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12.05.2000 - 

Open-Source-Systeme/Erfinder und treibende Kräfte

Die berühmtesten Köpfe der Open-Source-Szene

Wer sind die Leute, die auch in der egalitären Open-Source-Szene Berühmtheiten darstellen, deren Namen auf Ankündigungen als Keynote Speaker ganze Scharen von Entwicklern in die Vorträge ziehen?Von Eva-Katharina Kunst*

Die wichtigsten Schlüsselfiguren der Open-Source-Szene vorzustellen grenzt an einen Akt der Willkür: Schließlich bringt es schon das Modell einer über das Internet verteilten Entwicklung mit sich, dass sehr viele Personen etwas zur Gemeinde beisteuern, die ihre Produkte auch ausdrücklich als Gemeinschaftsarbeit verstanden wissen will.

Die folgende Auswahl beschränkt sich daher vorwiegend auf die Maintainer der verschiedenen Projekte, die diese oftmals initiiert haben und sie nach außen repräsentieren. Eine weitaus größere Personenauswahl findet sich übrigens auf der Website http://support.lcg.org/Whoswho.

Eric Allman(eric@Sendmail.COM)

Sein 1981 entwickelter Mail-Transport-Agent "Sendmail" (http://www.sendmail.org) ist zwar ein Oldie unter den Open-Source-Produkten, doch in Kombination mit Unix immer noch die Killerapplikation für einen zuverlässigen E-Mail-Server. Allman selbst ist überzeugter Anhänger von BSD-Unix, für das er bereits in dessen Anfangszeiten "Syslog" beisteuerte. Auch programmierte er für die IngresDatenbank. Mit Sendmail Inc. hat der Hobbykoch und Weinsammler sein eigenes Unternehmen gegründet, das ab Mitte Mai mit einer deutschen Geschäftsstelle in München vertreten sein wird.

Brian Behlendorf(brian@collab.net)

Der Präsident der Apache Software Foundation hat das Web-Server-Projekt "Apache" mitbegründet. Heute ist es (http://www.apache.org) eines der erfolgreichsten Open-Source-Produkte und dominiert mit einem Anteil von mehr als 60 Prozent den Markt der Web-Server. Behlendorf arbeitete zunächst beim "Wired Magazine" und bei "HotWired". Nach fünf Jahren als Chief Technical Officer (CTO) beim Web-Design Consultant Organic Online in San Franzisko wechselte er in den Dienst von O´Reilly & Associates, mit denen er im Juli 1999 Collab.Net gründete.

Alan Cox(alan@lxorguk.ukuu.org.uk)

Der 1968 in Solihull geborene Brite entspricht nicht nur optisch dem Klischee des Open-Source-Hackers. Microsofts Lockversuchen mit dem großen Geld zeigte Cox die kalte Schulter und zog einen Job beim US-amerikanischen Linux-Distributor Red Hat vor. An der Kernel-Entwicklung von Linux (http://www.linux.org) ist er maßgeblich beteiligt, in der Szene als Kapazität anerkannt. Spezialgebiet: Netzwerke.

Matthias Kalle Dalheimer(kalle@kde.org)

Linux auf den Desktop zu bringen war das Motiv für die Entwicklung der grafischen Benutzeroberfläche "KDE" (http://www.kde.org). Dalheimers aktuelle Aufgabe im Projekt: die Entwicklung von "K-Chart", einem Geschäftsgrafik-Tool für KDEs Office-Paket "K-Office". Zuvor war er für die Bibliothekspflege verantwortlich. Der Deutsche arbeitete vor der KDE-Gründung bei der heute zu Sun gehörenden Star Division GmbH. Er ist Autor verschiedener Bücher und Übersetzer für den O´Reilly-Verlag. Im Sommer vergangenen Jahres wanderte Dalheimer nach Schweden aus und gründete dort die Firma Klarälvdalens Datakonsult AB, die sich der portablen Softwareentwicklung verschrieben hat.

Miguel de Icaza(miguel@nuclecu.unam.mx)

Der Mexikaner ist Koordinator des KDE-Konkurrenten Gnome (http://www.gnome.org). Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Kalender und der Photoshop-Clone "Gimp" (http://www.gimp.org) sollen Microsofts Übermacht im Desktop-Markt um ein paar Prozentpunkte schmälern. Statt des erfolgreichen "Norton Commander" kann der Linux-Anwender das De-Icaza-Pendant "Midnight Commander" (http://www.gnome.org/mc) verwenden. Der in Mexiko City lebende Mathestudent liebäugelte mit der Auswanderung in die USA und einer Anstellung bei Cobalt Networks - was die US-Einwanderungsbehörde wegen eines fehlenden Abschlusses und mangelnder Berufserfahrung nicht zuließ.

Alexandre Julliard(julliard@Irc.epfl.ch)

Um Windows-Applikationen unter Intel-Unix-Systemen ablaufen lassen zu können, wurde 1993 das Projekt "Wine" gestartet (http://www.winehq.com). Julliard war von Anfang an dabei und ist seit 1994 Projektleiter des von Corel unterstützten Vorhabens. Nach einem Informatikstudium in der Schweiz und zehn Jahren Softwareentwicklung vorwiegend im Bereich Embedded Systems arbeitet Julliard zurzeit bei Code Weavers. Die Hälfte seiner Arbeitszeit verbringt er dort mit seinem Lieblingshobby: der Weiterentwicklung von Wine.

Tim O´Reilly(tim@oreilly.com)

Auch wenn er an keinem spezifischen Projekt mitarbeitet: Der CEO des im Bereich Internet und Open Source führenden Computerverlags O´Reilly & Associates (http://www.oreilly.com) ist einer der aktivsten Promoter von Open Source. Als dieses Entwicklungskonzept noch nicht Hype war, veranstaltete er schon Konferenzen, auf denen sich die Schlüsselfiguren der verschiedenen Projekte erstmals kennen lernten. Diese "Open Source Summits" sind inzwischen fester Bestandteil des Austauschs untereinander: Hier wird über Lizenzfragen und Patentprobleme oder die zunehmende Kommerzialisierung debattiert. Auch namhafte Firmenvertreter sind geladen. Der Harvard-Absolvent im Fach klassische Literatur beschäftigt unter anderem die Open-Source-Entwickler Brian Behlendorf und Larry Wall.

John Ousterhout(ouster@scriptics.com)

Die Stationen seines Arbeitslebens sind sowohl im akademischen Umfeld als auch in der Industrie zu finden. Während seiner Professur in Berkeley, Kalifornien, forschte Ousterhout über Betriebssysteme und entwickelte die ersten Versionen der Skriptsprache Tool Command Language (TCL) (http://www.sco.com/Technology/tcl/Tcl.html) mitsamt dessen Toolkit (Tk). Nach 14 Jahren an der Uni wechselte er 1994 zu Sun Microsystems und trieb die dortige TCL-Entwicklung voran. 1998 machte er sich mit dem Unternehmen Scriptics selbständig.

Eric Raymond(esr@thyrsus.com)

Wie kein Zweiter ist Eric Raymond das Gesicht der Open-Source-Szene, ein Mann mit Talent für Marketing. Zu diesem Zweck hat der langjährige Open-Source-Entwickler ("Fetchmail", "Emacs") und einstige Weggefährte von Richard Stallman die Open-Source-Initiative (OSI; http://www.opensource.org) ins Leben gerufen. Bereits ein Klassiker ist seine theoretische Abhandlung "The Cathedral and the Bazaar", die das Open-Source-Entwicklungsmodell vom klassischen Weg geschlossener Codeentwicklung abgrenzt. Chef-Evangelist Raymond besticht durch scharf durchdachte, ironische Texte und Kommentare.

Richard Stallmann(rms@gnu.org)

Seit vielen Jahren Kultfigur und ideologischer Streiter der Szene. Die von ihm begründete Free-Software-Bewegung bekämpft jegliche proprietäre Software als moralisches Übel, das den Anwender in seinem Grundrecht auf Freiheit verletze. Diesbezügliche Dispute mit den Pragmatikern der Szene belegen die scharfe Abgrenzung Stallmans von der Open-Source-Gemeinde. RMS - so Stallmans Spitzname - schuf mit dem GNU-Projekt (http://www.gnu.org) äußerst leistungsstarke Tools für die Entwickler: den legendären GNU-C-Compiler "GCC", den GNU-Symbolic-Debugger "GDB" und den Emacs-Editor.

Andrew Tridgell(tridge@linuxcare.com)

Der Australier kam 1991 als Informatikstudent an der Uni in Canberra auf die Idee, ein Programm zu schreiben, das Dateien auf Remote-Computern managen kann. Mit "Samba" (http://www.samba.org) ist es allen auf dem SMB-Netzwerkprotokoll basierenden Betriebssystemen möglich, Dateien, Verzeichnisse und Geräte zu teilen. Sehr zum Missfallen von Microsoft sind seitdem Unix-Betriebssysteme in der Lage, die volle Windows-NT-Server-Funktionalität abzubilden. Tridgell arbeitet zurzeit beim Unternehmen Linuxcare, das eigens für ihn eine australische Niederlassung gründete.

Linus Torvalds(torvalds@transmeta.com)

Wohl keine Open-Source-Geschichte wurde so oft erzählt wie die des 1969 geborenen Finnen Linus Torvalds, der im Studium nach einem leistungsstarken und preisgünstigen Betriebssystem suchte. Dann kam ihm die Idee, es selbst zu schreiben. Indem er per Internet um Mithilfe bat, fand Torvalds binnen kurzem engagierte Kernel-Hacker und Betatester, die ihn tatkräftig unterstützten. Das Ergebnis ist Linux (http://www.linux.org). Das freie Unix-Betriebssystem läuft inzwischen bereits auf jedem vierten Server. Der Vater zweier kleiner Töchter wanderte 1997 in die USA aus und arbeitet momentan bei Transmeta in Santa Clara, Kalifornien. Der Chiphersteller hat Anfang dieses Jahres die stromsparende CPU "Crusoe" vorgestellt; Torvalds arbeitet an der Entwicklung eines extrem kompakten Linux für mobile Geräte.

Guido von Rossum(guido@python.org)

Es war Anfang der 90er Jahre am nationalen Forschungsinstitut für Mathematik und Informatik, dem CWI in Amsterdam, als van Rossum die Skriptsprache Python (http://www.python.org) erfand. Deren Weiterentwicklung hat den Niederländer auch nach seinem Umzug 1995 in die USA nicht losgelassen. Bei der in Reston, Virginia, ansässigen Corporation for National Research Initiatives (CNRI) leitet er ein Forschungsvorhaben zum Thema Computerprogrammierung für jedermann, das den Einsatz von Python schon in der Ausbildung vorsieht.

Paul Vixie(paul@vix.com)

Vixie gründete 1994 das Internet Software Consortium (ISC), das sich die Open-Source-Implementierung wesentlicher Internet-Protokolle auf die Fahnen geschrieben hat. Das erfolgreichste Produkt entwickelte Vixie bereits 1989 selbst: Mit "Bind" (http://www.isc.org/products/BIND), der bekanntesten Implementierung des Domain Name System (DNS), schuf er einen Service, der das Web erst möglich macht. Während die Arbeit des ISC keinen Profit bringt, bietet Vixies zweites Standbein, die Vixie Enterprises in Redwood City, Kalifornien, auch kommerzielle Dienstleistungen an.

Larry Wall(larry@wall.org)

Sein Wahlstudium war die Linguistik an der Seattle Pacific University, doch anschließend startete er als Programmierer bei JPL und ging später zu Unisys. Dort entwickelte Wall die Programmiersprache Perl (http://www.perl.org). Zurzeit ist der Freizeit-Aikido-Kämpfer beim Verlag O´Reilly & Associates beschäftigt.

Vince "Weave" Weaver(weave@eug.umd.edu)

Der Student der Elektrotechnik an der Universität Maryland und Web-Programmierer hat sich einen Namen in der Linux-Szene nicht etwa als Leiter eines berühmten Projekts oder als genialer Entwickler gemacht. Vielmehr hat er das Design des Linux-Logos, den Pinguin Tux, geschaffen.

Victor Yodaiken(yodaiken@nmt.edu)

Yodaiken, Informatikprofessor an der New Mexiko Tech, entwickelte gemeinsam mit seinen Studenten Real Time Linux (RT-Linux). Wird der normale Linux-Kernel um RT-Linux (http://www.rtlinux.com) erweitert, können zeitkritische Prozesse in Echtzeit laufen. Yodaiken initiierte das Projekt, "weil ich über Realzeit forschen wollte, aber nicht genug Geld für den Kauf eines Echtzeit-Betriebssystems hatte".

* Eva-Katharina Kunst ist freie Journalistin in Kempen.