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05.11.1976 - 

Strukto 76, Kongreß für Strukturierte Programmierung

Die Avantgarde macht Kompromisse

FRANKFURT - Strukturierte Programmierung (SP) ist kein Allheilmittel, jedoch ein wohl unentbehrliches Hilfsmittel für eine effizientere, ingenieurmäßige Software-Erstellung, das allerdings nur dann optimal genutzt wird, wenn auch andere Methoden der modernen Softwaretechnologie eingesetzt werden. Diese Quintessenz des dreitägigen Kongresses für Strukturierte Programmierung, Strukto 76 - Ende Oktober vom Control Data Institut im Frankfurter Sheraton veranstaltet - war den 130 Teilnehmern sicherlich schon vorher bekannt, denn für 1200 Mark dabei waren vor allem Anwender, die - wie eine Umfrage belegte - sich mit dem Problemkreis schon intensiv beschäftigt hatten. Dennoch, wer als Einzelkämpfer sich zur Avantgarde zählte, erlebte das Solidaritätsgefühl, sich inmitten eines ganzen Ballsaales von Gleichgesinnten von fünf deutschsprachigen Hohen Priestern der SP bestätigt zu sehen.

Basis ist System-Theorie

Dr. Reinhold Thurner, Software-Wissenschaftler an der Universität Zürich und kommerziell erfolgreicher Entwickler der Generatoren Detab/GT und Delta, zeigte auf, daß Modellbildung und Subsystem-Bildung (also Structured Design, Modularisierung und schrittweise Verfeinerung) für die Datenverarbeitung nichts anderes als Entsprechungen der Allgemeinen Systemtheorie aus den Ingenieur-Wissenschaften sind. Die Komplexität der Systeme sei einerseits zu vermindern durch weniger Interfaces zwischen den Subsystemen und andererseits durch weniger Beziehungen innerhalb der Subsysteme. Die Achtung "schmutziger" GOTOs und CALLs erfordere nicht nur die Praxis (Überschaubarkeit, Wartungsfreundlichkeit), sondern sei auch zwecks Komplexitäts-Verminderung von der System-Theorie zu fordern.

Sechs Grundkonstrukte

Auch Dr. Jan Witt, Siemens AG, betonte, daß sich bezüglich der Gliederung des Steuerflusses von Programmen inzwischen in der Informatik weltweit die Überzeugung durchgesetzt habe, daß man mit einer relativ bescheidenen Auswahl elementarer Steuerflußkonstruktionen auskommen kann und sollte. Im Siemens-Forschungslabor habe man sich auf ein Grundrepertoire von im wesentlichen sechs Konstrukten geeinigt, die in Nassi/Schneidermann-Diagrammen (Struktogrammen) dargestellt werden können. Sie würden für alle praktischen Zwecke ausreichen, keinen nennenswerten Effizienzverlust mit sich bringen und sich in allen geläufigen Programmiersprachen auf einfache Weise realisieren lassen.

Programmstruktur aus der Datenstruktur

Dr. Christiane Floyd von Softlab, München, kritisierte, daß bei der Propagierung der Methoden der strukturierten Programmierung bisher meist übersehen wurde, daß ihr voller Nutzen nur erreicht werden kann, wenn man nicht nur den Steuerfluß strukturiert, sondern auch entsprechende abstrakte Datenstrukturen erarbeitet (Michael Jackson Methode und HIPOs), so daß im Idealfall sich die Programmstruktur aus der Datenstruktur herleiten lasse. Insbesondere beim Systementwurf besteht die brillante "Software-Ingenieurin" auf strikter Einhaltung der Dijkstra'schen Konzepte. "Kompromisse in bezug auf die saubere Grobstruktur sind gefährlich und deshalb möglichst auszuschließen. Innerhalb einer in sich geschlossenen Programmkomponente dagegen kann es eine Reihe von Gründen geben, die die Verletzung der Regeln der SP nahelegen."

ET und SP äquivalent

Auch Harry Sneed, Amerikaner in München, der über praktische Erfahrungen mit der Anwendung der strukturierten Programmierung im Hause Siemens referierte, berichtete, daß "saubere" GOTOs innerhalb von Eigenprogrammen durchaus akzeptiert werden können. Das gleiche gelte für Entscheidungstabellen, auf deren Verträglichkeit mit den Konzepten der strukturierten Programmierung Dr. Horst Strunz, Prokurist der mbp, Dortmund, eindringlich hinwies. Die Elementarstrukturen der strukturierten Programmierung und der Entscheidungstabellentechnik seien logisch äquivalent. Ein "Alleinvertretungsanspruch" sei abzulehnen, denn beide Methoden können voneinander profitieren - einerseits durch einen wohlstrukturierten Entscheidungstabellen-Verbund, andererseits, weil die Nutzung der Entscheidungstabellentechnik in der strukturierten Programmierung sonst erforderliche umfangreiche Schachtelungen vermeide.

Die COMPUTERWOCHE wird auf den Software-Seiten der nächsten Ausgabe Details vom Structo 76-Kongreß berichten.