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10.05.1991 - 

Computereinsatz setzt gesellschaftliche Prozesse in Gang

Die Auswirkungen der Automatisierung nicht auf die leichte Schulter nehmen

Mitarbeiter, die mit Elektronik im weitesten Sinne arbeiten, haben eine Angst abgelegt, die noch Anfang der 80er Jahre zu Schlagzeilen führte: Roboter Rillen Arbeitsplätze. Untersuchungen belegen, daß mit zunehmendem Einsatz der Elektronik, auch die Zufriedenheit am Arbeitsplatz wächst. Wissenschaftler erinnern jedoch daran, die Schattenseiten dieser Entwicklung nicht zu übersehen, etwa das Abdriften der weniger Qualifizierten ins Getto der Dauerarbeitslosigkeit, mit all seinen sozialen Folgen.

Hätte Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, nicht die Bibel als erstes Produkt seines Druckverfahrens mit beweglichen Buchstaben gewählt, er wäre wohl schweren Verfolgungen ausgesetzt gewesen.

Schließlich ist ihm anzulasten, daß viele Mönche des ausgehenden 15. Jahrhunderts ihrer Tätigkeit beraubt wurden dem handschriftlichen Kopieren von Bibeln, oder (neudeutsch) der Serienfertigung des Artikels "Bibel, lesbar".

Gutenberg hat einen Vorteil bei der Produktion seiner Bibel gehabt: sämtliche Informationen, die zur rein technischen Durchführung seines Vorhabens notwendig waren, konnte er in seinem Hirn speichern von der Entwicklung des Produktes (Gestaltung des Buches, gedruckt, 42zeilig) über die Konstruktion der ausfahrenden Maschine (Handpresse), die Arbeitsvorbereitung hin bis zur Materialbeschaffung (Druckerschwärze, Papier, Lettern), dem eigentlichen Produktionsprozeß und der anschließenden Qualitätskontrolle, der Lagerung und dem Versand des Produktes an seine Kirchenfürsten.

Ein komplexen Vorgang, wenn man ihn in seine Teilschritte zerlegt. Und dennoch finden wir hier exakte Parallelen zu heutiger Produktion - sei es Massen- oder Serienfertigung oder Einzelfertigung. Um die Auswirkungen der Elektronik auf die einzelnen Arbeitsplätze verstehen zu können, muß ein kleiner Ausflug in die Produktionswelt als solche gemacht werden; in der Gesamtheit werden so auch die gesellschaftlichen und sozialen Auswirkungen der modernen Informationstechnologie im Produktionsprozeß sichtbar.

Produktion heute wird in zunehmendem Maße zu einer Frage der Verarbeitung von Informationen - nicht nur die Arbeitsteilung, die seit Beginn der Industrialisierung immer weiter verfeinert wurde, erfordert einen Austausch von Informationen zwischen den Beteiligten; mit einer interessanten Weiterentwicklung übrigens; denn durch die Möglichkeiten der Informationsverarbeitung in vielen Bereichen tritt der ganzheitliche Aspekt konzeptionell langsam wieder in den Vordergrund.

Die Produktion befindet sich in einem grundlegenden Wandel, den der Publizist und Filmproduzent Rüdiger Proske in einem Vortrag als Wechsel zwischen einer extensiven Phase des Wachstums und einer intensiven bezeichnet hat.

Die extensive Phase des Wachstums bezieht sich darauf, daß die Grundbedürfnisse des Menschen abgedeckt werden, daß man die Natur überwindet, Produktionsquellen und -rohstoffe entwickelt und technische Basisstrukturen schafft.

Erhöhte Flexibilität der Unternehmen

Arbeit und Kapitel sind wesentliche Wachstumsfaktoren, die gegenüber der Erneuerung (Innovation) einen deutlichen Vorrang haben. Arbeit und Kapital machen in dieser Phase grob geschätzt einen Anteil von 80 Prozent an der Produktion aus, Innovation 20 Prozent.

In der zweiten Phase, so Proske, gehe es um ganz andere Dinge. Es geht um Marktnischen, um Verbesserungen, um größere Leistungsfähigkeit, hohe Wirksamkeit, bessere Anpassung an die Bedürfnisse des Menschen. Der Anteil von Arbeit und Kapital fällt auf 50 Prozent und weniger zurück.

Nachdem der Wiederaufbau unserer Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg abgeschlossen war, haben wir, so der Publizist, nun unter ganz anderen Bedingungen zu arbeiten.

Diese Veränderungen schaffen konsequenterweise auch andere Umfelder für die Industrien, die in ihnen leben, und verändern so auch den Produktionsprozeß grundlegend. Der Zwang, in dieser innovations-orientierten Umwelt zu leben und zu überleben, fordert von den Unternehmen erhöhte Flexibilität - die Lebenszyklen eines Produktes von der Entwicklung über die Serienreife bis hin zum Verkauf und Einsatz und dem Ersatz durch verbesserte Produkte verkürzen sich, es muß schneller auf veränderte Anforderungen des Marktes reagiert werden, die Produkte müssen - da sie nicht mehr auf Jahre und Jahrzehnte des Einsatzes ausgerichtet sind - produktionstechnisch billiger werden.

Der Einsatz von Mikroelektronik ist ein Weg, um diese Anforderungen zu erfüllen. Er ermöglicht es, bislang mechanische Teile gegen elektronische auszutauschen - die Produktion einer elektronischen Uhr zum Beispiel erforderte schon Anfang der 80er Jahre lediglich die Herstellung und Montage von fünf Bestandteilen gegenüber rund tausend Montageoperationen bei einer mechanischen Uhr.

Ein Mikroprozessor oder Chip übernimmt die Funktion von vielen Hunderten, wenn nicht Tausenden von mechanischen Teilen - mit dramatischen Folgen für die Erstellung von, Fertigprodukten: der anteilige Wert externer Bestandteile an den Produktionskosten ist in den 80er Jahren von durchschnittlich 13 Prozent auf über 50 und mehr Prozent gestiegen.

Die Automobilindustrie ist ein gutes Beispiel. Hier gibt es bereits 3600 Zulieferbetriebe mit 750 000 Beschäftigten; sie erwirtschaften einen Umsatz von 50 Milliarden Mark. Um diese Warenströme so zu steuern, daß Zulieferteile nicht unnötig auf Lager gehalten werden müssen und so Kapital binden und die Kosten des Endproduktes erhöhen, hat sich in vielen Industriezweigen die "montage-synchrone Anlieferung" oder just-in-time Produktion durchgesetzt.

Der Computer ist lediglich Hilfsmittel

Zulieferteile werden möglichst genau dann am Fabriktor angeliefert, wenn sie benötigt werden.

Das Lager schrumpft auf minimale Sicherheitsabstände zusammen. Das erfordert eine exakte Abstimmung zwischen Zulieferer, Transportunternehmen und Verarbeiter. Diese Abstimmung erfolgt meist über Datenfernübertragung. Die Koordinierung und den zeitgerechten Ablauf der Anforderung schafft der Mensch nur noch mit Hilfe eines Computers; eine der Vorreiter-Industrien ist die Automobilindustrie, in der die Computerunterstützung besonders kultiviert wurde, da ein Auto beispielsweise aus bis zu 11 000 Einzelteilen und mehr besteht.

Doch bis die Serienproduktion anläuft, vergeht trotz aller dann vorhandenen Abstimmung noch ein langer Zeitraum, in dem Computerunterstützung nicht mehr wegzudenken ist. Zuerst nämlich will das Fertigprodukt entwickelt werden. Nachdem die Konstruktionsabteilung des Fertigproduzenten die Charakteristika des neuen Produktes festgelegt hat, wird bestimmt, welche Teile zugeliefert werden können und welche selbst gefertigt werden sollen.

Nun entwickelt im Normalfall kein Unternehmen ein neues, kompliziertes Produkt wie ein Automobil auf der grünen Wiese - Vorgängermodelle sind meist vorhanden, bestimmte Techniken und Technologien haben sich durchgesetzt - und dennoch ist die Konstruktion eines neuen Autos immer wieder ein Prozeß des Gestaltens, Begutachtens und Verwerfens oder - Akzeptierens.

Computer Aided Design - CAD oder die Technik des computergestützten Programmierens unterstützt diese Phase. Hatte früher ein Entwicklungsingenieur seine Ideen am Reißbrett säuberlich aufzuzeichnen, für jede Änderung ein neues Schaubild zu entwerfen, per Hand zu berechnen, so erledigt er diese Arbeit heute in einem Bruchteil der Zeit.

Allein für die Zeichnungserstellung - nach ingenieurmäßigen Richtlinien mit Tusche sind 90 Prozent Zeitersparnis möglich, da nicht nur Grundwerte und Symbole im Computer gespeichert sind, sondern auch gesamte Zeichnung, so daß Änderungen nur noch am Bildschirm eingearbeitet werden müssen und dann auf einem Spezialdrucksystem - dem Plotter ausgegeben werden können.

Der technische Zeichner ein brotloser Job? Wohl kaum, denn bei aller Computerunterstützung darf nicht vergessen werden, daß der Computer lediglich als ein Hilfsmittel konzipiert ist und mehr Raum für kreatives Arbeiten, zum Beispiel die Entwicklung ganz neuer Bauteile schaffen soll. Dennoch - auch bei dieser Tätigkeit ändert sich der Arbeitsplatz - Tusche wird zurückgedrängt, der Lichtgriffel schiebt sich in den Vordergrund. Aber - kommen nur Konstrukteure und technisches Personal in den Genuß oder den Psycho-Streß moderner High-Tech-Systeme?

CAD ist lediglich ein Teilbereich der Produktion, in dem sich Computer durchsetzen und ihren Siegeszug antreten. CAP - die computergestützte Arbeitsplanung, CAM - der computergestützte Fertigungsleitstand und die Prozeßsteuerung, BDE - die Betriebsdatenerfassung, CAQ - die Qualitätssicherung, PPS - das Produktionsplanungs und -steüerungssystem, CAO - das automatisierte Büro, all diese Komponenten sollen einerseits die Erfordernisse moderner Produktionsindustrien erfüllen und erheben andererseits den Anspruch, zu einer Verbesserung der Arbeitsumwelt beizutragen.

Belastungen entstehen durch langweilige Arbeit

CIM (Computer Integrated Manufacturing oder computerintegrierte Fertigung) ist die Verquickung all dieser Techniken und, so heißt es bei den Verfechtern der automatisierten Fabrik, die Ideallösung für die Produktion von morgen. Gegner der vollautomatischen Fabrik befürchten indes Arbeitslosigkeit (der Massen) und eine Verarmung der Arbeitswelt.

Wie so vieles, hat auch die Frage der sozialen Auswirkungen der Automation des Produktionsprozesses zwei Seiten - eine interne und externe, sowie zwei Sichtweisen, die der Arbeitnehmer und die der Unternehmer.

Die Universität Zürich hat unter Leitung von Professor Gerhard Schmidtchen umfassende Untersuchungen über den Menschen im Wandel der Technik sowie auch die Arbeitsmoral im Zeichen neuer Technik in der deutschen Metallindustrie angestellt.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen steht die Frage, wie Arbeitnehmer vor Einführung der neuen Technologien und danach mit ihrer Arbeitssituation fertiggeworden sind, wie sie ihre Belastungen kompensiert haben. Belastungen, so heißt es dort, entstehen durch Mangel an Selbständigkeit, negative Empfindungen bei der Arbeit, geistige Anstrengungen und Konzentration belastender Art, Eintönigkeit und Langeweile sowie Anforderungsdruck.

Diese Belastungen können durch verschiedene Möglichkeiten (Ressourcen) gemildert werden, wobei die Wissenschaftler in persönliche, organisatorische und finanzielle Ressourcen unterteilen. Unter Ressourcen in diesem Zusammenhang wird alles das verstanden, was der Mensch benötigt, um seine Energievorräte zu erneuern und seine Motivation wiederzugewinnen und zu erhalten.

Die Wissenschaftler stellen bei ihren Untersuchungen fest, daß ohne Möglichkeiten der Kompensation die Arbeitsmotivation erheblich beeinträchtigt wird. Gleichzeitig aber kann auch Belastung in erheblichem Umfang durch Ressourcenreichtum der Person oder der Organisation aufgefangen werden.

Einführung der Elektronik positiv beurteilt

Eine wichtige Erkenntnis in diesem Zusammenhang ist, daß eine bloße Verringerung der Belastung nicht unbedingt "zufrieden" macht, der Ressourcenreichtum selbst aber unabhängig von den Belastungen eine Quelle der Arbeitszufriedenheit ist.

Personen mit wenig Belastungen, aber auch wenig Ressourcen, sind großenteils unzufrieden an und mit ihrem Arbeitsplatz, solche mit reichen persönlichen oder organisatorischen Kompensationsmöglichkeiten im allgemeinen zufriedener. Obgleich alle Möglichkeiten zur Kompensation in einem Zusammenhang stehen, stellen die Wissenschaftler fest, daß persönliche Ressourcen an wichtigerer Stelle für die Arbeitszufriedenheit rangieren als organisatorische oder - an dritter Stelle genannt - finanzielle.

Die Mitarbeiter der Metallindustrie wurden im Abstand von einigen Jahren über ihre positiven und negativen Empfindungen gegenüber der Einführung neuer Technologien befragt. Positiv bewertet wurde, daß die manuelle Arbeit ersetzt, die Arbeit an sich vielseitiger wurde und sie sich geistig anregender, interessanter gestaltet. Stärkere Konzentration, geistige Beanspruchung, Steigerung des Arbeitstempos und größerer Streß waren negative Befürchtungen, die im Zusammenhang mit der Einführung von Elektronik am Arbeitsplatz genannt wurden.

Die Forscher stellten fest, daß die Mehrheit der Mitarbeiter, die den Übergang zur Elektronik erlebt haben, generell über genügend gute Kompensationsmöglichkeiten verfügen, um Schwierigkeiten produktiv verarbeiten zu können. Auch Personen, die deutliche Skepsis gegenüber den neuen Technologien und deren Auswirkungen auf ihren Arbeitplatz haben, sind nach der Einführung überwiegend mit der Arbeit zufrieden, wenn sie über genügend Ressourcen zum Abbau der Probleme verfügen.

Die Minderheit jedoch, die dem technischen Fortschritt skeptisch und ängstlich gegenübersteht und gleichzeitig wenig Möglichkeiten hat, Ängste abzubauen und der Situation zu begegnen, wirkt sehr unzufrieden.

So leiten die Sozialwissenschaftler eine generelle Regel aus ihren Beobachtungen ab: "Je größer der Reichtum an persönlichen und sozialen Ressourcen, desto problemloser ist die Bewältigung neuer Techniken, auch wenn die Auswirkungen zunächst mit Skepsis betrachtet werden."

An der Motivation generell gibt es jedenfalls nichts zu kritteln. An Mitarbeiter, an deren Arbeitsplatz sich etwas geändert hatte, wurde die Frage gestellt, ob sie lieber in den alten Zustand vor der Veränderung zurückkehren möchten - 73 Prozent verneinten dies; und bei Mitarbeitern, die Elektronik als Neuerung an ihren Arbeitsplatz bekamen, lag die Quote sogar bei 77 Prozent. In den alten Zustand zurück wollten nur elf von hundert Mitarbeitern.

Bei unserem Eingangsbeispiel des CAD-Arbeitsplatzes wurde die Möglichkeit erwähnt, daß der Computer in der Produktion Freiräume für kreativeres Arbeiten schaffe - 37 Prozent der Mitarbeiter fühlten sich angeregt, ihre eigene Aufmerksamkeit und Phantasie spielen zu lassen, um Möglichkeiten zu suchen, die Arbeit effektiver und produktiver zu gestalten; und jeder zweite Meister, jeder zweite außertariflich Angestellte sieht solche Möglichkeiten vor Augen.

Club-of-Rome-Prognosen sind nicht eingetreten

Werden sie nach Verbesserungen der Arbeit gefragt, so rangiert interessanterweise das Bemühen um bessere organisatorische und technische Vorkehrungen, wozu auch die Verbesserung des Informationsflusses zählt, vor finanziellen Anreizen für sich selbst oder für andere Mitarbeiter, die mit Elektronik zu tun haben, haben eine Angst abgelegt, die noch Anfang der 80er Jahre zu Schlagzeilen führte: Massenentlassung - Roboter killen Arbeitsplätze.

Diese überspitzte Formulierung drückte eine Befürchtung aus, die durch vereinfachte Berechnungen vor einem radikalen Umbruch in der Arbeitswelt warnen wollte. Noch 1982 ging der Club of Rome, eine Vereinigung von Wissenschaftlern, davon aus, daß ein Roboter zwischen einem und drei Facharbeiter ersetze, folglich also Massenarbeitslosigkeit drohe.

Gleichzeitig allerdings - und diese Aussage des Club of Rome wurde in den Medien nicht sonderlich hervorgehoben, erkannten Unternehmen bereits damals, daß die menschliche Arbeitskraft nicht einfach durch den Roboter abgelöst wird, sondern daß es sich hier um ein komplexes Phänomen handelt, das eine totale Reorganisation der Produktionsprozesse erforderlich macht und neue Arten des Wertzuwachses schafft.

"Dieser neue Wertzuwachs besteht in der Menge der Information, die als Nebenprodukt vieler automatisierter Prozesse durch die Mikroelektronik entsteht., Dadurch kann die Produktion in andere Aktivitäten des Unternehmens, wie automatisches Design, Automation von Auftragsbearbeitung, Materialtransport, Verpackung und Lagerhaltung integriert werden." (Mikroelektronik und Gesellschaft, Bericht an den Club of Rome.)

Diese Aussage bedarf der Erklärung: CIM beinhaltet das Zusammenspiel mehrerer einzelner Abteilungen und Prozesse in einem Unternehmen, die jede für sich optimal zu gestalten sind. Im Produktionsprozeß aber, der lange Zeit als fast isoliert angesehen wurde, fallen Informationen an, die für die Arbeit der anderen Abteilungen wichtig sind. Verkürzt man nun die Zeit, bis die anderen Abteilungen diese Information verfügbar haben, so wird zum einen ein reibungsloseres betriebliches Geschehen aufgebaut, zum anderen werden aber auch uneffektive Tätigkeiten und Zeiten ausgemerzt.

Weniger qualifizierte Arbeiten nehmen ab

Die Tätigkeit des Produzierens an sich, aber auch die Verwaltung des betrieblichen Geschehens gewinnt an Effizienz. Gleichzeitig erhält der Mitarbeiter einen anderen Einblick in das betriebliche Geschehen und wird stärker in die Abläufe einbezogen.

Dazu ist es notwendig, daß die Mitarbeiter sich mit den neuen Systemen vertraut machen sinnleere Arbeiten entfallen, Freiräume sind mit Produktivität zu füllen: Der Mitarbeiter selbst ist gefordert, diese Umstrukturierung des täglichen betrieblichen Geschehens zu erarbeiten. Auf der Strecke - so könnte man vereinfachend sagen - bleiben die unterqualifizierten Tätigkeiten in einem Unternehmen.

Und in der Tat hat sich im Zuge der Automatisierung der Produktion eine gewisse Polarisierung der Arbeitswelt herauskristallisiert. Ein Fazit, daß Horst Kern, Universität Göttingen, und Michael Schumann, Universität Bremen, in einer Untersuchung zum Thema "Ende der Arbeitsteilung" ziehen, ist, daß das Ende der Arbeitsteilung durch die Entwicklung in einem wichtigen Teil der industriellen Produktion unter dem Einfluß der neuen Produktionskonzepte eingeläutet werden könnte.

In dem Fazit zur Untersuchung heißt es weiter: "Doch darf man, überwältigt durch die schöne Perspektive, das Rad der Arbeitsteilung zurückzudrehen, nicht die Schattenseiten der Entwicklung übersehen. Diese liegen im Ausschluß beträchtlicher Teile der Arbeiterschaft von diesem Umbruch, ja schlimmer noch: teilweise bestehen sie sogar in der verschärften Absonderung einzelner Gruppen. Eindeutig im Schatten stehen in erster Linie Risikoträger am Arbeitsmarkt, für die durch die neuen Produktionskonzepte die Wahrscheinlichkeit, im Ghetto der Dauerarbeitslosigkeit gefangen zu sein, größer wird. Die Arbeiter in den Krisensektoren (zum Beispiel der deutsche Schiffbau; Anm. d. Autors) ebenso wie abgekoppelte Jedermannarbeiter in den Kernsektoren (Automobilindustrie, Großchemie, Werkzeugmaschinenbau; Anm. d. Autors) können sich im Wandel der Produktionskonzepte zumindest nichts Gutes erwarten; ihre Arbeitsmarktchancen werden durch die Erhöhung der Zugangsbarrieren zu den florierenden Bereichen eher beeinträchtigt."

Übertriebene Bündelung von Qualifikationen

Die Wissenschaftler Kern und Schumann grenzen einige Fehlentwicklungen ein, die im Zusammenhang mit der neuen Technologie und der Veränderung der Produktionsumwelt durch den Computereinsatz gemacht werden. Zum einen ist dies die - übertriebene - Bündelung der Qualifikationseffekte - es werden zu wenig Arbeitskräfte an den neuen Prozessen beteiligt.

Ein weiterer Fehler liegt in einer zu engen betriebsspezifischen Qualifizierung, das heißt, der Anteil weitervermittelbarer Qualifikation wird zu klein gehalten; und schließlich muß höhere Qualifikation zur Arbeitsintensivierung herhalten, anders ausgedruckt: Die Umsetzung der funktionalen Fähigkeiten des Computers am Arbeitsplatz wird häufig automatisch auch vom Mitarbeiter gefordert.

Die Stoßrichtung, um zu einer wirklichen Modernisierung zu kommen, und auch um sozialen Sprengstoff zu entschärfen, wäre darin zu suchen, die Möglichkeiten der im Zusammenhang mit neuen Technologien erweiterten Gesamtmasse von Funktionen für eine neue Bestimmung der Arbeitsplätze für möglichst viele Arbeitnehmer auszuschöpfen, Arbeitsinhalte wären neu zu formulieren und die Mitarbeiter entsprechend, auszubilden.

Schwere Arbeiten nur für die Roboter

Zudem sollten die neuen Technologien für die Beseitigung von Primitivfunktionen und Routinetätigkeiten eingesetzt werden, soweit das ohne die Vernichtung von Arbeitsplätzen möglich ist. Schwere, gefährliche Arbeit, aber auch sinnleere Tätigkeit sollte eine Domäne der Robbis sein.

Auch an die Ausbildung sind neue Anforderungen zu stellen. So soll die Beschränkung auf prozeß-spezifische Fähigkeiten aufgehoben werden und die Ausbildung sich an souveräner Berufsarbeit orientieren und vielfältige Fähigkeiten vermitteln, die sowohl beruflich als auch privat nutzbar sind. Eine breitere Ausbildung insbesondere der Jugend wäre also notwendig.

Die sozialen Auswirkungen der Automatisierung innerhalb der Gesellschaft sind nicht zu unterschätzen. Langfristig, so die Prognose von Wissenschaftlern, müsse sich die Gesellschaft auf eine weitere Verminderung der Arbeitszeit einrichten. Kern und Schumann meinen: "Selbst für die heute gerade antretende Generation wird Erwerbstätigkeit mit Sicherheit mehr sein als eine Randsituation oder ein Übergangsphänomen."

Arbeit habe zwar als Medium und Zentrum des Lebens Konkurrenz bekommen, doch bleibt sie so bedeutend, daß sie ohne mehr Selbständigkeit in der Arbeit nicht zu einem erfüllten Leben beitrage. Es steht den politischen und gesellschaftlichen Kreisen an, diese wissenschaftliche Erkenntnis umzumünzen in aktive Gestaltung.

Technischer Fortschritt bringt soziale Verbesserung

Rüdiger Proske sieht zwischen technischem und sozialem Fortschritt heutzutage eine Übereinkunft, die allerdings erst im Laufe der Industrialisierung gewachsen ist: "Der technische Fortschritt hat soziale Verheerung gebracht und nicht automatisch den sozialen Fortschritt. Über er hat soviel Basis geschaffen, daß über die Politischen Möglichkeiten, die im vorigen Jahrhundert entwickelt wurden, sozialer Fortschritt in Gang kommen konnte und auch erzielt wurde."

Es ist nicht zuletzt die Informationstechnologie, und innerhalb dieser die Möglichkeiten der Computerunterstützung der Entwicklungs- und Produktionssysteme, die einen gesellschaftlichen Prozeß in Gang gesetzt hat, dem sich sowohl der einzelne Arbeitnehmer, als auch die Gesellschaft als solche ausgesetzt sieht. Die Verschiebungen im Arbeitsmarkt, der Wegfall von nervtötender Routine und die Hinwendung zu höher qualifizierten Tätigkeiten mit den notwendigen Freiräumen für Kreativität erfordern in Zukunft erhöhte Flexibilität und Mobilität.

Permanente Fortbildung

Aber auch Weiterbildung und sogenannte "permanente Ausbildung" werden durch die neuen Technologien der Informationsverarbeitung gefordert und ermöglicht, Freiräume zur eigenen Entfaltung geschaffen - und hier liegt letztendlich die Chance im Leben mit der neuen Fabrik, oder wie jemand sehr weise formulierte: "Wir sollten die Zukunft nicht planen, wir sollten sie ermöglichen."