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03.04.1980

Die Bedienung des Computers muß einfacher werden. Teil 4

Hilflos fühlen sich viele Endbenutzer gegenüber dem Computer- und gegenüber den Computerspezialisten, die als einzige mit den neuen, komplexen Informations- und Kommunikationssystemen umgehen können. Einziger Ausweg: Die Bedienung des Computers muß einfacher werden.

Welche Ausbildungsanforderungen ergeben sich aus der beschriebenen Schwerpunktverteilung? Der Kasten zeigt die Konsequenzen für den Benutzer, wobei in meinem groben Schema zwischen betriebsnahen operativen Tätigkeiten und den Funktionen des Managements als Endbenutzer nicht weiter unterschieden wird.

Meine Thesen sind: Fordert vom Benutzer möglichst wenig Kenntnisse über Datenverarbeitung und Kommunikation. Die zukünftigen Systeme werden so komplex sein, daß vom Benutzer wirklich brauchbare systembezogene Kenntnisse, die besser sind als die Selbstoptimierung des Systems, nur mit intolerablem Aufwand zu erwerben sind. Ausreichend ist ein kostenorientiertes Grundverständnis der technischen und betrieblichen Funktionen, ähnlich der Kenntnis der Telefontarife zu verschiedenen Tageszeiten. Der qualifizierte Benutzer muß weiterhin seinen Anwendungsfall beherrschen und in der Lage sein, seine Wünsche an das betriebliche Informationssystem in Form klarer - gegebenenfalls formal beschreibbarer und überprüfbarer - Anwendungsspezifikationen zu formulieren. Hier sind die Erkenntnisse der Softwaretechnologie im Gebiet der Anforderungs-Technik (requirement engineering) zur Aufstellung einheitlicher Trainingsunterlagen für die Benutzerschulung einzusetzen.

Ich darf noch einmal wiederholen: Außer individuellen Anpassungen an der, Mensch-Maschine-Schnittstelle bei der Kommunikation mit dem dezentralen Gerät hat der Benutzer im Normalfall im Softwarebereich nichts zu suchen.

Die Aufgaben der EDV-lnformations-system-Abteilungen fasse ich im Kasten 2 nochmals zusammen. Die traditionelle Aufgabe der Bereitstellung zentraler DV-Leistungen und zentraler Datenbasen auf größeren Rechnern wird sicher, wenn auch mit abnehmender Bedeutung, erhalten bleiben.

Ob es mehrere EDV-Abteilungen geben wird, eventuell in einer hierarchischen Gliederung mit einer unternehmensweiten Top-EDV-Abteilung an der Spitze, soll hier nicht weiter untersucht werden. Das hängt sicher stark von der Größe und Ausdehnung des betrachteten Untemehmens ab. "Zentral" heißt auf jeden Fall nicht unbedingt eine einzige unternehmensweite Einrichtung. In meiner Betrachtungsweise heißt "zentral" organisatorisch gesehen nichts anderes als die Zusammenfassung von EDV- und Telekommunikationsunterstützung für eine größere Gruppe von Endbenutzern durch Spezialisten.

Die anderen Funktionen sind nach meinen bisherigen Ausführungen weitgehend selbsterklärend. Unbestritten wichtig ist die Koordinierung der Hardwarebeschaffungen der einzelnen Fachabteilungen. Ein unkoordiniertes Vorgehen führt, darüber liegen schon ausreichend schlechte Erfahrungen vor, zur Desintegration und Inkompatibilität.

Die Zukunft für das EDV-Personal ist, betrachtet man Kasten 3, als sehr günstig zu beurteilen. Die gegenwärtige Situation in der Bundesrepublik Deutschland wird durch die Tatsache beleuchtet, daß ein Hochschulabsolvent der Informatik zwischen 10 bis 20 festen Angeboten wählen kann. Die Anfangsgehälter von Informatikern liegen an der Spitze aller akademischen Berufe. Das Bundesministerium für Forschung und Technologie hat in Zusammenarbeit mit Diebold eine Prognose erarbeitet, daß zumindest bis 1985 der Zusatzbedarf an Informatikern nicht einmal zur Hälfte befriedigt werden kann.

Wir haben, trotz des Vordringens der dezentralen Datenverarbeitung, mit einer erheblichen quantitativen Zunahme an "Full-Time´´-EDV-Spezialisten zu rechnen und beobachten diese Entwicklung schon seit Jahren. Die Zunahme der Komplexität und das Hinzukommen von Telekommunikation und Netzwerktechnologien als gestaltende Elemente zukünftiger dezentraler DV-Systeme wird neue Qualifikationen und eine größere Spezialisierung der einzelnen Experten erfordern.

Auf den Datenverarbeitungs-Manager oder seinen Nachfolger, den Informationssystems- und Kommunikations-Manager wird sich, bedingt durch die von ihm übernommenen für das Unternehmen lebenswichtigen Versorgungsfunktionen und Koordinierungsaufgaben, eine hohe Verantwortung konzentrieren.

Auch auf der Managementebene sehe ich eher eine Zunahme von technischen Anforderungen und Führungsanforderungen als einen Abbau im Zuge der Delegation von Befugnissen und Verantwortungen im Rahmen der dezentralen Datenverarbeitung an die Fachabteilungen.

Die zentrale Unterstützung der Anwendungs-Software erfordert vom Anwendungswissen kommende Fachkapazität, die weniger den Anwendungsfall als die Anwendungsmethotik und -systematik in den Mittelpunkt stellt. Teams aus "Anwendungsmethodikern" und "System- und Softwaretechnologen" werden das personelle Rückgrad der geschilderten zentralen Softwaredienste sein. Gerade in der Schaffung einer einheitlichen aber im einzelnen Anwendungsfall flexiblen Anwendungsmethodik als Grundlage für eine standardisierte Software liegt eine große Herausforderung, die sicher nur langsam und schrittweise erfüllt werden kann.

Eine Abnahme wird sich beim Betriebspersonal ergeben. Einerseits erfordern verbesserte Betriebssysteme und neue Speichermedien weniger manuelle Eingriffe bei den größeren Anlagen, andererseits wird sicher ein unbestreitbarer Vorteil dezentraler arbeitsplatzorientierter Anlagen die direkte Bedienung dieser Einrichtungen durch den Sachbearbeiter selbst sein.

Welche Fähigkeiten und besonderen Kenntnisse müssen wir zukünftig von unserem EDV-Spitzenpersonal erwarten (Kasten)?

Die Fortschritte der letzten Jahre in der Softwaretechnologie lassen erwarten daß in unmittelbarer Zukunft die praxiserprobten Voraussetzungen für eine systematische ingenieurmäßige Planung und Entwicklung von Anwendungs-Software vorliegen werden.

Grundlage für die Softwaregestaltung müssen dabei Lebenszykluskonzepte sein, mit denen sich von vornherein die richtigen Konsequenzen aus der geschilderten Kostenstruktur bei informationsverarbeitenden Systemen (überwiegend Betriebs- und Wartungskosten) ziehen lassen.

Erfahrungen aus der Praxis zeigen, daß die Einführung neuer systematischer Entwurfs-, Implementierungs- und Textverfahren auf der Grundlage softwaretechnologischer Erkenntnisse insbesondere bei lang gedienten Programmierern auf erhebliche Widerstände stößt. Hier ist eine geschickte und zeitlich großzügig zu bemessende "Überzeugungsarbeit" erforderlich, die aber unbedingt geleistet werden muß, wenn man nicht in wenigen Jahren in der Softwarekomplexität ertrinken will.

Zentrale Konzepte der Planung, Steuerung und Überwachung erfordern ein detailliertes Verständnis des Zusammenspiels aller Betriebsmittel eines verteilten Verbundsystems. Intuitive "erfahrungsgestützte" (im Grunde rein qualitative) Planungsverfahren sind mit Sicherheit zukünftig keine Basis für grundlegende Entscheidungen über den Aufbau und die Auslegung eines Verbundsystems. Die Wissenschaft stellt dafür zunehmend Simulationstechniken und Modellierungsverfahren zur Verfügung, die es oft mit erstaunlicher Genauigkeit erlauben, das dynamische Betriebsverhalten verteilter Systeme auf verschiedenen Ebenen der Aufgabenverteilung und Kommunikation vorherzusagen.

Ähnliches gilt für die Leistungsmessung und Leistungsvorhersage. Es ist eine wichtige Herausforderung an die EDV-Praktiker in den Unternehmen das vorhandene Instrumentarium zu analysieren und an die Bedürfnisse des eigenen Unternehmens zu adaptieren.

Keiner Begründung bedarf wohl die Forderung im Angebot der Kommunikationstechnologien sowohl für im-Haus-Übertragungsnetze als auch bei der Nutzung der neuen Telekommunikationsdienste der PTT´s immer auf dem neuesten Stand zu sein. Eine frühe Nutzung solcher Techniken im kleineren Maßstab ist sehr zu empfehlen, da eine Anwendung in Form von innerbetrieblichen Demonstrationsvorhaben sicher ein sehr guter Weg ist, Kosten und Nutzen der neuen Kommunikationsmittel für die konkreten Probleme eines Unternehmens, abzuschätzen.

Eines der weitgehend noch ungelösten Sachgebiete ist die bereits mehrfach angesprochene Verteilung von Daten auf viele teilautonome Systeme. Solange die Daten lokal bleiben oder nur zu bestimmten Zeitpunkten an andere Teilnehmer im Verbund weitergegeben werden, scheint die Verteilung gegenwärtig beherrschbar. Echte verteilte Datenbanken sind dagegen noch kein Instrument für den Großeinsatz in der Praxis.

Ein hohes Maß an personellen Anstrengungen, aber auch ein nicht geringer Anteil an verfügbaren maschinellen Kapazitäten und Softwareanstrengungen wird auf das Thema Verfügbarkeit, Zuverlässigkeit und Wartbarkeit von Systemen und Software zu legen sein. Auch hier ist die Entwicklung in der Wissenschaft und bei den DV-Herstellern in einem stürmischen Fortschritt. Die Bedeutung dieser Gebiete kann gar nicht dramatisch genug unterstrichen werden. Gemeint sind nicht nur katastrophale Fehler, die sogenannten "System-Black-Outs", sondern auch schleichende kaum merkbare Verfälschungen von Daten mit Langzeiteffekt. Ich prognostiziere hier einen erheblichen Personalbedarf mit hohem Qualifikationsaufwand.

Der genannte Punkt betont nochmals die Anforderungen an die Ausbildung von Mitarbeitern für die Funktionen der Überwachung und Steuerung der Betriebsabläufe in zentral koordinierten verteilten Systemen. Es handelt sich hier um Betriebspersonal der neuen Art mit gegebenenfalls stark differenzierten Anforderungsprofilen.

Wie kann der Personalbedarf der aus den Projektionen folgt, gedeckt werden? Die Grundgedanken sind im Kasten zusammengefaßt.

Die erste Maßnahme ist die Forderung an die Universitäten, die Ausbildungszahlen von Informatikern und angewandten lnformatikern weiter zu erhöhen. Ein im September ´78 erschienener Bericht über "Computer Science and Computer Engineering Education in the 80´s" zeigt in der Tat, daß in den USA für die nächsten Jahre mit einer stark steigenden Zahl von neuen Computer Science- und Engineering-Programmen und einer Vervielfachung der Absolventenzahl gerechnet wird. In ähnlicher Weise wird sich in der Bundesrepublik Deutschland die Zahl der Informatikstudenten mit bevorzugt technischer oder wirtschaftswissenschaftlicher Zusatzausbildung erhöhen.

Wie an anderer Stelle bereits ausgeführt, ist zumindest für die Bundesrepublik Deutschland jedoch nicht damit zu rechnen, daß die Ausbildungszahlen von Berufsanfängern den zu erwartenden Bedarf auch nur annähernd decken werden.

Weiterhin hat eine seriöse Personalplanung davon auszugehen, daß die jungen von der Hochschule kommenden Nachwuchskräfte weder die Praxiserfahrung der realen betrieblichen Welt noch das notwendige Führungswissen mitbringen. Die zentrale Forderung für die Unternehmen lautet daher, sich auf den großen Aus- und Weiterbildungsbedarf im Bereich des MlS-Personals einzustellen. Das nützliche Computerwissen verdoppelt sich alle fünf bis acht Jahre, zusätzIich veraltet ein wesentlicher Teil vorhandenen Wissens in ähnlich kurzen Zeitabständen. DV-Technologie ist mit Sicherheit keine Technologie wie jede andere. Sie hat noch lange nicht den Zustand der Reife und des langsamen Fortschreitens erreicht, wie die meisten klassischen Industrie- und Verwaltungsgebiete.

Technisch und auch vom wirtschaftlichen und politischen Einfluß her gesehen steht die Informationstechnologie erst in einem recht frühen Stadium der Entwicklung, so daß die eigentliche Herausforderung noch vor uns liegt.

Eine oft gestellte Frage ist die Frage nach der Automatisierungswirkung und der damit verbundenen Demotivierung der Mitarbeiter. Ich glaube mit meiner Zukunftsbeschreibung gezeigt zu haben, daß komplexe Systeme zumindest in diesem Jahrhundert noch einen starken Anteil vom Menschen auszuführender Funktionen haben werden - und meiner Ansicht nach auch haben sollen - womit ein Großteil der Beschäftigten einbezogen wird. Was zukünftige Informationsnetzwerke an Routinearbeiten bishenger MIS-Funktionen übernehmen können, wird zum wesentlichen Teil durch den enormen Zeitaufwand für Schulung und laufende Weiterbildung (continuing education) ausgeglichen.

Im DV-Bereich wird es somit keine Einsparung sondern im Gegenteil einen Mehrbedarf an Personal geben. Zu erwarten ist vielmehr eine Verschiebung zu höheren Qualifikationen und zu einer Verlagerung der Schwerpunkte von den Tätigkeiten der Individual-Programmierung und des Betriebes von Rechenanlagen zur ingenieurmäßigen Planung und Erstellung von Anwendungssoftware und zur Steuerung der betrieblichen Informationsnetze auf qualifizierter Ebene.

Aufgabe des Unternehmens wird es im Personalplanungsbereich sein, den Mitarbeitern volle zeitliche und materielle Unterstützung für ein Selbststudium zur permanenten Weiterbildung zu geben.

Wichtig wären auch gemeinsame Anstrengungen von Hochschulen, privaten Ausbildungsunternehmen und den interessierten Unternehmen an der Schaffung spezieller Weiterbildungsprogramme für die Mitarbeiter.

Lassen Sie mich zusammenfassen:

Obwohl der größte Teil der Beschäftigten Computer- und die neuen Telekommunikationsdienste intensiv benutzen wird, ist eine aktive Gestaltung der Entwicklung von Informationssystemen durch die Benutzer nicht sinnvoll und durchführbar. Es wird eine klare Arbeitsteilung zwischen dem qualifizierten informationstechnologischen Personal einschließlich der Anwendungsmethodologen und Systemplaner und der Masse der Benutzer geben. Im Vordergrund sollte daher der Aufbau der qualifizierten Personalkapazität Im professionellen EDV- und Anwendungssoftwarebereich stehen.

Diese Kapazität muß durch eine kontinuierliche Erziehung laufend auf dem neuesten Entwicklungsstand gehalten werden. Der Aufbau des hochspezialisierten Know-how wird nur langsam voranschreiten und das Tempo der Nutzung der neuen Informationstechnologien bestimmen. Dabei kann es je nach der Weitsicht der Verantwortlichen erhebliche Unterschiede mit Rückwirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit zwischen einzelnen Unternehmen geben. Zeit ist nicht zu verlieren: Die Ausbildungsziele für die direkt vor uns liegende Entwicklungsperiode sind recht klar zu erkennen.