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21.04.1989

"Die Anwender wollen vor allem Kompatibilität"

þZu welchem Zweck wurde die Unix International Inc. gegründet?

Unix International ist eine Organisation, die Verantwortung dafür trägt, wie Unix aussehen wird.

- Wer hat Ihnen diese Verantwortung übertragen?

AT&T. Wir haben ein Abkommen mit AT&T, wonach uns das Recht eingeräumt wird, Unix zu definieren.

- Sie sind Marketing-Direktor. Was bedeutet dieser Titel angesichts der Tatsache, daß Unix Intemational nichts verkauft?

Ich bin verantwortlich für die Mitgliedschaften, für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung etc.

- Worin unterscheidet sich Unix International von der AT&T-eigenen Unix-Division, der sogenannten Unix Software Operation?

AT&T hat zwar die Unix Software Operation von der Computer-Abteilung getrennt. Trotzdem berichten beide Unternehmensbereiche an dieselbe Person. Und damit gab es immer noch genug Möglichkeiten der Einflußnahme. Folglich schlugen wir vor, ein übriges zu tun. Es gibt drei Bereiche, in denen ein Unternehmen tätig ist: Verkauf, Entwicklung und Produktspezifikation. Wir sagten zu AT&T: Behaltet ihr ruhig die Entwicklung und den Verkauf, denn da leistet ihr gute Arbeit. Aber ihr dürft das Produkt nicht mehr definieren, wenn ihr euch nicht dem Verdacht der Einseitigkeit aussetzen wollt. Diese Unternehmensaufgabe übernahm also Unix International.

- Das erweckt den Eindruck als wäre Unix International ein Teli von AT&T.

Nein, das sind wir keineswegs. Wir sind lediglich extrem kooperativ.

- Wieviel Einfluß hat denn AT&T auf die Entscheidungen von Unix International?

Jedes Mitglied hat eine Stimme. Zweck und Ziel unserer Organisation ist es, eine Umgebung zu entwikeln, die alle Hersteller gleichermaßen berücksichtigt. Und wenn Entscheidungen in diesem Zusammenhang anstehen, dann haben alle Unternehmen - ungeachtet ihrer Größe - dieselbe Durchsetzungskraft.

- Wo sind denn die Reibungspunkte zwischen Unix International und AT&T?

Zum Beispiel heißen wir die Lizenzpoliktik von AT&T für System V.3 nicht gut. Wie Sie sicher wissen, verlangte AT&T damals - aus gutem Grund übrigens - von den Lizenznehmern: Ihr müßt eure Produkte konform zur System-V-Interface-Definition gestalten, sonst dürft ihr sie nicht verkaufen. Und das brachte für einige Anbieter ein Riesenproblem mit sich.

- Was meinen Sie mit dem guten Grund?

Der gute Grund ist der, daß die Third-Party-Anbieter und die Endanwender einen Standard brauchen, der ihnen garantiert, daß ihre Software oder das Training ihrer Mitarbeiter für andere Maschinen verwendbar sind.

- Warum protestierte Unix International dann gegen diese Politik?

Es ist tatsächlich paradox: Wir wollen zwei verschiedene Dinge. Zum einen wollen wir ein Trademark-Programm, das auf der Konformität mit intenationalen Standards wie der CAE von X/Open, Posix oder FIPS beruht. Die SVID muß sich dahingehend verändern, daß sie auf Standards basiert und nicht auf dem Produkt per se

- Und zum anderen . . .

.. . wollen wir, daß AT&T die Unix-Tehnologie dem breiten Markt zur Verfügung stellt - für Innovationen,

Kreativität und neue Märkte, die sich daraus entwickeln. Andernfalls könnten die Entwickler sagen: Wenn wir Unix nicht benutzen dürfen, nehmen wir eben etwas anderes.

- Auf dem Unix-Markt herrscht mittlerweile ein harter Wettbewerb. Vom Standpunkt eines Anbieters aus dürfte er damit ständig unattraktiver werden . . .

Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Jeder macht derzeit in Unix und sucht nach neuen Nischen in diesem Markt. Natürlich wird es immer Leute geben, die sich nach anderen Märkten umsehen. Ein Beispiel dafür ist die Oracle Corp., die ständig auf der Suche nach Portierungsmöglichkeiten in andere Umgebungen ist, um die eigenen Möglichkeiten so weit wie möglich auszudehnen. So ist das Geschäft. Wenn ein Anbieter Schwierigkeiten im Unix-Markt hat, dann bin ich ziemlich sicher, daß er sie in jedem anderen Markt auch haben wird.

- So, wie es aussieht, nimmt Unix International AT&T eine Menge Arbeit ab. Bezahlt AT&T dafür?

Nein. Wir finanzieren uns ausschließlich aus eigener Kraft. AT&T hat 500 000 Dollar eingebracht, Unisys hat ebenfalls 500 000 Dollar eingebracht genauso wie Fujitsu und die anderen. Es gibt keine geheimen Finanzquellen.

- Welche Vorteile erwachsen aus einer Mitgliedschaft bei Unix International?

An erster Stelle steht die Möglichkeit, die Zukunft von Unix mitzugestalten. Denn wir werden Unix V.5 definieren.

- Die Open Software Foundation versucht ebenfalls, Unix zu definieren . . .

Das tut sie nicht. Sie kann Unix gar nicht definieren, weil sie AIX unterstützt; und das ist nicht Unix. AIX ist ein Produkt, das auf V.2 basiert und von IBM fundamental verändert wurde. Es ist bereits jetzt mit einem Release im Rückstand und weist keine Konformität zu Xenix auf. Dadurch wird die Hälfte des Marktes außen vor gelassen. Überdies hat die OSF keine Möglichkeit, der IBM vorzuschreiben, was sie entwickeln soll. Es ist ziemlich interessant, daß IBM sich derzeit in derselben Situation befindet wie vor zwei Jahren noch AT&T. Wer definiert denn OSF/ 1 ? Doch wohl die IBM, denn sie bestimmt, was sie an die OSF weitergibt. Die Sache ist vollkommen vorherbestimmt - und zwar durch einen Proprietary-Giganten.

- Wir haben allerdings gehört, daß OSF/1 sich konform zu V.3 verhalten werde.

Darüber gibt es aber keinerlei Übereinstimmung. Beispielweise hat die OSF im Augenblick keine Streams; sie darf sie gar nicht ewerben, ohne das gesamte Produkt so wie es ist, auszuliefern. Allerdings haben wir kürzlich daffür gesorgt, daß die Streams separat lizenziert werden. Vielleicht holt IBM sie sich tatsächlich.

- Wird es möglicherweise zwei verschiedene Unix-Standards geben?

Unix System V zusammen mit Xenix und BSD - das bedeutet 70 bis 80 Prozent des Marktes. AIX bringt es auf ein einziges Prozent Marktanteil. Wir haben der OSF Unix System V angeboten. Unsere einzige Forderung war, daß Unix System V das erste OSF-Release sei. Sollte die OSF in das zweite Release andere Technologie einbringen wollen - aus AIX oder sonst woher - fein! Laßt uns das bestmögliche Produkt entwikeln. Nur, es gibt bereits eine Million Lizenznehmer, die das Produkt einsetzen ; wir haben die Pflicht, deren Interessen zu schützen. Und diese Interessen heißen: Zerstört mir meine Investitionen nicht; sorgt dafür, daß ich nicht das, was ich habe, rauswerfen und von vorn beginnen muß.

- Denken Sie auch bisweilen an die Interessen der Endanwender?

Jeder Anwender, mit dem ich jemals zu tun hatte, hat vor allem ein Interesse und das lautet: ."Rührt es nicht an; laßt es so , wie es ist. Ich will nicht wieder von vorn anfangen." Die Anwender wollen vor allem Kompatibilität.

- Aber sie wollen doch sicher auch mehr Funktionalität.

Nicht,wenn sie auf Kosten der Kompatiblität geht. Die Daseinsberechtigung von Unix International ist der Schutz, den sie für die Kontinuität der instalierten Basen darstellt. Das ist keineswegs die Priorität, die die OSF sich gesetzt hat.

- Hat Unix International dennoch ein Interesse daran, den Streit mit der OSF beizulegen? Ja, wir sind mehr als nur interesiert. Aber die IBM zieht es vor, mit uns zu konkurrieren. Sie hat kein Interesse an einer Kooperation, sondern nur daran ,die Fäden in der Hand zu behalten . Tatsache ist, daß die OSF schon von unserem Kooperationsangebot den Handel mit IBM abgeschlossen hatte und nicht mehr aussteigen konnte. Hätte sie sich entschlossen , System V auszuliefern, wären die Zahlung an IBM trotzdem fällig geworden.

- Das bedutet umgekehrt, daß AT&T- sollte sie jemals der OSF beitreten-AIX akzeptieren muß.

Nein ,das muß sie nicht. Die Mitgliedschaft in einer Organisation ist keineswegs mit der Verpflichtung verbunden, eines ihrer Produkte zu akzeptieren. Sie können der OSF oder auch Unix International angehören, ohne irgendein Produkt zu verkaufen. IBM zum Beispiel hat erklärt: Wir werden AIX auf allen unseren Maschienen ausliefern ,und wir werden OSF/1 unterstützen. Sie sagte keineswegs,daß sie OSF/1 ausliefern werden. Das ist ein großer Unterschied.

- Von der OSF war zu erfahren, daß viele ihrer Mitglieder sich verpfichtet hätten,OSF/1 zu lizenzieren. Jetzt denken Sie doch nur einmal an das Beispiel Sinix: OSF/1 wird Sinix nicht unterstüzten. Glauben Sie denn ,daß sich Siemens seinen Marktanteil durch die Lappen gehen läst? Mit Sicherheit nicht! - Die OSF scheint aber davon überzeugt zu sein.

Das muß sie auch. Schließlich hat sie eine Menge Geld an IBM zu zahlen; und das muß sie irgendwie wieder hereinbekommen. In Wirklichkeit ist die OSF gar nicht mit dem Betriebsystem beschäftigt, sondern mit Benutzerschnittstellen, die nur einen kleinen Teil des großen Bildes darstellen.

- Was veranlaßt Sie zu dieser Behauptung?

Sehen Sie sich die momentane Situation doch mal an:IBM wird OSF/1 nicht kaufen . DEC sagt, sie kaufen es, aber sie werden es erst tun, wenn sie geklärt haben, was aus Ultrix wird. Was Apollo macht, wissen wir nicht;sie haben ihr eigenes System, aber vielleicht gehen sie ja an Bord. Also entschloß sich die OSF, ein Produkt zu entwerfen, das nicht nur auf ihrem OSF-Zeug läuft, sondern auch auf dem wirklichen Standard ; und der ist Unix System V . Sie liefern Motif aus und haben damit eine Einkommensquelle.

- Heißt das, Sie glauben nicht daran , daß OSF/1 jemals auf den Markt kommt?

Ich habe keine Ahnung . Ich glaube schon ,daß es irgendwann auf den Markt kommt. Aber ob es der Standard wird? Das würde mich schon gewaltig überraschen.