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05.06.1992 - 

Gewinnsteigerung im ersten Halbjahr '92

Die Ausrichtung auf Unix hat sich für HP gelohnt

BÖBLINGEN (CW) - Während bei den meisten der Branche Heulen und Zähneknirschen vorherrscht, geriert sich Hewlett-Packard momentan als Branchenprimus: Hohe Gewinnmargen signalisieren, daß sich HP mit der Ausrichtung auf Unix und leistungsstarke RISC-Workstations sowie durch die Betonung der Server-Produktlinie auf dem richtigen Weg zu befinden scheint.

Nachdem bereits das erste Quartal des Geschäftsjahres 1992 (31. Januar 1992) mit einem überzeugenden Gewinnvortrag endete - 306 Millionen Dollar entsprechen einer Steigerung um 49 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahres -, verbuchten die Mannen um President John A. Young für das am 30. April 1992 abgelaufene Halbjahr eine 44prozentige Gewinnsteigerung nach Steuern. Dies entspricht 632 Millionen Dollar. Der Umsatz schnellte ebenfalls empor, und zwar um 13 Prozent auf rund acht Millionen Dollar.

Das zweite Quartal 1992 schloß das Unternehmen, das 1938 gegründet wurde und bis heute auch stark in den Bereichen Meßtechnik sowie Medizin engagiert ist, mit einem 40prozentigen Gewinnanstieg ab. Das entspricht 326 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent von 3,73 Milliarden Dollar im zweiten Quartal 1991 auf 4,18 Milliarden Dollar im laufenden Geschäftsjahr.

CEO Young machte vor allem zwei Bereiche für die Umsatzentwicklung, verantwortlich: Zum einen trage das Segment der Peripheriegeräte - also vor allern,der Drucker - zu den erfreulichen -Ergebnissen bei. Zum anderen gestalte sich das Geschäft mit den Unix-basierten Rechnersystemen des Midrange-Bereiches sehr gut.

Auch die in San Franzisko beheimateten Analysten von Hambrecht & Quist sehen in diesen Bereichen die großen Stärken HPs und schätzen, daß beide Sektoren mit jeweils zwischen 160 und 180 Millionen -Dollar gewachsen sind. Die RISC-Rechner der 700-Workstation-Linie, die etwa zwei Drittel des gesamten Workstations-Umsatzes von HP ausmachen - hätten ebenfalls eine leichte Steigerung bei den Umsätzen erfahren.

Das marktforschungsunternehmen International Data Corp. (IDC) sieht hingegen zukünftig vor allem den proprietären Midrange-Bereich der HP-3000-Rechnersysteme unter dem HP-Betriebssystem MPE/iX in der Bedeutung sinken. Aus diesem Grunde erwarten die Marktforscher, daß HP für diesen Geschäftsbereich im zweiten Halbjahr das Kundeninteresse durch spezielle Upgrade-Aktionen anreizen wird.

Diesem Trend folgend, ließen Youngs Entwickler wieder die Muskeln spielen: Sie rollten die fünf neuen unter MPE/iX laufenden HP3000-Systeme "990/100", "992/100", "992/200", "992/300" und "992/400" vom Band, die HP wegen des hierfür optimierten Betriebssystems als Online-Transaktionsmaschinen eingesetzt wissen will. Außerdem erblickten vier Systeme der HP9000-Reihe unter dem HP-

UX-Unixderivat ("HP9000 890S/1", "890S/2", "890S/3" sowie "890S/4") das Licht der DV-Welt. IDC glaubt, daß die neuen 3000-Rechner ab August, die Unix-Systeme ab Oktober 1992 ausgeliefert werden.

Die Preise für die neuen Rechner liegen je nach Leistungsklasse und Ausstattung zwischen etwa 500 000 und 1,5 Millionen Mark. Sie sollen Transaktionswerte von 100 und bis zu 400 Transaktionen pro Sekunde (Tps) verwirklichen.

Kostengünstiger als IBM- und DEC-Maschinen

Dazu machen HP-Manager eine Rechnung auf, die sich gegen IBM-Mainframes und DEC-VAX-9000-Systeme richtet: Einen dreijährigen Betrieb vorausgesetzt, fallen für eine HP-Maschine Kosten von insgesamt etwa 2,7 Millionen Dollar an. Dies korreliert mit 15 Millionen Dollar für eine IBM-Maschine. Eine DEC-VAX-9000-Lösung

komme den DV-Leiter immer noch dreimal so teuer zu stehen.

Bereits Ende Dezember 1991 hatte HP sowohl seine HP-3000-MPE- wie auch die HP-9000-Unix-Linie erweitert und die Parole "Anti-Mainframe" ausgegeben (vgl. CW Nr. 52 vom 27. Dezember 1991, S. 15: "HP-RISC-Systeme sind...").

Offensichtlich versprechen sich HP-Manager sehr viel von den RISC-basierten Maschinen. Beide Rechnerreihen würden die Kosten für den Betrieb, die Unterhaltung sowie den Support gegenüber einer Mainframe-gestützten DV um 80 Prozent senken. Zudem sollen sie die Leistungsgrenzen der bisherigen HP-High-end-Maschinen HP 3000 Modell 980 sowie HP 9000 Modell 870 um etwa 60 bis, 70 Prozent anheben.

Die neuen luftgekühlten und zu allen PA-RISC-Rechnern binärkompatiblen Systeme lassen sich mit bis zu vier HP-PA-RISC-Prozessoren ausstatten, die Unix-Modelle unterstützen bis zu 3000 Benutzer, während die MPE-Systeme maximal 2300 Benutzer mit Rechen-Power versorgen. Maximal werden 2 GB Hauptspeicher sowie 690 GB Plattenspeicher geboten, ein "Summit"-Bus soll Durchsatzraten bis zu 1 GB ermöglichen, zudem stellen die neuen Modelle bis zu acht I/O-Kanäle zur Verfügung.

Mit den Ein-, Zwei-, Drei- und Vier-Wege-Systemen soll nach HP-Angaben noch nicht das Ende der Entwicklung erreicht sein: In Planung sind 16-Prozessor-Modelle, die angeblich 1993 oder 1994 vorgestellt werden. Zudem würde aus der Zusammenarbeit mit dem neuen Technologiepartner Convex Computer Corp. ein 128-Prozessor-System entstehen - dies allerdings ist Zukunftsmusik, vor Ende dieses Jahrhunderts sei ein solcher Rechnertyp nicht in Sicht.

Ganz konkret sind hingegen Upgrade-Pläne, die HPs neuen RISC-7100-Chip betreffen: Dieser soll, wie bereits früher gemeldet, etwa 120 Specmarks erzielen. Zukünftige Systeme werden mit diesem DEC-Alpha-Konkurrenz-Chip ausgerüstet sein, ein erstes Modell, ein Midrange-Server, soll nächsten Monat vorgestellt werden.