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23.11.1990 - 

Entwicklungsgeschichte eines technischen Außenseiters

Die Anwender zwingen die DV-Industrie auf Unix-Kurs

Der Unix-Boom der letzen Jahre ist vor allem ein Erfolg von und für die Anwender. Zum ersten Mal haben sie und nicht die Hersteller die technologischen Weichen gestellt - und selbst die IBM hat sich diesem Votum zähneknirschend gebeugt. Begonnen hat die Erfolgsgesichte von Unix allerdings schon vor über 20 Jahren.

1969: Ken Thompson entwickelt bei den Bell Laboratories ein dialogorientiertes Betriebssystem. Für die Übertragung auf andere Rechner schuf er die Programmiersprache B. Die Weiterentwicklung zu C übernahm Dennis Ritchie.

1973: Dennis Ritchie setzt Unix zusammen mit C ein.

- Eine offene Lizenzpolitik von AT&T und die Verwendung des Betriebssystems an den Universitäten für Forschung und Lehre führt zu seiner Verbreitung im wissenschaftlichen Bereich.

1975: Mit Version 6 lizenziert AT&T erstmals Unix.

1979: Unix 7, die Mutter der meisten späteren Unix-Ableger, wird freigegeben. Gleichzeitig erscheint der 16-Bit-Mikro. Eine Architektur findet sein Betriebssystem.

Die Unix-Vielfalt wird zum Problem

1980 - 1982: Bei AT&T laufen drei Unix-Versionen, darunter Unix System III.

1981: In den USA bildet sich die usr-group, eine Vereinigung von Anbietern und Anwendern, um an einem gemeinsamen Unix-Standard zu arbeiten.

1984: AT&T beginnt mit der Vermarktung von Unix System v.

1984: X/Open wird gegründet, um das Wirrwarr der verschiedenen und inkompatiblen Unix-Versionen zu lichten.

1986: Die Erschließung des Computermarktes kostet AT&T Millionen von Dollar. "Falsches Timing" sagt AT&T. "Unfähigkeit, sich mit den Marktbedingungen zurechtzufinden", diagnostieren die Gegner.

IBM beginnt mit der Auslieferung von AIX/RT für ihre RISCPCs. AIX soll auf IBM-Rechnern vom PC bis zur Mainframe laufen.

Der Streit zwischen Sun/AT&T und OSF bricht aus

1987: AT&T versucht, seine Geschäftspolitk zu ändern. Der Vertragsvorschlag für Unix V.3 sieht vor, daß AT&T in die Entwicklungstätigkeiten der Kunden eingreifen und sie beenden darf

- X/Open gewinnt mit seiner zweiten Auflage des Portability-Guide Einfluß auf das Kaufverhalten der Anwender.

- Sun Microsystems stellt seinen RISC-Prozessor (Sparc) vor. Künftig werden RISC-Architekturen zu den Hauptplattformen für Unix.

Ende 1987: Sun und AT&T tun sich zusammen, die Möglichkeit, daß AT&T sein Unix auf Suns Sparc-Prozessor optimiert, schreckt die Unix-Lizenzenten auf. Die Befürchtung geht um, daß der Vertrag AT&T helfen soll, das inzwischen weit verbreitete Unix wieder vollständig unter Kontrolle zu bekommen.

- Eine Anti-Sun/AT&T-Front bildet sich.

Digital Equipment, Hewlett-Packard und Apollo bilden als Anführer die sogenannte Hamilton Group. Die Mitglieder beginnen nach einem Unix-Standard zu suchen.

Januar 1988: Letzter Versuch der Hamilton Group, eine Einigung mit AT&T zu erreichen.

März 1988: IBM kündigt AIX für die /370-Welt an, die unter VM läuft. AIX soll Standards wie IEEE und Posix ebenso unterstützen wie die Schnittstellen-Definitionen von AT&T.

April 1988: - IBM wird Mitstreiter der Hamilton Group.

- Die Gründung der Open Software Foundation wird betrieben. Siemens, Bull und Nixdorf treten bei. Die Gruppe wählt IBMs AIX als Grundlage eines künftigen OSF-Unix.

- IBM verhandelt mit Steve Jobs über die Entwicklung einer AIX-Benutzeroberfläche.

17. Mai 1988: Die Hamilton-Gruppe wird zur Open Software Foundation (OSF).

Juli 1988: Die OSF sammelt technische Spezifikationen eine OSF-Benutzerschnittstelle.

August 1988: Das negative Echo auf den Unix-Streit zeigt Wirkung: OSF und AT&T/Sun verhandeln über kompatible Unix-Schnittstellen. Spekulationen über den Beitritt von Sun zur OSF machen die Runde.

Streitgegenstand: Benutzeroberfläche

September 1988: - Bei der OSF gehen 40 Vorschläge für eine Benutzeroberfläche ein. AT&T gehört zu den Unternehmen, deren Einsendung sich qualifiziert.

- Die Santa Cruz Operation darf ihr Xenix in Unix umbenennen.

- Das Markenzeichen-Programm der X/Open-Gruppe läuft an.

28. September 1988: AT&T, X/Open, OSF und die German Unix User Group sitzen an einem Tisch, kommen aber zu keinem Ergebnis.

Oktober 1988: Um AT&T herum bildet sich die Anti-OSF-Vereinigung "Archer-Group". Zwei der 18 Mitglieder gehören zugleich der OSF an.

November 1988: Die OSF bekräftigt ihr Bekenntnis zu AIX 3 und stellt klar, daß OSF/1 sowohl die derzeitigen Unix-V-Versionen als auch die Berkeley-Variante 4.3 BSD unterstützen wird.

30. November: Die Archer Group formiert sich zur Unix International Inc. Die Fronten im Unix-Streit werden organisatorisch zementiert.

Dezember 1988: IBM verspricht, AIX in ihr SAA-Konzept einzubinden. Trotz des Bekenntnisses zur OSF - die Connectivity der eigenen Produkte geht vor.

30. Dezember 1988: OSF fällt die Entscheidung für eine Benutzerschnittstelle als Mischprodukt aus den Vorschlägen von DEC und HP/Microsoft.

Januar 1989: - AT&T trennt Hard- und Softwaredivision. Zuständig für die Unix-Entwicklung ist jetzt die Unix Software Operation (USO).

- Die Oberfläche OSF/Motif als erste konkrete Produktentscheidung der OSF wird vorgestellt. Nixdorf erwirbt als erster die Lizenz für die noch unfertige Benutzerschnittstelle.

- Die Mitglieder von X/Open beanspruchen die Führung für ihre Organisation im Streit um Unix-Standards. Erste Produkte werden mit dem X/Open-Warenzeichen ausgezeichnet.

Februar 1989: - Unix International (UI) hat X/Open ersucht, ihre Unix-Enwicklung und damit AT&Ts Entwicklungsabteilung USO (Unix Software Operation) technisch zu unterstützen. AT&T stimmt der Einflußnahme zu.

- AT&T trennt Open-Look-Oberfläche von Unix V.4

- Microsoft steigt mit 20 Prozent bei Santa Cruz Operation (SCO) ein. (SCO arbeitet eng mit AT&T zusammen und hat als einziges Unternehmen die Erlaubnis, ihr - von Microsoft stammendes - Xenix Unix zu nennen.)

- OSF/1 wird für Ende und OSF/Motif für Mitte 1989 angekündigt.

März 1989: UI entscheidet sich mit vielen "Wenn und Aber" für Open Look als Benutzeroberfläche und verspricht Unix-V.4-Vorzugslizenzen für Mitglieder.

- OSF/Motif läuft auf einigen CeBIT-Ständen als Demo-Version.

- Auffallend viele Unternehmen werben auf der CeBIT mit ihrer X/Open-Unterstützung.

- Santa Cruz Operation, Digital Equipment, Locus Computing, Relational Technology und Tandy kundigen die Entwicklung einer Entwicklungsumgebung unter Einbeziehung von OSF/Motif an.

- Erster ISIS-Unix-Report von Nomina kommt heraus.

- Beginn der bis heute unentschiedenen Diskussion der X/Open-Mitglieder über die Unterstützung von OSF/Motif oder Open Look.

- 3. Portability Guide der X/Open Gruppe erscheint.

April 1989: - AT&Ts Open Look wird ausgeliefert.

- AT&T kauft im Rahmen des Anfang 1988 geschlossenen Beteiligungsvertrags für 79 Millionen Dollar 3,2 Millionen neue Aktien von Sun Microsystems.

- UI sticht in der Industrie nach Techniken für ein Multiprozessorfähiges Unix.

Mai 1989: - IBM kündigt eine Radikalkur für den Unix-Rechner RT an. Der spätere RS/6000 wird konzipiert.

- Die OSF sucht nach Techniken für eine verteilte Anwendungsentwicklung.

- OSF und UI treten der X/Open-Gruppe bei und erkennen damit deren Führungsrolle bei der Fixierung von Standards an.

Juli 1989: - Die OSF beginnt mit der Vermarktung ihrer Oberflächenumgebung OSF/

Motif. Die Auslieferung erfolgt im August.

- Anwender klagen mehr Rechte innerhalb von X/Open ein und bekommen einen Sitz im Board of Directors. Außer. dem gibt das Gremium gemeinsam mit Unix International und OSF eine Studie über Anwenderbedürfnisse in Auftrag.

September 1989: Die OSF zählt inzwischen 150 Mitglieder.

Oktober 1989: - OSF trennt sich vom AIX-Kernel und nimmt dafür den Multiprozessor-fähigen Mach-Kernel von der Carnegie-Mellon-Universität. Dadurch verzögert sich die bereits verspätete Fertigstellung von OSF/1 nochmals um ein Jahr.

- Die German Unix User Group (GUUG) tritt Unix International bei. OSF und UI werden umgekehrt GUUG-Mitglieder.

- Die EG-Kommission entscheidet sich für die Motif-Oberfläche der OSF und versucht damit als wichtiges Mitglied, X/Open zu einer Entscheidung zu drängen - allerdings ohne Erfolg.

November 1989: - Unix International präsentiert Unix V.4. und vereinigt damit die früheren Versionen von Unix System V mit den Unix-Derivaten Xenix, Sun-OS und den Versionen 4.2 und 4.3 der Berkeley-Variante BSD. Damit hat UI gegenüber der OSF eine Vorsprung von einem Jahr. Bei den Oberflächen scheint jedoch OSFs Motif die Nase vorn zu haben.

- AT&T will sich von seiner Unix-Entwicklungsabteilung USO trennen und sticht nach

Anlegern.

Friedensangebote von UI und OSF

Dezember 1989: Anzeichen einer Fusion von UI und OSF verdichten sich. Beide Organisationen betonen immer wieder, daß ihre Gemeinsamkeiten weit größer als die Differenzen seien.

Januar 1990: - Auf der Uniforum-Messe in Washington wird "Online Transaction Processing" (OLTP) für Unix vorgestellt. Damit nimmt das Betriebssystem eine wichtige Hürde auf dein Weg zum Einsatz für kommerzielle Anwendungen.

- UI verabschiedet einen "roadmap" genannten Fünfjahresplan.

- IBM verschiebt zum wiederholten Male die Ankündigung von AIX für die PS/2-Rechner.

Februar 1990: IBM stellt den AIX-Rechner RS/6000 vor, den Nachfolger der erfolglosen RT-Reihe. Neben OSF/Motif wird die Nextstep-Oberfläche von Steven Jobs mitgeliefert. Von diesem System verspricht sich Big Blue eine Steigerung von derzeit etwa einem Prozent Marktanteil auf 30 Prozent innerhalb der nächsten drei Jahre.

April 1990: Die Fusionsgespräche zwischen OSF und UI sind gescheitert.

Juni 1990: - Die OSF kündigt an, daß das OSF-Betriebssystem langfristig lizenzfrei gemacht werden soll.

- Unix International stattet Softwarehäuser zum Teil kostenlos mit Rechnern und Betriebsystemen aus, um Portierungen auf Unix V.4 zu forcieren. Die Mitgliederzahl von UI liegt bei 155.

Juli 1990: - OSF-Mitglied Siemens wechselt die Fronten und kündigt an, daß das nächste Sinix auf Unix V.4 basieren wird. OSF/l, so das Unternehmen, soll später implementiert werden.

- AT&T gliedert die Unix-Entwicklungsabteilung USO aus. Die Lizenzrechte für sämtliche Versionen von Unix System V liegen künftig bei der Unix System Laboratories Inc. (USL).

- Unix International bietet Kunden von IBM und DEC Migrationspfade in Richtung Unix V.4 an.

August 1990: Die Santa Cruz Operation, Markführer für PC-Unix, und Intel starten ein Programm zur Herstellung von Binärkompatibilität für 386er- und 486er-Unix. Dadurch lassen sich Unix-Applikationen demnächst ähnlich leicht kaufen wie DOS-Programme. Sämtliche Unix-Organisation signalisieren Zustimmung.

18. September 1990: AT&Ts Unix-Tochter USL kündigt für Mitte 1991 sowohl eine Multiprozessor-fähige Unix-Variante als auch eine spezielle Sicherheits-Version an, die die B2- Stufe nach der Klassifizierung im Orange Book erreichen soll.

23. Oktober 1990: Die OSF gibt ihr Unix-Betriebssystem OSF/1 frei. OSF/1 ist Multiprozessor-fähig und erreicht den Sicherheitslevel B2.