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07.04.1989

Die Anwendervereinigung OSITOP wird zunehmend aktiv TOP - die Ergänzung von MAP auf der Bürosystemseite

Im Vergleich zum Thema MAP fährt das ursprünglich von Boeing als Kehrseite der Medaille propagierte Thema TOP in der öffentlichen Diskussion eher ein Schattendasein. Inzwischen bemüht sich aber auch hier eine europäische Anwendervereinigung darum, TOP mit Leben zu erfüllen. Rainer Janssen* faßt die Bemühungen und Aktivitäten dieser Gruppierung zusammen.

OSITOP ist eine europäische Anwendervereinigung, die sich vorrangig der Standardisierung von Bürosystemen, das heißt Systemen der Informationstechnik in Industrie, Handel und Verwaltung widmet. Der Name setzt sich zusammen aus den Abkürzungen OSI für "Open Systems Interconnection" und TOP für "Technical and Office Protocol".

Die Anwendervereinigung wurde im Februar 1987 durch folgende Firmen gegründet: BNP (Frankreich), Bull (Frankreich), CIIBA (Frankreich), Distrigaz (Belgien), EDF (Frankreich), GDF (Frankreich), Hoechst (Bundesrepublik), ICL (Großbritannien), Kema (Niederlande), NCC (Großbritannien) und Siemens (Bundesrepublik). Das Interesse in Europa ist groß, inzwischen ist die Mitgliederzahl auf über 100 gestiegen.

Hoechst hält ein aktives Engagement von Anwendern bei der Standardisierung von Bürosystemen für außerordentlich wichtig. Es unterstützt OSITOP im wesentlichen aus zwei Gründen:

1. Nur in der Zusammenarbeit mit anderen Anwendern läßt sich das Ziel einer offenen OSI-Vernetzung rasch genug erreichen. Die Zusammenarbeit muß auf übernationaler Ebene organisiert sein, um Wirkung zeigen zu können.

2. Durch die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch mit anderen Anwendern wird das notwendige Know-how erworben, und durch Arbeitsteilung wird der Aufwand für den einzelnen vermindert.

Auch Anwender, die heute noch keine OSI-Produkte einsetzen, sondern dieses erst in einigen Jahren tun werden, sollten heute schon in Zusammenarbeit mit anderen Anwendern den Übergang in die OSI-Welt planen und nicht erst in fünf Jahren damit beginnen.

Anhand einiger Beispiele wird im folgenden die Arbeit von OSITOP beschrieben.

OSI-Demonstration auf der CeBIT '89

OSITOP hat in Zusammenarbeit mit "Eurosinet", der europäischen Herstellervereinigung zur Förderung von OSI-Standards, eine OSI-Demonstration auf der CeBIT '89 in Hannover organisiert. Themen dieser Demonstration waren

- Edifact mit X.400 und FTAM

- Directory-Dienste nach X.500

- Basisdienste (X.400, FTAM)

Der Schwerpunkt lag dabei auf der Anwendungsorientierung, das heißt es wurden nicht technische Hilfsmittel gezeigt, sondern an realen Anforderungen orientierte Szenarien. Beteiligt waren

- 24 Hersteller (darunter Bull, DEC, HP, IBM, Siemens, Unisys)

- Anwender (zum Beispiel BASF, Dresdner Bank, Hoechst AG, Electricite de France, CIIBA (F) und DFN/Rare)

- Diensteanbieter (AT&T, KDD, Transpac).

Aufbau eines OSI-Netzes in Europa

Ziel dieses Projektes ist es,

1. zu demonstrieren, daß OSI kein Phantom ist, sondern der Einsatz schon heute genutzt werden kann, und

2. beim Aufbau und Betrieb dieses Netzes praktische Erfahrungen im Umgang mit OSI-Protokollen zu gewinnen, die allen Mitgliedern zur Verfügung stehen.

Als erster Schritt im Aufbau des OSI-Netzes wird zur Zeit Kommunikation auf Basis von X.400 eingerichtet. Diese Vernetzung wurde bereits in Teilen der OSITOP-Working Group 2 realisiert und wird 1989 auf breiter Basis stattfinden.

Der Aufbau des Netzes läuft folgendermaßen ab:

- X.400-fähige Systeme werden miteinander verbunden.

- Da nicht alle Mitglieder bereits über ein derartiges System verfügen, werden für solche ohne X.400-System sogenannte X.400-Server bereitgestellt, das heißt Briefkästen auf X.400-Systemen eingerichtet, auf die diese über einen "remote terminal access" zugreifen können (Die Grafik unten zeigt das Grundprinzip).

Eine wichtige Frage bezüglich der Organisation eines X.400-Verbundes ist die Verfügbarkeit von "Administration-Management-Domain-Diensten" (ADNM) der europäischen Postverwaltungen. Zur Klärung dieser Problematik sind Gespräche mit den entsprechenden Stellen geplant.

Als weitere Schritte beim Aufbau dieses OSI-Netzes sind vorgesehen:

- Edifact über X.400

- ODA/ODIF über X.400

- Directory-Dienste nach X.500

- File Transfer Access and Management (FTAM)

Das Interesse an diesem Projekt ist sehr groß, die Nutzungsmöglichkeiten wurden auf der CeBIT im Rahmen der bereits erwähnten OSI-Demonstration vorgeführt. Die Übersicht zeigt, welche Mitglieder derzeit am Aufbau der X.400-Kommunikation beteiligt sind.

Information über Standards, Produkte und Projekte

Die Anwendervereinigung hat sich zum Ziel gesetzt, Informationen über verschiedene Bereiche der OSI-Standardisierung in einer für Anwender verständlichen Form aufzubereiten und zur Verfügung zu stellen. Das Hauptaugenmerk ist dabei gerichtet auf die Funktionalität der Standards und funktionalen Profile, die Verfügbarkeit von Produkten, die aktuellen Projekte bei Anwendern sowie auf Migrationsaspekte.

Die Informationen werden zunächst für die heute wichtigen Bereiche der Standardisierung wie

- Message Handling (X.400 84/88)

- Directory-Dienste (X.500)

- FTAM

- Edifact

- und ODA/ODIF erarbeitet. Weitere Bereiche wie Remote Database Access (RDA) und Transaction Processing (TP) werden folgen.

In Zusammenarbeit aller "Working Groups" werden diese Informationen dann erstellt und den OSITOP-Mitgliedern zur Verfügung gestellt. Es ist vorgesehen, in Zukunft auch einen Online-Zugang zu diesen Informationen im Netz einzurichten.

Verbindungsorientierte vs. verbindungslose Welt

Eine weitere Aktivität besteht derzeit in der Erarbeitung eines Positionspapiers zum Problem der Kommunikation zwischen verbindungslosen und verbindungsorientierten Welten. Im ISO-Referenzmodell wurde zunächst nur verbindungsorientierte Kommunikation betrachtet; es gibt aber viele Anwendungssituationen, bei denen es sinnvoller ist, Blöcke von Daten (Pakete) einzeln und unabhängig voneinander zu übertragen (Datagrammdienst). Ein Datagrammdienst vermeidet den Aufwand des Verbindungsauf- und -abbaus, ist einfacher zu implementieren und kann in den Schichten 1 bis 4 sinnvoll eingesetzt werden, zum Beispiel bei lokalen Netzen.

Inzwischen werden daher im Referenzmodell zwei Arten von Diensten für die Netzwerkschicht angeboten:

- Ein verbindungsorientierter Dienst (Connection Oriented Network Service, "Cons ") und

- ein verbindungsloser Dienst (Connectionless Network Service, "Clns").

Allerdings entsteht dadurch nun ein Kompatibilitätsproblem, denn zwei Systeme können nur direkt miteinander kommunizieren, wenn in beiden Systemen das gleiche Protokoll realisiert wurde. Um zwischen einer verbindungslosen (zum Beispiel ein LAN) und einer verbindungsorientierten Welt (zum Beispiel ein X.25-Netz) Daten austauschen zu können, ist also der Einsatz eines "Gateways" erforderlich.

Für die Realisierung eines solchen Gateways hat OSITOP den bereits auf dem Tisch liegenden Vorschlägen der amerikanischen Corporation for Open Systems ("265-Lösung) und deren europäischem Pendant, der Standards Promotion and Application Group (Distributed System Gateway DSG) einen eigenen hinzugefügt, der auch von MAP/TOP in den USA favorisiert wird: Der "Multiple System Distributed Systems Gateway (MSDSG)" ist eine Variante von DSG, also ebenfalls ein Transportgateway; diese Lösung ermöglicht wie der DSG-Ansatz die Umsetzung unterschiedlicher Transportklassen, ist aber im Sinn der Adressierung transparent, so daß die Netzwerkadressen der beteiligten Systeme im Gegensatz zu DSG eindeutig bleiben.

Im OSITOP-Positionspapier werden die drei Lösungen bezüglich einer Reihe weiterer Kriterien (Sicherheit/Verschlüsselung, Einfluß auf existierende Endsysteme, Einfluß auf existierende Standards, parallele/serielle Nutzung etc.) detailliert verglichen. MSDSG scheint die Lösung mit den wenigsten Nachteilen zu sein. Das Positionspapier wurde von der Working Group "Architecture" erarbeitet und von den Mitgliedern verabschiedet. OSITOP möchte damit die Arbeiten bei ISO/SC6, wo ein technischer Report zu dieser Frage erstellt werden soll, beeinflussen.

*Rainer Janssen ist in der Abteilung Informatik und Kommunikation der Hoechst AG, Frankfurt, für das Thema "Standards" verantwortlich und zugleich als Chairman der OSITOP-Working Group "Products and Projects" tätig.

Ziele von OSITOP

Um das Ziel zu erreichen, standardisierte Produkte im Büroumfeld einsetzen zu können, konzentriert sich OSITOP, auf folgende Schwerpunkte:

1. Feststellung der Ansichten und der Erfordernisse der europäischen Anwender in bezug auf allgemeine und technische Anwendungen im Büro mit dem Zweck, diese in die US-TOP-Aktivitäten sowie in den formalen Prozeß der europäischen und internationalen Standardisierung einzubringen.

2. Harmonisierung und Koordination der Aktivitäten in Europa und darüber hinaus, besonders mit CEN/CENELEC/CEPT, EMUG, SPAG und anderen, insbesondere TOP. Dadurch soll erreicht werden, daß OSI-Standards einheitlich und weltweit anwendbar sind und daß dadurch Produkte verfügbar werden, die innerhalb und zwischen Multi-Herstellersystemen zusammenwirken können.

3. Unterstützung der Herstellung und Verfügbarmachung von Produkten und Diensten, die spezifizierten Standards entsprechen, insbesondere den europäischen Funktionsstandards und den TOP-Spezifikationen.

4. Mitwirkung bei der Errichtung der zugehörigen Prüf- und Zertifizierungsdienste in Europa.

Weitere Informationen bezüglich OSITOP-Aktivitäten, Mitgliedschaft, Beteiligung an Projekten etc. sind zu erhalten bei OSITOP-Sekretariat 21 , Avenue de Messine, 75008 Paris, France, Tel. 00 33-1/40 42 28 48, Fax. 00 33-1/40 42 25 79,

Rainer Janasen (Chairman der Working Group "Products and Projects") c/o Hoechst AG , Abt. Informatik und Kommunikation Postfach 80 03 20, 6000 Frankfurt 80, Tel. 0 69/3 05-63 50, Fax. 0 69/30 90 49

Organisation von OSITOP

OSITOP wird geführt durch ein "Steering Committee", welches zu 75 Prozent aus Anwender- und zu 25 Prozent aus Herstellervertretern besteht.

Die technischen Aktivitäten werden in 5 "Working Groups" verfolgt:

WG 1: Standards Analysis and Evaluation

- Analyse der Vorschläge für funktionale Profile und Definition einer Strategie zur Beseitigung möglicher Differenzen

- Information über aktuelle und zukünftige Aktivitäten der Standardisierung

WG 2: Products and Projects

- Information über Verfügbarkeit von OSI-Produkten

- Information über OSI-Projekte

- Initiierung und Förderung von OSI-Projekten

WG 3: Testing and Certification - Information über Testeinrichtungen und -dienste

WG 4: Migration

- Erarbeitung von Empfehlungen für Migrationsstrategie

WG 5: Architecture

- Bearbeitung spezieller Architekturfragen