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16.10.1992

Die Arbeitsmediziner haben die IuK-Technik verschlafen

16.10.1992

Freier Fachjournalist, Mönchengladbach

Zuerst waren es Wünschelrutengänger, die vor gesundheitlichen Schäden unterirdische Wasseradern oder Stromleitungen warnten. Heute sprechen Ganzheitsmediziner über elektronische Krankheitsverursacher, und esoterische Publikationen offerieren Abwehrmittel - vom Tablett gegen elektrostatische Aufladung bis hin zur exotischen Pflanze, die die Strahlung des Fernsehers absorbieren soll. Aber auch in Publikationen der IuK-Technik wird ab und zu vom "Elektro-Smog" berichtet, jedoch nicht von Arbeitsmedizinern.

Die Arbeitsmedizin hinkte der technischen Entwicklung schon immer hinterher; sie befaßte sich noch mit der Greiftechnik, als man beim Gang über Computermessen mit ihren vielen kleinen, grünen Monitoren den strahlenden Phosphor fast fühlen konnte. Doch was machten die Arbeitsmediziner und Ergonomen damals - Mitte der 70er Jahre? Sie forderten, daß die Tastatur vom Monitor, an dem sie bis dato geklebt hatte, getrennt würde, damit ein optimaler Abstand und Blickwinkel zwischen Bildschirm und Auge möglich wäre. Einige Jahre später befaßten sich Ergonomie-Experten mit den Farben für die Zeichendarstellung und den Bildschirm-Hintergrund. Erst wurden Farben im gelb-grünen Bereich empfohlen, Blautöne und Schockfarben hingegen abgelehnt; später hieß es: "Nur Schwarz auf Weiß ist ergonomisch richtig!". Zwar konnten die Experten damals nicht ahnen, daß es nur etwa zehn Jahre später Windows- Anwendungen geben wurde, bei denen jeder Benutzer die Farbe jedes einzelnen Elementes und jedes einzelnen Zeichens selbst einstellen kann, aber sie scheinen sich auch jetzt nicht damit zu befassen. Oder haben Sie schon einmal den Bericht eines Arbeitsmediziners zum Thema Windows gelesen?

"Ab etwa 70 Hertz Bildwechsel-Frequenz wird die Darstellung flimmerfrei", meinte 1984 ein Hersteller. Heute gibt es 20-Zoll-Bildschirme mit wirklich flimmerfreiem Non-Interlaced-Modus; doch die meisten PC-Benutzer arbeiten weiterhin mit kleinen Bildschirmen und mit flimmernden Zeilensprüngen, weil sie sich die guten Monitore nicht leisten können. Wie alle anderen elektrischen Geräte erzeugen Bildschirme aber auch elektrische und magnetische Felder.

Zur Messung dieser Felder wurden schon vor Jahren in Schweden Meßmethoden und Grenzwerte entwickelt, die heute als MPR-2-Standard bekannt sind und in Prospekten zu Aussagen wie "strahlungsarm nach Schwedennorm" führen. Einen der in dieser Norm enthaltenen Grenzwerte, die elektrische Abstrahlung im Frequenzbereich von fünf Hertz bis zwei Kilohertz, hat eine PC-Publikation 1992 bei verschiedenen Monitoren getestet. Dabei stellte man unter anderem fest, daß bei manchen Monitoren die Strahlung davon abhängt, wie herum der Netzstecker des Gerätes in die Steckdose gesteckt wird.

Wieso müssen sich eigentlich Journalisten darum kümmern? Und warum kümmern sich die Wissenschaftler mehr um den Schutz von Maschinen als von Menschen? 1982 schrieb ein Anbieter: "Beschädigungen elektronischer Bauelemente durch das Betriebspersonal aufgrund des Übertragens elektrostatischer Felder werden in zunehmendem Maße zu einem zentralen Problem in der Elektronikindustrie." Die später von diesem Anbieter auf den Markt gebrachte Tischmatte "Fritz der Antiblitz" sollte vor einem direkten Erdschluß bei Kontakt mit spannungsführenden Teilen schützen. Wohlgemerkt: die Bauteile schützen, nicht aber die Person, bei der sich beim Gang über einen Teppich ein elektrostatisches Feld von 12000 bis 39000 Volt aufbaut. Ähnlich machte es die EWG-Kommission, die 1983 eine Richtlinie erarbeitete, die sich mit der elektromagnetischen Verträglichkeit von Geräten befaßt; genauer gesagt: mit der elektromagnetischen Auswirkung eines Gerätes auf andere Geräte, nicht auf Menschen.

Erst jetzt da das C-Funk-Netz hoffnungslos überlastet ist, sich die digitalen D1- und D2-Netze im Aufbau befinden, während einige schon vom E-Netz träumen, ist plötzlich von gesundheitlichen Gefahren durch das Autotelefon die Rede. Aber wieso reden die Leute eigentlich nur von C-, D- und E-Funk-Netzen? Schließlich gibt es schon seit Jahren in vielen Haushalten die sogenannten schnurlosen Telefone, die ebenfalls per Funk arbeiten. Und selbst in den Unternehmen geht der Trend zu Nebenstellenanlagen, die per Funk mit den mobilen Telefonen der Mitarbeiter verbunden sind. Außerdem: Was ist mit der schnurlosen, funkgesteuerten Maus? Was mit dem Trend zur kabellosen Vernetzung von PCs durch Funk-LANs?

Aber wieso stürzt man sich plötzlich auf Funkkommunikation? Schließlich sahen schon die Wünschelrutengänger alter Zeiten die Gefahr in allen elektrischen Leitungen. Und abgesehen davon, daß seit Jahren elektrische Leitungen immer mehr direkt in die Arbeitstische verlegt werden, ist schließlich jeder PC-Benutzer verkabelt; der eine vielleicht nur durch ein Ethernet-LAN, während bei einem anderen zig Kabel vom PC zu den Peripheriegeräten laufen.

Davon abgesehen, ist der PC schließlich selbst eine Stromquelle; wieso hat noch nie ein Arbeitsmediziner untersucht, ob es gesundheitlich besser wäre, den PC auf oder unter dem Schreibtisch - und in welchem Abstand - zu plazieren?

Übrigens sollen Wissenschaftler festgestellt haben, daß sich beim Telefonieren mit einem Funktelefon das Gewebe im Ohrbereich erwärmte (was das Risiko, am grauen Star zu erkranken, erhöhen soll), weil die von mobilen Funkgeräten ausgestrahlten hohen Frequenzen elektromagnetischer Wellen vom menschlichen Körper absorbiert werden. Da man nun um so mehr davon abbekommt, je näher sich das Gerät am Körper befindet und je stärker dessen Sendeleistung ist, sich aber andererseits die Sendeleistung nicht so einfach reduzieren läßt, wäre der einzige Ausweg wohl ein Mobilftunkgerät mit Freisprech-Einrichtung, das sich in einer Entfernung von zwei Metern befindet. Aber versuchen Sie das mal in Ihrem Auto.

Übrigens: Es gibt jetzt einen elektronischen Schmerzblockierer, der auf die schmerzende Stelle gelegt wird und dann Impulse im 100-Hertz-Bereich aussendet, die dazu führen, daß das Gehirn die Schmerzimpulse nicht mehr als solche erkennen kann. Ein Vorschlag an die Industrie: Entwickelt doch Monitore, die 100-Hertz-Impulse aussenden. Darin kann der Benutzer, wenn er mal Schmerzen hat, sich auf den Monitor legen oder umgekehrt.