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27.04.1979

Die Benutzeroberflächen der Hersteller Angebote konvergieren

Daten- und Informationsysteme, sprachen Dieter Eckbauer und Elmar Elmauer

- Herr Dr. Strnad, Sie sind als Mitarbeiter des größten deutschen Mainframers professioneller Messebeobachter. Welche Trends haben Sie auf der Hannover-Messe 1979 entdeckt?

Die Bestätigung eines sehr interessanten Trends: Bei fast allen Herstellern die ganz starke Betonung endlich näher zum Anwender, näher zur Fachabteilung, näher zum Computerlaien. Dinge, die auch wir mit unseren Kompaktcomputern jetzt verstärkt betreiben. Dies bedeutet mehr Ergonomie, mehr menschliche Gestaltung dieser Geräte, mehr Humanisierung der Arbeitsplätze in der Datenverarbeitung.

- Sprechen Sie von konkreten Ergebnissen oder von Bemühungen, von Wunschdenken und Wollen?

Konkreten Ergebnissen

- Wer kommt den konkreten Ergebnissen am nächsten, und bei wem sind's noch Schlagworte?

Ich möchte hier keine Bewertung der verschiedenen Konkurrenzangebote abgeben. Ich stelle aber seit zwei Jahren fest, daß Hersteller aus Ländern, in denen gesetzliche Auflagen oder Auflagen öffentlicher Auftraggeber in Richtung Humanisierung einen Druck erzeugt haben, einen gewissen Vorsprung verzeichneten. Jetzt ist dieser Vorsprung egalisiert. Auch Hersteller aus Staaten, in denen der Druck von oben keine große Rolle gespielt hat, machen diesen Trend mit. Dazu zählt zum Beispiel das Angebot aus den USA und Deutschland, hier gibt es von oben keinen Druck, während Schweden und zum Beispiel Norwegen zu den Vorsprungländern gehören - aber dieser Vorsprung ist jetzt egalisiert worden. Ich bin froh, daß wir diesem Marktbedürfnis rechtzeitig mit den richtigen Entwicklungen nachgekommen sind.

- Ihr Dienstherr, Dr. Anton Peisl, hat auf der Siemens-Pressekonferenz eine Prioritätenliste aufgestellt und erläutert, die ergonomische Seite sei eher zweitrangig. Das Problem liege bei der Akzeptanz, und die Akzeptanz könne nur erreicht werden durch besserer Dialog, der bessere Dialog aber nur durch bessere Software, die die Einsetzbarkeit der Maschinen, ihr "Handling" durch sehr Verständlichkeit verbessere. Wie sehen Sie unter diesem Aspekt das Angebot der Hannover-Messe?

Ich muß zugeben, daß selbst mir als Mitarbeiter eines Datenverarbeitungsherstellers die Entwicklung auf diesem Gebiet viel zu langsam gegangen ist. Ich war ja selbst Vertriebsmann in der

Peripherie und für mich war vieles, was die Konkurrenz angeboten hat, vieles was wir angeboten haben, vieles was die DV-Hersteller den Anwendern an Handling zugemutet haben, unzumutbar. Wenn man die wirtschaftliche Seite der Datenverarbeitung, also ihre Einsetzbarkeit im Auge hat, dann ist dieser Aspekt sicherlich der priore Aspekt.

- Können Sie erklären, was Sie unter unzumutbar meinen?

Den englischen, abgekürzten Dialog mit dem Betriebssystem, den umständlichen, für Mathematiker und Programmierer allein gedachten Aufbau von Manualen, die trockenen, undidaktischen Unterlagen zur Schulung von Laien, alles Gebiete, auf denen wir jetzt eine tüchtige Kehrtwendung erleben.

- Das, was Sie hier gesehen haben, erscheint Ihnen als Fortschritt?

Ja, genau auf diesem Gebiet.

- Schon Fortschritt, oder eine Kehrtwendung?

Wir sehen jetzt schon Ergebnisse - also hat die Kehrtwendung eindeutig rechtzeitig stattgefunden. Wir sehen jetzt bei vielen Herstellern Maschinen, die den Dialog so gestalten, daß er vom Benutzer in Deutsch geführt werden kann, ohne daß der erst lang die technischen Prämilinarien bewältigen muß.

- Aber es steht auch der Satz im Raum, "für den Benutzer bleibe künftig immer mehr das, was sich in der Maschine vollzieht, hinter einem Vorhang. Er wird vom eigentlichen Verarbeitungsprozeß immer mehr ausgeklammert und auf sein Problem zurückgeführt". Ist dies ein sinnvoller Weg, zumal beim Anwender durch diesen Trend Aufgaben, beispielsweise für seine Betriebssystemspezialisten, wegfallen?

Diese Neuentwicklungen erschließen Anwendungen, die sich niemals einen Systemspezialisten geleistet hätten. Um das Automobil zum tausendsten Male zum Vergleich umzuziehen: Diese Neuentwicklungen gleichen Autos, die man selbst fahren kann, und sie erschließen Märkte, in denen man sich nie einen Chauffeur geleistet hätte.

-Bloß: Kam diese Abkehr vom Chauffeur, weil's die Anwender forderten, oder ist dies eine Initiative der Hersteller, um neue Märkte angeben zu können?

Ich meine, es waren gute Marktanalyse und das rechtzeitige Reagieren auf die Erkenntnis, auf welchen neuen Wegen man den Kunden, vor allem noch nicht für den Computer gewonnenen Kunden, entgegenkommen kann. Wie man mehr tun kann für Computerbenutzer, die bisher von diesen Maschinen abgestoßen wurden.

- Bloß: Die Chauffeure, die müssen doch jetzt den Eindruck haben, als seien sie nur noch von Fachidioten, die nichts anderes können als ein bißchen am Lenkrad kurbeln. Zumal das ganze Interesse zumindest von der Marketingaussage her sich denen zuwendet, die ohne Chauffeur fahren. Auf allen Messeständen wird der Dialog mit dem Mann aus der Fachabteilung gesucht, der nun zum einzig wahren Profi hochgejubelt wird.

Ja. Es wird sicherlich zu einer Verlagerung von Arbeitsgebieten kommen. Aber wie diese Messe zeigt wie auch die vergangene Messe in Ansätzen gezeigt hat, ist eine schon lange nicht mehr gekannte Anspannung auf dem DV-Fachkräftemarkt zu spüren, obwohl es Maschinen gibt, die ohne Chauffeur bedienbar sind. Es gibt und wird auch noch lange keine arbeitslosen DV-Spezialistes geben. Aber es wird wohl zu einer Verlagerung dieser Arbeitsgebiete kommen: Man wird immer mehr Spezialisten dort einsetzen, wo man mit intelligenterer, aufwendigerer Software den chauffeurlosen Benutzern Arbeit abnimmt.

- Nun werden diese dedizierten Systeme nicht nur zunehmend komfortabler, sie werden kleiner - kosten weniger: Wie weit können Sie hier Ihren Aufwand noch treiben? Müssen Sie nicht Ihren traditionellen Vertrieb völlig umkrempeln und versuchen, kostengünstiger zu arbeiten, vielleicht sogar mal Läden einrichten und sagen: Lieber Anwender, was du brauchst, mußt du im Laden holen !

Diese Frage bietet Stoff, um den Computer selbst zur Antwort heranzuziehen: Die Computer selbst bieten Hilfsmittel, um die Leistung zu multiplizieren. Wir werden nicht - und das sieht man bei den anderen Herstellern auch - den Aufwand für den Kunden verringern, wir werden den Aufwand mit Hilfe der Computer multiplizieren. Ein Beispiel ist das Umsichgreifen von Teachware: Die Ausstattung von kleineren Systemen mit Möglichkeiten, am System die Bedienung dieser einfachen, übrigbleibenden Hantierungen zu erlernen - aber auch die Multiplizierung von Lösungsideen auf diesem Weg. Der andere Weg führt über gedruckte Medien oder über Fernsehschulungsfilme mit programmierter Unterweisung per Video-Kassette.

- Doch bei der Beratung in der Anwendung bleibt die Grundfrage: Was kann ich denn überhaupt tun? Da wurde eines Morgens im Messefunk ein Besucher gefragt: "Was können Sie mit dem Bildschirminformationssystem anfangen, das den Benutzer quasi wie auf Schienen durch die Hallen ziehen soll?" Dazu hat der Mann gesagt: "Eigentlich nichts. Denn wenn ich eine etwas abseitige Frage stelle, war die Bedienungskraft überfordert, weil die nicht wußte, wie sie das nun umsetzen sollte und ob dieses System das nun berücksichtigt oder nicht." Er sagte auch: "Entweder ich habe das Know-how, dann brauche ich das Ding nicht, wenn ich aber wiederum aus meinem Know-how heraus irgendwelche komplizierten Fragen stelle klappt das Ding zusammen .Also: Es ist nicht damit getan, einen Bildschirm irgendwo hinzustellen, irgendwie muß die Anleitung gegeben werden was kann ich damit machen."

Ich glaube nicht, daß sehr viel Bereitschaft dazu besteht, solche Systeme mit großer Anleitung zu bedienen. Es wird immer der Wunsch bestehen, einen sachkundigen Menschen als Mittler für solche Informationssysteme zur Verfügung zu haben. Aber dieser Aspekt hat auch eine zweite Seite: Die besteht in der Aufbereitung der Daten. Man wird noch viel investieren müssen, Informationssysteme entweder weicher in den Antworten zu gestalten oder mit mehr redundanteren und scheinbar beim Auftrag nebensächlicheren Informationen zu versorgen. Die beiden Wege gibt's, um solche Informationssysteme operabler zu machen, aber das muß man zugeben, dabei fehlt es noch bei sehr, sehr vielen Anwendungen.

- Sie zeichnen hier fast ein neues Berufsbild?

Ja, das in den Fachhochschulen im Entstehen ist: Den Informationbroker. Ich kenne junge Leute, die sich dafür interessieren, wenn sie eine gewisse EDV-Ausbildung und eine gewisse Ausbildung im Stoff selbst hinter sich haben, zum Beispiel der mittelständischen Wirtschaft, beim Auffinden von technischem Know-how, in verschiedenen Pools zu helfen. Denken Sie nur an das enorme Wissen, das in den Beständen des deutschen Patentamts liegt. Es gibt x Versuche, dieses Wissen aufzubereiten: Aufzubereiten für die kleineren Unternehmen. Es gibt Versuche des Patentamts selbst, die richtigen Ämter draußen ein, wo man sich erkundigen kann, aber es gibt noch kein Informationssystem, und man wird, selbst wenn's dann ein elektronisches Informationssystem gibt, einen Informationbroker brauchen, der sich auskennt bei den Abkürzungen.

- Was muß der Informationbroker können?

Der Informationbroker soll zwischen Bedarfsträgern, die selten Informationen brauchen, und Informationssystemen, in denen die verschiedensten Informationen für solche Fragen liegen, vermitteln. Dazu muß er ein wenig von der Technik zukünftiger Informationssysteme verstehen, weil die immer mehr mit Computern arbeiten werden, dazu muß er ein wenig von der Branche des Fragestellers wissen.

- Ein solcher Mittler ist nur als herstellerneutrale Person denkbar?

Ja.

- Ist er nicht überfordert, in der Vielzahl des Know-hows, das er eigentlich speichern muß. . .

. . . meinen Sie das Know-how bezüglich des Angebots verschiedener Hersteller?

- . .. um Lösungsmöglichkeiten wirklich alternativ prüfen zu können . . .

Nein, das glaube ich nicht. Die Benutzeroberflächen der verschiedener Herstellerangebote konvergieren eindeutig.