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03.03.2008

"Die Architektur hebt Oracle von SAP ab"

Vice President Software & SaaS Markets PAC Germany
Jürgen Kunz, Deutschland-Chef von Oracle, erläuterte im Gespräch mit der Computerwoche, wie er mit "Fusion Middleware" SAP Paroli bieten und der Kritik der Kunden am Support begegnen will.

CW: Oracle hat viel über die Fusion Applications geredet. Und trotzdem ist nicht richtig klar geworden, was Sie nun eigentlich auf den Markt bringen.

Jürgen Kunz persönlich

Seit Juni 2006 ist Jürgen Kunz Geschäftsführer der Oracle Deutschland GmbH. Zum Konzern war er im Jahr 2002 gestoßen, um verschiedene Management-Funktionen im Vertrieb zu bekleiden. Der gelernte Bankkaufmann sieht sich bei Oracle keineswegs nur in der Rolle des Statthalters: "Wir können unsere Marktstrategie für Deutsch-land weitgehend selbst bestimmen, natürlich im Rahmen der weltweit verabschiedeten Kernbranchen und Produktportfolios." Als besondere Herausforderung empfindet Kunz die ständig neuen Prozessanforderungen der Kunden, die von Oracle viel Flexibilität verlangten.

KUNZ: Die ersten Module umfassen CRM-Funktionen, weil hier der Bedarf besonders groß ist. Sie werden die neuesten Releases von Siebel sehen, die sich auf die Fusion Middleware stützen.

CW: Versprochen waren aber neue Applikationen.

KUNZ: Das sind neue Applikationen. Es handelt sich um einen erweiterten Funktionsumfang der derzeitigen Komponenten, die wir auf der Fusion Middleware bereitstellen. Wir haben zwei Entwicklungspfade. Einmal "Applications Unlimited", was die bisherigen Geschäftsanwendungen beispielsweise von Siebel, Peoplesoft und J.D. Edwards umfasst, die wir wie versprochen weiterentwickeln. Parallel dazu stellen wir die Funktionen dieser Produkte auf einer neuen Technologiebasis zur Verfügung, das sind dann die Fusion Applications. Funktionale Erweiterungen wird es in beiden Linien geben.

CW: Werden denn beide Linien mit gleicher Priorität entwickelt?

KUNZ: Ja, und das ist effizient.

CW: Warum ist es effizient, wenn Sie zwei Produktlinien parallel entwickeln müssen?

KUNZ: Wir haben versprochen, die installierte Basis weiterhin zu unterstützen und die aktuellen Produkte weiterzuentwickeln. Natürlich wollen wir auch die Fusion Applications so attraktiv machen, dass Kunden von bestehenden Anwendungen sukzessive darauf umsteigen. Anwender wollen beispielsweise bei einer CRM-Einführung das Risiko durch die erforderliche Integration mit bestehender Software möglichst gering halten. Hier kommen dann die Fusion Applications zum Tragen: Einerseits erhalten Firmen erweiterte Funktionen, wie sie es von Siebel gewohnt sind, andererseits erlaubt es die Oracle-Middleware, selbstentwickelte Programme anzubinden. Wir zwingen keinen, alle Anwendungsfunktionen bei Oracle zu kaufen, und der Kunde kann selbst bestimmen, wann er welches System einbindet.

CW: Ihre Fusion-Pläne in Ehren, aber noch immer spielt Oracle hierzulande im Geschäft mit Business-Applikationen kaum eine Rolle.

KUNZ: Aber es gibt doch Kunden, nehmen Sie den Logistikspezialisten Hellmann.

CW: Dennoch hören wir im Vergleich zu Wettbewerbern sehr wenig. Woran liegt das?

KUNZ: Wir führen mit Kunden so viele Gespräche wie noch nie. Die Firmen sehen den Architekturvorteil von Fusion. Vom Wettbewerb wollen wir uns nicht nur funktional unterscheiden. Es gibt gute Gründe, sich wegen der Funktionen für Oracle zu entscheiden. Aber was uns vor allem vom Wettbewerb abhebt, ist unsere Architektur: die Verzahnung von Technologie und Anwendung, basierend auf offenen Standards, also Fusion Applications und Fusion Middleware.

CW: Das mag sein, aber warum hören wir dann kaum etwas über Neukunden im ERP-Geschäft?

KUNZ: Wir werden gerne im Laufe des Jahres über Erfolge berichten.

CW: Viele ERP-Anbieter wollen mit dem Mittelstand ins Geschäft kommen. Auch hier wird Oracles Strategie nicht sichtbar.

KUNZ: Wir haben eine eigene Geschäftseinheit für den Mittelstand, und zwar nicht nur für ERP-Software, sondern auch für Middleware und Datenbanken. Zudem gibt es Geschäftskunden aus dem Mittelstand, die heute schon Teile des Applikationsportfolios von Oracle nutzen und überlegen diese zu erweitern. Nur fallen solche Entscheidungen nicht von heute auf morgen.

CW: SAP steigt mit in den Software-as-a-Service-Markt ein. Was hat Oracle in Sachen On-Demand-Applikationen vor?

KUNZ: Wir entwickeln unsere On-Demand-Lösungen weiter. In den letzten zwei Jahren haben die Kunden hier auch investiert. Allerdings halten sich deutsche Anwender bei dem Thema noch zurück, doch das geht allen Herstellern so, die SaaS anbieten.

CW: Was kann denn SaaS zum Gesamtumsatz beitragen?

KUNZ: Ich kann da keine Prozentzahlen nennen, aber SaaS ist eine unserer Prioritäten. Der Kunde soll sich mit seinen Prozessen auseinandersetzen können, ganz gleich, ob er eine On-Demand-Applikation nutzt oder eine Inhouse-Lösung.

CW: Oracle plant mit dem Bea-Kauf einen weiteren Milliarden-Deal. Erwerben Sie damit nur Marktanteile?

KUNZ: Zum aktuellen Zeitpunkt kann ich die Bea-Akquisition nicht kommentieren. Grundsätzlich gilt, dass Oracle eine Integrationsplattform bietet, um die Business-Probleme bei Kunden zu lösen. Firmen wollen ein einheitliches Prozess-Management, um für Veränderungen beziehungsweise Wachstum gerüstet zu sein. Des Weiteren benötigen sie Business-Intelligence-Lösungen, um die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Drittens müssen Unternehmen Compliance und Security gewährleisten, dazu zählt das Identity-Management. Punkt vier betrifft das Benutzer-Interface.

CW: Viele Softwarehäuser haben Applikationen mit "Oracle Forms" geschrieben. Anwender fragen sich jedoch, welches Nachfolgeprodukt Oracle liefern wird.

KUNZ: Wir bieten Migrationspfade für die Forms-Community in Richtung Web-Services. Dabei geht es nicht einfach nur um eine technische Umstellung von Programmen, sondern auch um Prozessänderungen.

CW: Das klingt so, als würden die Nachfolgeprodukte eher komplexer werden als das bisherige Forms, das Anwender wegen seiner Einfachheit schätzen.

KUNZ: Nein, dem ist nicht so. Nur weil viele Leute darüber diskutieren, wird die Technik ja nicht komplexer.

CW: Fragen zur künftigen Produktstrategie stellen sich auch Hyperion-Kunden, da es innerhalb des Business-Intelligence-Portfolios von Oracle Überlappungen gibt. Wie sieht Ihr Fahrplan aus?

KUNZ: Beide Produktlinien ergänzen sich. Das Enterprise Performance Management (EPM) von Hyperion lässt sich mit den Olap- und Data-Warehousing-Systemen von Oracle kombinieren. Das gilt auch für die Geschäftsanwendungen. Siebel-Kunden beispielsweise wollen EPM mit ihren CRM-Applikationen verbinden.

CW: Wenn Hyperion Analyse-Applikationen liefert, während die Basistechnik von Oracle stammt, was geschieht dann mit der BI-Plattform von Hyperion?

KUNZ: Die werden wir behalten und weiterhin unterstützen.

CW: Kunden kritisieren den Oracle-Support, weil sie insbesondere bei komplexeren Problemen öfter an englischsprachige Experten weitergereicht werden. Wollen Sie das nicht ändern?

KUNZ: Support ist immer ein Thema, das wir mit den Anwendern diskutieren. Im Übrigen bescheinigen uns externe Institute eine herausragende Leistungsfähigkeit unseres Supports im Vergleich zum Wettbewerb. Dies zeigen auch die vielen Awards, die wir Jahr für Jahr in dem Bereich gewinnen. Dass es natürlich in Einzelfällen Probleme geben kann, will ich gar nicht abstreiten. Wir bemühen uns, diese so gering wie möglich zu halten.

CW: Wie lassen sich Datenbanken noch verbessern?

KUNZ: Manche glauben, Datenbanken sind Commodity und die Produkte seien austauschbar, doch wenn Sie mit Kunden sprechen, stellen sie das Gegenteil fest. Nach wie vor ist die Datenbankleistung ausschlaggebend für die Gesamt-Performance einer Softwarelösung. Es geht weiterhin darum, die Administration zu vereinfachen, schon deshalb, weil das Datenvolumen ständig steigt und die IT-Infrastrukturen bei den Kunden immer komplexer werden. Zudem müssen Unternehmen ihre Daten konsolidieren. Flexible Anpassung an den Leistungsbedarf sowie Datenbanksicherheit sind weitere Themen. Firmen müssen gesetzlichen Auflagen genügen.