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06.11.1981

Die Aufregung um Ada ist unnötig

Alle reden von Ada. Obwohl es sie eigentlich noch gar nicht gibt. Eine tolle Sprache. Universell, allgemein, mächtig - Intel interessiere sich für die Retorten-Schöpfung, heißt es.

Insbesondere Algol-, PL/1- und Fortran-Jünger sind verunsichert. Sie mißtrauen der Behauptung, konservative Programmierer lebten länger. Haben sie unrecht? "War alles Mist, was bisher programmiert wurde? Und wenn: Wohin sich neu orientieren? "Wie den Mantel in den Wind hängen?

Beinahe noch wichtiger: Als professioneller Software-Entwickler will man auch morgen noch unentbehrlich sein.

Da interessiert schon am Rande, auf welcher Seite der Programmier-Fortschritt steht. Verbohrtheit? Arroganz? Gleichgültigkeit? Doch selbst Cobol-Anhänger werden wankelmütig, überlegen sich, den Goto-Griffel hinzuschmeißen und umzusteigen, wenngleich die neue Super-Language schwer zu erlernen ist.

Woher man das alles weiß? Nun, es steht in den Fachgazetten. Die Publizität, die das Hätschelkind des amerikanischen Department of Defense (DoD) mittlerweile erlangt hat, ist in der Tat erstaunlich.

Doch die Diskussion um Ada gewinnt an Schärfe und Präzision: Ob der DoD-Zögling, von den einen als "Programmiersprache für die 80er Jahre" gepriesen, von den anderen als "kommissionelle Totgeburt" apostrophiert, seinen Weg durch die Kodierstuben machen wird, darüber gibt es allerdings noch keine klaren Aussagen, geschweige denn ein Hersteller-Commitment - etwa von IBM.

Um korrekt zu sein: Die Ada-Lobby ist überzeugt, daß ein Festhalten an den bisherigen Programmiersprachen nur das Unwohlsein derjenigen Softwerker fördere, die um ihren Exklusivitätsanspruch als DV-Dolmetscher fürchten.

Ironie des Schicksals: Fest steht, daß gerade der Wunsch von Anwenderseite nach einer maschinen- und herstellerunabhängigen Programmiersprache nicht unerheblich zu der Popularität von Ada beigetragen hat. Die "junge Dame" profitiert ganz gewiß davon, daß es das US-Verteidigungsministerium war, das einem großen Computer-Hersteller in puncto Programmiersprachen erstmals zeigte, was eine Harke ist. Cobol wurde bekanntlich vom DoD gegen den Willen der IBM durchgepaukt.

Fest steht aber auch, daß Ada diese Popularität einer falschen Einschätzung zu verdanken hat, der Einschätzung nämlich, diese Sprache sei eine Art Cobol-Ersatz, Allheilmittel für frustrierte Online-Programmierer.

Man kann nicht einmal sagen, daß dieser Mär von den Ada-Vätern energisch widersprochen wurde.

Besonnene Ada-Analysten haben freilich längst aufgeräumt mit dieser Vorstellung. Und es war nicht einmal schwierig, den Konsens herzustellen.

Ada-Freunde und -Kritiker ziehen mittlerweile, bei aller Konkurrenz, an einem Strang: Vor 1985, so die Experten, wird die noble Programmiersprache keine allgemeine Verbreitung finden. Und auch dann nur im technisch-wissenschaftlichen und pseudo-militärischen Bereich.

Pragmatischen Cobolianern scheint gar die Ada-Zukunft gänzlich ungewiß. Und wer möchte ihnen schon widersprechen.

Für kommerzielle Anwender heißt das: Kommando zurück, die Aufregung um Ada war unnötig - zumindest vorläufig. Wenn das keine positive Aussage ist?