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Die Bastion Unix steht unter Beschuss

Schulze ist freier Autor der Website CIO.de und dem CIO-Magazin.
Rund 36 Jahre nach seiner Entstehung bildet Unix in vielen Unternehmen noch immer das Rückgrat der IT. Doch die goldenen Zeiten gehen zu Ende.
Umsatz gesamt: 51,3 Milliarden Dollar Quelle: IDC Im vierten Quartal 2005 erwirtschafteten die Server-Hersteller erstmals mehr Umsatz mit Windows- als mit Unix-Rechnern.
Umsatz gesamt: 51,3 Milliarden Dollar Quelle: IDC Im vierten Quartal 2005 erwirtschafteten die Server-Hersteller erstmals mehr Umsatz mit Windows- als mit Unix-Rechnern.

Ken Thompson und Dennis Ritchie schufen 1970 das Betriebssystem "Unics" (Uniplexed Information and Computing Service) - heute als Unix bekannt. In zahllosen, oft sehr unterschiedlichen Varianten, eroberte das System den Server-Markt und die Rechenzentren. "Der Unix-Markt hat jetzt seine kritische Masse erreicht", kommentierte die computerwoche im März 1988. Heute mehren sich die Anzeichen, dass das altehrwürdige Betriebssystem wiederum eine kritische Masse erreicht hat - und sich zumindest teilweise aufs Altenteil zurückzieht. Denn die Zeiten haben sich gründlich geändert: Waren vor einigen Jahren im Bereich leistungsstarker und hoch skalierender Server kaum Konkurrenten im Rennen, stehen den Anwendern seit geraumer Zeit interessante Alternativen zur Verfügung.

Hier lesen Sie

• wie sich der Markt für Server-Betriebssysteme entwickelt;

• in welchen Bereichen Unix Anteile verliert;

• wo Unix vorerst unverzichtbar bleibt.

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www.computerwoche.de/go/

572592: Windows löst Unix an der Spitze ab;

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Unix-Derivate meist an Hardware gekoppelt

Schon früh hat sich Unix in viele unterschiedliche Derivate aufgeteilt, die den Anwendern das Leben schwer machen: Jeder Unix-Anbieter schuf eine eigene Version des Betriebssystems, die zudem oft an die entsprechende Hardware gekoppelt ist. Versuche, eine gewisse Hardwareunabhängigkeit zu erreichen, beispielsweise die Solaris-Portierung von Sun auf die x86-Architektur, sind rar und kommerziell nicht erfolgreich. Doch die Kunden akzeptieren die enge Bindung an einen bestimmten Anbieter immer weniger. Zudem gelten die proprietären Server zwar als ausgesprochen leistungsfähig und stabil. Doch in immer mehr IT-Szenarien genügen preiswerte Standardprodukte auf Basis der x86- oder der x64-Architektur. Diese Plattformen haben in den vergangenen Jahren in Sachen Leistungsfähigkeit und Stabilität stark aufgeholt. Und mit den Hardwarearchitekturen graben auch die dafür typischen Betriebssysteme Windows und Linux der Grande Dame Unix das Wasser ab.

Unix-Markt ist rückläufig

Diesen Trend bestätigen die aktuellen Server-Marktzahlen. So stellen etwa die Marktforscher von IDC in ihrer Erhebung vom Februar 2006 fest, dass der weltweite Server-Markt im vierten Quartal 2005 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nach Stückzahlen um 10,6 Prozent gewachsen sei. Der Markt für x86-basierende Server hat laut IDC über-durchschnittlich um 13,7 Prozent zugelegt.

Noch deutlicher wird die Situation, wenn man die Umsätze betrachtet: So hat in der IDC-Studie zwar der gesamte Server-Markt ein Minus von 0,2 Prozent hingelegt, Windows-Server dagegen konnten einen Umsatzzuwachs von 4,7 Prozent verbuchen. Für Linux-basierende Systeme weist IDC sogar eine Umsatzsteigerung von über 20 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal aus. Ein großer Teil des Umsatzrückgangs geht zu Lasten der Unix-Maschinen: IDC ermittelte dafür ein Minus von 5,9 Prozent. "Zum ersten Mal hat das Segment der Windows-Server leicht die Ausgaben für Unix-Systeme überschritten", so die Marktforscher.

Die gleiche Tendenz beobachtet das Marktforschungs- und Beratungshaus Gartner. Risc- und Itanium-basierende Unix-Server sind laut einer aktuellen Studie im vergangenen Jahr in der Kundengunst gesunken. Während die Umsätze im gesamten Jahr zwar leicht um ein halbes Prozent gestiegen seien, konstatiert Gartner einen Rückgang der ausgelieferten Stückzahlen um mehr als fünf Prozent. Die Analysten machen dafür vor allem die anhaltende Migration im unteren Marktsegment auf x86-basierende Linux-Systeme sowie die schwächere Nachfrage nach Highend-Servern verantwortlich.

Doch nur den Server-Markt zu betrachten, greift zu kurz. Schließlich hat Unix seine Stärken nicht nur auf Servern, sondern ist auch auf Hochleistungs-Workstations vertreten. So waren CAD-Anwendungen lange eine Unix-Domäne. Seit der Verfügbarkeit von Windows 2000 hat Microsoft auch in diesem Segment deutlich zugelegt. So wurde zum Beispiel das in der Automobilbranche weit verbreitete CAD-Programm "Catia" von Dassault Systèmes mit Version 5 primär für Windows entwickelt, ist aber auch unter Unix lauffähig. Die Vorgängerversion dagegen war ein reines Unix-Produkt. Laut einigen Experten setzt inzwischen rund die Hälfte der Catia-5-Anwender Windows ein.

Leistungsfähigere Standardhardware und die hohe Reife von Microsofts NT-Nachfolger machen die Kombination auch in diesem Marktsegment interessant. Vor allem die x64-PCs könnten Unix hier in eine Nische drängen. Zudem führen Unix-Workstations stets zu einer heterogenen Client-Landschaft, die aufwändig zu administrieren ist. Das Gros der Anwender in Unternehmen benötigt die Stabilität und Leistung einer Unix-Workstation nicht; diese Klientel nutzt seit Jahr und Tag Windows-PCs.

Aus diesen Entwicklungen aber das oft bemühte Bild von den aussterbenden Dinosauriern abzuleiten, wäre verfrüht. Bei Scale-Up-Ansätzen, also dem Skalieren der Server-Leistung durch immer größere Maschinen mit mehr Prozessoren, ist Unix seinen Mitbewerbern noch um Längen voraus. Hier besteht eine Marktnische, die zwar durch das Clustern von Standard-Servern oder Blades immer kleiner wird, jedoch nach wie vor seine Berechtigung hat. Zudem haben sich zahlreiche Open-Source-Projekte erfolgreich um freie Unix-Derivate bemüht. Am bekanntesten ist wohl Free BSD, das zum Beispiel die Basis für Apples aktuelles Mac OS bildet. Auch in etlichen Appliances verschiedener Hersteller werkelt unsichtbar ein Open-Source-Unix. Allerdings wird Apple kaum großen Einfluss auf den Unix-Server-Markt ausüben: Zum einen sind die verfügbaren Maschinen auf maximal zwei Prozessoren beschränkt, zum anderen ist der Vertrieb über Apple-Stores kaum geeignet, Data-Center-Kunden zu locken.

Um Unix als Nischenprodukt anzusehen, ist es auch nach Ansicht von Gartner-Analyst Ian Brown noch zu früh: "Der Unix-Markt ist zwar rückläufig, aber es ist ein langsamer Rückgang." Für die nächsten Jahre bestehe keine Sorge, dass Unix sich in eine kleine Ecke des Rechenzentrums zurückzieht. Der Markt hat sich nach seiner Einschätzung konsolidiert; die drei Anbieter IBM, Sun Microsystems und Hewlett-Packard haben demnach zusammen einen Anteil von 90 Prozent am Unix-Kuchen. "Sun war mal dominant, hat aber verloren", so Brown. "IBM dagegen ist sehr erfolgreich und konnte in diesem Segment wachsen."

Große Server haben Vorteile im Rechenzentrum

In vielen Bereichen wie etwa ERP (Enterprise Ressource Planning) oder CRM (Customer Relationship Management) würden sich vor allem große Unternehmen nach wie vor auf die Stärken von Unix - Skalierbarkeit, Stabilität und Performance - verlassen. Denn die mächtigen Multiprozessor-Maschinen sind nach Browns Einschätzung nicht in allen Bereichen durch geclusterte Blades bedroht: "Wir sehen bei einigen Kunden mit großen Rechenzentren, dass durch den Scale-Out-Einsatz Platzprobleme und immense Stromkosten entstehen."

Die Alternative sind Virtualisierungstechniken, die große SMP-Server logisch unterteilen. In diese Richtung entwickelt sich auch der Unix-Markt: "Die reinen Stückzahlen der ausgelieferten Unix-Server sinken zwar, dafür werden die Maschinen tendenziell größer, so der Gartner-Mann. Der Trend gehe zur Konsolidierung und Virtualisierung. Und hier sei Unix den Konkurrenten voraus. Die Anbieter investierten viel in die weitere Unix-Entwicklung, da-bei kämen immer mehr Mainframe-Merkmale hinzu. Brown: "Für die Anbieter ist Unix noch immer ein sehr wertvoller Markt." (wh)