Melden Sie sich hier an, um auf Kommentare und die Whitepaper-Datenbank zugreifen zu können.

Kein Log-In? Dann jetzt kostenlos registrieren.

Falls Sie Ihr Passwort vergessen haben, können Sie es hier per E-Mail anfordern.

Der Zugang zur Reseller Only!-Community ist registrierten Fachhändlern, Systemhäusern und Dienstleistern vorbehalten.

Registrieren Sie sich hier, um Zugang zu diesem Bereich zu beantragen. Die Freigabe Ihres Zugangs erfolgt nach Prüfung Ihrer Anmeldung durch die Redaktion.

10.12.1999 - 

Freie Software mit Hilfe von Sun und IBM

Die Apache Group startet ein umfangreiches XML-Projekt

MÜNCHEN (ws) - Die Apache Software Foundation, Anbieter des quelloffenen und im Internet meistgenutzten Web-Servers, zieht bisher separate Open-Source-Initiativen für XML zu einem Projekt zusammen. Unterstützung erhalten die Freeware-Programmierer von Sun und IBM. Die getreue Umsetzung von XML-Standards soll zu einer Referenzimplementierung führen, an der sich kommerzielle Anbieter orientieren müssen.

Das kürzlich angekündigte "Apache XML Project" vereinigt Open-Source-Entwicklungen unter einem Dach, die teilweise schon länger im Gange sind. Dazu zählt "Cocoon", ein Publishing-System auf Basis von XML und Java. Dieses entsprang der Java Apache Group und ist in der Lage, XML-Dokumente mittels XSL Transformations (XSLT) nach HTML zu konvertieren. Die aus Java-Servlets bestehende Software kann zudem über einen eingebauten SQL-Prozessor Datenbanken abfragen und das Resultat in Form von XML-Dokumenten aufbereiten. Das Team hinter Cocoon, für das Stefano Mazzocchi federführend tätig ist, betrachtet die derzeitige Version 1 mehr als Studie und will die Software im Coocon-2-Projekt grundlegend ändern.

Ebenfalls ein Produkt der Java Apache Group ist das vor kurzem freigegebene Element Construction Set (ECS, http://java.apache.org/ecs). Es handelt sich dabei um ein Java-API zur dynamischen Erzeugung von XML und HTML und soll nicht an das XML-Team übertragen werden.

Ein weiteres Freeware-Projekt, das sich nun unter dem Dach der Apache Foundation einfindet, ist das von James Tauber initiierte "FOP". Auch dieses spezialisiert sich auf die Konvertierung von XML-Dokumenten mit Hilfe von XSLT, und zwar in Adobes "Portable Document Format" (PDF).

Für Programme, die XML-Dokumente analysieren, manipulieren oder konvertieren, stellen Parser und XSLT-Prozessoren die nötigen Basisfunktionen zur Verfügung. Für beide Tools richtete Apache eigene Projekte ein, "Xerces" für den Parser und "Xalan" für das XSLT-Werkzeug.

Für diese unumgänglichen Basisdienste stifteten sowohl IBM als auch Sun den Quellcode eigener Produkte. So beruht Xalan im wesentlichen auf der XSLT-Engine von Lotus, die bereits in Cocoon wie übrigens auch in "Mozilla" zum Einsatz kommt. Für die Entwicklung eines W3C-konformen Parsers können die Freeware-Entwickler auf den in Java geschriebenen "XML4J" und sein C++-Gegenstück "XML4C" von IBM zurückgreifen. Um die C++-Variante will das Apache-Team einen Perl-Wrapper legen, so daß auch aus dieser Scriptsprache heraus die DOM- und SAX-Schnittstellen von Xerces angesprochen werden können. Die IBM-Software ist in der aktuellen Version bereits in der Lage, mit den noch nicht als W3C-Empfehlung verabschiedeten XML-Schemas umzugehen. Als weiterer kommerzieller Anbieter übergab Sun den aus dem "Project X" stammenden Parser sowie einen solchen für XHTML an das Apache-Team. Eine andere Zuwendung betrifft die "Xpages" von Datachannel, mit dem sich aus verschiedenen Datenquellen XML-Dokumente erstellen lassen.

Als Open-Source-Entwicklung kann das Apache XML Project auch auf einen reichen Fundus an freier Software zurückgreifen. Dazu zählen diverse Tools des SGML/XML-Gurus James Clark (http://www.jclark.com) sowie Code von einem anderen XML-Freeware-Team, "Exoffice".

Sowohl die Apache Software Foundation als auch die beteiligten Hersteller verfolgen mit diesem Projekt das Ziel, eine mit dem XML- und verwandten Standards konforme Implementierung vorzulegen. Sie soll kommerzieller Software als Richtschnur dienen und bei hoher Verbreitung bestimmte Hersteller an der eigenmächtigen Änderung von Standards hindern. Dieses Verdienst hat Verleger und Freeware-Mäzen Tim O''Reilly der Apache Group bereits für ihren Web-Server zugesprochen, der die Dominanz von Microsoft über das Internet verhindert habe (http:// www.salon. com/tech/feature/1999/11/16/ microsoft_servers/index. html). Die Bedeutung dieses Aspekts kommt auch dadurch zum Ausdruck, daß mit Tim Bray einer der Erfinder von XML und Mitglied des W3C im Projekt-Management vertreten ist. Eine solche Referenzimplementierung richtet sich natürlich auch hier in erster Linie gegen die Gates-Company, deren XML-Framework "Biztalk" von IBM-Offiziellen erst kürzlich als proprietär kritisiert wurde.

Trotz der starken Ausrichtung auf Standards sind die Apache-Ambitionen keineswegs nur akademische Studien. Bereits heute ist der marktführende Apache-Web-Server mit seinen zahlreichen Zusatzmodulen ein vollwertiger Applikations-Server. Die XML-Erweiterungen sowie die Java-Unterstützung, die im Rahmen des "Jserv"-Projekts ebenfalls in Kooperation mit Sun und IBM entsteht, wertet die Freeware zu einer mächtigen Anwendungsplattform auf. In Kombination mit Linux, das bis Mitte 2000 eine mit Windows gleichwertige Java-2-Implementierung erhalten soll, zeichnet sich eine freie Alternative für Web-Applikationen ab, die auch große Hersteller ernst nehmen müssen.