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06.11.1987 - 

Desktop Publishing als Teil des Corporate Electronic Publishing:

Die Außenseiter haben sich zu DTP-Profis gemausert

Mit dem Begriff Desktop-Publishing (kurz: DTP) bezeichnet die Computerbranche seit rund zwei Jahren das professionelle Erstellen schriftlicher Informationen unter Zuhilfenahme eines Mikrocomputers, eines Layout-Programms (in Verbindung mit Textverarbeitungs- und Grafiksoftware) und eines Laserdruckers. Im Unternehmensbereich werden computerisierte Publikationstätigkeiten auch mit dem Begriff "Corporate Electronic Publishing" (CEP) umschrieben. Dabei stellt DTP, nach Einschätzung der amerikanischen Unternehmensberatung "InterConsult" die unterste Stufe dar, gefolgt vom "Workstation Publishing", "Departmental Publishing" und "Mainframe Centralized Publishing".

Als die vier Hauptvorzüge des elektronischen Publizierens gelten die günstige Kostensituation, Zeitersparnis, die verbesserte Organisation der Produktion und ein vorteilhaftes Erscheinungsbild durch professionell gestaltete Dokumente. "Einzelpersonen und Unternehmen, die sich die Möglichkeiten des Desktop-Publishing zunutze machen, kommunizieren effektiver und individueller als mit konventionellen, arbeitsteiligen Methoden. Sie gewinnen - ungeachtet aller zusätzlichen, finanziellen und organisatorischen Vorteile - einen Vorsprung gegenüber all jenen, die mit diesem Werkzeug noch nicht arbeiten", so eine These des Hamburger Newsletter "Corporate Publishing".

Zunächst waren es Außenseiter aus dem grafischen Gewerbe, die sich einen Apple-Macintosh und den dazugehörigen "Laser Writer" anschafften, um damit ihr Angebotsspektrum maßgeblich zu erweitern. In den USA gibt es schon seit vielen Monaten Dienstleistungsbetriebe, die aus Copy-Shops hervorgegangen sind und ihre Produktion nun um Low-Cost-Satz erweitert haben. Solche "Gestaltungsshops" setzen im Stile eines Absatzschnelldienstes innerhalb kürzester Zeit Werbeflyer, Flugblätter, Einladungen oder Speisekarten auf. Ungezählte Branchenblättchen, die auf Mac und LaserWriter entstanden sind, belegen in den Staaten und auch hier den anwachsenden DTP-Trend.

Desktop-Publishing ist inzwischen in beiden "Computer-Welten" zu Hause. Sowohl für Apples Macintosh, wie auch für PCs, XTs, ATs, Kompatible und das neue IBM-System /2 bietet der Markt eine Menge Satz- und Layout-Programme an. Dank der geräteunabhängigen Seitenbeschreibungssprache Postscript, mit deren Hilfe die elektronischen Dokumente an Laserdrucker und Laserbelichter weitergegeben werden, ist der Benutzer zum erstenmal innerhalb einer speziellen Computerapplikation nicht mehr an das System eines einzigen Herstellers gebunden: Jeder Postscript-kompatible Laserdrucker gibt die Daten einer unter PostScript arbeitenden Publishing-Anlage identisch wieder.

Heute ziehen vor allem selbständige Unternehmer, Kleinverlage, Agenturen, Druckereien und mittlere Unternehmen den meisten Nutzen aus Desktop-Publishing-Systemen. Die Liste der Print-Produkte, die sie heute mit Desktop-Publishing erledigen, ist lang und ließe sich beliebig erweitern: Angebote, Berichte, Broschüren, Bücher, Dokumentationen, Examensarbeiten, Gebrauchsanweisungen, Geschäftsberichte, Gutachten, Hausmitteilungen, Kataloge, Kundenzeitungen, Newsletter, Magazine, Mailings, Memos, Präsentationen, Preislisten, Pressemeldungen, Produktinformationen, Referate, Schulungsunterlagen, Selbstdarstellungen, Speisekarten, Vereinsblätter, Terminübersichten, Werbebroschüren, Zeitschriften und Zeitungen.

Je nach den Ansprüchen des Anwenders und dem jeweiligen Nutzungsumfeld investiert er in eine Grundkonfiguration zwischen 7000 und 30 000 Mark; durch modulare

Erweiterungsmöglichkeiten wie Ganzseitenbildschirm, Scanner, OCR (= Optical Character Recognition)-Software oder verschiedener Schriftbibliotheken, sind nach oben keine Grenzen gesetzt. Der Anschluß eines Laserbelichters mit einer Auflösung von bis zu 1000 Linien pro Zentimeter garantiert hochwertige Ausgabequalität, die der von Fotosatz-Produkten kaum mehr nachsteht.

Die Technik, die bisher für professionellen Seitenumbruch genutzt wurde, kostete in der Regel deutlich mehr als 100 000 Mark. Fotosatzanlagen erfordern zudem besonders ausgebildetes Personal. Diese Faktoren erschwerten in vielen Fällen den Inhouse-Einsatz, selbst bei großen Firmen. Sämtliche Satzproduktionen, die ein professionelles Erscheinungsbild erforderten, mußten deshalb an spezialisierte Betriebe vergeben werden. Häufig wurden die Satzkosten noch durch Reinzeichnungskosten erhöht, Die entstandenen Reinzeichungen müssen dann noch vor dem Druckprozeß in einer Lithoanstalt auf Filme übertragen werden.

Mit Desktop-Publishing kosten die Geräte für die Produktion von Satz- und Druckvorlagen nur noch einen Bruchteil des Preises bisheriger Satzanlagen. Sie erfordern kein vorgebildetes Personal und können nach kurzer Einarbeitungszeit von jedem bedient werden. Auch die Folgekosten eines Desktop-Publishing-Systems liegen deutlich unter den Folgekosten einer Satzanlage: Weder ist eine kostenintensive Wartung nötig, noch kosten Probe- und Korrekturausdrucke annähernd soviel wie auf fotoempfindlichem Material. Reinzeichnungen im traditionellen Sinne sind zumeist ebenfalls völlig überflüssig, da die gesamte Seitengestaltung am Bildschirm erfolgt. Handelt es sich um Arbeiten ohne Halbtonraster, also ohne Fotos, kann sogar ohne daß anschließend ein Litho erstellt wird - über einen mit dem PC verbundenen Satzbelichter direkt auf druckfertigen Film, ja sogar auf Druckplatten, belichtet werden.

Die Kostenoptimierung im Desktop-Publishing hängt direkt von der Zeit- und Wegeersparnis zusammen. Die traditionelle Produktionsweise erforderte meist die Zusammenarbeit mehrerer getrennter Firmen. Dazu zählen zum Beispiel der eigentliche Auftraggeber, der gestaltende Grafiker (oder eine Werbeagentur) sowie ein Satzbetrieb. Allein die Tatsache, das permanent halbfertige Produkte zur Weiterverarbeitung oder zur Korrektur zwischen diesen Beteiligten zirkulieren müssen - sei es mit der Post oder mit Kurierdiensten zieht sich der traditionelle Produktionsprozeß deutlich in die Länge. Hinzu kommt, daß jeder der Beteiligten meist mehrere Aufträge parallel abwickelt und dementsprechend Wartezeiten entstehen.

Desktop-Publishing unterstützt die Optimierung interner und externer Abläufe, denn es entfallen zumindest einige der herkömmlichen Zwischenschritte: Satzkorrekturen werden innerhalb des Produktionsprozesses gleich miterledigt, Textlängen stimmen wegen der Bildschirmkontrolle mit den Layouts überein, und einige Aufträge werden nicht mehr an spezialisierte Unternehmen delegiert, sondern direkt in der eigenen Firma bewältigt.

Untersuchungen der Hamburger Fachzeitschrift "Page" belegen beispielsweise die Kosteneinsparungen im Verlagswesen. Nach eigenen Erfahrungen fallen bei der traditionellen Produktionsweise für die Herstellung einer schwarzweißen DIN-A4-Seite mit zwei Abbildungen Gesamtkosten in Höhe von 250 Mark an, inklusive Gestaltung und Litho. Je nachdem ob die Produktion des Verlages auf eine traditionelle Reinzeichnung oder bereits auf den etwas fortschrittlicheren Ganzseiten-Satzfilm ausgerichtet ist, gehen 30 bis 49 Prozent der Gesamtaufwendungen einer Seite an die Setzerei. Die Grafikabteilung des Verlages ist - wieder unter gleicher Prämisse - mit 20 bis 40 Prozent beteiligt. Der Anteil der Korrekturkosten sinkt, während das relative Budget für die Kreativität steigt. Unter dem Strich ergeben sich Kosteneinsparungen von über 40 Prozent, denn eine Seite kann mit rund 150 Mark kalkuliert werden.

Experten schätzen, daß gegenwärtig mehr als 80 Prozent aller Satz- und Gestaltungstätigkeiten durch DTP-Systeme zu bewältigen sind. Da die Software ständig neue Möglichkeiten bietet, vermuten fortschrittliche Druckereien, daß bis 1990 möglicherweise 95 Prozent aller Satz- und Gestaltungsaufgaben im Desktop Publishing professionell erledigt werden können.

Seit DTP-Programme für IBM-PCs und Kompatible auf dem Markt sind, werden Desktop-Publishing-Lösungen auch in bundesdeutschen Großunternehmen diskutiert. Im Unternehmensbereich faßt der Apple Macintosh hierzulande langsam Fuß, nicht zuletzt erst durch Desktop-Publishing. Mit dem Macintosh II könnte das anders werden. Dieses Gerät dürfte die Lücke zwischen PC und Workstation schließen. Die Ankündigung des fahrenden amerikanischen Publishing-Software-Unternehmens Interleaf, seine Publishing-Software für den Mac II zu portieren, belegt diesen Trend. Dazu unterstreichen enorme Preiskorrekturen der Workstation-Hersteller, daß sich Desktop-Publishing und Corporate Electronic Publishing in nächster Zukunft stark angleichen könnten.

Geht es um Prognosen zur Marktentwicklung des Electonic Publishings, so laufen die Meinungen auseinander. Für die USA prognostiziert das Marktforschungsunternehmen IDC zum Ende der 80er Jahre ein Umsatzvolumen von über 4 Milliarden US-Dollar, wobei ein Viertel auf reine Desktop-Publishing-Anlagen entfalle. In der jüngsten IDC-Studie "Der deutsche Markt für Desktop-Publishing" resümieren die Forscher für den bundesdeutschen Markt, daß 1986 rund 1,421 Milliarden Mark zur Anschaffung von Geräten für die Textproduktion ausgegeben wurden. Etwa 140 000 PCs werden laut IDC derzeit für die Erstellung und Bearbeitung von Texten eingesetzt, davon 13 000 ausschließlich für Desktop-Publishing. Das Fachmagazin "Die Wirtschaftswoche" nimmt an, daß 1990 auf 50000 Computersystemen DTP-Programme laufen. Dabei werden die momentanen Kosten von 30 000 Mark pro Arbeitsplatz um über 50 Prozent sinken. An gleicher Stelle wird auch die Vermutung geäußert, daß IBM seine stärksten Konkurrenten im Laufe des Jahres umsatzmäßig eingeholt haben wird. Nach den Schätzungen von Dataquest wird IBM im Jahre 1990 etwa 65 Prozent des Marktes abdecken. Angesichts der Auslieferung des Macintosh II und der Probleme bei der Marktplazierung des lange angekündigten "IBM Solution Pack" durch Big Blue, nimmt Apple solche Zukunftsvisionen nicht sehr erst.

Auch wenn über die absoluten Werte bezüglich der Umsatzentwicklungen bei CEP und DTP die Meinungen auseinander gehen: dem gesamten Electronic-Publishing-Markt wird eine große Zukunft vorausgesagt. Als eine der wichtigsten Effekte in der Diskussion ums Desktop-Publishing bezeichnet der US-Unternehmensberater David Henry Goodstein, daß in vielen Unternehmen die Rolle des Publizierens neu überdacht und abgewägt wird. Eines ist also klar: Desktop-Publishing hat einen Stein ins Rollen gebracht.