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31.05.1996 - 

Branchenübergreifendes Memorandum

Die Auto- und Luftfahrtbranche gehen bei Step gemeinsame Wege

An Initiativen zur Unterstützung des Standard for the Exchange of Product Model Data (Step) hat es in der Vergangenheit nicht gefehlt. So schlossen BMW und Chrysler 1993 ein "Memorandum of Common Understanding and Cooperation" (Mouac), dem sich mittlerweile eine Vielzahl weiterer Firmen aus Europa, den USA und Japan angeschlossen haben. Namhafte deutsche Vertreter sind unter anderem BMW, Daimler-Benz, Volkswagen sowie Bosch als Zulieferer und Siemens. Ein vergleichbares Projekt wurde unter der Bezeichnung "Aerostep" von den Firmen Boeing, Pratt & Whitney, General Electric und Rolls-Royce Ende 1994 für die Luftfahrt gestartet.

Das nun im Rahmen der europäischen Forschungsinitiative AIT (Esprit Project 7704) beschlossene Memorandum unterscheidet sich von den bisherigen dadurch, daß es branchenübergreifende Aussagen für die Automobil-, Luftfahrt- und Zuliefererindustrie enthält. Vorausgegangen war eine 18monatige Pilotphase, in der das Konsortium die Anforderungen an zukünftige IT-Systeme in den Bereichen Entwicklung und Produktion aufgestellt beziehungsweise untereinander abgestimmt hat. Beteiligt waren sämtliche europäischen Luftfahrtunternehmen sowie nahezu alle Automobilhersteller und deren wichtigste Zulieferer.

Der Inhalt des Memorandums läßt sich in folgende Kernaussagen zusammenfassen: Die Strategien zur Systemintegration sollen branchenübergreifend auf Step als Produktdatenstandard basieren. Das heißt, daß die Anwender bei der Auswahl künftiger IT-Systeme nur solche Produkte in Betracht ziehen, die Step unterstützen. Zulieferer können diese Aussage für die mittel- und langfristige Planung ihrer CAD/CAM-Systeme nutzen.

Obwohl das Papier lediglich eine Absichtserklärung darstellt, konnten sich nicht alle 17 Mitglieder des AIT-Kernteams zu einer Unterschrift durchringen. Auf der Liste fehlen Volkswagen, British Aerospace und die französische Aerospatial. Bei VW werden rein formale Gründe für diese Situation angeführt: Stellvertretend für den Konzern habe Audi an der Pilotphase teilgenommen, aus Kostengründen sei die VW-Tochter jedoch inzwischen aus den AIT-Projekten ausgestiegen. Als Grund für die Zurückhaltung der anderen AIT-Mitglieder wird unter anderem genannt, daß die Vorteile der Step-Norm im industriellen Umfeld bislang noch nicht ausreichend nachgewiesen wurden.

Gerade im Hinblick auf diesen Kritikpunkt, so heißt es bei den unterzeichnenden AIT-Mitgliedern, sei es besonders wichtig, die Entwicklung von Step durch ein gemeinsames Vorgehen zu forcieren. Bernhard Malle vom Ulmer Bereich Forschung und Technik der Daimler-Benz AG ließ kürzlich auf einem Vortrag zur Produktdatentechnologie anläßlich der PDTAG Days in London keine Zweifel am Step-Engagement seines Unternehmens aufkommen. Der Mangel an Praxisbeispielen für die ISO-Norm liegt nach Meinung des Experten auch darin begründet, daß die ersten Spezifikationen nicht vor Anfang 1995 fertiggestellt wurden. Inzwischen habe eine Umfrage ergeben, daß acht Step-Prozessoren von führenden IT-Herstellern verfügbar seien, an weiteren 21 werde derzeit noch gearbeitet. Insofern scheint die Anbieterseite die von den Memorandi ausgehenden Signale durchaus zu verstehen.

Widersprüchlich klingen auch zwei weitere Argumente, mit denen die AIT-Partner ihre Unterschrift ablehnen. Man befürchte einerseits, daß mit dem Memorandum ein mißverständliches Zeichen bei den IT-Anbietern gesetzt werde und deren Engagement bezüglich der vorhandenen Technologie oder Standards nachlasse. Andererseits heißt es, daß die Unterzeichnung der vorangegangenen Vereinbarungen bislang zu keiner forcierten Step-Einführung in Form von Anwendungen geführt habe.

Daß man die Hersteller mit solchen Bedenken keineswegs unter Druck setzen möchte, bestätigt indes der Daimler-Benz-Fachmann. Natürlich müßten bestehende Systeme so gepflegt werden, daß ein reibungsloses Tagesgeschäft bei den Anwendern möglich sei. Bei ihrer künftigen Entwicklungsarbeit sollten sich die Hersteller jedoch nicht mehr auf die ohnehin in ihrer Reichweite stark eingegrenzten Altstandards wie SET oder VDAFS konzentrieren, sondern den Fokus auf das neue Datenaustauschformat legen. Mit den Step-Vereinbarungen wolle man ein Zeichen setzen, in welche Richtung sich Anwender und Hersteller künftig gemeinsam bewegen müßten, um die Prozesse in der Industrie zu verbessern.

Deshalb folgen der jetzt beendeten und ausschließlich von Anwenderunternehmen bestrittenen AIT-Pilotphase zahlreiche europäische Step-Projekte, in die auch Hersteller involviert sind. Dabei gelte es, so Malle, bislang ungeklärte Fragen bezüglich Step zu beantworten. So sei noch völlig offen, inwieweit sich wissensbasierte Systeme in Step einbinden lassen oder wie man Interoperabilität mit anderen Standards wie etwa SGML oder Corba gewährleisten will.