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20.01.1978 - 

Univac verschrottet Rechnerentwicklung

Die Anwender wollen keine Softwareumstellungen

Offenbar haben die Anwender doch mehr Einfluß auf die Produkt-Strategien der Hersteller als die allgemeine Schwäche der Anwender-Organisationen diesseits und jenseits des Atlantik vermuten läßt. Wohl auch "Increasing User Resistance"' hat dazu geführt, daß vor zwei Jahren IBM das Projekt "Future Systems" lautstark mit Pressekonferenz und so verschrottete. Und "Increasing User Resistance" war nunmehr Univac's Begründung für die offizielle Verkündigung, daß das Projekt "Roanoke" (gemeinsame Nachfolge-Maschinen für die Serien 1100 und 90 mit kompatibler Software für beide bisherigen Produktlinien) nicht weiter verfolgt wird.

Wogegen sträubten sich die Anwender in beiden Fällen? (dahinter steht jeweils ein In-den-Schornstein-Schreiben von immensen Millionenbeträgen; für das 1973 angekündigte Univac Roanoke-Projekt arbeiteten Ende 1977 ein sechshundert Mann starkes Entwicklungsteam).

Vor zwei Jahren: Keine IBM Future Systems

Das Future System wurde in Vorabspekulationen von Insidern mehrfach apostrophiert als ein System, dessen Einführung ähnliche Software-Umstellungen erfordern müsse, wie sie beim Obergang von der zweiten Generation auf 360 Wortmaschinen den Anwendern zugemutet wurden. Und es wurde damit zum Alptraum aller, die sich um ihre Riesen-lnvestitionen in die Anwendungssoftware sorgten. Mit vielleicht weniger maschinentechnischer Effizienz, die angesichts spektakulär gesunkener Hardwarepreise in Kauf genommen werden kann, werden IBM's zukünftige Systeme keine Revolution bringen, sondern - das ist, offizielle Verlautbarung - evolutionär die Computertechnik vorantreiben. Kompatibilität der Betriebssysteme hat Vorrang. Feldrechnerei und assoziative Speicherung wird dedizierten Spezialrechnern, eventuell reinen Datenbank-Maschinen auf Basis des Relationen-Modells, vorbehalten sein. Man darf aufatmen.

Univacs Rückzug hat ähnliche Motive. Die für 1979180 vorgesehene neue Hardwareserie sollte sowohl die wortorientierten 1100-Maschinen wie die byte-orientierten 90-Systeme ablösen, natürlich mit einem Betriebssystem, das volle Kompatibilität gewähren sollte. Indes, das war offenbar nicht machbar. Für den Übergang auf den Rechner neuer System-Architektur wären in jedem Fall - so liegen die Dinge - Softwareanpassungen bei den Anwendungen erforderlich gewesen, wenn nicht ineffiziente Emulation gewählt werden sollte. Von vormals einem runden Dutzend Betriebssystemen, die unterstützt werden mußten (nicht zuletzt durch Univac's Übernahme von RCA's Spectra-Anwendern) hat man sich mittlerweile auf drei abgemagert: 3, VS 9 und OS 1100. Die Roanoke-System-Software hätte sie nicht ersetzt, sondern wäre zwangsläufig ("User Resistance") zu einem vierten System-Paket geworden - und das war ja nicht Sinn der Übung.

Der Markt bestimmt die Erkenntnis: Solange der Übergang auf neue Rechner Sofwareanpassungen erfordert - bezeichnenderweise läuft kein 1100-Fortran oder -Cobol auf Serie 90-Rechnern und Viceversa - werden die Anwender in alten Betriebssystemen weiterarbeiten wollen oder bestenfalls emulieren. Univac's einzige Alternative: Entweder totale Kompatibilität, die nicht zu erreichen war, oder Verschrotten des Multi-Millionen-Projekts. Der Markt, die sorgfältig recherchierten Grundeinstellungen der Anwender, ließ keine andere Lösung zu.

Univac wird nunmehr die üblichen Hardware-Verbesserungen bringen und neue Software-Erweiterungen ankündigen, die in beiden Produktlinien eingesetzt werden können. Die Telcon-Kommunikations-Software und das "Distributed Communication Architecture"-Konzept weisen den Weg, ebenso wie der, beiden Serien anschließbare DCT Front-End-Rechner. Einen Computer in ganz neuer Systemarchitektur wird es erst in Jahren geben - der soll dann alles können, was heute die Technik noch nicht zu leisten vermochte.