinheitlichung loswerden wollen. Zudem sind bestehende Lösungen oft nicht Jahr-2000-fest, beispielsweise "MS-Mail". Aber wir gewinnen auch Anwender von Konkurrenzprodukten zurück, die mit deren Internet-Tauglichkeit nicht zufrieden sind.

CW: Beim Upgrade von einfachen Mail-Systemen kann Lotus nicht nur neue Anwender gewinnen. Gerade die Benutzer von cc:Mail wandern scharenweise zu Microsoft ab. Was tun Sie dagegen?

Van Beneden: Vor einem Monat starteten wir ein Programm, in dessen Rahmen wir unseren "cc:Mail"-Kunden ein kostenloses Upgrade auf Notes/Domino gewähren.

CW: Das ist sicher ein Anreiz. Aber muß es für Sie nicht vor allem darum gehen, Anwender von den weitergehenden Notes-Funktionen zu überzeugen? Studien belegen, daß Notes in den meisten Fällen immer noch als reines E-Mail-System genutzt wird. Warum sollen sich Anwender dafür die Komplexität von Domino antun?

Van Beneden: Es stimmt, daß wir in der Vergangenheit nicht immer die vielfältigen Möglichkeiten von Notes zur Entwicklung von Business-Anwendungen vermitteln konnten. Wir werden uns aber darauf verstärkt konzentrieren und zukünftig zahlreiche Lösungen auf Basis von Notes präsentieren.

CW: Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, wenn viele Anwender auf die Anwendungsentwicklung unter Domino verzichtet haben. Mit der Version 5 stehen so viele Neuerungen ins Haus, daß früher oder später die Portierung bestehender Applikationen fällig wird. Sollen Anwender heute überhaupt noch auf Basis der Version 4.x entwickeln?

Van Beneden: Anwender können bereits heute auf der Basis der recht stabilen Betaversion 5 programmieren. Anfang nächsten Jahres wird dann die endgültige Fassung vorliegen. Unsere Empfehlung an die Kunden ist klar: keine umfangreichen neuen Projekte mehr auf Basis einer älteren Notes-Version.

CW: Zu den Neuerungen von Domino 5 gehören auch Chat- und Streaming-Funktionen. Gleichzeitig soll es ein Web-, Directory- und Applikations-Server für Java, aber auch eine Plattform für das Knowledge-Management sein. Haben Sie nicht Bedenken, daß Sie das Produkt mit Funktionen überladen, die unterschiedliche Anforderungen an das System stellen?

Van Beneden: Wir überlegen intern, ob wir spätere Versionen von Domino in Komponenten zerlegen sollten. Dies könnte uns zudem den Einstieg in das Mittelstandsgeschäft erleichtern.

CW: Lotus prüft gerade, ob es nicht Notes/Domino auf Linux portieren soll. Ist da schon eine Entscheidung gefallen?

Van Beneden: Nein, wir denken noch darüber nach. Aber ich glaube, daß wir es tun sollten.